Erfahrungsbericht: Pia Kretschmer

„Die Zeit in Sunderland hat mich nicht nur in sprachlicher Hinsicht weitergebracht, sondern mir die Chance gegeben mich weiterzuentwickeln, meine Interessen zu vertiefen und mir zu zeigen, wo ich hinmöchte.“

KEEP CALM AND STUDY HARD
So lautet das Motto der University of Sunderland, doch was verbirgt sich wirklich dahinter…?!

1.    Motivation
Da ich zwei Fremdsprachen studiere, um später den Beruf als Lehrerin zu ergreifen, sieht meine Studienordnung vor, eine geraume Zeit im Ausland zu verbringen. Dabei geht es nicht unbedingt nur darum, in meinem Studium weiterzukommen, sondern die Zeit zu nutzen, viele internationale Freundschaften zu schließen, andere Kulturen kennenzulernen, mich thematisch weiterzubilden und mein Leben in einem fremden Land zu etablieren. Der wichtigste Punkt ist allerdings, meine Praxiserfahrungen in der Fremdsprache Englisch anzuwenden und zu entwickeln. Auf der einen Seite bereichert dieses Erlebnis meine Persönlichkeit in Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Selbstvertrauen; auf der anderen Seite werden so meine Fähigkeiten in meinen Studienfächern vertieft.
Bei meiner Vorbereitung für mein Auslandssemester in England entdeckte ich in der Uni Siegen Plakate des Informations- und Bewerbungszentrums IEC-online und kontaktierte die Beratungsstelle des IEC. Diese informierte mich über einen Infostand in der kommenden Zeit an meiner Uni und ich vereinbarte einen Termin. Die Informationen, die den Bewerbungsvorgang betrafen, waren ausführlich und ich fühlte mich gut betreut. Nun hieß es, sich für eine Universität zu entscheiden.
Die University of Sunderland gefiel mir auf den ersten Blick. Zum einen überzeugte mich die Lage: die Uni liegt an der britischen Ostküste, nicht weit von der schottischen Grenze. Gerne möchte ich Städte wie Edinburgh und Glasgow besuchen sowie von der Landschaft profitieren, aber natürlich auch neue Seiten Englands entdecken. Zum anderen wirbt die University of Sunderland nicht nur mit Auszeichnungen wie „Best new university in the North East according to the Guardian University Guide 2012” oder “'World leading' research in 10 subjects, according to the latest Research Assessment Exercise (RAE 2008)”, sondern bietet zudem ein äußerst reizvolles und vielfältiges Programm an Kursen: so kann ich Literatur- und Linguistikveranstaltungen belegen, aber ebenso Kurse, die mich im Fach Erziehungswissenschaft sowie in meinem Ergänzungsfach Geschichte weiterbringen. Außerdem hat die University of Sunderland eine relativ kleine Anzahl an Studierenden, was eine freundliche Atmosphäre auf dem Campus verspricht. Wie ich gelesen habe, wurde die Uni in den letzten Jahren in allen Bereichen modernisiert und kann so die Wünsche der Studierenden im Hinblick auf das Studium und die Freizeitgestaltung absolut erfüllen. Indem ich den Autor der Internetseite Sunderlands zitiere, wird deutlich, dass Sunderland “one of the most up and coming towns - being an attractive place for students” ist und demnach den perfekten Platz für mein study abroad darstellt.

