Deutsche Frauen-Power an der California State University Los Angeles

Ein Auslandsstudium kann ein Richtungsweiser für ungeahnte berufliche und akademische Wege sein. Dr. Birte Pfleger-Cullinan ist seit 14 Jahren Professorin am Department of History der California State University Los Angeles. Im IEC Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen als Studentin und Dozentin in den USA.

California State University Los Angeles
Dr. Birte Pfleger-Cullinan (Mi.) im Kreis von Absolventinnen des Departments of History der California State University Los Angeles

Frage: Sie haben Ihr ganzes Studien- und Berufsleben an Universitäten der USA verbracht, die auch Partneruniversitäten von IEC sind. Wie kam es dazu?

Birte Pfleger-Cullinan: Ich komme aus Emmerich, einer Kleinstadt am Niederrhein direkt an der holländischen Grenze. Ein Auslandsstudium stand erst mal gar nicht auf meiner Agenda. Schon das angestrebte Studium in Deutschland war wie bei vielen anderen, die als erste ihrer Familie diesen Berufsweg einschlagen, nicht selbstverständlich. Bei mir spielte der Zufall mit. Meine Mutter hatte Kontakt zu einer Bekannten, die als junge Frau in die USA ausgewandert war. Der hatte sie erzählt, dass ich gerne mal Kalifornien kennenlernen würde. Als ein paar Wochen später die Anfrage kam, ob ich dort als Au-pair arbeiten wolle, habe ich zugegriffen.

Nebenbei habe ich mit Englischkursen an einem Community College begonnen. Die acht Jahre meines Geschichtsstudiums habe ich dann als Kindermädchen finanziert. Studiert habe ich an der CSU Long Beach und an der CSU Dominguez Hills. Meinen Doktor habe ich an der University of California Irvine gemacht. Erste Lehrerfahrungen konnte ich an einem Community College sammeln, bevor ich über die CSU Long Beach an die Cal State LA gekommen bin.

Drum Barracks Civil War Museum
Das Drum Barracks Civil War Museum ist Südkaliforniens einzige Erinnerungsstätte an den amerikanischen Bürgerkrieg. Hier wirken Absolventen der CSULA.

Freundlicher Campus als Basis im Auslandssemester

Frage: Im Vergleich: Was gefällt ihnen am Campus der CSULA besonders?

Birte Pfleger-Cullinan: Der Campus ist noch ziemlich übersichtlich, auch wenn wir in den letzten Jahren gewachsen sind. Es ist nicht anonym. Die internationalen Studierenden mögen es, dass so viele Sehenswürdigkeiten von L.A. ganz in der Nähe des Campus liegen, z. B. Hollywood und Beverly Hills. Mir macht die Arbeit mit meinen Studierenden besonders viel Spaß. Sie sind meist, so wie ich auch, die ersten in ihren Familien, die studieren und sind sehr engagiert und motiviert. Wir haben an der CSULA überdurchschnittlich viele Studierende, die nach ihrem Abschluss bei uns woanders promovieren. Und es ist befriedigend zu sehen, dass unsere Absolvent/innen oft leitende Positionen an wichtigen Institutionen der Region bekommen.

Geschichte der Deutschen in den USA

Frage: Erzählen Sie uns kurz, womit Sie sich wissenschaftlich beschäftigen?

Birte Pfleger-Cullinan: Mein erstes Interesse galt der frühen amerikanischen Geschichte und der Rolle der Deutschstämmigen darin. Es gab damals z. B. deutschsprachige Zeitungen. Da ist man als Muttersprachlerin natürlich im Vorteil beim Quellenstudium. Das hat mich häufig nach Philadelphia geführt, sodass ich auch das Leben an der Ostküste ganz gut kenne. Irgendwann muss man sich dann mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts beschäftigen. Es gab den Fall eines 1927 eingewanderten deutschen Pastors, der 1943 als NS-Spion verurteilt wurde. Spannender als die Frage, ob der Mann wirklich spioniert hat oder nicht, ist der Umgang der Deutschen Gesellschaft in Philadelphia mit dem Fall. Wie die meisten anderen Einwanderorganisationen tun sie sich schwer mit der Vorstellung, dass es in ihren Reihen Nazis gegeben hat.

