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Erfahrungsbericht: Tobias Mauch

Tobias Mauch
„Open your eyes, smile and you'll never walk alone in Liverpool!“

Vorbemerkung

Während meines Bachelorstudiums hatte ich die Gelegenheit ins Ausland zu gehen nicht ergriffen. Im Master wollte ich dies unbedingt ändern und diese Erfahrung nachholen. Für mich kam von Beginn an nur ein englischsprachiges Land in Frage. Nach mehreren Aufenthalten in London entschied ich mich dafür, nach Großbritannien zu gehen. Da zum damaligen Zeitpunkt leider keine Austauschprogramme zwischen meiner Heimatuniversität und britischen Universitäten angeboten wurden, nahm ich die Organisation selbst in die Hand und versuchte es als Free Mover. Die Beratungsagentur IEC stand mir dabei von Beginn an zur Seite und half mir beim Bewerbungsprozess. Letztendlich fiel die Wahl auf die University of Liverpool im Nordwesten Englands.

Bewerbung

Auf die erste Kontaktaufnahme mit dem IEC folgten weitere Beratungsgespräche, in denen mir mehrere IEC-Partneruniversitäten vorgeschlagen wurden, darunter Unis in Southampton, London und eben auch Liverpool. Als ich mich für Liverpool entschieden hatte, sendete ich Anfang Mai alle relevanten Bewerbungsunterlagen nach Berlin zum IEC, das wiederum meine Unterlagen bearbeitet und schließlich an die University of Liverpool weitergeleitet hat. Mitte/Ende Juni kam dann das Studienplatzangebot aus Liverpool hereingeflattert, das ich innerhalb weniger Tage annehmen musste. In den kommenden Wochen konnte ich mich für die Studentenwohnheime bewerben und meine Kurswahl treffen.

Anreise

Eine direkte Flugverbindung aus dem Bundesland Bayern nach Liverpool gibt es nicht. Direktflüge wären beispielsweise ab Düsseldorf möglich gewesen. Jedoch befindet sich der Flughafen in Manchester nur eine 1-stündige Bus- bzw. Zugfahrt von Liverpool entfernt und wurde sowohl von München als auch von Nürnberg angeflogen. Ich habe beides ausprobiert und bin anfangs von München, nach den Weihnachtsferien von Nürnberg aus nach Manchester geflogen. Bus- und der Zugbahnhof befinden sich dort direkt am Flughafen. Mit dem Bus zahlt man je nach Buchungszeitpunkt zwischen 5 und 10 Pfund nach Liverpool zur großen Bushaltestation Liverpool ONE (ca. 15 Minuten zu Fuß vom Campus entfernt).

Unterkunft und Leben in Liverpool

Vor meinem Auslandssemester hatte ich große Bedenken rechtzeitig vor Beginn des Semesters eine Wohnung in Liverpool zu finden. Im Nachhinein lief aber alles sorgenfrei und entspannt ab. Als Austauschstudent (als Free Mover besitzt man an der Uni Liverpool dennoch den Status eines Erasmus-Studenten) hat man relativ sicher einen Platz in den Student Accommodations direkt am Campus. Für 140 Pfund pro Woche habe ich mir ein kleines Zimmer (ca. 15m²) in einer WG im Studentenwohnheim Tudor Close gleich gegenüber der Metropolitan Cathedral gemietet. Auf den Monat gerechnet ist die Miete zwar vergleichsweise teuer (man würde in privaten Studentenwohnungen wahrscheinlich zwischen 80 – 100 Pfund/Woche zahlen), jedoch würde ich behaupten, dass es das Geld absolut wert war. Die Wohnung ist möbiliert, bestens ausgestattet und sauber, da die gemeinsamen Räume (Küche, Bad) täglich gereinigt werden. Daneben sind Veranstaltungen wie BBQs, Formal Dinners, Movie-Nights oder Parties, die vom Students Hall Committee des Wohnheims organisiert werden, kostenfrei dabei. Das Wohnheim war in mehrere Häuser wie in einem kleinen Dorf aufgeteilt, in denen hauptsächlich Austauschstudenten aus aller Welt sowie englische Studenten, die im kommenden Semester ins Ausland gehen, leben. Ich habe zusammen mit Studenten aus England, Holland, Finnland und auch Deutschland in einer 9er-WG gewohnt. Ein Zusammenleben in einer solch großen WG mag den ein oder anderen anfangs abschrecken. Ich kann nun aber aus eigener Erfahrung sagen, dass es die gesamte Auslandserfahrung wahrscheinlich noch lebenswerter und spannender macht. Man befindet sich auf Anhieb unter Gleichgesinnten und hat Kontakt zu anderen Studenten. Wir haben häufig gemeinsam gekocht, Filme oder Fußball geschaut und sind zusammen ins Liverpooler Nachtleben aufgebrochen. Es standen je 3 Toiletten, Duschen sowie große Kühlschränke zur Verfügung. Wer allein sein möchte, der geht in sein Zimmer. Wer nicht allein sein will, der geht in die Küche – dort ist immer irgendjemand für einen kleinen „Chat“ verfügbar.

