Erfahrungsbericht: Anni S.

„Ich habe die UCSD vor allem wegen des außergewöhnlich stimulierenden Umfelds, das sie bietet, geschätzt. Wer an der UCSD studiert darf zahlreiche inspirierende und interessierte Menschen kennenlernen und Freundschaften fürs Leben knüpfen.“

Vorbereitungen
Für die Bewerbung an der UCSD sind neben sehr guten Studienleistungen auch ein Motivationsschreiben und ein Sprachnachweis zu erbringen. Die UCSD akzeptiert neben dem TOEFL (internetbased: 90 Punkte) auch den DAAD-Sprachtest (B in allen Bereichen), der deutlich günstiger ist.
Nach der Aufnahme an der amerikanischen Universität muss ein I-20 Visum beantragt werden. Hierfür sollten sicherheitshalber ein bis zwei Monate Bearbeitungszeit eingeplant werden. Spätestens ein Monat vor Studiumsbeginn an der UCSD ist zudem ein ärztliches Tuberkulosegutachten und ein Krankenversicherungsnachweis einzureichen. Man sollte sich rechtzeitig um einen Termin bei einem Pneumologen für das Tuberkulosegutachten bemühen, da dieses nicht von allen Lungenfachärzten ausgestellt werden kann. Die UCSD bietet den ausländischen Studenten ein Versicherungspaket an, welches allerdings vergleichsweise teuer ist. Ich habe gute Erfahrung mit der ERV gemacht.
San Diego
Mit ca. 1,3 Millionen Einwohnern ist San Diego eine recht überschaubare und dennoch pulsierende Stadt im Südwesten Kaliforniens. Die Grenznähe zu Mexiko ist deutlich zu spüren. Die mexikanische und amerikanische Kultur sind eng miteinander verwoben und verleihen der Stadt ein einzigartiges Profil.
Die Bewohner San Dingos beenden ihre Emails gerne mit „Greetings from sunny San Diego“ und betonen stolz, in der US-Stadt mit dem angeblich angenehmsten Klima zu wohnen. Wer einige Zeit in San Diego verbringt, weiß, warum dies ein besonders hervorzuhebendes Merkmal ist: Bei durchschnittlich dreißig Regentagen im Jahr findet das Leben fast ausschließlich draußen statt. Professoren verlegen ihre „meetings“ manchmal auf die Café-Terrasse und nach einem Lerntag treffen sich die Studenten oft zum BBQ am Strand; in San Diego gibt man sich betont gelassen, offen und aktiv. Dabei sind sportlichen Aktivitäten beinahe keine Grenzen gesetzt. Ob Surfen im Pazifik, Wandern im Torrey Pines State Reserve, Yoga auf dem Paddleboard oder eine schnelle Skiabfahrt auf dem drei Stunden entfernten Big Bear Lake. (Tipp: Im Mission Bay Aquatic Center, das von der UCSD und der SDSU gemeinsam geleitet wird, werden zahlreiche Kurse in Wassersportarten angeboten.)
Für Kunstbegeisterte bietet San Diego eine kleine, aber engagierte Künstlerszene und einen idealen Ausgangspunkt für Ausflüge in die kalifornische Kunsthochburg Los Angeles, das mit zahlreichen, lohnenswerten Museen und Wechselausstellungen lockt. Die einzelnen Stadtteile San Diegos sind sehr vielfältig und haben alle ihren eigenen Charakter. In Pacific Beach prägen hauptsächlich Studenten der UCSD und SDSU das Bild, während Ocean Beach, Northpark und Hillcrest in den Händen der „Freigeister“ ist. La Jolla ist eine vornehme, sehr sichere Wohngegend. Während in La Jolla und Pacific Beach von der „sozialen Schere“ nur wenig zu spüren ist, wird in Downtown die schicke und prosperierende Gründerszene mit erschreckend hoher Obdachlosigkeit kontrastiert. Wem in San Diego doch einmal langweilig werden sollte, der hat die Möglichkeit, tolle Ausflugsziele in mehr oder weniger unmittelbarer Entfernung anzusteuern: Ensenada (Mexiko), Joshua Tree National Park, Las Vegas, San Francisco, Santa Cruz und das berühmte Silicon Valley.
Die Mietpreise in San Diego sind deutlich höher als die durchschnittlichen Preise in Deutschland. Es ist empfehlenswert, sich rechtzeitig um eine Unterkunft zu bemühen. Die beste Adresse ist dazu: www. craigslist.com oder sublet.com.
University of California San Diego (UCSD)
Der Campus der University of California San Diego (UCSD) ist etwas außerhalb in La Jolla angesiedelt und erstreckt sich über überwältigende 458 ha. Die UCSD gehört zu dem University of California System bundesstaatlicher Universitäten und kann entsprechend auf hohe Forschungs- und Lehrqualität verweisen. Die UCSD zählt zu den Top 10 der staatlichen Universitäten in den USA und belegt im Uni-Ranking der Jiao-Tong-Universität in Shanghai den 13. Platz weltweit. Die UCSD ist besonders für Natur- und Biowissenschaften bekannt. Das Scripps Institution of Oceanography ist weltberühmt.
Die UCSD wird zu Recht als „research power house“ bezeichnet. Ihr wohnt tatsächlich ein besonderer „Forschungsspirit“ inne. Schon bei Undergraduates weckt die UCSD durch spannende „lab courses“ den Forschungseifer der Studenten und fördert eine enge Zusammenarbeit zwischen Professoren und Studenten.
