Erfahrungsbericht: Veronika Staudigl

Veronika Staudigl
„Zwischen Lamas und Inkamauern - Auslandssemester in Cusco“

Im Wintersemester 2017/18 habe ich an der Universität San Ignacio de Loyola (USIL) in Cusco, Peru, ein Auslandssemester absolviert.

 

Davor

Da meine Heimatuniversität in Regensburg für das Fach Psychologie keinen Austausch nach Südamerika anbietet, habe ich mir Hilfe bei IEC gesucht und bin als Freemover nach Peru. Die Liste der Dinge, die zu organisieren sind, ist ziemlich lang, also wartet damit lieber nicht bis zum letzten Moment. IEC steht aber bei allen möglichen Fragen zum Auslandssemester schnell und kompetent zur Verfügung. Ich habe damals auch Auslandsbafög beantragt und erhalten. Ohne das hätte ich mir das Semester wohl nicht finanzieren können, da die Studiengebühren für deutsche Verhältnisse recht hoch sind.

 

 

Ankunft - die Stadt Cusco

Cusco ist eine wunderschöne Stadt in den Anden Perus, berühmt für ihre Nähe zu Machu Picchu und ihren Reichtum an Archäologie aus der Inka-Zeit. Cusco liegt auf gut 3400 Metern – dabei ist die Höhe nicht zu unterschätzen, wenn man direkt dorthin fliegt. Ich lag die ersten paar Tage erst mal krank im Bett, aber ich habe auch von vielen Leuten gehört, die nicht oder kaum höhenkrank wurden. Definitiv ist es aber so, dass selbst nach einiger Zeit in Cusco das Treppensteigen oder Sportmachen immer noch etwas schwerer fällt als Zuhause. Aufgrund der Höhe ist es leider auch relativ kühl. Bei meiner Ankunft im August, einem der kältesten Monate, hatte es tagsüber um die zehn, nachts um die drei Grad. Da es in fast keinem der Häuser Heizungen gibt, braucht man nachts sehr viel Decken und tagsüber warme Kleidung – das habe ich anfangs unterschätzt. Noch dazu ist es ein bekanntes Problem, dass bei dem Flug nach Cusco das Reisegepäck irgendwo auf dem Weg steckenbleibt. Kleiner Tipp am Rande: Egal was die Fluggesellschaft erzählt, JEDER muss sein Gepäck am internationalen Flughafen in Lima zunächst abholen und dann für den Flug nach Cusco neu aufgeben. Wenn man, wie ich, dann die erste Woche ohne Koffer und Wechselkleidung dasteht, kann man auf einen der vielen Märkte gehen und sich günstig etwas kaufen. So ist der San Pedro Markt ein absolutes Muss. Er bietet neben vielen Souvenirs und Kleidung auch jegliche Art von Lebensmitteln, Fleisch, Gemüse, Brot, eine Saftbar und viele Stände mit Mittagessen. Ansonsten lohnt sich auf jeden Fall ein Ausflug hoch zu Cristo Blanco, der riesigen Jesusstatue oben am Berg, da die Aussicht auf die Stadt ziemlich beeindruckend ist.

Blick auf Cusco

Für Studenten gibt es für 70 Soles (etwa 17,50 €) das Cusco Tourist Ticket zu erwerben. Das erlaubt etwa eine Woche lang den Zugang zu vielen Museen und Ruinen in Cusco, wie Qoricancha und Saqsayhuman, und in der Umgebung wie beispielsweise zur Festung in Ollantaytambo oder den Ruinen in Pisaq. Die Uni bietet zu Beginn des Semesters ein Gesamtpaket an, dieses beinhaltet eine Stadttour in Cusco, eine Tour ins Heilige Tal und eine Tour zu Machu Picchu. Wer das nicht machen möchte, kann selbst eine geführte Stadttour buchen oder eben das Tourist Ticket kaufen, um auf eigene Faust alles zu erkunden. Ansonsten gibt es in Cusco noch viele nette Cafés, Restaurants und Bars rund um den Plaza de Armas zu entdecken. Wer Lust auf Salsatanzen hat, kann abends in eine der Discos am Plaza gehen, dort werden täglich kostenlose Salsastunden zwischen 21 und 23 Uhr angeboten. Zum Weggehen kann ich weiterhin die Bar des Hostels „Loki“ wärmstens empfehlen. Und wer auf gutes Eis oder Snacks steht, muss mindestens einmal in das Eiscafé „Qucharitas“.

 

 

 

Wohnen

Von Seiten der Universität in Cusco wurde mir angeboten, entweder im Studentenwohnheim Casa Don Ignacio oder in einer Gastfamilie zu wohnen. Ich habe mich für eine Gastfamilie entschieden, da ich die gesamte kulturelle Erfahrung wollte und außerdem mein Spanisch verbessern. Die Gastfamilien sind mit 21 USD/Tag für Essen und Wohnen für peruanische Verhältnisse nicht ganz günstig, aber es hat sich meiner Ansicht nach trotzdem gelohnt. Die ersten drei Wochen lebte ich in einer Familie, in der ich mich leider nicht sehr wohl fühlte. Die Organisation, die vor Ort für die Gastfamilien zuständig ist, hat mir dann aber sofort weitergeholfen. Ich konnte mir drei andere Familien anschauen und innerhalb von kürzester Zeit wechseln. Mit meiner zweiten Gastfamilie habe ich mich sehr gut verstanden, wurde herzlich aufgenommen und habe immer noch Kontakt mit ihnen. Dass meine Familie nur wenig Englisch sprach, war von Vorteil, da ich gezwungen war, Spanisch zu sprechen. Familienfeste, peruanische Küche, viele Gespräche über Kulturunterschiede und Traditionen – ich bekam einen guten Eindruck von Land und Leuten. Von meiner Gastfamilie aus brauchte ich ca. 30 Minuten mit dem Bus zur Universität.

