Erfahrungsbericht: Martin Freinatis

„Alles in allem war die Zeit als Student in Melbourne die beste meines Studiums und auch das Leben generell ist die Kosten wert. “

Ein Auslandssemester in Melbourne, Australien

Mein Name ist Martin und ich war einer der Glücklichen, der ein Auslandssemester in Australien absolvieren konnte. Warum "glückliche", das wirst du sicherlich aus den folgenden Zeilen erlesen können.

Zu erst einmal zu meiner Entscheidung zum Auslandsstudium und für eine Universität

Die Entscheidung ins Ausland zu gehen, kam schon sehr früh im Studium und letztendlich habe ich etwa 14 Monate vor geplantem Beginn mit der Suche nach einer passenden Universität begonnen. Dabei habe ich jeweils unabhängig voneinander mit den drei großen Beratungsorganisationen IEC, Institut Ranke-Heinemann und GOstralia nach einer passenden Universität für mich gesucht. 

Ich empfehle jedem Interessierten so viele Universitäten wie möglich bei der Suche in Betracht zu ziehen und ruhig mehrere Organisationen zu kontaktieren, da alle ein etwas anderes Angebot (auch an Universitäten) haben.

Ich habe mich letztendlich für den Service des IEC (International Education Center) in Berlin entschieden und die Mitarbeiter haben mir bei der Bewerbung geholfen. Das Prozedere war sehr einfach oder wie man im englischen sagt "straight forward". Mir wurde gesagt, welche Unterlagen notwendig sind und bis wann ich diese einzureichen habe. Nachdem alle nötigen Unterlagen bei dem IEC eingegangen waren, stellte ich mich auf eine Wartezeit von bis zu 8 Wochen ein, doch bereits drei (!!!) Tage später hatte ich meinen Studienplatz an der Victoria University in Melbourne zugesichert - nun hieß es nur noch die Studiengebühren von 8.100 Dollar zu bezahlen (damals ca. 6.000 €).

Zum Bewerbungsverfahren an der Victoria University über IEC

Bei dem Bewerbungsverfahren bis zu diesem Schritt, gibt es jedoch Einiges zu beachten:

Als aller Erstes sollte geprüft werden, wann das Semester an der Wunschuniversität beginnt. Aufgrund des Halbkugelwechels verlaufen die Jahres- und damit auch die Semesterzeiten anders als die deutschen. Der Semesterbeginn ist etweder im Februar oder Juli, was sich mit den deutschen Semesterzeiten durchaus überschneiden kann. Außerdem gibt es keinen einheitlichen Semesterbeginn und so kann die erste Enttäuschung der Überschneidung schnell mit einem Blick auf andere Unis wieder gut gemacht werden, da diese später und damit günstiger mit dem neuen Semester beginnen.

Des Weiteren sollte geprüft werden welche Art an Sprachnachweis nötig ist, da dies von Uni zu Uni unterschiedlich ist. Manche verlangen den kostenlosen und recht einfachen DAAD-Sprachnachweis und wiederum andere verlangen den 180€ teuren TOEFL, der recht umfangreich und schwierig sein soll.

Visum für Australien

Des Weiteren ist die Wahl des Visums eine sehr wichtige. Die Unis in Australien empfehlen natürlich das Studentenvisum und die OSHC (Oversea Health Care) als Krankenversicherung. Dieses Visum kostete zu meiner Zeit 550 Dollar, erlaubte während der Studienzeit nur 20 Stunden Arbeit pro Woche und es endete wenige Wochen nach Studiumsende. Die Krankenversicherung kostet auch ca. 300 Dollar zusätzlich. 

Eine Alternative dazu ist das Working Holiday Visum für nur 235 Dollar. Mit diesem darf man 4 Monate (reicht in 90% der Fälle) studieren, Vollzeit arbeiten und bis zu einem Jahr im Land bleiben. Dies war für mich die bessere Lösung, da ich insgesamt 8 Monate bleiben und Vollzeit arbeiten wollte. 

VORSICHT hierbei jedoch, dass man das VORHER mit der Universität abspricht, da nicht alle Unis dieses Visum akzeptieren. Das Working Holiday Visum enthält außerdem keine Krankenversicherung, doch diese kann man recht günstig beim ADAC abschließen.

