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It’s Spooky Season.

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Halloween ist auf dem nordamerikanischen Kontinent nicht nur ein Tag, sondern eine eigene, kommerziell vermarktete Jahreszeit. Vergleichbar mit einer Mischung aus Karneval und Weihnachtsdeko, wird seit Ende September fleißig auf die Festlichkeit hin dekoriert, gebacken und gefeiert.

Ab dem 1. Oktober fiel dann endgültig der Startschuss zur Spooky Season: Die Läden waren eifrig so gruselig wie möglich dekoriert, Cupcakes mit orangefarbenen Zuckerkuss und Kürbisse dominierten nicht nur das Internet, sondern auch die Innenstadt.

Natürlich hatte ich schon vor meiner Abreise gewusst, dass Halloween ein viel größeres Ding hier ist als in Deutschland. Eine Bekannte hatte mich sogar davor gewarnt, dass ihre acht Kilogramm kanadische Gewichtszunahme allein auf die Halloweensüßigkeiten zurückzuführen sei. Da ich jedoch nicht sonderlich auf frei verkäufliche Gummibärchen in Augapfelform stehe, ist der Kelch hoffentlich an mir vorübergegangen. Die Schokolade habe ich mir dann doch lieber erst nach Halloween gekauft – bedeutend günstiger (Schwabenspartipp!)

Ein bisschen gespannt war ich auf die gruselig dekorierten Häuser. Leider scheint Winnipeg hier eine große Ausnahme zu sein – wirklich viel Mühe hat sich kaum jemand bei der Dekoration gemacht.! Dafür zog das Wohnheim mit: Es gab einen Wettbewerb für die am gruseligsten dekorierte Türe. Anbei ist das Foto meins persönlichen Favorits. Er hatte sogar echte, getrocknete Würmer zum Probieren an die Tür gehängt. Da lohnt es sich ausnahmsweise mal, Vegetarierin zu sein - so wurde ich wenigstens nicht gezwungen Würmer zu essen!

Grundsätzlich gilt: Die Kanadier sind nicht abergläubisch und haben auch kein Problem, einen anstehenden Geburtstag vor- statt nachzufeiern. Dementsprechend war das Wochenende vor dem 31. Oktober eine einzige Halloweenparty. Fast jeder, der auf dem Weg in den Club war, paradierte in Maske, Kostüm und Kunstblut. Selbst beim American Football Spiel waren einige in närrischer Verkleidung zugegen.

Unsere RAs im Studentenwohnheim hatten sich etwas ganz Eigenes für uns überlegt: Sie organisierten ein „Haunted House“. Hierfür wurde eines der WG-Häuser komplett (gruselig) umdekoriert und Vierergruppen an Studenten durch das dunkle Gebäude gejagt. Sozusagen eine Art Geisterbahn ohne Bahn. Dadurch, dass das Ganze nur von Studenten auf die Beine gestellt wurden, war es schon echt cool. Da ich weder am Freitag noch Samstag Zeit und Lust für ein Kostüm hatte, tauchte ich einfach zum Haunted House am Sonntag mit Gesichtsbemalung auf. Ob wir die RAs im Haunted House zurück erschreckt haben, ist nicht ganz eindeutig – dafür war es einfach zu dunkel. Ich bereute mein Kostüm am Abend ziemlich schnell: Da ich zu geizig für Halloweenschminke gewesen war – die es in so ziemlich jeden Drugstore en masse gab – hatte ich einfach mein normales Make-Up genommen und großzügig mein nicht vorhandenes künstlerisches Talent ausgepackt. Beim Abschminken am Abend lernte ich dann eins: Mein Eyeliner ist tatsächlich wie versprochen wasserfest und macht sich montagmorgens als umgedrehtes Kreuz nicht so gut auf der Stirn…

Der 31. Oktober fiel dieses Jahr auf einen Mittwoch. An diesem Tag war es dann offensichtlich, dass die gruselige Dekoration auf ihrem Höhepunkt war. Die Mitarbeiter in Cafés und Läden waren verkleidet – nicht alle als Gruselcharaktere -, mein Philosophieprofessor verteilte Halloween Candy für Partizipation und auf last minute Kostüme gab es noch einen Extrarabatt.

Da ich am Mittwochabend ohnehin ausgehen wollte, hatte ich zumindest aus meiner Erfahrung am Wochenende gelernt: Ich verzichtete auf meinen wasserfesten Eyeliner und schminkte mich als Zombie. Vielleicht sollte ich mir darüber Gedanken machen, wieso ich alle dafür notwendigen Farben in meinem alltäglichen Schminkarsenal habe…

Da Mittwochabend kein günstiger Tag zum Feiern ist, war die Stimmung an Halloween eher so mäßig. Spaß hat es aber auf jeden Fall gemacht, im gruseligen Kostüm durch das noch gruseligere Winnipeg zu laufen. Mehr Spaß machen aber die Kekse, die ich nasche, während ich diesen Text hier schreibe – Happy Halloween, Kids!

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Lisa Denndörfer zuletzt bearbeitet am 04.11.2018