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#13 London - eine Abrechnung

Mein Auslandssemester neigt sich dem Ende zu - höchste Zeit also, meine Zeit in London mit etwas Abstand einmal abschließend zusammenzufassen:  

Alles was ich im Vorfeld über London gehört habe, hat sich als wahr herausgestellt. Was mir in Erinnerung bleiben wird sind die immer vollen Straßen und Gehwege, die roten Doppeldecker und schwarzen Taxen, die sich in einem endlosen Strom durch die Stadt schieben. Ich werde mich an den Londoner Nahverkehr erinnern, wie ich aus Mangel an Fahrstühlen meinen 36 Kilo Koffer Treppen hinaufgehievt habe oder wie ich um 7 Uhr morgens beinahe nicht auf meinen Bahnsteig gekommen bin, weil mir hunderte berufstätige Londoner im Gang entgegen kamen.

Während meiner Zeit habe ich eine Großmetropole im urbanen Wandel erlebt, in der an jeder Ecke Hochhäuser in die Höhe gezogen oder bebilderte Bauzäune auf gigantische Bauvorhaben hinweisen. Nur in London wundert sich niemand mehr über ein Stadtbild, in dem kleine gotische Kirchen zwischen pompösen gläsernen Prachtbauten nach und nach verschwinden.  Schon in ein paar Jahren wird die Stadt nicht mehr dieselbe sein, als welche sie sich mir präsentierte – hier entsteht Metropolis, die Stadt der Zukunft.  

Und obwohl hier alles sichtlich aus seinen bereits großzügigen Nähten platzt, haben sich die Menschen mit den Widrigkeiten ihres Zuhauses arrangiert. Es gibt niemanden, der dich auf einem vollen Gehweg anrempelt, niemanden der dich verärgert anpöbelt, wenn du auf der Rolltreppe mal wieder links stehst. Das Leben in London ist eines in der Warteschlange und trotzdem drängelt sich niemand vor, sei es am Oyster Card Checkpoint, im Tesco Supermarkt oder bei der obligatorischen Menschenmasse vor der Monmouth Coffee Company. Hier haben die Einheimischen den begrenzten Platz akzeptiert und teilen ihn bereitwillig mit den zahlreichen Besuchern und Touristen, die fester Bestandteil des Londoner Stadtbildes sind.

In guter Erinnerung werde ich die Märkte behalten, die ich in ihren jeweiligen Ausmaßen zuvor noch nie gesehen hatte. Den Borough Market mit seinen vielfältigen Gerüchen und Auslagen, dessen Stände und Besucher ein unvergleichliches Gefühl von Geselligkeit ausstrahlen und für mich zu einem absoluten Lieblingsort geworden ist. Oder der Markt in Camden, einem endlosen Labyrinth von feilschenden Straßenhändlern, das dich Sachen kaufen lässt, von denen du zuvor noch gar nicht wusstest, dass du sie so unbedingt brauchst.

Ich habe in London vieles zurückgelassen: ein T-Shirt, ein Sparschäler (Goodbye alter Freund!), meine Befangenheit beim Englischreden und eine unglaubliche Menge Geld. Was ich mit zurück bringe sind neue Erkenntnisse, eine Handvoll neuer Freunde und vielleicht eine berufliche Perspektive. Im Ausland lernt man viel Neues kennen, doch eben so viel lernt man über sich selbst und die Dinge, die man zuhause gelassen hat. Die Sache zwischen London und mir – das war keine Liebe auf den ersten Blick. Aber ich habe in den letzten Monaten eine Zeit verbracht, die ich mein ganzes Leben nicht mehr vergessen werde.

Cheers,

Lukas

Goodbye London!

Lukas Krähn zuletzt bearbeitet am 02.02.2015