Erfahrungsbericht: Stefan Johannes Funk

Stefan Johannes Funk
„San Diego - „America‘s Finest City““

 

Die Idee für ein Semester ins Ausland zu gehen hatte ich schon seit dem Bachelor Studium, doch nie richtig den Mut dazu. Eines war mir aber klar, wenn Ausland dann ins Warme und in ein englischsprachiges Land. Während meines ersten Semesters im Master Wirtschaftsingenieurwesen konkretisierten sich dann die Pläne und nach kurzem Recherchieren war San Diego die perfekte Wahl. Nicht umsonst ist San Diego „America‘s Finest City“.

Vorbereitung (Planung, Organisation und Bewerbung bei der Gasthochschule)

Im Gegensatz zu anderen Auslandsaufenthalten und wider meiner Erwartungen war die Planung und Bewerbung äußerst unkompliziert und komfortabel. Für Freemover (also ohne Partneruniversität) eignen sich Organisationen wie IEC besonders, denn sie unterstützen Studenten kostenlos und umfassend bei der Organisation und Bewerbung. Die Bewerbungsunterlagen werden erst an die Gast-Universität übermittelt, wenn sie vollständig sind und den Anforderungen entsprechen. Die Erfolgschancen erhöhen sich dadurch auf 98%, wie mir mitgeteilt wurde. Der Bewerbungsprozess begann ca. 10 Monate vor Abreise (Sept/Okt) mit der Auswahl einer Gast Universität und der Anfrage an IEC. Die SDSU (San Diego State University) war für mich die perfekte Wahl. IEC stellte mir dann einen persönlichen Berater zur Seite, der sich fortan um mich und meine Bewerbung kümmerte. Kurze Zeit später wurden mir die Bewerbungsformulare und To-Do-Listen zugeschickt und ein Zeitplan besprochen. Bewerbungsfrist für das Herbstsemester 2015 war Mitte Januar 2015. Allerdings hatte mir meine Beraterin empfohlen, ihr die „fertigen“ Dokumente immer unmittelbar zukommen zu lassen. Zu den, von der SDSU und IEC, geforderten Unterlagen zählten: Bewerbungsformular IEC, Bewerbungsformular SDSU, Financial Statement, Nachweis der Englischkenntnisse (DAAD oder TOEFEL oder IELTS), akademische Nachweise (Bachelor Zeugnis/ Transcript of Records) sowie eine Reisepasskopie und ein Auslandskrankenversicherungsnachweiß. Die Bewerbungsformulare sind reine Selbstauskünfte und rasch ausgefüllt. Das Financial Statement ist eine Auskunft über die Finanzierbarkeit des Auslandsaufenthalts und muss von der „Hausbank“ gegengezeichnet werden. Hierbei sollte ein verfügbarer Betrag in Höhe von ca. $12.000 nachgewiesen werden. Für den Nachweis der Sprachkenntnis empfiehlt sich der DAAD Sprachtest. Er wurde von meiner Heimuniversität kostenfrei angeboten, war definitiv machbar und musste mit einem C1 Niveau abgeschlossen werden. Die akademischen Nachweise werden später für die Wahl der Kurse wichtig, sind aber erst einmal nicht bewerbungsrelevant. Genauso ist es mit der Krankenversicherung. Manchmal wird das Auslandssemester von der inländischen Krankenversicherung abgedeckt, falls nicht gibt es günstige Zusatzversicherungen. Etwa eine Woche vor Weihnachten 2014 hatte ich alle Unterlagen an IEC übermittelt und die Bewerbungsgebühr von $175 an die SDSU überwiesen. Es empfiehlt sich dafür schon eine Kreditkarte zu verwenden (nicht zwingend notwendig aber wird später eh für den Auslandsaufenthalt benötigt). IEC bestätigte mir dann die erfolgreiche Einsendung meiner Bewerbung und kurze Zeit später (Anfang Januar) bekam ich von der SDSU meine Zusage mitsamt VISUM Bescheid (I 20).

