Erfahrungsbericht: Marion Immler

„Grundsätzlich war das IEC eine riesen Hilfe bei meinem Gang ins Ausland, da ich mich jederzeit mit meinen Fragen an meinen Berater wenden konnte, umgehend eine Antwort bekam und die Mitarbei-ter an sich sehr bemüht sind, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.“

Allgemein
Bereits zu Beginn meines Studiums war ein Auslandssemester Teil meiner Planungen und auf dem jährlichem „International Day“ wurde mir sowohl der Service von IEC (International Education for Global Minds) als auch die University of Winnipeg (UWin) vorgestellt.

Die Entscheidung für Kanada beruhte auf meinem persönlichen Interesse für das Land und die kon-krete Wahl fiel auf die UWin, da ich mit der zuständigen Auslands-Koordinatorin am „International Day“ sprechen konnte und sie mich mit der typischen kanadischen Freundlichkeit und ihrer liebens-werten Art von sich, Kanada und der UWin überzeugt hat. Wie sich späte herausstellen sollte, war ich dabei nicht die einzige, die dies als Entscheidungsgrund angab! ;)

Ein weiterer Vorteil der UWin ist, dass sie keinen TOEFL-Test verlangt, d.h. man kann sich hier den Test und das Geld für den Test sparen. Außerdem ist bei einem Auslandsstudium von max. 6 Monaten in Kanada kein Visum notwendig, was wiederum Arbeit und Geld spart!

Bewerbung/ Planungen vorab
Nachdem die Entscheidung auf die UWin fiel, wandte ich mich für die weiteren Schritte an das IEC. Das IEC kann grds. als „Schnittstelle“ zwischen der deutschen und der kanadischen Uni beschrieben werden. Das Schöne an dieser Institution ist, dass sie völlig kostenlos den kompletten Informations- und Bewerbungsservice übernimmt, da sie in Zusammenarbeit mit beiden Unis steht und sich darü-ber finanziert. Somit schickte ich meine Bewerbungsunterlagen zum IEC nach Berlin und der zustän-dige Berater leitete dies weiter nach Kanada. Auf demselben Weg erreichten mein „Letter of Acceptance“ dann wiederum auch mich. Dieser Weg war sehr einfach und unkompliziert und alle weiteren Informationen zu Bewerbungsunterlagen und der Institution an sich finden sich auf der Homepage von IEC: www.ieconline.de

Grundsätzlich war das IEC eine riesen Hilfe bei meinem Gang ins Ausland, da ich mich jederzeit mit meinen Fragen an meinen Berater wenden konnte, umgehend eine Antwort bekam und die Mitarbei-ter an sich sehr bemüht sind, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

An der FAU habe ich ein Urlaubssemester beantragt, blieb somit noch immatrikuliert und konnte trotzdem noch ECTS-Punkte im Ausland machen und mir diese im Deutschland anerkennen lassen. Dafür durchlief ich den typischen Weg, den die FAU dafür festgelegt hat, konkret hieß das: Learning-Agreements mit den zuständigen Lehrstühlen abschließen. Dabei habe ich nach passenden Kursen an der UWin gesucht, die (in etwa) der Kursbeschreibung im Modulhandbuch der FAU entsprachen. Das war vor allem viel Aufwand, aber mit Hilfe der kanadischen Auslands-Koordinatorin fanden wir dann passende Kurse, die meine Lehrstühle absegneten. Die Learning-Agreements gab ich nach meinem Auslandsaufenthalt zusammen mit meinen erzielten Noten dann beim Nürnberger Prüfungsamt ab und konnte mir so die Kurse anrechnen lassen.

Ich habe drei Kurse an der UWin besucht. Dieser Umfang war optimal, mehr Kurse würde ich nicht empfehlen, denn man will und sollte im Auslandssemester nicht nur in der Uni sitzen sondern auch Land und Leute kennen lernen und das ist mit drei Kursen sehr gut möglich.

