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Der Spaß muss bezahlt werden

Um es gleich am Anfang zu sagen, es gibt definitiv günstigere Studienorte als Kanada, sowohl was die Studiengebühren, als auch die Lebenshaltungskosten angeht.

Fangen wir aber mit den Studiengebühren an. Diese sind davon abhängig, ob ihr an eurer Heimatuni Gebühren bezahlt und beide Universitäten Partner sind, dann bezahlt ihr an der Brock University nämlich keine Gebühren (da ihr sie ja schon zu Hause bezahlt). Solltet ihr wie ich allerdings ein „Freemover“ sein, dann sieht die Sache ganz anders aus. Meine Hochschule in Deutschland, die TH Wildau, ist kein Partner der Brock University und als öffentliche Hochschule bezahle ich natürlich auch keine Studiengebühren. Allerdings arbeitet die TH Wildau mit IEC Online zusammen, um den Studenten zusätzlich zu den Partnerunis und dem Erasmus Programm mehr Auswahl bieten zu können. Auf die Brock University bin ich also nur Dank der Beratung von IEC Online gestoßen. Der Grund mich an der Brock zu bewerben, waren die sehr spezifischen Marketingkurse. Diese haben mit meinen Kursen in Deutschland gut übereingestimmt und ich hatte die Hoffnung, mir alles anrechnen lassen zu können. Da einige Kurse final aber in diesem Semester nicht angeboten wurden, belege ich jetzt nur drei Kurse. Natürlich gibt es viele weitere Kurse die mich interessiert hätten, allerdings bezahle ich Gebühren pro Kurs, sodass ich mich auf die drei Kurse, die mir auch an der Heimatuni angerechnet werden, beschränke. Das hat den wunderbaren Nebeneffekt, dass ich noch Zeit zum Arbeiten habe. Dies wäre sicher anders, wenn ich wie die anderen Austauschstudenten fünf Kurse belegen würde. So habe ich allerdings die Möglichkeit, meinen Job und meine freiberuflichen Projekte hier vor Ort, quasi im Home Office, zu erledigen.

An der Goodman School of Business, der BWL Fakultät der Brock University, bedeutet ein Kurs je 3 h Vorlesung als Block in der Woche. Entsprechend habe ich mittwochs abends, donnerstags nachmittags und freitags früh jeweils 3 h Vorlesung. Da ich viel nach Deutschland telefonieren muss, arbeite ich wegen der 6 h Zeitverschiebung also immer vormittags und mache dann ab Mittag meine Uniaufgaben und lerne.

Bezüglich der Studiengebühren kann ich euch noch den Tipp geben, dass zu den eigentlichen Gebühren pro Kurs noch weitere Gebühren kommen, die man vielleicht erstmal nicht so beachtet und gesagt bekommt, beispielsweise die Monatsfahrkarte für den Bus und eine kleine Gebühr für die Sportangebote (die ihr dann größtenteils kostenlos nutzen könnt). Weitere Gebühren, die zunächst auf dem persönlichen Finanzüberblick des Uniaccounts erscheinen, können aber abgewählt werden, wie beispielsweise die Krankenversicherung, wenn ihr euch bereits in Deutschland versichert habt. Ein weiterer großer Kostenfaktor können Bücher sein. Anders als in Deutschland gibt es fast zu jedem Kurs Pflichtlektüre, teilweise müssen auch Aufgaben aus den Büchern gelöst und abgegeben werden, sodass man sie auch wirklich braucht. Da fast jedes Jahr eine neue Auflage, natürlich mit veränderten Aufgaben, herausgebracht wird, findet man die aktuelle Lektüre nicht in der Bibliothek. Bei meinen Kursen hab ich es so gelöst, dass ich einmal das Online Textbook inkl. Simulation und Quizzen gekauft habe (das ging auch gar nicht anders), einmal mir das Buch aus dem Vorjahr stundenweise in der Bibliothek ausleihe und für den dritten Kurs gab es das aktuelle Buch als pdf Version, die wir dann im Kurs verteilt haben. Es lohnt sich also erstmal die erste Vorlesung abzuwarten. 

Was hier definitiv noch ins Geld geht, ist das Essen in der Mensa. Ähnlich wie bei dem Studentenwohnheim ist das nicht günstiger als außerhalb vom Campus. Man könnte es als Vorteil sehen, dass die verschiedenen Uni-externen Anbieter wie Pizza-Pizza, Starbucks und Subway auf dem Campus vertreten sind und nicht teurer als das Mensaessen sind, zumindest wenn man die Auswahl schätzt.

Was die weiteren Lebenshaltungskosten angeht, so würde ich sagen, dass diese gleich bis etwas höher als in Deutschland sind. Den Lebensmitteleinkauf kann man aber z.B. auf einen Dienstag verschieben, wenn es Studentenrabatt bei Zeyr’s gibt. Definitiv teurer ist der Alkohol, sowohl im Supermarkt oder LCBO als auch im Restaurant. Überraschend günstig fand ich bis jetzt die Mietwägen, dies kann aber daran liegen, dass hier ab Thanksgiving off-season ist. Ebenfalls etwas günstiger ist das Benzin.

Beachten sollte man, wann die Kosten anfallen. Da ich auf dem Campus lebe und einen Meal Plan habe, also quasi Guthaben, dass ich verwenden kann (mehr dazu unter meinem Blogeintrag „Essen“), ist ein Großteil der Kosten vor meiner Abreise nach Kanada angefallen. Da alles im Vorfeld bezahlt ist, muss ich jetzt nur zusätzliche Ausgaben für Freizeitaktivitäten, Ausflüge, in der Stadt essen gehen etc. bezahlen.

Insgesamt ist mir klar, dass das Auslandssemester für mich keine günstige Angelegenheit ist. Trotzdem bin ich froh über die Entscheidung, weil mir die Uni und die Kurse sowie das Land und die Menschen hier sehr gut gefallen und ich froh bin nochmal ein ganz anderes Unileben kennen gelernt zu haben.

Lisa Marie Erb zuletzt bearbeitet am 06.11.2019