Erfahrungsbericht: Daniel Lerps

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Nach der langen Zeit der Vorbereitungen und Bewerbungsformalitäten sind Sie nun endlich an ‚Ihrer’ Uni im Ausland angekommen. Wie wurden Sie aufgenommen? Hatten Sie Ansprechpartner für Fragen/ Probleme?

Das “Ankommen” an der Uni war leider etwas problematisch, da der Abhol-Service der mir von der Universität versprochen wurde nicht aufgetaucht war und der Taxifahrer mich in die richtige Straße, im falschen Vorort gebracht hat. Ich war also mit all meinem Gepäck, ohne Bargeld und funktionierendem Handy, übermüdigt von der langen Reise irgendwo im Nirgendwo und dachte “Scheiße, was machst du hier eigentlich?”.
Das erste Willkommen der Universität war also nicht gerade das beste und ich würde niemandem raten sich auf einen deratigen Service zu verlassen. Davon abgesehen ist die Studentenbetreuung der Universität relativ vielseitig. Offizielle und unabhängige Studentenverbindungen und das Büro für Internationale Studierenden bieten umfangreiche Hilfen für internationale Studenten an, die sogar eine 24-Std Hotline für Notfälle jeglicher Art umfasst.

Welchen Sprachtest haben Sie abgelegt? Wie haben Sie sich auf den Test vorbereitet – gab es gute Vorbereitungsmaterialien, die Sie angemessen auf die Prüfung vorbereitet haben?


Ich habe mich im Vorfeld dazu entschieden keinen der Sprachtests zu machen, sondern mich in einem ELICOS Kurs einzuschreiben. Das ist ein alternativer Vorbereitungskurs der in erster Linie für internationale Studenten ist, die nicht die erforderliche IELTS Punktzahl erreicht haben.
Ich habe diese Entscheidung im Nachhinein auch nicht bereut, da man ausführlich fundamentales akademisches Englisch beigebracht bekommt, dass für den universitären Alltag außerordentlich hilfreich ist. Das umfasst auch Dinge wie Trainings von Vorträgen oder üben des von der Universität vorgeschriebenen Stiels für Referenzen, der überall strikt erzwungen wird.

Betrachten Sie den Sprachtest auch als Qualifikation für den späteren Einstieg ins Berufsleben?

Der ELICOS Kurs ist abgesehen von der Qualifikation für die Universität nichts wert. Er ist im Berufsleben oder für ein mögliches dauerhaftes Aufenthaltsvisum in Australien kein Ersatz für den IELTS Test, der hier als Standard vorrausgesetzt wird. Wer es also auf einen längeren Australienaufenthalt abgesehen hat, der wird um den IELTS selbst nach einer erfolgreichen Doktorarbeit an einer englischsprachigen Universität nicht herum kommen.

Warum haben Sie sich für einen Auslandssemester/ Bachelor/ Master im Ausland entschieden – Ihre drei wichtigsten Beweggründe?

Diese Frage habe ich während meines Studiums an der Swinburne sehr häufig gehört. Obwohl die Universität (wie fast alle australische Hochschulen) sehr viel internationaler ist als es die meisten deutschen sind, bin ich als nicht-britischer Europäer in einem kompletten Studiengang eine der Ausnahmen gewesen. Der Großteil der internationalen kommt aus asiatischen und zum Teil latein-amerikanischen Ländern und bekommt in ihren Heimatländern keine ausreichend gute und international anerkannte akademische Bildung. Darüber hinaus ist für Viele der Weg, über einen australischen Hochschulabschluss ein dauerhaftes Aufenthaltsvisum in Australien zu erlangen, sehr beliebt, um in eine sozial und wirtschaftlich stabileres Land auszuwandern.
Wer aus Deutschland kommt hat diese Gründe normal nicht und daher wird einem die obige Frage relativ häufig gestellt.
Die für mich wichtigsten Gründe die ich in der Regel nenne sind internationale Erfahrung, studieren in Englisch und persönliche Entwicklung. Gerade in einem derart internationalen Fach wie Informatik ist es in meinen Augen ausgesprochen hilfreich Erfahrung im Ausland zu sammeln und seine Kommunikation in Englisch zu stärken. Was die persönliche Entwicklung angeht, war es mir einerseits wichtig nicht die Chance zu verpassen in jungen Jahren, bevor man fest an einem Ort mit Job und Familie verwurzelt ist, die Freiheit in ein komplett neues Umfeld zu wechseln. Ich wollte ungern einer derer werden, die mir die “Oh wie schön. Das hätte ich auch gerne gemacht…” Antwort gegeben habe, als ich im Vorfeld von meinem Vorhaben des Auslandsstudium erzählt habe. Andererseits ist es meiner Meinung nach auch sehr wichtig in der Lage zu sein, sich auf ein neues und unbekanntes soziales und kulturelles Umfeld einzustellen. Urlaube oder selbst Auslandssemester sind in meinen Augen zu kurz, um sich wirklich richtig umzustellen und zu lernen mit ungewohnten Dingen zu leben.

Welche Kriterien (z.B. Höhe der Studiengebühren, Fächerangebot, Länge des Studienprogramms, geographische Lage, etc.) waren für Sie ausschlaggebend bei der Uni-Wahl?

