Mit einem Master of Laws (LL.M.) aus Australien weltweit erfolgreich sein

Der LL.M. als Master-Abschluss eines juristischen Auslandsstudiums eröffnet Studierenden, die im Beruf international aktiv sein wollen, vielfältige Möglichkeiten. Sie können damit in Deutschland, Europa und darüber hinaus erfolgreich durchstarten. 

LL.M. in Australien
Prof. Dr. Wofgang Babeck ist Deutschlands führender Experte für australisches Recht. Er lehrt auch an der Bond University.

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Im IEC Interview erklärt Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Babeck, warum Australien und Neuseeland prädestiniert sind, um dort einen LL.M. im Ausland zu erwerben. Prof. Babeck ist Deutschlands führender Experte für australisches Recht und hat dazu das Standardwerk verfasst.

Frage: Herr Prof. Babeck, gibt es eine Generaltugend, die man für einen LL.M. im Ausland mitbringen sollte?

Wolfgang Babeck: Offenheit ist zentral für jedes Auslandsstudium, aber ganz besonders, wenn es um den Master of Laws geht. Jedes Rechtssystem ist ein Spiegel der jeweiligen Kultur. Denke und Verhaltensweisen sind ganz unterschiedlich. Stellen Sie sich nur die Barristers mit ihren staubigen Perücken vor. Die Studierenden müssen aber auch lernen, raffiniertere Unterschiede sprachlich zu erfassen. Selbst Begriffe, die scheinbar klar sind, wie Demokratie oder Parlament, haben aufgrund der unterschiedlichen Geschichte der Länder einen abweichenden Gehalt. Das gilt bereits für Deutschland und Australien, aber noch viel mehr, wenn Sie Staaten aus dem Bereich der ehemaligen Sowjetunion oder auch die Türkei nehmen, ein Land, das ja bereits eine längere parlamentarische Tradition hat. Das gilt auch fürs Wirtschaftsrecht: Sie können Haftung oder Verzugsschaden natürlich übersetzen, aber die Bedeutung ist in verschiedenen Ländern unterschiedlich. Oder schon mal versucht, einem ausländischen Kollegen das Abstraktionsprinzip näher zu bringen?

Wirtschaftsrecht in Australien studieren

Frage: Welche Rechtsgebiete bieten sich für einen LL.M. in Australien an?

Wolfgang Babeck: Im weitesten Sinne alles, was mit Wirtschaftsrecht zu tun hat. Wenn Sie in diesem Bereich international tätig sein wollen, müssen Sie wirklich erstklassiges Englisch sprechen. Der LL.M. in Australien ist dafür eine schöne Visitenkarte: Er zeigt, dass Sie sich mit einer anderen Kultur und Sprache intensiv auseinandergesetzt haben. Hier in Sydney habe ich übrigens auch immer wieder pfiffige Volljuristen als Praktikanten, die bei uns praktische Erfahrungen sammeln wollen, um erfolgreich in einer Großkanzlei international arbeiten zu können. Mit einem LL.M. in Australien sind Sie da also schon einen wichtigen Schritt in diese Richtung gegangen. Ich rate dazu, sich einen roten Faden für diesen Ausbildungsschritt zu suchen.

Bond University
Bond University

Frage: Wohin kann der führen?

Wolfgang Babeck: Das hängt von Ihnen ab. Schauen Sie in die Vorlesungsverzeichnisse der Universitäten und fragen Sie sich: Was lächelt mich an? Vom Internationalen Umweltrecht über die Fragen des geistigen Eigentums bis zum System der Schiedsgerichtsbarkeit können Sie ganz unterschiedliche Angebote finden. Ich darf mal die Spezialisierungsmöglichkeiten der Bond University im Master of Laws benennen, um Ihnen ein Beispiel für das Spektrum zu geben: Das können Canadian Law & Practice oder Corporate & Commercial Law & Practice sein. Ein echtes Zukunftsthema ist Dispute Resolution, ein Klassiker International Business & Finance Law. Was einem klar sein muss: Mit dem LL.M. erwerben Sie im Gastland keine Zulassung als Rechtsanwalt. Der Nutzen liegt darin, dass man sich in seiner Heimat einen Vorteil verschafft. Verträge zwischen Unternehmen unterschiedlicher Länder werden heute meistens auf Englisch abgefasst. Nach einem LL.M. im Ausland sind Sie Ihren Kollegen in Deutschland da meilenweit voraus und sind schon durch voluminöse Common Law-Verträge gestürmt, während andere noch den Kopierer heiß laufen lassen. 