Anreise / Visum

Für den Studienaufenthalt in den USA wird ein beantragungspflichtiges VISUM benötigt. Das sog. F1 Visum ist ein Studentenvisum das zusammen mit dem I 20 Bescheid der Gast-Universität zuvor online beantragt werden muss. U.S. Visas (http://travel.state.gov/content/visas/en/study-exchange/student.html) informiert über den Ablauf und das Vorgehen. Nach Bearbeitung und Bezahlung des Antrags, wird ein Termin in einer US Botschaft benötigt. Mitte April ca. 2-3 Wochen nach dem Besuch in der US Botschaft hatte ich dann meine Einreisegenehmigung (F1 Visum + I 20 Bescheid) in meinem Reisepass. Das Visum erlaubt das Einreisen einige Wochen vor dem Vorlesungszeitraums, das Ein-und Ausreisen währenddessen, sowie den 6 wöchigen Aufenthalt in den USA nach dem Ende des Semesters. Achtung! Nach Beendigung des Semesters kann nur mit einem anderen Visum wieder in die USA eingereist werden. (z.B. ESTA)

Mission Beach/PB

Es ist empfehlenswert sich rechtzeitig um einen günstigen Flug zu kümmern und wenn möglich Hin- und Rückflug gemeinsam zu buchen. Das spart Kosten, macht allerdings unflexibel. Außerdem ist es sinnvoll eventuell Los Angeles oder Las Vegas als Zielflughafen in Betracht zu ziehen, da Flüge nach San Diego oft teurer sind. Für das Herbstsemester fällt der Anreisezeitpunkt leider in die Haupturlaubszeit, was die Flüge und Unterkünfte zusätzlich verteuert. Empfehlenswert ist auch, für die ersten Tage ein Auto zu Mieten, am besten schon von Deutschland aus. Hierfür kann man das Angebot von ISIC wahrnehmen, falls man noch keine 25 Jahre alt ist. Der Airport San Diego ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht besonders gut zu erreichen. Wer vor Ort schnell Kontakte knüpfen will, was definitiv empfehlenswert ist, der sollte in eines der Hostels einchecken. Dort treffen sich vor allem internationale Studenten die alle neu in der Stadt sind. (z.B. Lucky D‘s)

Unterkunft (Wohnheim, privat)

In San Diego gibt es eigentlich nur zwei mögliche Wohnorte. Entweder an der College Area, also an der Uni oder am Strandbereich (Pacific Beach, Mission Beach, Ocean Beach). Beides hat Vor- und Nachteile. Die Nähe zur Universität ist komfortabel, da Fahrtzeiten wegfallen, das Angebot von Gym, Bib, etc. einfacher wahrnehmbar ist, natürlich viele Studenten in der Gegend wohnen und die Preise etwas niedriger sind als am Strand. Direkt am Strand zu wohnen ist natürlich der Traum eines jeden internationalen Studenten, der den kalten Wintermonaten Europas entfliehen möchte. Wer in Kauf nimmt 5-15 min zum Strand zu laufen, der wird auch definitiv fündig. Und es ist ein echter Traum ein Semester lang an einem Kilometer langen Strand bei sonnigen 30°C gelebt zu haben. Ich selbst habe in Mission Beach, 1 Gehminute vom Meer und 2 Gehminuten von der Bucht entfernt gewohnt – ist einfach traumhaft. Dafür muss man in Kauf nehmen: eine 50 min Anfahrt zur Uni mit Bus und Bahn, funktionale Shared Rooms im $850 Bereich p.P. und höhere Lebenshaltungskosten.

Im Grunde gibt es drei Modelle an eine Unterkunft zu kommen. Ersten, man wohnt „on Campus“ in Uni-Wohnungen, die man von Deutschland aus mieten kann, zweitens man sucht von Deutschland aus schon nach Privatunterkünften und vereinbart Termine vor Ort und drittens man sucht direkt in San Diego nach Anreise nach Unterkünften. Alle drei Methoden funktionieren. Allerdings sind amerikanische Unterkünfte etwas anderes als der deutsche Standard. Pauschal würde ich raten mit Mieten im Bereich von 600-900 zu rechnen und Mietverträge vorzugsweise auf 6 Monate zu beschränken.

Studium an der Gastuniversität (Lehrveranstaltungen / Stundenplan) sowie Sprachkurse (kostenlos, kostenpflichtig)

Die SDSU (San Diego State University) ist eine staatliche Universität mit ca. 35000 Studierenden, wovon ca. 1500 internationale Studenten sind. Sie liegt im Nordosten von Downtown San Diego und bietet ein sehr breites Angebot an Kursen und Freizeitaktivitäten. Die Studiengebühren belaufen sich für Masterstudenten auf ca. 7.125 USD und beinhalten 9 Credits, was ca. 3 Kursen entspricht. Ebenso enthalten sind Gebühren für die Nutzung der Sportstätten. Vor Anreise musste eine verbindliche Kurswahl eingereicht werden. (FCFS Prinzip) Je nach Kursauslastung war man dann in einem oder zwei Kursen fest eingeschrieben, was man allerdings erst vor Ort erfährt. Folglich müssen zwischen einem und zwei Kurse noch vor Ort ausgewählt werden. Dafür gibt/gab es ein System namens „crashen“. Vorlesungen können nicht einfach nach Belieben besucht werden. Zu Beginn eines Kurses muss bei dem jeweiligen Professor die Erlaubnis dazu beantragt werde. Aufgrund der hohen Anzahl an internationalen Studenten sind die Restplätze daher beschränkt. Es kann durchaus passieren, dass ein Wunschkurs nicht belegt werden kann. Für das Business-Programm wurden spezielle internationale Kurse eingerichtet. Die vorher gewählten Kurse sind Kurse aus den speziell internationalen. Diese sind zwar meistens nicht so stark ausgelastet, allerdings auch ohne amerikanische Mitstudenten. Das Leistungsniveau ist vergleichbar. Es herrsch meistens Anwesenheitspflicht, es gibt deutlich mehr „Hausaufgaben“ als an deutschen Universitäten und je nach Kurs zwischen einem und drei Examen. Seminare werden meist durch die Anfertigung von Seminararbeiten bewertet

Betreuung an der Gastuniversität (International Office und Fachbereich)

Die Betreuung internationaler Studenten läuft vom Beginn der Bewerbung bis zur Zeugniserstellung über das sog. ALI American Language Institute. Verantwortlicher Leiter und Ansprechpartner ist dort Herr Spencer Hom [email protected] Informationen werden rechtzeitig und im ausreichenden Maße kommuniziert. An alle wichtigen Dinge wird man mind. zweimal per Email erinnert. Stadtrundfahrten und Wohnungsbesichtigungen sowie Einführungsveranstaltungen werden auch vom ALI angeboten. Obligatorisch ist eine Einführungswoche, die eine Woche vor Semesterstart abgehalten wird. Im Großen und Ganzen ist das ALI sehr gut organisiert und auf internationale Belange gut vorbereitet.

SDSU

Ausstattung der Gastuniversität (Bibliothek, Computerräume, etc.)

Für deutsche Verhältnisse ist die SDSU sehr gut ausgestattet. Sie verfügt über ein eigenes Freibad, eigenes Basketballstadion, riesige Fitnessbereiche, sehr gut ausgestattete Bibliotheken, sehr viele Lern- und Gruppenarbeitsräume, sowie Computer- und Laborräume. Des Weiteren werden einige Sportkurse (Surfen, Golfen, Klettern etc.) gegen Bezahlung angeboten.