Die Wahl der Universität war etwas, das ich sehr genossen habe. Wenn man sich entscheidet im Ausland zu studieren, hat man in jeder Hinsicht die freie Wahl, was Land, Stadt und Hochschule angeht. Für mich persönlich war es sehr wichtig in eine Stadt zu gehen die mir zusagt und da ich sehr viel Gutes über Melbourne gehört hatte, habe ich mich im Endeffekt für die Swinburne entschieden, da die Universität einen guten Ruf für IT Fächer besitzt.
 
Was macht Ihr Studienland/ Ihre Universität attraktiv speziell im Hinblick auf das Fach, das Sie studieren (z.B. Spezialisierungsangebote, gute Jobaussichten nach dem Studium, renommierte Dozent/innen, guter Ruf der Fakultät/ Rankingergebnisse, etc.)?
 
Im Vergleich zur Universität Hamburg ist das Studium an der Swinburne sehr viel flexibler. Es gab in meinem deutschen Bachelor Studiengang zwar einen freien Wahlbereich und eine drei Wahlpflichtkurse (im Masterprogram sah es relativ ähnlich aus), es ist dennoch kaum vergleichbar mit der Freiraum den ich in Australien genießen durfte. Ich hatte quasi vollkommen freie Hand bei der Wahl meiner Fächer und rund 50 Kurse von denen ich wählen konnte, um meinen Plan frei zusammenzustellen. Natürlich ist man dabei ein bisschen durch Vorraussetzungen und gegenseitige Ausschlüsse eingeschränkt, aber der Freiraum war dennoch kaum vergleichbar mit dem was ich aus Deutschland gewohnt gewesen bin.
Was mir ebenfalls besser gefallen hat war die Forschung. In Australien sind Bachelor- und Masterarbeiten nicht Pflicht (!) und können bei Interesse optional gemacht werden. Sollte man sich für diesen Weg entscheiden, wird es jedoch deutlich ernster genommen als an meiner alten Universität. Man bekommt deutlich mehr Unterstützung bei der Wahl eines geeigneten Themas und auch bei der Ausarbeitung der Thesis selbst.

Wie schätzen Sie den „Karrierefaktor Auslandsstudium“ ein? Für wie wichtig erachten Sie Auslandserfahrung für Ihren persönlichen Lebenslauf bzw. für den Jobsektor, in dem Sie sich nach dem Studium bewerben möchten?

Ich denke, dass ein Auslandsstudium wertvoll für den Arbeitsmarkt ist, da man damit Vieles unter Beweis gestellt hat. Man hat bewiesen, dass man in der Lage war sich erfolgreich an ein vollkommen neues Umfeld und Studiensystem umzustellen, dass man es auf Lange Sicht geschafft hat auf sich alleine gestellt Probleme ohne Hilfe von Familienmitgliedern oder Freunden in der Heimat zu lösen und offensichtlich erweiterte Fähigkeiten und intensives Training in der englischen Sprache besitzt.

Wenn Sie nicht privat finanzieren – beziehen Sie Auslands-BAföG? Bekommen Sie ein Stipendium oder finanzieren Sie Ihr Auslandsstudium per Studienkredit?

Die einzige Finanzierungshilfe die ich (abgesehen von meiner Familie) erhalten habe war ein Teilstipendium der Swinburne University selbst, durch das mir ein Teil der halbjährlichen Studiengebühren erlassen wurden.

Nur einen Tag Zeit: Was muss man in ‚Ihrer’ Studienstadt unbedingt gesehen haben?


Die Hauptanlaufstellen für Touristen sind vermutlich die Aussichtsplattform im Eurkea Tower oder der Shrine of Rememberance, die beide wunderschöne Aussichten bieten. Für Filmfans ist auch das IMAX im Melbourne Museum mit der drittgrößten Kinoleinwand der Welt ein Besuch wert (solange ein vernünftiger Film laüft). Ansonsten sollte man sich über die aktuellen kulturellen Angebote informieren, die in Melbourne sehr vielfältig sind und von unterschiedlichen internationalen Straßenfesten bishin zu weltbekannten Sportveranstaltungen, wie den Australian Open (Tennis Grand Slam) oder dem Formel 1 Grand Prix, reichen.

Haben Sie einen Geheimtipp, der in keinem Reiseführer steht?

Die Rooftop Bar mit dem Rooftop Cinema in der Sommerzeit im Curtin House (Swanston Street).

Wenn der Tag mal wieder stressig war: Wo können Sie am besten entspannen? Und wo lässt es sich am besten feiern?

Wenn man(n) Zigarren mag, gibt es die sehr schöne Barranows Lounge direkt neben der Swinburne Universität in der man es sich in entspannter Atmosphäre mit einem Scotch und einer Zigarre gut gehen lassen kann.

Was ist ganz anders in Ihrem Gastland? Und was ist „eigentlich fast wie zu Hause“?

Oeffnungszeiten. Man stelle sich vor, man möchte um 5 Uhr Nachmittags Elektronikgeräten kaufen oder nach Kleidung shoppen und alle Geschäfte sind geschlossen. Das höchste der Gefühle und meist eine Ausnahme ist 6 Uhr. Länger hat in der Regel jedoch kein Geschäft auf (abgesehen von Supermärkten). Selbst Bars und Diskos schließen am Wochenende mneist schon zwischen 12 und 1 Uhr was im Vergleich zu Deutschland extrem früh ist. Dafür sind Läden und Supermärkte grundsätzlich an Feiertagen geöffnet.

Hauptgebäude der Swinburne University of Technology in Melbourne
Hauptgebäude der Swinburne University of Technology in Melbourne