Sobald der Platz an der Wunschuni genehmigt ist, sollte man sich umgehend um einen Flug kümmern. Bucht man rechtzeitig bzw. auf der richtigen Internetseite, so kann man einige hundert Euro sparen - eine Empfehlung meinerseits ist STA-Travel oder www.travel-overland.de

Weitere Tipps und Empfehlung für ein Auslandssemester in Australien kannst du auch auf meiner Website unter www.martin-freinatis.de unter der Rubrik "Mein Weg nach AUS" nachlesen.

Im Juli sollte es dann so weit sein und durch reichhaltige Informationen der Uni wusste ich über sehr viel Bescheid. So buchte ich meinen kostenlosen Abholservice der Universität und wurde direkt nach Ankunft am Flughafen in mein gebuchtes Hostel gebracht und musste mich so um diesen Transfer nicht kümmmern. Des Weiteren bot meine Uni in der ersten Woche einen Wilkommensabend für die internationalen Studenten an. Dieser fand in einer kleinen Kunstgallerie der Uni im Stadtzentrum statt und es wurden Getränke und kleinen Häppchen zur Verfügung gestellt. Dadurch entstand eine sehr nette Atmosphäre und durch kleine Namensshildchen hat man so viele der internationalen Studenten kennengelernt, mit denen man die nächsten vier Monate das gemeinsame Abenteuer beschreitet.

Nun aber einmal zum Studiem selbst.

Etwa eine Woche vor Studiumsbeginn gab es den Tag der Einschreibung. Dazu musste man sich im entsprechenden Gebäude einfinden und ein paar Formulare ausfüllen. Unter anderem waren auch die Kurse zu diesem Zeitpunkt zu wählen.

Das Angebot der Uni in dem Semester war schon einige Monate vorher auf der Internetseite einzusehen und so wusste ich bereits, was ich wann wo belegen möchte. Es waren überall noch reichlich Plätze frei und direkt nachdem alle Formulare ausgefüllt waren, begab ich mich an einen der Unirecher und meldete mich im Studentenportal an. Dort wählte ich dann direkt meine Vorlesungen und Tutorien von den angebotenen aus. Manche Vorlesungen und besonders die Tutorien wurden auch mehrmals angeboten. Dabei sollte man darauf achten, dass die Zeit zwischen den einzelnen Veranstaltungen ausreicht um zum anderen Gebäude zu kommen. Ebenso sollte man bereits bei der Wahl der Kurse auf den Campus dieser achten, denn es ist nicht selten, dass eine Uni mehr als 6 Standorte hat und diese auch gern 50km oder mehr von einander entfernt sein können.
Nachdem alle Vorlesungen und Tutorien gewählt waren, ging es bereits die Woche danach mit vollem Tempo los. 

Meine ersten Erfahrungen können detailiert in meinemn Blog auf meiner Webseite (www.martin-freinatis.de) nachgelesen werden. Kurz gefasst kann ich folgendes sagen: Das Klima in den Vorlesungen und auch in den Tutorien ist sehr persönlich und nicht so anonym, wie in Deutschland. Den Professor kennt man nach wenigen Minuten beim Vornamen und aufgrund der kleinen Klassen/Tutoriengrößen, wissen die Professoren auch nach wenigen Veranstaltungen deinen Vornamen und so wird selbstverständlich auch kommuniziert. Man fühlt sich so in den Tutorien teilweise fast schon, als würde man mit einem alten Freund sprechen, denn vor Beginn der jeweiligen Veranstaltung unterhält man sich durchaus auch mal über alltägliche Dinge, die nichts mit der Uni zu tun haben.

Direkt zum Semesterbeginn teilen einem auch alle Mitarbeiter mit, dass sie ihre Hilfe anbieten, man müsse nur danach fragen. Genau so habe ich es dann auch während des Semesters erfaren - wenn ich eine Frage oder ein Problem hatte, dann wurde das so lange besprochen, bis es definitiv geklärt war. Auch die immer offen stehende Tür der Vorlesungs und Tutorienräume machte einen sehr wilkommenen Eindruck und kam jemand zu spät, so wurde er nicht um Rechtfertigung gebeten, sondern teilweise wurde gefragt wie es geht und es wurden ein zwei Sätze ausgetauscht bevor es weiter ging - eben alles sehr entspannt. Damit möchte ich jedoch nicht den Eindruck vermitteln, dass das Studium in Australien nicht ernst genommen wird, es handelte sich dabei lediglich um das Verhältnis unter Studenten un Lehrpersonal. Das Studium selbst ist sehr anspruchsvoll und verlangt Einiges von einem ab.

In Deutschland ist es in den meisten Studiengängen üblich am Ende des Semesters eine Prüfung je Fach zu haben und diese Prüfung ist entscheidend für die Note.