 

 

Die Uni

Die Uni liegt in bester Lage inmitten des Stadtzentrums in einem malerischen Gebäude mit nettem Innenhof. Was mich zunächst schon schockiert hat ist die Tatsache, dass wir insgesamt nur zehn (!) Studenten an der ganzen Uni waren, und wir waren alle Internationals. Das heißt, man studiert nicht zusammen mit Einheimischen, sondern nur mit anderen Studenten, die auch im Auslandssemester sind. Diese zehn Studenten verteilen sich dann auf verschiedene Kurse. Aus dem großen Kursangebot darf man acht Kurse mit Prioritäten wählen und bekommt letztendlich vier davon. In jedem Kurs sind dann entsprechend der Anzahl an Studenten nur zwei bis vier Personen plus Prof, was das ganze sehr persönlich macht. Insgesamt ist das System an der Uni sehr verschult: 70 % Anwesenheitspflicht (bzw. 80 in Sprachkursen), kleine Kurse, viele Referate und Arbeitsaufwand unter dem Semester, viele Einbringungsmöglichkeiten durch die Studenten und verhältnismäßig leichte Midterm- und Abschlussprüfungen. Gerade im verpflichtenden Spanischkurs war das aber sehr von Vorteil. Abgesehen davon bietet die Uni in jedem Fach Field Trips an, meist an Freitagen, die interaktiv und vor Ort einen praktischen Ausgleich zu den theorielastigen Vorlesungen bietet. So besuchten wir beispielsweise in meinem Kurs zur Inkageschichte viele Ruinen in und um Cusco. Weiterhin belegte ich noch einen Spanischkurs, einen Kurs zur Biodiversität in Peru und Kommuikationspsychologie. Letzterer war der einzige Kurs, der mit meinem eigentlichen Studienfach etwas zu tun hatte. Leider hat mir allerdings gerade dieser Kurs aus verschiedenen Gründen nicht sehr gut gefallen.

Abgesehen von den Vorlesungen war jeden Mittwoch Volunteering. Zwei Professoren aus der Uni organisierten jede Woche ein anderes Projekt, an dem, wer Interesse hat, freiwillig teilnehmen kann. Sei es im Heim für Straßenhunde, in benachteiligten Schulen im Umland oder anderen sozialen Einrichtungen.

Ein großer Vorteil durch die geringe Größe der Universität war definitiv die Hilfsbereitschaft von allen Seiten. Nicht nur bei Problemen an der Uni, nein, bei allen möglichen Fragen waren mir immer alle stets zur Seite. Wer Geburtstag hatte, bekam von Seiten der Universität einen Kuchen und die ganze Studenten- und Lehrerschaft sang ein Ständchen. Diese und andere nette kleine Gesten machten die Stimmung an der Uni sehr vertraut und angenehm.

Innenhof der Universität

 

                                                                                                                                          

Freizeit

Neben der Uni hatten wir auch viel Zeit für anderes. Viele Wochenenden sowie die eine Woche Ferien im Oktober verbrachten wir mit Kurztrips in die Nähe von Cusco. Von Cusco aus kann man gut mal zu Machu Picchu, nach Puerto Maldonado in den Jungel, nach Puno zum Lago Titicaca, in die „weiße Stadt“ Arequipa oder auch mal nach Lima. Zu empfehlen ist auch ein Ausflug ins Heilige Tal, etwa 45 Minuten mit dem Bus entfernt. Dort ist das Wetter immer etwas besser als in Cusco, die Landschaft ist ganz schön und es gibt viele alternative Menschen aus dem Ausland, die sich dort niedergelassen haben. Seit zwei Jahren stark im Trend steht ein Tagesausflug zum Rainbow Mountain. Die Wanderung ist dabei nicht zu unterschätzen, da man sich gegen Ende auf über 5000 Meter über Meeresspiegel befindet und da das Atmen nicht mehr so leichtfällt. Der Ausblick auf den wunderschönen Rainbow Mountain macht dann den schweren Aufstieg wieder wett, allerdings sollte man sich vorher gut über das Wetter informieren. Bei Regen, Schnee und Nebel ist von einer Tour dorthin schwer abzuraten.

Rainbow Mountain

 

Danach

Mit den Abschlussprüfungen Ende November und einem Abschlussessen Anfang Dezember schloss ich mein Auslandssemester ab. Letztendlich muss ich zugeben – wie es sooft der Fall ist – dass mein Fokus in der ganzen Zeit nicht ausschließlich auf der Universität lag, da ich nur einen der vier Kurse für mein Studium in Deutschland nutzen konnte. Vielmehr definierte meine Zeit in der Gastfamilie, die Wochenendausflüge und die neugeschlossenen Freundschaften mein Auslandssemester.

Da das Semester bereits Anfang Dezember endete, hatte ich danach bis zum nächsten Semester in Deutschland im April noch reichlich Zeit, in Südamerika zu Reisen. Von Peru aus auf dem Landweg über Ecuador nach Kolumbien – was für eine spannende Zeit! Und wie gut, dass ich davor in Cusco gut Spanisch geübt habe. Letztendlich eine großartige Erfahrung, an der ich stark gewachsen bin und die ich jedem herzlich empfehlen kann.