Die UCSD steht jedoch nicht nur für exzellente Forschung, sondern schafft laut der Washington Monthly den meisten „positive social impact“ u.a. durch Initiativen wie dem Women‘s Center und dem Cross-Cultural Center. Daneben schaffen zahlreiche studentische Initiativen ein pulsierendes Campusleben. Eine weitere Besonderheit der UCSD ist ihre Unterteilung in einzelne Colleges, was einen Hauch von Hogwarts versprüht. Etwas schade war, dass Austauschstudenten nicht den Status eines „vollwertigen UCSD-Studenten“ hatten. Das berühmte „Kurscrashen“ bleibt also nicht aus und auch der Zugang zu manchen Einrichtungen (z.B. Fitnesscenter, Copyshop) ist teurer als für „vollwertige UCSD-Studenten“. Dies
mag den Anschein erwecken, dass Gaststudenten an der UCSD nicht aufrichtig willkommen sind. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Betreuung der Gaststudenten ist sehr herzlich und das „IHouse“ (International House) ist einer der beliebtesten Plätze unter den amerikanischen Studenten, um neue Freundschaften zu knüpfen.
Studieren an der UCSD
Die UCSD beansprucht den Titel einer Eliteuniversität für sich und setzt entsprechend hohe Maßstäbe. Das akademische Jahr ist in Quarter aufgeteilt. Daraus ergeben sich drei kurze, aber entsprechend intensive Einheiten und ein fakultatives Summer Quarter. Das Lehrniveau ist vergleichbar mit dem deutscher Hochschulen. Der Lehrfokus und auch die Strukturierung ist allerdings unterschiedlich. An der UCSD werden durch regelmäßige Prüfungen und einzureichende
wissenschaftliche Abhandlungen Wissen und Reflexionsvermögen deutlich regelmäßiger abgefragt als an deutschen Hochschulen. Der Anspruch an die Abhandlungen und die „trickiness“ der Prüfungen empfand ich hingegen als etwas milder als in Deutschland. Besonders positiv aber auch herausfordernd ist, dass die Studenten der UCSD durch verpflichtende Zusatzliteratur zu ergänzendem Eigenstudium motiviert werden. In manchen Wochen sind dann zwar oft mehrere Buchkapitel und dutzende wissenschaftliche Artikel zu bewältigen, jedoch ergeben sich dadurch zahlreiche gewinnbringende Impulse.
Die UCSD ist in San Diego als „Nerdy School“ verschrien, was dem kompetitiven Klima zwischen den Studenten geschuldet sei. Ich persönlich habe die Studenten der UCSD allerdings zwar als außergewöhnlich zielstrebig, aber auch als sehr hilfsbereit und offen erlebt. Besonders positiv hervorzuheben ist das Interesse von Professoren am Austausch mit ihren
Studenten. An der UCSD wird man ermutigt, seinen Professoren zu ihren Sprechzeiten auch ohne konkretes Anliegen einen Besuch abzustatten und sich mit ihnen über spannende Fragen auszutauschen. Diese Möglichkeit sollte unbedingt wahrgenommen werden, da diese Gespräche absolut bereichernd sind.
Im Fachgebiet der Psychologie rangiert die UCSD stets auf den Spitzenpositionen der nationalen Rankings vor oder neben den privaten Universitäten Stanford und Harvard. Im Bereich der kognitiven Psychologie und der verhaltensbasierten Neurowissenschaft ist die UCSD eine der besten ihres Faches. In Psychologie lag der Fokus deutlich auf aktueller Forschung und naturwissenschaftlichen Ansätzen. Besonders markant zeigte sich dies im von mir belegten Kurs „Eating Disorders“, wo genetische Prädispositionen und biologische Prozesse der Störungen den Inhalt des Kurses dominierten. Als Forschungsuniversität werden an der UCSD zudem Schwerpunkte auf Methodik und Statistik gelegt. Beiträge aus anderen Forschungsdisziplinen wurden in den Kursen oft gewinnbringend eingewoben.
Fazit
Ein Studium an der UCSD lohnt sich sowohl in akademischer, als auch in persönlicher Hinsicht. Die unterschiedliche Akzentuierung in Forschung und Lehre hat mein Studienfach noch einmal in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen und zahlreiche neue Fragen aufgeworfen. Ich habe die UCSD vor allem wegen des außergewöhnlich stimulierenden Umfelds, das sie bietet, geschätzt. Wer an der UCSD studiert darf zahlreiche inspirierende und interessierte Menschen
kennenlernen und Freundschaften fürs Leben knüpfen. Die besondere Offenheit der amerikanischen Studenten hat es mir ermöglicht, in kürzester Zeit die verschiedensten Lebens- und Karrierekonzepte, akademische Möglichkeiten und Ideen zu diskutieren. Daneben ist die Auseinandersetzung mit einer fremden Kultur immer eine tolle Gelegenheit, um sich besser kennenzulernen. Selbst in den USA kann man den berühmten Kulturschock erleben und sich den damit einhergehenden Herausforderungen stellen.
„All in all“ gehe ich mit vielen Antworten und noch mehr Fragen aus diesem Auslandssemester, was für mich für den besonderen Wert dieses Abenteuers spricht, denn „Education is not filling buckets; It is lighting fires“ (W.B. Yeats).