Studieren an der UWin
Das Studium an sich verläuft anders als in Deutschland. Der Fall-Term ging von September bis De-zember und bereits in der zweiten Woche durfte ich meine erste Präsentation auf Englisch halten. Da ich als Studentin weitestgehend das typische Lernen am Ende eines Semesters gewohnt war, war dies erst mal eine Überraschung und auch ein kleiner Schock. Allerdings lassen sich solche Dinge sehr viel entspannter regeln als in Deutschland, da diese Präsentation beispielsweise 5% zu meiner Gesamtnote zählte, d.h. selbst wenn sie nicht sonderlich gut ausfällt, ist das noch kein Beinbruch.

Diese prozentuale Notenermittlung ist typisch für die UWin. Die Gesamtnote setzt sich aus mehreren Teilleistungen während des Terms zusammen, meist war es ein Midterm-Test, eine Gruppenarbeit mit Präsentation, eine oder mehrere kurze Hausarbeiten und ein Final-Exam. Dies hat vor allem den Vorteil, dass man mehrere Leistungen erbringen kann und bei einer schlechten Note noch nicht komplett durchgefallen ist. Letztlich konnte ich sehr gute Noten in meinen Kursen erzielen. Dies lag zum einen an diesem System, zum anderen aber auch daran, dass die „Klassen“ sehr klein und über-schaubar waren und der Professor seine Studenten allesamt beim Namen kannte und ein sehr ent-spanntes Klima vorherrschte.

Positiv war auch noch, dass durch die Bezahlung der Studiengebühren die Nutzung des unieigenen Fitnesscenters möglich war. Dies war sehr modern ausgestattet und recht groß und eine gelungene Abwechslung zum Studienalltag.

Grundsätzlich ist der Campus sehr groß und die Uni ist in mehrere Gebäude in Downtown Winnipeg aufgeteilt. Das „Science Building“ und das „Buhler Centre“ (Gebäude für die BWLer) sind neu und modern gestaltet und ausgestattet und das Hauptgebäude hat seinen ganz eigenen Charme, der schon mit der großen Rolltreppe im Eingangsbereich beginnt.

Betreuung während des Semesters
Das internationale Büro der UWin hat sehr viel mit uns internationalen Studenten unternommen. Es gab die typischen Einführungsveranstaltungen zu Beginn des Terms, bei dem sich alle kennen ler-nen konnten, aber auch landestypische Ausflüge wie beispielsweise den „Goose Flight“ (Flug der Wildgänse in den Süden) im Herbst und Schlittenfahren im Winter. Aber auch Veranstaltungen wie Rollschuhlaufen und Go-Cart-Fahren wurden organisiert und gemeinsam unternommen.

Neben dem Spaß stand das Büro auch für Fragen zur Seite und war immer ansprechbar und hilfsbereit. Außerdem konnte man einen kanadischen Studenten als Mentor „engagieren“, der einem den Studieneinstieg erleichterte und mit allerlei nützlichen Tipps zu Land und Leuten zur Seite stand.

Wohnen
Ich habe während meines Auslandssemesters in einem der drei Wohnheime der UWin gewohnt. Grundsätzlich ist das „Housing Office“ die zuständige Stelle für die Wohnheime und ist so gesehen eine eigene Institution, die nichts mit der Uni oder dem internationalen Büro zu tun hat. Dies bedeutet auch, dass internationale Studenten bei der Bewerbung um einen Wohnheimsplatz nicht bevor-zugt werden, wie es in Deutschland oft der Fall ist. Hier gilt die Regel „First come first serve“, d.h. im Klartext: Wer sich früh genug um einen Wohnheimsplatz bewirbt bekommt auch einen, der Rest kommt auf die Warteliste.

Ich habe mich im Juni für einen Platz beworben und stand erst einmal auf der Warteliste. Glückli-cherweise bin ich dann noch nachgerutscht und habe noch einen Platz in einem der Wohnheime bekommen, allerdings kann es hier auch passieren, dass man in ein Wohnheim kommt, in das man eigentlich nicht wollte.