Die Stadt Liverpool selbst hat wirklich einiges zu bieten. Es ist eine unheimlich aufregende Stadt und hat seinen ganz eigenen Charme. Mit 4 Universitäten kann man definitiv von einer Studentenstadt sprechen. Wer sich für Fußball interessiert, ist mit den Traditionsvereinen FC Liverpool und dem FC Everton bestens versorgt. Darüber hinaus läuft auf den Bildschirmen in den vielen Pubs der Stadt fast jeden Abend Live-Fußball. Musikfans sind insbesondere im Cavern Quarter gut aufgehoben. Dank der Beatles hat die Musikszene in Liverpool einen besonderen Status. In vielen Pubs und Clubs wird täglich tatsächlich noch Live-Musik gespielt. Auch Kunst- und Kulturliebhaber werden in Liverpool glücklich. Es gibt zahlreiche Museen wie das World Museum oder das Tate Liverpool, tolle Parkanlagen wie den Sefton Park, einen schönen kleinen Hafen rund um das Royal Albert Dock am River Mersey oder eine Vielzahl von größeren öffentlichen Veranstaltungen wie das Giants Festival. Und wer einfach nur gerne feiern und tanzen geht, kann rund um den berühmt-berüchtigten Concert Square in die dutzenden Clubs, Bars und Pubs einkehren.

Die Lebenshaltungskosten sind in Liverpool verglichen zum Rest Großbritanniens, insbesondere zum Süden, günstig und vielleicht etwas höher als in Deutschland. Ich hatte mit wesentlich höheren Ausgaben gerechnet als letztlich angefallen sind, was zu großem Teil allerdings auf die chaotischen Brexit-Verhandlungen und das schwache Pfund-Sterling zurückzuführen war. Wer viel selbst kocht und irgendwann die preisgünstigen Ecken der Stadt kennt, wird hier kein kostspieligeres Leben als in Deutschland führen. Lidl und Aldi sind verstärkt auf dem britischen Markt vorgedrungen und bieten als Discounter billige Alternativen zu Tesco, Sainsbury‘s oder Co-op. Ein Pint Bier kostet im Pub durchschnittlich ca. 3 bis 3.50 Pfund (stark abhängig von der Biersorte/-marke), eine Pizza beim Italiener ca. 10 bis 12 Pfund. Das Geld für die öffentlichen Verkehrsmittel kann man sich meiner Meinung nach sparen. Von der Größe her ist Liverpool überschaubar. Bis auf die Fußballstadien Anfield Road und Goodison Park ist alles zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar. Ich bin wirklich bei Wind und Wetter alles zu Fuß gegangen und habe es sogar genossen. Das Wetter auf der Insel habe ich übrigens nicht so schlecht empfunden, wie wir Deutschen es gerne verspotten. Aufgrund der Nähe zur Irischen See ist das Klima in Liverpool maritim. Das Wetter ist zwar sehr wechselhaft und oft auch sehr windig und regnerisch (man gewöhnt sich aber schnell daran), jedoch ist der Winter wesentlich milder als bei uns in Bayern.

Die Lage Liverpools eignet sich auch perfekt für Trips in die umliegenden Regionen und Städte. In der Nähe befinden sich beispielsweise die Nationalparks Lake District National Park sowie der walisische Snowdonia Park. Städte wie Manchester, Leeds, York, Birmingham, Oxford, wie auch das schottische Edinburgh sind mit dem Zug innerhalb von 3h zu erreichen. Hierbei lohnt sich eine National Railcard für junge Leute, die zwischen 16 und 25 Jahren alt sind, mit der man bei jeder Zugfahrt rund 1/3 des Ticketpreises spart. Besonders empfehlen kann ich meinen absoluten Lieblingsort, der nur eine gute halbe Stunde von Liverpool entfernt ist, den Formby Beach. Ja, richtig gehört! In England gibt es tatsächlich auch einen Strand im Ort Formby, in dem Größen des Fußballs wie Jürgen Klopp oder Steven Gerrard ihren Wohnsitz haben. Hinter einem wunderschönen Wald befindet sich ein langer Sandstrand an der Irischen See, an dem sich die Engländer auch bei Temperaturen unter 20°C gerne in die Sonne legen und relaxen.