Alltag & Freizeit (Sehenswertes, Kulinarisches, Geld-Abheben, Handy, Jobs)

Von den sehenswertesten Gegenden in den USA ist Kalifornien eine der atemberaubendsten. Es gibt unzählige Möglichkeiten die Freizeit zu gestallten. San Diego als Stadt bietet neben Traumstränden, Traumwetter, gutem Essen und einem feinen Stadtkern auch schöne Parkanlagen, einen der bekanntesten Zoos und natürlich den „SeaWorld“ Freizeitpark. Ausflugsziele in der Umgebung sind Los Angeles, San Francisco, Las Vegas, Tijuana und Hawaii. Die Nationalparks Joshua Tree, Sequoia, Yosemite und Grand Canyon sind jede Reise wert und in maximal 5h zu erreichen. Sportliche Aktivitäten kann man überall und jeder Zeit auch im freien ausüben. Kulinarisch ist San Diego sehr abwechslungsreich. Durch die Nähe zu Mexico und die spanischen Einflüsse findet man überall mexikanisches Essen, wie den California Burrito oder leckere Taccos. Es gibt sogar den, unter Studenten am Beach allseits bekannten, Taco Tuesday (am besten im Typhoon oder Backyard). Ende der Woche also Donnerstag, Freitag und Samstag fahren aus den meisten Teilen San Diegos Party-Busse in die Clubs nach Downtown.

Eines der wichtigsten Dinge, die man in Amerika braucht ist ein ordentlicher Handy-Vertrag. Wenn man sich in eine Gruppe von 4-5 Leuten zusammenschließt bekommt man für $30 schon 10 GB Datenvolumen und frei telefonieren, selbst in Canada und Mexico.

Um die richtigen Kreditkarten kümmert man sich am besten schon von Deutschland aus. Empfehlenswert sind Karten die weder Auslandsentgelt (für Kartenzahlung im Ausland) noch Gebühren für das Abheben von Bargeld berechnen. Wichtig hierbei ist, dass auch die, von den amerikanischen Bargeldautomaten berechneten Gebühren, zurückerstattet werden. Im Falle des Falles kann auch ein amerikanisches Konto eröffnet werden.

Das F1 Studentenvisum erlaubt lediglich das Arbeiten auf dem Campus.

Mission Beach

Finanzielles (Lebenshaltungskosten, Stipendien)

Um realistisch zu sein – San Diego ist teuer. Die Mietpreise liegen zwischen $600-$900. Die Lebensmittel sind relativ teuer, so kostet eine Salatgurke gerne einmal $2.50 und Aufschnitt-Wurst $3.50-$5.00. Alkoholische Getränke sind dagegen nicht signifikant teurer als in Deutschland. Lebensmittel am besten gezielt in Märkten kaufen, in denen diese günstig und gut sind. So gibt es Geschäfte, die lokales und günstiges Gemüse anbieten und andere mit günstigem Fleisch. Membership Karten gibt es für fast jeden Laden und werden auch für internationale Studenten ausgestellt. Damit spart man ordentlich Geld bei einkaufen, da die Membership Preise oftmals reduziert sind.

Als finanzielle Unterstützung bietet sich das Auslands-BAföG an. Die SDSU wird mit nahezu 80% gefördert. Auch Stipendien sollte man dringend beantragen. Meist ist das mit etwas Aufwand verbunden, lohnt sich aber alle Mal.

Fazit (beste und schlechteste Erfahrung)

Mein Fazit, San Diego ist die beste Stadt um ein Semester im Ausland zu studieren. Es ist das Paradies für Studenten, auch wenn es anfangs etwas Zeit und Nerven kostet bis die allgemeinen Dinge geregelt sind. Weniger schöne ist dabei die Wohnungssuche und der erschwerte Kontakt zu nationalen Studenten. Schöne Erfahrungen gibt es ungleich viel mehr, eine davon ist im täglichen Sonnenuntergang mit Delfinen zu surfen und abends an der Strandpromenade den Abend mit Freunden ausklingen zu lassen.