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Common Law and the Australian Legal System

Da ich jetzt schon länger nichts mehr von mir hören lassen habe, kommt hier ein kleiner Einblick über den derzeitigen Unikurs. Wie die Überschrift schon verrät, geht es dabei um das australische Rechtssystem, das sehr stark mit dem englischen verwandt ist. Bis auf eine Ausnahme waren in diesem Kurs nur ausländische Studenten aus aller Welt. Der Dozent kam aus Queensland angereist, um den Kurs zu halten und hat zur ersten Stunde Baklava mitgebracht, wobei er bei mir gleich punkten konnte. Ich liebe dieses türkische Süßzeug aus Blätterzeit, Nüssen und Honig.

Zunächst gab es ein paar allgemeine Informationen zur Geschichte Australiens, von der Kolonialzeit bis hin zur Unabhängigkeit. Dann wurden die Besonderheiten des common law-Systems besprochen. Ich hatte schon an meiner deutschen Universität einige Kurse dazu gehört und konnte somit auf mein vorhandenes Wissen zurückgreifen. Der Hauptunterschied zwischen unserem deutschen Rechtssystem, welches auch als civil law bezeichnet wird, und dem common law ist der, dass in letzterem zur Beurteilung eines Falles nicht nur Gesetze herangezogen werden, sondern auch Prinzipien, welche von Richtern in früheren ähnlichen Fällen (sog. Präzedenzfälle)  aufgestellt wurden. Diese Rechtsquelle wird im common law als case law bezeichnet. Wir haben besprochen, wie das mit dem case law funktioniert, wann ein Richter sich an frühere Entscheidungen halten muss und wann er eine neue Entscheidung treffen darf. Auf der Grundlage unseres erlernten Wissens ging es dann los mit einer case study. Wir bekamen einen ziemlich komplexen Fall aus dem Mobiliarsachenrecht und mussten anhand von Präzedenzfällen und Gesetzen versuchen, die bestmöglichste Argumentation zu finden. Dabei haben wir in Gruppen zusammengearbeitet, wobei ein Teil der Gruppen die Klägerseite und ein anderer Teil die Beklagtenseite vertreten sollte. Nach einem Tag Recherche in diversen Datenbanken und dem Internet ging der „Prozess“ dann los. Wir haben das Klassenzimmer etwas umgestellt, damit es einem Gerichtssaal ähnelte, und dann das Szenario nachgestellt. Ich fand es wahnsinnig interessant, fast der gesamte Kurs hat mitdiskutiert und versucht, mit mehr oder weniger stichhaltigen Argumenten den „Richter“ von der jeweiligen Ansicht zu überzeugen. Nach guten 1 1/2 Stunden Verhandlung haben wir aufgehört und zusammen mit dem Dozenten die Stärken und Schwächen der gesamten case study besprochen und Feedback gegeben.

Der Kurs hat mir persönlich viel neues Wissen gebracht und auch ein paar Techniken, wie das mit dem case law in der Praxis funktioniert.

Parliament of Victoria

Susanne Petrikowski zuletzt bearbeitet am 18.11.2014