Die University of Liverpool

Die University of Liverpool ist mit über 30.000 Studenten die größte Uni in Liverpool. Ich würde sie als sehr internationale und modern ausgestattete Campus-Universität bezeichnen. Sie gehört zur sogenannten Russell Group, also den 24 besten Universitäten Großbritanniens. Ich selbst habe an der School of Management studiert und Veranstaltungen der Postgraduate-Programme Finance & Accounting sowie Human Resource Management besucht. Im Vergleich zum Niveau im Master meiner Heimatuni würde ich behaupten, dass die Inhalte der Veranstaltungen wesentlich allgemeiner gehalten sind und vielleicht sogar noch theoretischer vermittelt werden als in Deutschland. Die größte Hürde war meiner Meinung nach die Sprache, und nicht der Schwierigkeitsgrad der Lehrveranstaltungen. Wer bereits zuhause Prüfungen, Präsentationen oder Essays in englischer Sprache gehalten und geschrieben hat, sollte keinerlei Probleme haben. Jeder Austauschstudent wählt in der Regel 3-4 Module aus dem Veranstaltungskatalog, für die man je 15 UK Credits, also umgerechnet ca. 7,5 ECTS an der Heimatuniversität bekommt. Die meisten Module bestehen aus einer schriftlichen Prüfung am Ende des Semesters sowie einem Essay und einer Präsentation während des Semesters. Zum Arbeiten/Lernen sowie für Gruppenarbeiten gibt es genügend Platz in den beiden Bibliotheken Sidney Jones Library und Harold Cohen Library, die 24 Stunden 7 Tage die Woche geöffnet sind. Während der Prüfungsphase ist es in den Bibliotheken allerdings sehr voll. Ich habe deshalb immer vorgezogen, zuhause zu lernen, da ich dort selbst dafür verantwortlich war, wenn ich mich ablenken oder stören ließ, und bin damit ganz gut gefahren.

Abwechslung zu den Vorlesungen und dem Anfertigen von Essays bieten beispielweise die verschiedenen Student Societies der Uni, in denen man sich engagieren, aktiv am Studentenleben teilnehmen und wiederum neue Leute kennenlernen kann. Innerhalb der Societies trefft ihr euch regelmäßig und könnt an Veranstaltungen unterschiedlichster Art teilnehmen. Das Spektrum der Societies reicht von Fußball und Quidditch bis hin zu Katzenpflege, Rap oder Backen. Unabhängig von den Societies kann man auch an den regelmäßigen Veranstaltungen und Ausflügen der Guild of Students, der Studentenvereinigung der Uni teilnehmen. Darüber hinaus findet man am Campus auch ein großes Sports and Fitness Centre mit Fitnessstudio, Schwimmbad, Squash Courts, Fitnesskursen, Kletterwänden etc…

Fazit

Viele Studenten, die nach einem Auslandssemester nach Hause zurückkehren, geraten bei ihrer „Abroad-Erfahrung“ ins Schwärmen und sprechen gar von der besten Zeit ihres Lebens. Für mich klang das immer sehr weit ausgeholt und übertrieben. Ich meine, so schlecht ist das Leben/Studium zuhause ja auch nicht. Zu diesen Superlativen möchte ich deshalb nicht greifen. Ich denke aber ebenso unheimlich gern an diese wirklich fantastische Zeit zurück und rate jedem Studenten für mind. 1 Semester ins Ausland zu gehen, sofern die Möglichkeit dazu besteht. Die Zeit vergeht wie im Fluge und ist im Nachhinein eigentlich viel zu kurz. Das Außergewöhnliche an dieser Zeit sind wohl die Veränderung und die unzähligen neuen Eindrücke. Man wird selbständiger, selbstbewusster, aufgeschlossener und bekommt durch den Kontakt mit Menschen aus allen Ecken dieses Planeten eine ganz andere Wahrnehmung für andere Länder, Kulturen und auch Religionen. Ich habe viele neue Freunde gewonnen, egal ob aus England selbst oder aus Fernost aus China und bin darauf - neben eines erfolgreich abgeschlossenen Studiensemesters - besonders stolz. Wie nachhaltig diese Freundschaften sind, wird die Zukunft zeigen. Eines ist jedoch sicher, wer nach Liverpool geht und stets mit offenen Augen und einem Lächeln durch die Uni und die Stadt wandert, der wird anschließend ganz getreu dem Motto des FC Liverpools „You’ll never walk alone“ viele tolle Momente mit vielen großartigen Menschen teilen können.

@Anfield Road

@Formby Beach

@Sefton Park