Preislich variieren die Wohnheime sehr stark, dies hängt auch damit zusammen ob das Wohnheim mit oder ohne verpflichtenden Meal-Plan ist. „Lions Manor“ und „Balmoral Houses“ besitzen Küchen zum selber kochen, d.h. hier ist der 1.500-CAD-teure Essensplan eine Wahlmöglichkeit, im neuesten Wohnheim, „McFeetors Hall“ sind keine einzelnen Küchen vorhanden, d.h. hier ist der Meal-Plan verpflichtend. Je nach dem für welches Wohnheim man sich bewirbt bzw. dann zugeteilt wird, kann es also günstiger oder teurer kommen.

Ich war im „Lions Manor“ und würde dort auch jederzeit wieder einziehen. Das Einzelzimmer war relativ groß und mit Schreibtisch, Stuhl, Bett und Kommode möbliert und ich hatte mein eigenes kleines Bad mit Waschbecken und WC. Die Duschen, die Küche und das Wohnzimmer wurden pro Gang, d.h. pro 20 Studenten, geteilt. Dies war absolut in Ordnung und funktionierte auch recht gut.

Probleme hatten wir allerdings mit den monatlichen Zimmerinspektionen. Dabei wurden die Zimmer auf Sauberkeit überprüft. Ich empfand dies als überzogen, weil ich mich in der Lage sah mein Zimmer sauber zu halten, allerdings konnte ich nichts dagegen tun außer bei der Inspektion anwesend zu sein. Ärgerlich war es auch, dass es keinen Internetzugang auf den Zimmern gab, diesen musste man sich selbst beim zuständigen Anbieter besorgen.

Ein weiteres Problem waren die Partys. Wenn ein Student in den Gemeinschaftsräumen feiern möchte, muss er eine Woche vorher schriftlich einen Antrag beim Housing Office stellen und dies geneh-migen lassen. Wird es genehmigt, darf die Party unter Beisein von Mitarbeitern des Housing Offices bis 1 Uhr stattfinden. Dies war mitunter sehr anstrengend und mühselig, allerdings ist das Thema Alkohol und Feiern in Kanada ein komplett anderes Thema als in Deutschland, da auf offener Straße nichts getrunken werden darf und alle Clubs, Bars und Pubs immer um Punkt 2 Uhr schließen.

Letztlich fällt meine Bilanz zum Wohnen im Wohnheim gemischt aus. Die Kontrolle war mir persönlich etwas zu viel und wir haben uns oft beschwert und wurden oft vertröstet. Allerdings ist es die beste Möglichkeit Leute kennen zu lernen und mit Leuten in Kontakt zu sein und die Lage zur Uni war unglaublich zentral, insofern würde ich es empfehlen sich für einen Wohnheimsplatz zu bewerben.
Homepage des Housing: uwincampuslife.wordpress.com

Winnipeg
Winnipeg ist v.a. für zwei Dinge bekannt: Es ist eine der kältesten Städte und eine der gefährlichsten Städte Kanadas. So sind zumindest die Berichte über die Stadt. Beides stimmt, in Maßen.
Winnipeg ist für sehr heiße Sommer und sehr kalte Winter bekannt und dies kann ich auch bestäti-gen. Im September hatten wir noch gute 30 Grad und im Dezember konnten wir auch -25 Grad erle-ben, wobei dies noch ein milder Winter war, Temperaturen bis -50 Grad sind teilweise im Januar normal. Diese Zahlen schockten auch uns, allerdings ist es eine andere Kälte. Ich empfand deutsche Temperaturen von -10 Grad teilweise den kanadischen -25 Grad sehr ähnlich. Ich kann mich täu-schen, aber dies sei wohl jedem selbst überlassen. Wer sein Auslandssemester am Strand verbringen will, ist in Winnipeg auf jeden Fall falsch.

Außerdem hat die Stadt ein relativ großes Problem mit der Kriminalität. Probleme mit den „Natives“ sind in Manitoba leider sehr typisch und Winnipeg ist schlichtweg die größte Stadt der Provinz, was auch die vergleichbar hohe Zahl der Kriminalstatistik erklärt. Grundsätzlich ist es aber möglich sich in Winnipeg sehr sicher zu fühlen. Wenn man mit gesunder Menschenkenntnis und Verstand ausgestat-tet ist und nachts nicht allein um die Häuser zieht, braucht man sich i.d.R. keine Sorgen zu machen.

Die Stadt an sich hat man relativ schnell erkundet. Ein Stadtbummel durch Downtown Winnipeg mit Skywalk, ein Besuch der Forks, die Uni und eine Busfahrt zum großen Einkaufszentrum („Polo Park“) sind im Großen und Ganzen die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ausflüge in andere Städte (z.B. Gimli oder Minneapolis) sind aber mit dem Auto gut möglich und im Grunde auch gut finanzierbar.

Finanzieller Aufwand

Finanziell gesehen war das Auslandssemester in Kanada deutlich teuer als ein Auslandssemester über Erasmus. Dies fängt schon bei den Flugkosten an und geht über die Unterbringung bis hin zu den Studiengebühren. Leider bezahlen internationale Austauschstudenten deutlich höhere Gebühren als einheimische Studenten. Die Kosten für das Wohnheim waren zwar für alle gleich, aber auch relativ hoch im Vergleich zu deutschen Wohnheimen. Außerdem muss man seine Bücher allesamt selbst finanzieren und dies kann u.U. sehr teuer sein. Mitunter mussten Kommilitonen Bücher zum Preis von 100-150 Dollar kaufen. Zwar konnten sie diese am Ende des Terms wieder in Zahlung geben und so wieder einen Teil des Geldes zurückbekommen, aber verglichen zu Deutschland war dies sehr kostspielig. In Summe lag ich dann bei 5.700 CAD (entspricht in etwa 4.300 Euro).

Auch die Lebenshaltungskosten sind relativ hoch. Zwar ist Winnipeg eine der günstigsten Städte in Kanada, aber die Lebensmittelpreise haben uns teilweise geschockt. Auffallend war, dass Fast Food deutlich billiger war als Lebensmittel im Supermarkt – ein klein wenig vom amerikanischen Flair war also auch in Kanada spürbar. ;)
Somit war es finanziell gesehen natürlich sehr teuer. Das IEC wirbt und unterstützt auch immer mit dem Auslands-Bafög, allerdings hatten wir dabei sehr viele Probleme. Einige deutsche Studenten bekamen die Zusage für die Förderung sehr schnell und in voller Höhe (1.500 Euro pro Monat), andere bekamen nur einen Bruchteil oder gar nichts, obwohl sie Inlands-Bafög beziehen. Dies machte teilweise gar keinen Sinn und einzelne Kommilitonen sind auch noch rechtliche Schritte gegangen, jedoch sind auch da die Aussichten recht schlecht (langwierig, Prozesskosten…). Grundsätzlich sollte man aber auf jeden Fall einen Bafög-Antrag beim zuständigen Amt in Thüringen stellen, man sollte sich aber auch darauf einstellen, dass es sehr lange dauern kann, mit sehr viel Aufwand und Nerven verbunden ist und das Geld - wenn es denn kommt - erst nach dem Auslands-aufenthalt gutgeschrieben wird.

Rückblick
Rückblickende war mein viermonatiges Auslandssemester an der UWin ein einmaliges Erlebnis und mit vielen unvergesslichen Momenten verbunden. Ich hatte eine wunderschöne Zeit in Kanada, konnte sowohl den Sommer als auch den Winter dort erleben und bin immer noch von der Gastfreundlichkeit der Menschen und der Multikulturalität und Weitläufigkeit des Landes begeistert. Es haben sich viele Freundschaften ergeben, innerhalb und außerhalb Deutschlands, und es war ein komplett neues Studienerlebnis.

Ich kann ein Auslandsstudium während des Studiums nur empfehlen. Es sind nicht nur die fachlichen und sprachlichen Kompetenzen die sich dadurch verbessern oder die Tatsache, dass ein Auslandsstudium im Lebenslauf gut aussieht, es macht einen v.a. selbständiger und selbstbewusster. Von der Entscheidung für ein Auslandssemester über die vielen Planungen vor der Abreise bis hin zum Leben in einem neuen Land ist es ein weiter Weg, der auch ein gewisses Maß an Mut erfordert, aber der Aufwand lohnt sich und man kann auf eine wunderbare Zeit mit vielen schönen Erinnerungen und Fotos zurückblicken.