Studieren in Südamerika

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Kurzprofil

Südamerika ist mehr als heiße Rhythmen wie Salsa und Tango. Der Subkontinent beeindruckt mit einmaligen Landschaften, Zeugnissen alter Hochkulturen und durchläuft beachtliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandlungsprozesse. Keine andere Weltregion hat so viele verschiedene Staaten mit einer Muttersprache: Spanisch. Das vereinfacht das Reisen deutlich, wenn man zumindest sprachliche Grundkenntnisse mitbringt. Nur in Brasilien wird portugiesisch gesprochen. Mit seinem Faible für den Karneval genießt das Land ohnehin einen Sonderstatus.

Von Küste zu Küste, durch Regenwald und durch die Anden

Um die Betrachtung der geografischen Besonderheiten mit einem Kalauer zu beginnen: Wie Schleswig-Holstein ist Südamerika meerumschlungen. Das allerdings von zwei echten Ozeanen, dem atlantischen und dem pazifischen. Von Nord nach Süd verläuft mit den Anden über 7.500 km die längste Bergkette des Planeten. Und mit dem Flusssystem des Amazonas verfügt der Subkontinent nicht nur über den wasserreichsten Strom. Dieser ist zugleich Voraussetzung für das vielfältige Leben im dortigen Regenwald, der die vielleicht wichtigste grüne Lunge der Erde darstellt.

Vieles von dem, was wir von diesen facettenreichen Landschaften wissen, verdanken wir dem Forschergeist eines brandenburgischen Landedelmannes zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Alexander von Humboldt war im Gegensatz zu den spanischen und portugiesischen Eroberern in den drei Jahrhunderten zuvor ein echter Entdecker Südamerikas. Manchen Fußbreit dieser Landschaft hatte vielleicht wirklich noch nie ein Mensch vor ihm betreten. Doch Humboldts entscheidendes Vermächtnis war die Dokumentation seiner Entdeckungen in Wort und Bild, was damals handschriftliche Notizen und Zeichnungen bedeutete.

Naturgeschichte mit Humboldt, politische Geschichte mit Bolívar

Zahlreiche naturwissenschaftliche Fächer verdanken ihre Entstehung Alexander von Humboldts Forschungsreisen. Ob Geografie, Flora oder Fauna: Alles hielt er mit nie endender Neugier fest. Das hat ihm nicht nur einen einmaligen Platz in der globalen Wissenschaftsgeschichte eingebracht. Überall in Südamerika wird er bis heute verehrt. Nur Simón Bolívar hat wahrscheinlich mehr Standbilder in allen Winkeln der Region.

Mit letzterem Namen sind wir in der nicht unblutigen Geschichte des Subkontinents. Simón Bolívar, ein Zeitgenosse Humboldts, führte den Freiheitskampf der nördlichen Regionen Südamerikas gegen das spanische Mutterland an. Die Einheit gegen die Kolonialherren reichte allerdings nicht für eine staatliche Vereinigung: Es entstanden mehrere Staaten, die zum Teil immer wieder Grenzkriege führten, was in deutlichem Gegensatz zu Bolívars panamerikanischen Vorstellungen steht. Besonders bizarr: Das nach ihm benannte Bolivien unterhält als Binnenstaat seit Jahrzehnten eine Marine, weil es hofft, wieder Zugang zum Pazifik zu erhalten. Die Nachbarstaaten Chile und Peru konnten sich für einen Korridor aber bisher nicht erwärmen.

Weltstars in Literatur und Fußball

Dennoch: Die Literatur und der Katholizismus verbinden die meisten südamerikanischen Staaten. Vier spanischsprachige Literaturnobelpreisträger hat die Region seit 1945 hervorgebracht. Dass ein Argentinier heute Oberhaupt der katholischen Kirche ist, erfüllt wahrscheinlich die Mehrheit der Südamerikaner mit Stolz. Ein weiteres Thema, das viele als Glaubensfrage behandeln, verbindet den Kontinent ebenfalls, nämlich der Fußball. Die Fußballbegeisterung reicht von der Karibikküste Venezuelas bis zu den kalten Gefilden am Kap Hoorn. Profifußball gab es hier schon deutlich früher als in Europa. Die erste Fußballweltmeisterschaft überhaupt fand 1930 in Uruguay statt. Es folgten Brasilien 1950 und 2014, Chile 1962 und Argentinien 1978.

Die Länder Südamerikas verbindet also ebenso viel wie sie trennt. Das zeigt sich auch an der Bevölkerungsstruktur, die sich historisch zum Teil sehr unterschiedlich entwickelt hat. Vom mächtigen Reich der Inka blieb kaum mehr als die weltberühmten Ruinen von Machu Picchu. Sie liegen in Peru, wo im Vergleich die meisten Einwohner indigene Vorfahren haben. Ein Besucher der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, mag im ersten Augenblick glauben, sich in einer spanischen Großstadt zu befinden. Hier stammt die Bevölkerung neben Spaniern vor allem von Italienern und Deutschen ab. In Brasilien hingegen, das die Sklaverei kannte, haben viele Menschen sowohl afrikanische wie europäische Vorfahren.

Es gibt also viel zu entdecken während eines Auslandsstudiums in Südamerika. Dafür muss man nicht zwangsläufig bereits Spanisch beherrschen. Führende Universitäten in Argentinien, Chile und Peru bieten auch englischsprachige Studienprogramme an.

geschrieben von Hilka Leicht