Venice Beach Canals
Idylle in Los Angeles: Venice Beach Canals

Traumlandschaft Südkalifornien

Frage: Die deutsche Kultur hat sie also immer begleitet in den USA. Hatten Sie jemals Heimweh?

Birte Pfleger-Cullinan: Nur in den ersten drei Monaten. Das südkalifornische Klima und der Lebensstil hier haben mich schnell überzeugt. Meinen Kindern zeige ich gerne meine Heimat im Sommer, wenn alles grün ist. Aber die tiefhängenden Wolken des Niederrheins fehlen mir nicht. Außerdem hat mich die ungeheure Vielfalt an Menschen aus aller Welt an Südkalifornien immer fasziniert. Das ist hier Teil der DNA, auch wenn sich in dieser Beziehung in Deutschland in den letzten Jahren vieles verändert hat.

Frage: Also müssen deutsche Studierende keine Angst vor dem Moloch L.A. haben?

Birte Pfleger-Cullinan: Nein, das finde ich nicht. Unser Campus ist z. B. von Hügeln umgeben. Andererseits sind es bis zum Strand auch nur 25 Meilen. Wenn Sie sich eineinhalb Stunden ins Auto setzen, können Sie in jeder Himmelsrichtung eine andere Landschaft entdecken – und absolute Einsamkeit.

Frage: Was haben Sie für organisatorische Tipps für deutsche Studierende, die an die CalState LA kommen?

Birte Pfleger-Cullinan: Wenn Sie nur die begrenzte Zeit eines Auslandssemesters haben, bietet es sich an, auf dem Campus oder in der unmittelbaren Nachbarschaft zu wohnen. Das International Office ist dabei behilflich. Wer länger bleiben kann, sollte durchaus einen Gebrauchtwagen in seinem Budget einplanen. Wir haben hier inzwischen zwar einen Öffentlichen Nahverkehr und auch Fahrradfahren ist in. Aber Südkalifornien entdeckt man am Ende doch am besten vom Auto aus.

California State University Los Angeles
Cal State LA President William A. Covino mit den Preisträgerinnen des 20. Distinguished Women Award, darunter Dr. Birte Pfleger-Cullinan (hintere Reihe, 2 von r.)

Engagierte Frauen an der CSULA

Frage: Zum Schluss: Sie haben in diesem Frühjahr eine Auszeichnung der CalState LA erhalten. Können Sie kurz erklären, worum es dabei geht?

Birte Pfleger-Cullinan: Ja, ich freue mich eine der Preisträgerinnen des 20. Distinguished Women Awards zu sein. Die Idee dazu hatte damals eine Dekanin, die wollte, dass die Leistungen von Frauen besser anerkannt werden. Dabei geht es natürlich um den Einsatz im Job, aber vor allem um Engagement darüber hinaus. Für mich ist es selbstverständlich, mich für meine Studierenden zu engagieren. Kürzlich zum Beispiel brauchte jemand ganz schnell ein Zimmer, um nicht auf der Straße zu stehen. Da bin ich dann gerne behilflich und kümmere mich. Unser Department Chair hat mich deshalb freundlicherweise als Preisträgerin vorgeschlagen. Überhaupt ist die Gleichstellung von Mann und Frau ja ein Dauerthema. Als berufstätige Mutter weiß ich wovon ich spreche. Ich musste um mehr freie Zeit nach der Geburt meiner Kinder kämpfen. Inzwischen wird ein bezahltes Freisemester gewährt. Solche Veränderungen passieren nicht, ohne dass sich Menschen dafür engagieren.

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