LL.M. Stipendium für die Bond University

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Frage: Dank TOEFL oder IELTS kann man seine Sprachkenntnisse vorab ja ganz gut klären. Springe ich als Jurist beim LL.M. fachlich ins kalte Wasser?

Wolfgang Babeck: Es ist eine Herausforderung, aber die juristische Ausbildung in Deutschland ist erstklassig im internationalen Vergleich. Wir sind im systematischem Denken geschult, was nicht die schlechteste Grundlage ist. Das angelsächsische System ist weniger dogmatisch und strukturiert. Der pragmatische Ansatz hat seine Vor- und Nachteile, jedenfalls finden deutsche Juristen in der Regel schnell hinein.

LL.M. in Australien als Schlüssel für die angelsächsische Welt

Frage: Wenn die Sinnhaftigkeit eines LL.M. im Ausland außer Frage steht: Warum sollte ich dafür in Australien studieren?

Wolfgang Babeck: Darauf gibt es zwei Antworten, die sich gegenseitig verstärken. 

1. Australien ist ein Einwanderungsland und durch seine Vielfalt an Menschen unterschiedlicher Herkunft geprägt. Schon auf dieser Ebene machen Sie Erfahrungen fürs Leben. Hinzu kommen natürlich die Weite des Landes und seine Naturschönheiten. Ich finde, das darf bei der Wahl des Studienlandes eine Rolle spielen. Und mal ehrlich: Das UK oder die USA kennen viele Studierende heutzutage doch bereits. Auch politische Entwicklungen können Einfluss auf die Attraktivität als Studienland haben. Nach einem gewissen Wahlausgang in den USA dürften sich jetzt viele Studierende noch viel mehr für Australien interessieren.

2. Das australische Recht ist besonders kompatibel mit dem Common Law anderer Staaten. Das beginnt in Großbritannien und zieht sich durch so unterschiedliche Länder wie die USA, Kanada, Indien, Hongkong oder Singapur. Ob Vertrags- oder Akquisitionsrecht, Projektgeschäft oder die Art, wie die Prozesse geführt werden: Das ist alles ähnlich. Aufgrund des hervorragenden Ausbildungsstandards genießen australische Juristen übrigens gerade im UK einen ausgezeichneten Ruf. Letzlich empfehlen Sie sich für die Übernahme internationaler Mandate und gerade das ist ja in unserem Beruf so spannend. 

Frage: Wie sieht es mit den praxisbezogenen Elementen im Studium aus?

Wolfgang Babeck: Es gibt eine Reihe von Unis mit einem sehr praktischen Ansatz, wo Fragen wie Verhandlungsführung oder Vertragsgestaltung erlernt werden –  zwei Bereiche, die internationale Wirtschaftsjuristen immer beschäftigen. Auch die Prozessführung wird geübt. Bei den so genannten Moot Courts, wo internationale Juristenteams gegeneinander antreten, schneiden die Aussies immer sehr gut ab.

Potentiale für Wirtschaftsjuristen mit LL.M.

Frage: Herr Prof. Babeck, in Ihrem juristischen Berufsalltag in der Kanzlei steht die Beratung von europäischen Unternehmen in Australien und umgekehrt im Mittelpunkt. Welche Trends sehen Sie und haben Sie Tipps für Einsteiger?

