"Wir optimieren Bewerbungen" (Die Zeit, Nr. 36, 29.08.2013, S. 68)

Zu beschäftigt, sich selbst um ein Auslandsstudium zu kümmern? Berater wie Hilka Leicht vermitteln an Unis. Der Service ist kostenlos, aber für das Studium werden Gebühren fällig

DIE ZEIT: Frau Leicht, Sie leiten eine Agentur, die deutsche Studenten an ausländische Universitäten vermittelt. Darum kümmern sich doch eigentlich die Auslandsämter der Hochschulen. Reicht das nicht?

Hilka Leicht: Wir arbeiten eng mit ihnen zusammen: Wir halten Vorträge an International Days, kommen zu Campus-Messen, organisieren Themenveranstaltungen zu einzelnen Ländern – und bieten den Mitarbeitern der Auslandsämter an, auf unsere Beratung zu verweisen.

ZEIT: Wollen die das überhaupt?

Leicht: Das Interesse steigt – schließlich hat sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung zum Ziel gesetzt, dass 50 Prozent der Studierenden bis zu ihrem Abschluss mindestens einen Auslandsaufenthalt verwirklichen. Seitdem sind die Auslandsämter auf Unterstützung angewiesen: Ein Beraterteam, das aus drei, vier Leuten besteht und sich um 20 000 Studenten kümmern soll, kann schließlich nicht auf individuelle Belange eingehen. Da kriegt man höchstens ein paar Infos zu Austauschprogrammen, Stipendien und Partnerschaftsunis. Strategische Beratung sieht anders aus.

ZEIT: Und wie sollte die aussehen?

Leicht: Wir haben professionell weitergebildete Studienberater, die in mehreren intensiven Gesprächen abklopfen, wann und wie lange der Studierende ins Ausland gehen möchte, welche Länder für ihn in Frage kommen, wie viel Geld er zur Verfügung hat, und welche Ziele er mit seinem Aufenthalt verfolgt. Wir zeigen Möglichkeiten auf, wie sich durch Auslandsbafög und Förderprogramme das Budget aufbessern lässt. Wir optimieren Bewerbungen samt Motivationsschreiben, erinnern an Fristen und weisen auf nötige Unterlagen hin. Und schließlich beraten wir auch dahingehend, welche Uni speziell für eine Fachrichtung interessant sein könnte.

ZEIT: Haben sich die Motive für ein Auslandsstudium geändert?

Leicht: Ja, sogar ganz erheblich. Während die meisten Studenten vor zehn Jahren noch ins Ausland gegangen sind, um herauszufinden, wer sie selbst in einem anderen Kontext sind, wollen heute viele Studenten ihren Lebenslauf damit schmücken – und sich vor Ort so viele Leistungen wie möglich für das Studium daheim anerkennen lassen, um bloß keine Zeit zu verlieren. Deshalb liegt unser Fokus mittlerweile darauf, für sie herauszufinden, wo und wie man sich Studienkurse vorab sichern kann. In Australien und Neuseeland beispielsweise funktioniert das sehr gut.

ZEIT: Wird ihre Ihre Hilfe häufiger nachgefragt, seit es die kompakteren Bachelor und Masterstudiengänge gibt?

Leicht: Ja, seitdem haben wir einen gewaltigen Zulauf. Die Studierenden sind dankbar für jede Hilfe, weil das Angebot nie zuvor so vielfältig war – und gleichzeitig so unübersichtlich. Darüber hinaus gehen die meisten jetzt schon früher ins Ausland. Sie sind also jünger und haben viel mehr Fragen.

ZEIT: Wissen die auch, dass alle Unis, die Sie vermitteln, zum Teil hohe Studiengebühren erheben – und dass Sie bei erfolgreicher Einschreibung eine Pro-Kopf-Pauschale von der Uni bekommen?

Leicht: Ja, aus unserem Geschäftsmodell machen wir kein Geheimnis. Die ausländischen Hochschulen haben ihr Marketing und ihre Akquise an uns outgesourct, weil wir näher an den deutschsprachigen Studenten dran sind. Dafür sind wir mit den Angeboten, Strukturen und Studiengängen der ausländischen Universitäten sehr vertraut; wir wissen, wer wo die besten Chancen hat und können eine hohe Qualität garantieren. Und unser Service ist kostenlos.

ZEIT: Die Mehrheit kann sich die Gebühren, die britische oder amerikanische Universitäten aufrufen, doch aber viel weniger leisten als ein einmaliges Beratungshonorar.

Leicht: Wir haben weltweit über 100 Hochschulen im Programm. Die Höhe der anfallenden Studiengebühren variiert stark: Während man an der Columbia University in New York 14 000 Euro für ein Semester bezahlt, kostet es an asiatischen Hochschulen – die gerade sehr im Kommen sind – manchmal nur 1400 Euro. Zudem sind die Lebenshaltungskosten dort viel niedriger. Selbst britische Hochschulen kann man sich leisten. Und das Auslandsbafög bietet zur Deckung der Studiengebühren ja auch noch mal bis zu 4600 Euro extra.

ZEIT: Wie viele Studenten nehmen Ihren Service in Anspruch?

Leicht: Wir beraten etwa 14 000 Studenten im Jahr. Die Hälfte davon führt auch Zweit- und Drittgespräche mit uns. 1000 schreiben wir jährlich ein, Tendenz stark steigend.

ZEIT: Und wo bleiben die anderen 13 000?

Leicht: Die haben durch uns mehr Durchblick gewonnen – und kümmern sich dann auf eigene Faust. Das ist auch vollkommen in Ordnung.

ZEIT: In den USA sind Bildungsagenten wie Sie zuletzt stark in Verruf geraten. Gibt es auch in Deutschland schwarze Schafe in der Branche?

Leicht: Mir sind jedenfalls keine bekannt, höchstens aus Asien. Dort nimmt man sich ja schon in der Schule den ersten Agenten, um die nächsten Karriereschritte zu planen –und gibt viel Geld für wenig Qualität aus. Ich glaube, solche windigen Agenturen könnten sich hierzulande gar nicht etablieren. Umso bedauerlicher finde es, dass der private Beratungssektor in Deutschland immer noch so skeptisch beäugt wird.

Das Interview führte Katja Bosse
Link zum Interview: www.zeit.de/2013/36/auslandsstudium-berater

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