In Australien gibt es eine solche Prüfung am Ende auch, doch diese zählt in der Regel nur 40%-80%. Die restlichen 20%-60% werden während des Semesters erarbeitet. Dies kann durch Hausarbeiten (indivuduell: 100 bis 3.000 Wörtern oder als Gruppe: bis zu 6.000 Wörter), durch kleine Tests oder durch Präsentationen geschehen . Ich persönlich hatte je Fach mindestens drei dieser Leistungsnachweise während des Semesters und diese haben keine Langeweile aufkommen lassen - ganz im Gegenteil, ich war das gesamte Semester sehr gut beschäftigt. Wie viel Zeit diese Abreiten in Anspruch nehmen ist natürlich von jedem selbst abhängig.

Die Lehrpsrache war selbstverständlich nur Englisch, doch da man seine Englishfähigkeiten ja nachweisen muss, sollte das absolut kein Problem sein. Sollte man etwas nicht verstehen, so fragt man nach - alles kein Problem. Wessen Englischkenntnisse besonders im Schriftlichen nicht die besten sind, dem kann ich vergewissern, dass sie das im Laufe des Semesters werden. Ich habe hier an meiner Uni ca. 15.000 Wörter geschrieben und die Qualität meiner Arbeiten nahm im Laufe der Zeit zu - wie bei jedem anderen internationalen Studenten auch.

Ebenfalls Teil mancher Vorlesungen waren in meinem Fall auch Besuche eines Logistikzentrums und einer anderen Lokistikfirma. Dabei hat man einen guten Einblick in die Welt bekommen, von der man Vieles lernt, es aber nie in Aktion sieht. Diese Exkursionen halfen das Gelernte zu verstehen und besser nachzuvollziehen und war eine sehr lehrreiche Erfahrung und eine nette Abwechlsung zur üblichen Vorlesung.

Am Ende des Semesters waren dann wie schon angesprochen die Prüfungen, welche jeweils auf drei Stunden angesetzt waren, aber durchaus auch in der Hälfte der Zeit zu absolvieren waren. Sie waren nicht sonderlich schwer, aber auch nicht die einfachsten - eben einfach nur Prüfungen.

Kommen wir nun mal zu dem Teil, der nichts mit der Uni zu tun hat - dem Leben außerhalb der Uni.

Zur Wohnungssituation in Melbourne bzw. Australien generell… Allgemein kann man sagen, dass das Leben in Australien sehr teuer ist. Lebt man in einem Zimmer von 6m² in einem großen Haus mit 15 anderen, so kann man sicherlich für 100 Dollar die Woche leben, doch man sollte bei vernünftigen Verhältnissen eher mit 150 Dollar (all inkl.) pro Woche oder mehr rechnen. Je näher man in der City wohnt, desto teuer wird es natürlich und es gibt durchaus auch nette Plätze auf deutschem Studentenstandard zum leben für 250 Dollar die Woche, doch nach oben gibt es ja bekanntlich nie Grenzen. Worauf man Acht geben sollte, ist die Mindest-Miet-Zeit. Diese betrifft oftmals drei bzw. sechs Monate, die man dann an sein Zimmer oder die Wohnung gebunden ist. Außerdem muss man, wie in Deutschland auch üblich, eine Kaution hinterlegen und teilweise zusätzlich nochmal zwei bis vier Mieten vorstrecken als Sicherheit – das sind schnell mal 1.500 zusätzliche Dollar.

Ich habe von Studenten gehört, dass sie nach dem ersten Anruf bereits am ersten Abend nach Ankunft eine Wohnung gefunden haben, mit der sie die ganze Zeit zufrieden waren. Ich für meinen Fall habe allerdings nach drei Wochen die Suche aufgegeben und bin die gesamte Zeit des Studiums im Hostel geblieben - für mich eine der besten Entscheidungen. Im Hostel habe ich in einem 6-Bett-Zimmer gewohnt und je nach Saison 165 - 205 Dollar pro Woche bezahlt. Ich musste nichts sauer machen, war flexibel und habe dort meine besten Freunde kennen gelernt. Man mag sich fragen, wie man das Pensum des Studiums in einem Hostel bewältigen kann, doch es gab eine ruhige Ecke mit Steckdose und das war alles, was ich brauchte, um mit den für mich akzeptablen Leistungen abzuschließen. Außerdem befand sich das Hostel direkt am Zentrum und so habe ich auch die Vorzüge der Stadt genießen können, wann immer ich wollte bzw. konnte. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er in einem Hostel studieren und auf ein wenig Privatsphäre verzichten kann. 

Zur Stadt selbst kann ich sagen, dass Melbourne nicht ohne Grund die offiziell lebenswerteste Stadt der Welt ist. Besonders mit dem Start des Sommers wird Melbourne sehr lebendig. Es gibt zahlreiche Festivals das ganze Jahr über und ebenso die Sportbegeisterten kommen in der Stadt der Australian Open und des ersten Formel 1 Rennens der Saison nicht zu kurz. Es gibt viele Sportstätten, wo man sich austoben kann und die zahlreichen Parkanlagen laden viele junge und alte Leute zum Joggen, Spazieren, Grillen und vielem mehr ein. Melbourne ist zudem auch für sein aktives Nachtleben bekannt. Jede Musikrichtung ist vertreten und in den meist recht kleinen Clubs kann man nicht nur am Wochenende zur Musik die gefällt abzappeln oder am Sonntag im Nightcat am Salsakurs teilnehmen. Mit über 1.000 Restaurants allein im Stadtzentrum kommt auch der Gaumen nicht zu kurz und man kann sich durch alle Küchen der Welt durchprobieren und genießen. Insgesamt hat Melbourne sehr sehr viel zu bieten und egal wie lange man in der Stadt bleibt, man wird sie wohl nie vollkommen erkunden können. 

Wer allerdings glaubt, dass an den Stadttoren vorbei ist, der sei getäuscht. Rund um Melbourne findet man traumhafte Landschaften in direkter Nähe. Mit dabei sind die weltbekannte "Great Ocean Road" mit den 12 Aposteln, die "Grampians" für die Wanderbegeisterten und die, die Kängeroos mögen, die "Snowy Mountains" für die Wintersportler, das Surferparadies Torquay, Regelwald für die Erforscher und Entdecker entlang der Küste , das "Yarra Valley" für die Weinkenner, Pinguine auf "Philipp Island" und vieles mehr. Langeweile kommt also bei niemandem auf. 

Mit dem einzigen Straßenbahnnetz in ganz Australien, der Metro und einem weitrechenden Bussystem kommt man in Melbourne auch bequem und schnell von A nach B.
 
Als Fazit kann ich also sagen, wer sich dazu entscheidet in Melbourne für ein Semester oder länger zu studieren, der wird sicherlich keinen Fehler machen. Allein die Stadt ist einen langen Besuch wert und das Studieren an der Uni ist anstrengend und macht dennoch Spaß, da man tatsächlich mal was lernt.
Meine persönlich beste Entscheidung war es im Hostel zu bleiben, da ich dort viel Englisch gesprochen habe, was zur Verbesserung dessen beigetragen hat und ich viele Freunde dort gefunden habe, mit denen ich die weitere Zeit in Australien genießen werde. Ebenso war die Erfahrung auf einem Surfboard zu stehen und eine Welle zu reiten magisch. Ich kann jedem wärmstens empfehlen es wenigstens zu probieren und sehe es als ein Must-do, wenn man nach Australien kommt.

Weniger schön ist natürlich die Erfahrung, dass Australien ein sehr teures Land ist. Wer sich entscheidet nach Australien zu kommen, der muss nicht nur bei den Wohnungen mehr bezahlen als in Deutschland. Auch das allgemeine Leben ist recht teuer und so bezahlt man in der Regel ca. das 1 1/2 fache der Deutschen Preise. (Bsp. ein Großes Bier: 8 Dollar (6€), Kilo Bananen 5 Dollar (4€), Miete pro Monat für ein Zimmer 480-1,000 Dollar (350-750€), Studiengebühren an Nicht-Partner-Universitäten $5,000-9,000 (3.500 - 7.000€). Außderdem sollte man sich bewusst sein, das das Pensum an den Unis recht hoch ist und man während des Studiums weniger Zeit haben wird, als man es sich vorgestellt hat. Einige Wochen oder gar Monate länger zu bleiben ist also mehr als empfehlenswert.
 
Alles in allem war die Zeit als Student in Melbourne die beste meines Studiums und auch das Leben generell ist die Kosten wert. Wer Zeit hat, sollte am Ende noch weiter im Land bleiben und versuchen von der einmaligen Natur so viel zu sehen, wie nur möglich.
 
Ich drücke dir die Daumen, dass es mit deinem Wunsch in Australien zu studieren etwas wird, Martin.

Entlang der Südküste
Entlang der Südküste