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Out and About Winnipeg

Grundsätzlich lässt sich erstmal sagen, dass Winnipeg jetzt nicht unbedingt viel an Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Die Stadt ist wie ihre Einwohner ein bunter Mischmasch im Schmelztiegel von Nordamerika. Gebaut auf nativem Land der Cree, als Eisenbahnknotenpunkt bekannt geworden, versinkt Winnipeg in einer Art Mittelding aus erschwinglich aufstrebender Metropole und städtebauerischer Fehlplanung. 

Downtown

Die Uni liegt genau in der Mitte von Downtown (Stadtzentrum zu Deutsch), was das Herumlaufen extrem erleichtert, aber auch seine Schattenseiten hat. Grundsätzlich besteht Winnipeg aus zwei Hauptstraßen (Portage Avenue und Main Street) und ihr Knotenpunkt stellt die Mitte der Downtown dar. Hier spielt sich der Trubel ab, wenn es nicht gerade Minusgrade hat. In jüngster Vergangenheit beschäftigte sich eine Volkabstimmung mit der Frage, ob man die beiden Hauptstraßen für Fußgänger frei machen solle oder nicht. Ich war nicht lange genug in Winnipeg, um mir selbst eine Meinung zu bilden, aber die Debatte bildet ähnlich verhärtete Fronten wie bei uns Stuttgart 21. Aufgrund der Tatsache, dass es in Winnipegs Downtown genauso herumwuselt wie in einer deutschen Stadt vergleichbarer Größe, wäre es wohl besser, wenn die gleichsam wahnsinnigen Fußgänger und Autofahrer getrennte Wege gehen. 

Architektonisch und kulturell erwähnenswert ist vielleicht das Bell MTS Stadion, in dem sowohl Künstler auftreten als auch Eishockeyspiele ausgetragen werden. Außerdem sind einige Gebäude über verglaste Tunnelsysteme über der Straße verbunden. So können die Angestellten in den Bürogebäuden Mittagessen gehen, ohne ihre Winterjacken anziehen zu müssen.

Downtown

 

Canadian Museum for Human Rights

Das etwas außerhalb gelegene Museum für Menschenrechte macht nicht nur von außen was her. Als ähnlich teures und prestigeträchtiges Projekt wie der Berliner Flughafen, bietet es Platz für 4 Stockwerke, einen Souveniershop, ein Café und eine ständig wechselnde Ausstellung. Höchstwahrscheinlich finanziert das Museum seine extremen Baukosten über die Eintrittspreise - $17 mit Studentenausweis ist bei aller Liebe dann doch etwas überteuert. Hier bietet es sich dann an, entweder am ersten Mittwoch im Monat gratis ins Museum zu gehen, oder das Abendangebot an allen anderen Mittwochen des Monats anzunehmen. Dann kostet der Eintritt ab 17:00 nämlich nur noch $5 pro Person, ohne die Ausstellung. Als Geschichtsnerd war ich über die bauliche Aufbereitung und Präsentation der Stücke sehr erfreut. Allerdings fand ich, dass die Ausstellung über weite Strecken teilweise sehr dünn gesät war und häufig keine aktuellen Bezüge hergestellt wurden. Drei Stunden reichen also vollkommen aus, um so ziemlich jedes Hinweistäfelchen im Museum ausreichend studiert zu haben.

 

The Forks

Mit The Forks ("Gabelung") wird der Ort beschrieben, an dem sich die zwei zentralen Flüsse Winnipegs treffen. Aus dieser geographischen Begebenheit entstand über die überschaubare Anzahl an Jahrhunderten der kanadischen Besiedlung einen Dreh- und Angelpunkt für Märkte. Heute sind in den teilweise alten Gebäuden überwiegend Souvenirläden, aber alleine für das Pancake House dort lohnt sich ein Besuch. Ich habe hier wohl den besten Apfelpfannkuchen meines Lebens gegessen. Nur so nebenbei: Die Landschaft ist eigentlich auch ganz schön.

Baby Apple Pancake? Yes, please!

 

The Exchange District

Der Exchange District ist das ehemals aufstrebende Viertel Winnipegs. Investitionen in den letzten Jahren haben einiges dafür getan, aus den leicht heruntergekommenen Gebäuden richtige Schmuckstücke zu machen. Und auch so sind die Läden auf ein eher gehobenes Klientel spezialisiert. Einen Rundgang ist das Viertel jedoch wert. Vor allem das „Chinese Lantern Festival / Nuit Blanche“ ist eine willkommene Abwechslung. Die Veranstaltung findet meistens an einem Samstag im Oktober statt, wenn das ganze Viertel mit Lichtern ausgeleuchtet wird – beleuchtete Wippen und Kunstausstellungen inklusive.

 

Osborne Village

Was für Berlin Kreuzberg ist, ist für Winnipeg Osborne Village. Die Gegend rund um die Osborne Street war vor 20 Jahren noch eine eher erschwingliche bis heruntergekommene Wohngegend. Hippe Cafés, Clubs und Läden haben dem Viertel jedoch einen ungeahnten Aufschwung beschafft. Wer gut Kuchen essen will – auch um 11 Uhr nachts - ist bei "Baked Expectations genau richtig. Auch zum Weggehen ist Osborne Village die Adresse. Auf der Osborne Street reihen sich Clubs an Irish Pubs und andere Bars. Fußläufig innerhalb von 20 Minuten vom Wohnheim aus, nimmt man im Winter dann doch lieber den Bus – wenn einer kommt.

 

Polo Park

Von mir getestet und für gut befunden: Was hilft einem ganz gut dabei den Unistress zu ignorieren? Richtig, Shopping! Polo Park, Endstation mit dem Bus Nummer 11, ist die größte Mall in Winnipeg. Die Auswahl ist riesig, und wer einmal drin ist, kommt unter zwei Stunden nicht raus. Die ehemalige Pferderennbahn bietet Platz für mehr als 200 Geschäfte. Die sieben anderen Malls im Umkreis Winnipegs sind auch nicht zu verachten, jedoch kommt nichts an die Mutter der Malls heran. Mein Geheimtipp beim Shoppen? Secondhandkleidung beziehungsweise Thrift Store Shopping auf Englisch. "Plato’s Closet" beispielsweise ist hier an zwei Standorten vertreten und hat einige der Marken aus dem Polo Park für einen Bruchteil des Ladenpreises. Für Frauenkleidung lohnt sich ein Besuch dort auf jeden Fall- auch wenn es eine gewisse Anfahrtsstrecke dorthin ist. Die vielen Möglichkeiten hier secondhand zu shoppen sind wohl auch der Grund, wieso ich bei meinem Rückflug einen zweiten Koffer brauchen werde. Auch wenn ich noch immer gerne behaupte, dass er für Souvenirs ist – who am I kidding?

Lisa Denndörfer zuletzt bearbeitet am 07.01.2019