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Wie die Sehnsucht nach der Ferne gut geplant ist (VDI nachrichten, 28.10.2011)

Auslandsstudium: Für deutsche Ingenieure ist der Sprung ins Ausland für ein Studium immer noch ungewöhnlich. Ihre Mobilität ist nach einer Studie des DAAD unterdurchschnittlich. Die es dennoch gewagt haben, haben ihren Schritt nicht bereut. Von Henning Zander.

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Wenn schon Australien, wenn schon Sidney, dann sollte die Wohnung auch am Strand liegen. Es hat ein bisschen gedauert, aber dieser Traum hat sich für den 28-jährigen Ingenieur Michael Sochor letztendlich verwirklicht. Drei Minuten sind es von seinem Apartment bis zum berühmten Bondi Beach von Sidney.

Im Dezember 2010 hat er seinen Master in Engineering Management an der University of Technology in Sidney gemacht. Inzwischen arbeitet er für ein großes australisches Unternehmen aus der Ernährungsbranche. "An einem Auslandsstudium wächst man enorm", sagt Sochor.

Der Ingenieur ist eine Ausnahme. Immer noch hegen die Studenten der Ingenieurwissenschaften zusammen mit den Naturwissenschaften und der Mathematik die wenigsten Neigungen, während ihres Studiums oder später für einen Master ins Ausland zu gehen. Nur rund 17 % wagen nach einer aktuellen Studie, die das HIS Hochschul-Informations-System im Auftrag des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD) ausgearbeitet hat, den Sprung. Im Gegensatz dazu geht rund ein Drittel der Wirtschaftswissenschaftler ins Ausland.

"Wer in Deutschland als Ingenieur arbeiten will, braucht einen deutschen Abschluss. Das wird vom Markt eingefordert", sagt Hilka Leicht, geschäftsführende Gesellschafterin der Studienplatzvermittlung International Education Centre (IEC). Ein ausländischer Abschluss kann allenfalls ein Plus zum deutschen sein. Gerade Ingenieure stünden vor der Frage, was ihnen der Auslandsaufenthalt bringe, sagt Leicht. "Die fachliche Ausbildung in Deutschland ist sehr gut. Viele Ingenieure haben nach dem Abschluss zudem einen Arbeitsplatz."

Dennoch könne sich der Schritt jenseits der Landesgrenzen lohnen, sagt Leicht. Sprachkenntnisse werden vertieft und der Umgang mit einer anderen Kultur trainiert. Und auch wenn das deutsche Ingenieurstudium weltweit einen sehr guten Ruf hat - was Engineering Management betrifft, also die Vermittlung von spezifischem wirtschaftlichem Wissen über Finanzen bis hin zum Entrepreneurship, stehen viele ausländische Studiengänge sehr gut da.

Auch Michael Sochor ist sehr zufrieden mit seinem Studium in Sidney. "Es wurde sehr viel Wert auf Gruppenarbeit gelegt. Außerdem hängt nicht alles von einer Klausur ab, sondern auch die Leistungen während des Studiums werden bei der Bewertung berücksichtigt", sagt Michael Sochor. Auch der Umgang mit den Professoren sei sehr viel lockerer als in Deutschland. "Man duzt sich und spricht sich sofort mit dem Vornamen an", sagt der Ingenieur. Zudem erweitere man sein Netzwerk deutlich. Viele seiner Mitstudenten stammten aus Asien oder dem Nahen Osten.

Mit guter Planung kann ein Auslandsaufenthalt in jeder Hinsicht bereichernd sein. Und dennoch: "Einen Masterplan für ein gelungenes Studium gibt es nicht", sagt Alexandra Michel. Wie Hilka Leicht berät auch sie Studenten bei der Planung ihres Auslandsstudiums. Sie arbeitet bei College Contact. Die Organisation repräsentiert rund 200 Universitäten aus dem Ausland. Michel ist die Ansprechpartnerin vor Ort, von Sprachtests über Visa-Angelegenheiten bis hin zur Finanzierung und Wohnungssuche. Das Studium müsse für den Einzelnen passen. "Dennoch muss der Studienplatz bestimmten Mindestanforderungen genügen", sagt Michel.

Einer der wichtigsten Punkte: Die Anerkennung des Abschlusses in Deutschland. Innerhalb der EU ist dies zwar mit der Bologna-Reform leichter geworden. Aber einheitlich sind die Abschlüsse immer noch nicht. Außerhalb der EU kommt es noch mehr auf den Einzelfall an.

Gute Voraussetzungen, dass später auch einmal der Abschluss in Deutschland anerkannt wird, sind eine staatliche Anerkennung und die Akkreditierung durch eine unabhängige seriöse Agentur. Doch, um böse Überraschungen zu verhindern, sollte der Absolvent zuerst die Datenbank zur "Anerkennung und Bewertung ausländischer Bildungsnachweise", kurz Anabin genannt, aufsuchen.

Hier werden Universitäten aus der ganzen Welt aufgelistet und ihre Abschlüsse mit dem System in Deutschland verglichen. Die Benotung reicht von H+, also einer Gleichwertigkeit der Abschlüsse, bis H-. Dann werden sie in Deutschland nicht anerkannt. Von diesen Abschlüssen sollte man dann besser die Finger lassen, wenn man später wieder in Deutschland arbeiten möchte. Nur bei einem H+ besteht überhaupt die Chance, dass das Auslandsstudium mit Bafög gefördert wird.

Neben der Anerkennung gibt es noch viele weitere Themen, an die es zu denken gilt. Rund ein Jahr kann die Vorbereitung in Anspruch nehmen. So verlangen vor allem die angelsächsischen Unis bei einer Bewerbung ein persönliches Empfehlungsschreiben von einem Dozenten oder Professor. Gerade wenn die Note nicht ganz so überwältigend ist, kann dieses Schreiben helfen, den Studienplatz zu bekommen. Sprachkenntnisse sind vorausgesetzt, englischsprachige Unis verlangen zusätzlich häufig einen Sprachnachweis über einen TOEFL-Test. Ein Hindernis für den Auslandsaufenthalt kann die Finanzierung sein. Eine Geldquelle kann das Auslandsbafög sein, bei dem die Einkommensgrenze etwas höher als in Deutschland liegt. Auch Stipendien kommen infrage, die vor allem an den Universitäten in den USA sehr verbreitet sind. Seltener sind sie in Australien und Neuseeland. Hier gilt der Regelfall, dass man sich das Masterstudium selbst finanzieren muss. So war es auch bei Michael Sochor. Für die rund 7000 € Gebühren pro Semester hat er sein Erspartes aufgebraucht. "Ich habe gelernt, auch mit wenig auszukommen", sagt Sochor. Doch die Investition hat sich gelohnt. Er hat einen guten Job im Qualitätsmanagement und anders als viele seiner ausländischen Kommilitonen ist er nach dem Studium im Land geblieben. Hier hat er auch seine Freundin kennengelernt. Und auch der Strand ist nicht weit.  

Quelle

www.vdi-nachrichten.com/artikel/Wie-die-Sehnsucht-nach-der-Ferne-gut-geplant-ist/55632/4 ,VDI nachrichten, Hannover, 28. 10. 11, cha