Die passende Universität für Ihr Auslandsstudium:
Uni- und Programmsuche
1.
2.
3.

Auslandssemester in Neuseeland trotz Corona

Als sich im März die Corona Pandemie weltweit ausbreitet, hatte IEC Alumnus Linus gerade sein Auslandssemester in Neuseeland begonnen. Ein frühzeitiger Abbruch kam für ihn nicht in Frage. Wie er sein Auslandssemester unter diesen besonderen Umständen erlebt hat, erzählt er uns im Interview. 

In seinem Auslandssemester in Neuseeland hält Linus unvergessliche Naturspiele fest
In seinem Auslandssemester in Neuseeland hält Linus unvergessliche Naturspiele fest

Im März beginnt Linus sein Auslandssemester im Bereich Sportmanagement in Neuseeland. Mitte März stellt ihn die Corona Pandemie dann vor die Entscheidung nach Deutschland zurückzukehren, jedoch entscheidet sich Linus dafür in Neuseeland zu bleiben. Den Lockdown hat er in seiner Studierendenunterkunft verbracht und von dort aus erfolgreich das Onlinesemester absolviert. Wir haben mit ihm über seine Erfahrungen gesprochen.

"Die größte Erkenntnis war, dass egal wie gut man etwas plant, immer etwas Unvorhergesehenes passieren kann, worauf man dann spontan reagieren muss."

IEC: Linus, Sie haben zum Ausbruch der Corona-Pandemie Ihr Studium in Neuseeland begonnen. Wie haben Sie die Situation vor Ort wahrgenommen?

Linus: Im weltweiten Vergleich schlägt sich Neuseeland überaus gut im Umgang mit der Pandemie. Nach einem strikten Lockdown, als die ersten Fälle bekannt wurden, gab es über mehrere Wochen keine Neuinfektionen. Als Ende August erstmals wieder ein Fall außerhalb der extra für heimkehrende Kiwis eingerichteten Quarantäne-Einrichtungen nachgewiesen wurde, reagierte die Regierung schnell und entschlossen. Auckland, wo dieser Fall auftrat, wurde umgehend wieder in einen Lockdown versetzt und auch der Rest des Landes musste sich wieder an verschärfte Sicherheitsmaßnahmen halten. Dieses Vorgehen erwies sich trotz aufkommender Kritik als effizient, da dadurch eine weitere Ausbreitung gestoppt werden konnte und mittlerweile wieder über einen längeren Zeitraum keine Übertragung innerhalb der Gesellschaft stattfand. Seit dem 7. Oktober ist daher auch Auckland wieder zum Normalzustand zurückgekehrt. Die Tatsache, dass im Rest der Welt eine Pandemie wütet, Einschränkungen des privaten Leben und Maskenpflichten verhängt wurden, scheint hier zum Teil surreal, da alles seinen gewohnten Gang nehmen kann.

Während der Quarantäne war das Campusleben ein anderes. Dafür konnte Linus sich voll und ganz auf sein Studium konzentrieren
Während der Quarantäne war das Campusleben ein anderes. Dafür konnte Linus sich voll und ganz auf sein Studium konzentrieren

IEC: Welche Schutzmaßnahmen hat die Universität getroffen? Fühlten Sie sich dadurch gut geschützt? Und wurden Sie in Ihrer Studienerfahrung eingeschränkt?

Linus: Die Universität wirkte zunächst leicht überfordert mit dieser komplett neuen Situation umzugehen. Einheitliche staatliche Richtlinien haben allerdings für alle Unis im Land klare Rahmenbedingungen geschaffen, wie die Sicherheit der Studierenden gewährleistet werden kann. Das Semester wurde zunächst für zwei Wochen unterbrochen, um allen Lehrkräften die Zeit zu geben sich auf Online-Unterricht einzustellen und die Inhalte ihrer Kurse anzupassen. Der Rest des Semesters und alle Prüfungen wurden daraufhin online abgewickelt und die Campuseinrichtungen wurden bis auf weiteres geschlossen. Erst als die Situation unter Kontrolle war durften Bibliotheken, Mensen und Vorlesungssäle wieder unter Einhaltung der Abstands-, Hygiene- und Kontaktverfolgungsregeln genutzt werden. Große Einschränkungen ergaben sich dadurch auch in dem Studierendenwohnheim, wo ich während des Semesters gelebt habe. Obwohl viele dort lebende Studierende zu ihren Familien oder in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind, hat die Einrichtung, welche direkt auf dem Campus gelegen ist, weiter diejenigen beherbergt, die nicht nach Hause zurückkehren wollten oder konnten.
Um trotzdem die engen Kontakte zu minimieren, wurden die Studierenden so auf die verschiedenen Wohnheime aufgeteilt, dass maximal sechs Personen in einer sozialen Blase lebten. Gemeinschaftsräume wurden geschlossen, die Hygienestandards erhöht und jeder Gruppe spezifische Essenszeiten zugewiesen. Das Leben auf dem Campus hat sich dadurch natürlich stark verändert, aber es wurde sichergestellt, dass sich alle verbliebenen möglichst sicher auf das Online-Studium konzentrieren konnten.
Zusätzlich wurden die verbliebenen Studierenden mit Zoom-Events, Care-Paketen und Tipps für einen strukturierten, aktiven Tagesablauf innerhalb der Quarantäne bei Laune gehalten. Positiv hervorzuheben ist außerdem, dass auf dem weitläufigen Campus-Gelände immer noch Kontakte zu Studierenden, die nicht der eigenen sozialen Blase angehörten, gepflegt werden konnten, dass diejenigen die sich dazu entschieden haben das Studierendenwohnheim zu verlassen unbürokratisch ihr Geld zurückbekommen haben und dass klare, sinnvolle Regelungen kommuniziert wurden, die zur Sicherheit und zum Wohlbefinden aller Bewohner/innen und Mitarbeiter/innen beigetragen haben.