2.    Vorbereitung
Da das Team von IEC-Online schnell und flexibel arbeitet (während meines Bewerbungsprozesses befand ich mich noch für ein Auslandsjahr in Frankreich), war es kein Problem, die Bewerbungsunterlagen aus Frankreich per Email einzureichen und die notwendige Organisation auf diese Weise zu erledigen. Teil der Bewerbung sind ein Sprachtest des DAADs, der an fast jeder Uni umsonst durchgeführt wird und man somit die Kosten und den Aufwand eines TOEFL-Tests umgehen kann, ein Motivationsschreiben sowie ein Gutachten eines Englisch-Dozenten. Im Gegensatz zu meinem Erasmus-Auslandsjahr in Frankreich machte diese Vorbereitung mehr Mühe, doch für das, was England seinen Studenten bietet, lohnt es sich wirklich. Alle Fragen, die einen beschäftigen, werden prompt und unkompliziert von Emma Pearce beantwortet – die Zuständige der International Students in Sunderland, die für absolut alles eine Lösung hat.
Was die Finanzierung angeht, sollte man sich im Voraus darüber Gedanken machen und eventuell Auslands-BAföG beantragen oder sich um ein Stipendium bewerben. Dank des Cusanuswerks konnte ich ohne Geldsorgen mein Auslandssemester antreten, was sehr viel wert ist und mir die Zeit um einiges erleichtert hat. Vielen Dank!
Sunderland erreicht man am besten, wenn man Newcastle Airport ansteuert und dann mit der Metro Richtung Sunderland fährt. Da dieser aber hauptsächlich durch Lufthansa oder KLM angeflogen wird und dies sehr teuer sein kann, wäre ein Flug nach Edinburgh oder Leeds eine gute Alternative. Von dort aus kann man entweder mit dem East Coast Railway oder Megabus an die Nord-Ost-Küste Englands fahren; preislich beläuft sich dies auf im Durchschnitt 80€ pro Fahrt (Flug + Bus-/Zugfahrt). Trotzdem muss man etwa einen ganzen Tag Anreise einplanen, da Verspätungen nicht auszuschließen sind.
Ein Konto müsst ihr nicht zwingend einrichten, weil sich dies kaum lohnt: wer aber dennoch kostenlos Geld abheben möchte, sollte ein Studentenkonto bei der Deutschen Bank eröffnen. So kann man an der Barclays Bank in GB ohne anfallende Gebühren Geld abheben. Bei der Handykarte greift man am besten auf eine Prepaid-Karte zurück; Lebara hat einen ziemlich günstigen Tarif und zudem kann man noch für 7p/min ins deutsche Festnetz telefonieren. Busfahren möchte man natürlich auch: das kann man sogar umsonst, zumindest mit dem Unibus 700 Sunderland Connect, den man kostenlos mit seiner Student Card nutzen darf.
Wenn man dann angekommen ist, sich eingerichtet und soweit einen Überblick hat, sollte man zu einem speziell für students ausgewiesenen Arzt gehen und sich dort im National Health Service registrieren lassen. Das bedeutet, dass man im Krankheitsfall dort hingehen kann und die notwendige ärztliche Versorgung gratis erhält. Wer im Clanny House wohnt, muss nur die Straße überqueren und kann sich im Pallion Health Centre untersuchen lassen.

3.    Unterkunft
Die Frage „wo soll ich denn wohnen?“ stellt sich sofort, wenn man die Zusage erhalten hat. Doch auch da braucht man sich keinerlei Sorgen zu machen. Mit dem positiven Bescheid werden ebenfalls Informationszettel zu allen möglichen Themen verschickt, sodass man nur der Anweisung folgen muss. Online gibt es ein Portal, dass Zimmer im berühmten Clanny House verteilt: als Austauschstudent bleibt einem gar nichts anderes übrig als diese Accommodation auszuwählen, aber letztendlich war das auch gut so. Preislich liegt Sunderland wesentlich unter dem Durchschnitt Englands. Für mein Zimmer habe ich 1400 Pound insgesamt bezahlt, was ungefähr 70 Pound pro Woche sind. Natürlich kann man die Wohnheime in England in keinster Weise mit dem deutschen Standard vergleichen: in den Zimmern liegt Teppichboden, die Fenster sind nicht komplett abgedichtet und die Heizung ist immer maximal auf zwei Stunden Heizen beschränkt, aber daran gewöhnt man sich. Allgemein hat jedes Zimmer ein Waschbecken, Schrank, Kommode, Schreibtisch und ein Bett. Kissen und Decke mit Bezügen erwirbt man durch das Bed Pack am Anfang des Aufenthalts. Ich habe in einer 7er-WG gewohnt: zuerst erscheint das viel, aber auch das gibt sich. Bäder und Toiletten teilt man sich, ebenso die Küche inklusive kleinem Wohnraum – Platz hat man. Seine Mitbewohner kann man sich natürlich nicht aussuchen, aber es ist interessant verschiedene Charaktere kennenzulernen und mir hat meine Zeit im Clanny House wirklich sehr gefallen - wir sind eine kleine Familie geworden. Die Wohnblocks bilden ein Quadrat, sodass man schnell bei allen möglichen Kommilitonen vorbeischauen kann. Eingerichtet sind die Küchen mit Töpfen, Pfannen, Tellern, Besteck und Tassen, Wasserkocher, Mikrowelle… also alles, was das Herz begehrt. Es ist klar, dass es sich bei den Wohnheimen nicht um Erstbezug handelt, aber dafür ist der Zustand definitiv in Ordnung. Außerdem beinhaltet die Miete nicht nur einen kostenlosen Internetzugang über das Uninetzwerk, sondern ebenfalls eine Hausratversicherung, die Laptops und sonstiges Eigentum versichert. Die Laundry befindet sich an der Reception und ist Tag und Nacht geöffnet (Kosten: 2,50 Pound für eine Wäsche; 1 Pound für den Trockner). Genauso praktisch ist die Lage des Aldi Süd, der ca. 10min Fußweg vom Clanny House entfernt ist und sogar eine German Week hat. Obwohl ich von einigen gehört habe, die mit ihrer Wohnsituation nicht besonders zufrieden sind, kann ich nur sagen, dass es einfach sinnvoll ist, sein study abroad im Clanny House zu verbringen, da die meisten International Students dort wohnen, wir alle Möglichkeiten haben, die man braucht und man relativ wenig Kosten und Mühen aufbringen muss, um sich zu Hause zu fühlen.

4.    Studium an der University of Sunderland
Wenn ihr dann in Sunderland angekommen seid, beginnt schon bald die Einführungswoche. Dank Emma wurden wir über alles informiert: wie finde ich Kurse? Wo mache ich meinen Stundenplan? Was brauche ich sonst noch? Was bietet Sunderland? Diese erste Woche wurde genau dafür genutzt: Vorbereitungen getroffen, erste Bücher bestellt sowie die Stadt mit einer Schnitzeljagd erkundet und anschließend im Revolution eine Willkommensparty gefeiert.
Das Ganze verlief wirklich problemlos: wenn der Stundenplan nicht stimmte, wendet man sich an Andy; ansonsten ging es darauf den Montag los. Das Studium an der University of Sunderland kostet 3650,- Pound pro Semester für einen study abroad student und zählt dabei zu den günstigsten Universitäten in ganz England. Dort inbegriffen sind 3 Kurse à 20 Credits, die man beliebig nach Fächern kombinieren kann. Ich habe mich für Literatur (Studying and Writing about Literature und Shakespeare) sowie Linguistik (Language and Culture) entschieden und bin generell froh über meine Entscheidung. Jeder Kurs besteht aus einem 2-stündigen Seminar und einer 1-2-stündigen Vorlesung. Dies ist ziemlich gut aufgeteilt und aufeinander abgestimmt. An den lectures nehmen alle teil, die diesen Kurs gewählt haben, aber die Seminare bestehen jeweils nur aus maximal ca. 15 Studenten, was einen sehr intensiven Austausch ermöglicht und somit einen gezielten Lernerfolg verspricht. Natürlich hört es sich nicht viel an, wenn man behauptet, dass einen 10 Stunden pro Woche auslasten sollten, aber zu dem normalen Unterricht gehört eine nachhaltige Vorbereitung. Die Power Point Präsentationen werden jede Woche auf My Sunderland hochgeladen, es gibt Hausaufgaben und eine ganze Menge an Lesestoff, der Grundlage für die im Semester anfallenden Essays sind. Jeder meiner Kurse umfasst 2 Essays mit im Durchschnitt 2000 Wörtern, die ausschlaggebend für die Bewertung des Kurses sind. Zusätzlich wurden in meinen Literaturkursen 2 Romane bzw. 10 Shakespeare Stücke behandelt, was ebenfalls viel Zeit in Anspruch genommen hat, aber interessant war es allemal.
Wenn ich jetzt überlegen müsste, aus welchem Kurs ich am meisten mitgenommen habe, würde ich mich für meinen Linguistik-Kurs bei Mike Pearce entscheiden. Da ich schon im Vorhinein über ihn auf der Homepage der Uni gelesen hatte, weil er sich vor allem mit sprachlichen Varietäten im Nord-Osten Englands beschäftigt, freute ich mich besonders auf diesen Kurs. Und dieser hat alles gehalten, was er versprach: wir behandelten Dialekte und Akzente, den Aufbau von Kommunikationen, Sprache in Werbung und im Zusammenhang mit Gender, Alter, sozialen Klassen etc. Die Vorlesung brachte einiges an Input, was in den Seminaren aufgearbeitet wurde; und der Fokus lag meistens auf sprachlicher Varietät. Da ich die einzige Deutsche in meinem Seminar war und die meisten anderen aus dem Raum um Sunderland stammten, habe ich eine ganze Menge über den Dialekt des North-East gelernt, seine Einflüsse und Veränderungen im Laufe der Zeit. Auch der Shakespeare-Kurs hat mir sehr gefallen, da wir innerhalb eines Semesters viele seiner Stücke behandelt und verglichen haben, wobei ich mir zwischendrin mehr Zeit für eine genauere Analyse gewünscht hätte.
Letztendlich kann ich nur äußerst zufrieden mit meiner Kurs- und Uniwahl sein, da ich eine ganze Menge gelernt habe. Shakespeare wird auch später in meinem Unterricht eine große Rolle spielen und die Tatsache, so viel über den regionalen Dialekt erfahren zu haben, bietet schon mal eine Basis für mögliche weitere Forschung in diesem Gebiet.

5.    Alltag und Freizeit
Dieser Punkt umfasst eine große Zeitspanne eures Lebens in Sunderland: natürlich sollte die Uni nicht zu kurz kommen, sonst werdet ihr eure Essays im Schnelldurchlauf am Ende des Semesters schreiben müssen, aber logischerweise steht auch Spaß und Abenteuer auf der Liste eines Auslandssemesters.
Wer in Sunderland Sport machen möchte, kann entweder einer der zahlreichen Sportmannschaften beitreten oder aber das Fitnessstudio auf dem Universitätsgelände nutzen. Weitere Attraktionen in Sunderland sind das Empire Theatre mit verschiedenen Musicals und Aufführungen. Wir haben beispielsweise Dirty Dancing, Swan Lake und Starlight Express gesehen; aber auch das Empire Cinema lockt wöchentlich mit neuen Filmen und einem Kinotag für 3 Pound für Studenten. Das Shopping-Centre Bridges bietet alles, was das Herz begehrt und wer keine Geschäfte sehen mag, überquert einfach die Wearmouth-Brücke und ist schon bald am Strand. Ein wirklicher Pluspunkt, der ein Auslandssemester in Sunderland einzigartig macht. Allein die Tatsache, dass man morgens von Möwengeschrei geweckt wird, verzaubert die Welt ein wenig. Auch das Wetter in Sunderland ist bestimmt nicht typisch britisch: viel Sonnenschein, blauer Himmel und nur manchmal schüttete es wie aus Eimern. Und wenn es regnet, dann gibt es immer noch steels; das Taxiunternehmen am Clanny House, das für ganz wenig Geld dafür sorgt, dass wir heil nach Hause kommen.
Doch wer in Sunderland studiert, wird nicht nur die Gegend dort besichtigen – es gibt soooo viel zu sehen: Städte wie Newcastle, York oder Durham sind alle einen Besuch wert, aber ebenfalls das Harewood House in Leeds. Auch einen Trip nach Edinburgh oder ganz Schottland sowie Ausflüge nach Dublin oder London sind dank guter Flug- bzw. Busverbindung schnell und unkompliziert zu erreichen. Wer nämlich schon einmal in Großbritannien ist, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, dieses wunderschöne Land in seiner Vielfalt zu entdecken.

6.    Reflexion & Fazit
Ob ich nochmal nach Sunderland gehen würde? Ja, auf jeden Fall! Mir hat meine Zeit im North-East unglaublich gut gefallen und ich werde einiges in Deutschland vermissen: schnelle und herzliche Antworten von Dozenten auf jegliche Fragen, die freundliche und offene Art eines jeden Engländers (möchte nicht jeder an der Kasse im Supermarkt mit hey love, bye flower begrüßt und verabschiedet werden?), die Tatsache jeden Menschen mit you und Vornamen anzusprechen, was eine ganz andere und persönlichere Atmosphäre hervorruft sowie mein ganzes Leben in einem anderen Land. Ich habe nicht nur viele tolle internationale Freundschaften geknüpft, sondern ebenfalls britische Freunde meiner Großeltern besser kennengelernt, die durch Zufall im August 2012 aus Spanien nach England (South Shields) zurückgezogen sind und mir die britische Kultur um einiges näher gebracht haben, sodass ich weiterhin einen unmittelbaren Bezug zu Sunderland haben werde. Diese Zeit hier hat mich nicht nur in sprachlicher Hinsicht weitergebracht, sondern mir die Chance gegeben mich weiterzuentwickeln, meine Interessen zu vertiefen und mir zu zeigen, wo ich hinmöchte. Ich habe mir gewünscht, Aspekte des Landes wahrzunehmen und zu erfahren, mein Leben in England selbstständig zu organisieren und die Hürden der Verwaltung zu meistern, ein weiteres Bildungssystem kennenzulernen sowie mein Selbstvertrauen und meine Persönlichkeit zu stärken und zu bereichern. Ich denke, dies ist mir gelungen – thank you to everyone for making my time in Sunderland a very special one!
 

Auslandssemester an der University of Sunderland
Auslandssemester an der University of Sunderland