Wolfgang Babeck: Den roten Faden, den Sie sich für Ihr Studium suchen sollten, müssen Sie auch in einer Großkanzlei selbst finden. Eigeninitiative ist gefragt. International sind Rechtsberufe durch die Digitalisierung bedroht. Denn bald erstellt man sich Arbeitsverträge online: Sie müssen nur 30 Fragen beantworten und das Programm spuckt einen druckreifen Vertrag aus. Andererseits: Digitalisierung mag internationale Standards haben; für die Rechtssysteme dieser Welt gilt das auch in Zukunft nicht. Selbst in der EU ist das Vertragsrecht nicht harmonisiert. In der Zukunft sind daher gute Kenntnisse in Projektmanagement gefragt, denn viele deutsche Mittelständler sind in über 80 Ländern aktiv. Wirtschaftsjuristen identifizieren für sie Problemstellungen und suchen dann Lösungen im Zusammenwirken mit ausländischen Anwälten. Die Grundlage dafür ist, dass Sie das internationale Handwerkszeug beherrschen. Mit einem LL.M. im Auslandsstudium in Australien kommen Sie diesem Ziel mit Siebenmeilenstiefeln näher!

Frage: Danke für das motivierende Schlusswort, Herr Prof. Babeck! Allen interessierten Studierenden möchten wir das gerade in der 2. Auflage bei C.H.Beck erschienene Standardwerk von Wolfgang Babeck ans Herz legen: „Einführung in das australische Recht mit neuseeländischem Recht.“

Starten auch Sie mit einem LL.M. international durch

Wenn Sie die Vielzahl der beruflichen Möglichkeiten fasziniert, die ein LL.M.-Studium in Australien eröffnet, dann lassen Sie sich noch heute vom IEC Beratungsteam auf dem Weg dorthin begleiten. Es kennt die Angebote verschiedener australischer Universitäten und beantwortet Ihnen gerne alle Fragen rund um praktische Dinge wie Visum und Finanzierung. Sprechen Sie uns an!

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Wolfgang Babeck und das Recht in der Welt

Bereits als Schüler geht Wolfgang Babeck für ein Jahr in die USA. Er lernt außerdem Russisch, um schließlich an der Universität Passau zu studieren, die Rechts- und Fremdsprachenkenntnisse gemeinsam vermittelt. Ein Auslandsstudium führt ihn an die Universität Tbilisi, während dort die Sowjetunion zerfällt und Tbilisi die Hauptstadt eines unabhängigen Georgien wird.

Danach wird er Berater für die GIZ und andere Geberinstitutionen sowohl in Bulgarien und Litauen als auch in mittelasiatischen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Gleichzeitig ist er als Wirtschaftsjurist in einer Berliner Kanzlei tätig. Jahre später leitet er für die GIZ eine Verfassungskonferenz mit der Verfassungskommission Georgiens. Dafür erhält er die Ehrendoktorwürde der Ilia State University. Seine Zeit in und für Georgien bietet Stoff für zwei Bücher, darunter „Der georgische Knoten“.

Australien entdeckt er dank der Liebe: Seine heutige Frau, die ebenfalls aus Deutschland stammt, lebte schon geraume Zeit dort. Babeck arbeitet sich in das System des Common Law ein. Er heiratet, wird zweimal Vater – und zu dem deutschen Experten für australisches Recht. Als publizierender Brückenbauer erklärt er Deutschen und Australiern, wie der andere rechtlich tickt. Sein „Investitionsführer Australien. Ein praktisches Handbuch für Unternehmer“ ging 2016 in die 10. Auflage.

Als Spezialist für Gesellschaftsrecht und Mergers & Acquisitions betreut er mittlere und große Unternehmen für seine deutsche Kanzlei Buse Heberer Fromm, deren Partner er ist und die er zwischenzeitlich auch geleitet hat. In Sydney ist er als European Counsel für die australische Kanzlei DibbsBarker aktiv. An der Bond University unterrichtet er als Adjunct Professor International Contract Law.

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