"Für mich war es keine Option den langersehnten Auslandsaufenthalt nach nur einem Monat bereits abzubrechen."

IEC: Warum hatten Sie sich überhaupt dazu entschieden trotz der Corona Pandemie vor Ort zu bleiben? 

Linus: Der ausschlaggebende Grund für meinen Verbleib war, dass alleine die Rückreise ein größeres Infektionsrisiko bedeutet hätte, als ein Verbleib in dem bis dato wenig betroffenen Neuseeland. Außerdem war es für mich keine Option den langersehnten Auslandsaufenthalt nach nur einem Monat bereits abzubrechen - auch eine Pandemie erschien mir nicht als ausreichende Begründung für einen frühzeitigen Abbruch dieser einmaligen Erfahrung. Zu guter Letzt wollte ich die zahlreichen neuen Freundschaften, die in den ersten Wochen geknüpft wurden nicht so abrupt durch meine Heimkehr enden lassen, sondern lieber durch gemeinsames Durchstehen der Ausnahmesituation intensivieren. Diese Entscheidung habe ich zu keinem Zeitpunkt bereut und würde immer wieder genauso handeln.

Linus hat sein Auslandssemester trotz Corona in vollen Zügen ausgekostet
Linus hat sein Auslandssemester trotz Corona in vollen Zügen ausgekostet

IEC: Was nehmen Sie aus Ihrer Zeit im Ausland mit, sowohl auf Ihr Studium bezogen, als auch auf Ihre persönliche Entwicklung?

Linus: Das Auslandsstudium hat mir viele wertvolle Erfahrungen beschert. Auf mein Studium bezogen hat es mir die unterschiedlichen Ausbildungskonzepte in anderen Ländern nähergebracht. Ich habe gelernt mit neuen Herausforderungen besonnen umzugehen. Aber die größte Erkenntnis war, dass egal wie gut man etwas plant, immer etwas Unvorhergesehenes passieren kann, worauf man dann spontan reagieren muss.

IEC: Glauben Sie Ihre Auslandserfahrung wäre ohne Corona eine sehr andere gewesen?

Linus: Ohne Corona wäre meine Auslandserfahrung sicherlich anders verlaufen. Das Leben auf dem Campus, das Studienkonzept, aber auch die Reisefreiheit haben sich durch die Pandemie schon sehr verändert. Auf der anderen Seite hat mir der Lockdown allerdings auch geholfen die Zeit und Konzentration zu finden, um meine Bachelor-Arbeit fertigzustellen, was während des Semesters unter "normalen" Bedingungen eventuell schwierig geworden wäre. Da ich glücklicherweise das Land als Ziel gewählt habe, welches Corona mit am besten unter Kontrolle hat, hatte ich das Glück zu einer Normalität zurückzukehren, die für die meisten anderen Länder weltweit derzeit undenkbar ist. Daher bleibt mein Aufenthalt in Neuseeland eine unvergessliche, zwar spezielle, aber einzigartig schöne Erfahrung, die ich gegen nichts eintauschen möchte.

IEC: Wie schön, dass Sie eine gute Erfahrung hatten. Was waren denn Ihre Top 3 Erlebnisse während Ihres Auslandsaufenthalts?

Linus: Das erste Highlight war wahrscheinlich der erste Monat während meines Auslandssemesters, wo Corona noch weit entfernt wirkte und nicht allgegenwärtig war. Den Austausch mit Studierenden aus aller Welt und den lebhaften Alltag auf dem Campus habe ich sehr genossen. Das zweite Highlight war als Neuseeland COVID-19 zum ersten Mal besiegt hatte und offziell alles wieder zur Normalität zurückkehren konnte. Da dies am Ende des Semesters geschah, steht der Roadtrip über die Südinsel in enger Verbindung dazu. Reisen war zuvor nicht wirklich möglich, weshalb ich dann umso glücklicher war, als ich den Campus verlassen und in ein Abenteuer starten konnte. Und das dritte Highlight war die Skisaison, welche ich in Queenstown verbracht habe. Hier konnte ich viele neue Freunde finden, die Zeit mit der schönsten Sportart überhaupt verbringen und habe ganz nebenbei noch die Nachricht meiner bestandenen Bachelor-Arbeit erhalten.

Where to go from here

Trotz Corona ins Auslandssemester
Trotz Corona ins Auslandssemester

Zurzeit ist Linus mit einem Working-Holiday Visa immer noch vor Ort und kann damit noch bis zu einem Jahr in Neuseeland bleiben. Wie genau es von hier aus für ihn weitergeht, weiß Linus selbst noch nicht genau. Er könnte sich allerdings auch vorstellen noch einen Master in Neuseeland zu absolvieren.

Wenn Sie auch vom Auslandssemester träumen, haben wir Ihnen einige Destinationen zusammengestellt, die ab Spring 2021 Präsenzunterricht anbieten. Melden Sie sich bei uns! Das IEC Beratungsteam berät Sie gerne ausführlicher im Gespräch.

Trotz Corona ins Auslandssemester

Geschrieben von: