Mit Recht ins Ausland (go-out.de 12/2013)

Über unterschiedliche Rechtssystem und die Möglichkeiten und Vorteile trotzdem einen Teil des Studiums im Ausland zu absolvieren.

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Von Eva Maria Helm

Im Gegensatz zu anderen Studienfächern ist es bei Jura grundsätzlich schwierig, in unterschiedlichen Ländern erbrachte Studienleistungen miteinander zu kombinieren. Grund dafür sind die verschiedenen Rechtssysteme in den einzelnen Ländern, deren Ursprünge auf historische, philosophische und soziale Entwicklungen ihrer Gesellschaften zurückgehen. So liegt es in der Natur der Sache, dass sich auch die Inhalte der Rechtswissenschaften und ihr Studium von Land zu Land, von Kulturkreis zu Kulturkreise unterscheiden. Trotzdem gibt es gute Gründe und Chancen für Jurastudierende, einen Teil des Studiums im Ausland zu verbringen. Wichtig ist nur, dass man sich vorher gut informiert und genau weiß, wofür man das Erlernte einsetzen will.

Besonderheit Deutschland

Das bundesdeutsche Rechtssystem fußt auf der Tradition des kontinentaleuropäischen Rechtskreises (auch Civil Law) und unterscheidet sich in seinen Normen und Institutionen von anderen Rechtskulturen, wie etwa der angelsächsischen oder angloamerikanischen Common Law. Für die juristische Praxis ergeben sich dadurch wesentliche Unterschiede, die natürlich auch die Inhalte der lokalen Studienordnungen beeinflussen. Trotz ihrer Zugehörigkeit zu verschiedenen Rechtskulturen gelten in den und Finanzierung relativ unkompliziert. Das wohl populärste Programm ist Erasmus. Darüber hinaus pflegen die meisten Unis Forschungskooperationen mit renommierten ausländischen Hochschulen, über die ein Auslandsaufenthalt organisiert werden kann. Auch hier fallen in den meisten Fällen die Studiengebühren weg. Im Fach Jura ist es besonders wichtig, vor der Ausreise mit der Heimatuni zu klären, welche Kurse im Ausland belegt und später anerkannt werden. Hierfür eignen sich insbesondere Veranstaltungen, die einen Bezug zum Europarecht haben (wie etwa European Law oder Human Rights).

Der Master of Laws

Bei international orientierten Juraabsolventen immer populärer wird der Postgraduiertenabschluss des Master of Laws (LL.M). Zwar bieten auch deutsche Hochschulen diese Zusatzqualifikation an. Immer mehr Studierende nutzen das Aufbaustudium jedoch, um nach dem ersten oder zweiten Staatsexamen ins Ausland zu gehen. Am beliebtesten seien englischsprachige Länder wie Großbritannien, Australien, Neuseeland oder die USA, sagt Ákos Király, Berater des International Education Centre IEC in Berlin. Im Auftrag von rund 80 Partneruniversitäten im Ausland unterstützt IEC deutsche Studierende bei der Organisation ihres Auslandsaufenthalts und vermittelt sie an passende Hochschulen. „Das Rechtssystem im anglophonen Raum unterscheidet sich grundlegend vom deutschen, es basiert auf dem Common Law“, so Király. Da die meisten internationalen Kanzleien mittlerweile auf Englisch arbeiteten, sei es von Vorteil, durch einen LL.M das angelsächsische Recht kennenzulernen und seine Fremdsprachenkenntnisse aufzubessern.

Viele LL.M-Programme sind auf spezifische Fachrichtungen zugeschnitten, Menschenrecht, Sozialrecht, Umweltrecht usw. Daher sollte man sich vorher darüber klar werden, welchen Schwerpunkt man für seinen späteren Beruf setzen will, rät Király. Zulassungsvoraussetzungen sind der Nachweis über einen ersten juristischen Abschluss sowie ausreichende Englischkenntnisse. Genauere Informationen finden sich unter www.llm-guide.com.

Leider ist der LL.M ziemlich teuer. Je nach Land können Studiengebühren von 5.000 bis zu 35.000 Euro anfallen. Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten bieten der DAAD sowie einige Kanzleien, Universitäten vor Ort oder auch der deutsche Bildungsfonds.

Integrierte Studiengänge

Wer bereits nach dem Abitur weiß, dass er sein Jurastudium international ausrichten will, kann sich auch für einen sogenannten integrierten Studiengang bewerben. Hier bieten deutsche Hochschulen in Kooperation mit Partnerunis im Ausland ein Studium zweier oder mehrere Rechtswissenschaften an. So kann man beispielsweise in Mainz, Potsdam oder München deutsch-französisches Recht studieren. Die Humboldt Universität in Berlin bietet sogar eine Studienvariante "Europäische/r Jurist/in" an der European Law School mit Abschlüssen in Paris und London an. Die meisten integrierten Studiengänge finden in Teilen an der deutschen und an den ausländischen Partneruniversitäten statt. Vorsicht aber auch hier: Manche integrierten Studiengänge schließen mit Bachelor und Master ab.

Quelle: www.go-out.de/auslandslotse/moeglichkeiten/moeglichkeiten/de/18864-mit-recht-ins-ausland/

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