Erfahrungsbericht: Pia Hagen

„Da meine Uni leider keine Partneruniversität in Australien hat, musste ich es auf einen anderen Weg versuchen und bin schlussendlich auf IEC gestoßen und hängen geblieben - Ich würde diese Wahl auch wieder treffen.“

Ein Auslandssemester - Warum, wo und wie?

Ein Auslandssemester ist eine Erfahrung die ich nur jeden empfehlen kann... Ich war mir schon sehr früh in meinem Studium sicher, dass ich ein Auslandssemester machen möchte und mein Studiengang BA Anglistik schreit nur danach, da ein Auslandssemester Teil meines Studiums ist. Da ich Englisch studiere, war natürlich auch gleich klar dass es in ein englischsprachiges Land gehen soll… und der Rest fiel mir ganz einfach: es sollte definitiv Sydney sein. Ich hatte schon vor längerem ein Auge auf Sydney geworfen und bin einfach dem Charme der Stadt verfallen ;-).

Da meine Uni leider keine Partneruniversität in Australien hat, musste ich es auf einen anderen Weg versuchen und bin schlussendlich auf IEC gestoßen und hängen geblieben ;-) Ich würde diese Wahl auch wieder treffen, denn ein Auslandssemester in Australien verlangt nach viel Organisation und einen Berater an der Seite stehen zu haben ist definitiv empfehlenswert. Vor dem eigentlichen Semesterbeginn gilt planen, planen und nochmal planen. Vor allem wenn man so wie ich auch alle Kurse angerechnet haben will und etwas aus dem Semester mit nach Hause nehmen möchte - aber schlussendlich ist es zu schaffen und so eine Organisation macht man doch gerne wenn man weiß für was.

Es gibt zum Glück ein paar Richtlinien an die man sich halten kann und ein Telefon, damit geht das Ganze schon viel einfacher. Als ich dann endlich alles soweit organisiert hatte und all meine Unterlagen zu IEC geschickt hatte ging es dann doch alles ganz schnell und schon nach kurzer Zeit bekommt man Bescheid von den Unis und kann seine Pläne weiter konkretisieren.

Danach musste ich mich der Frage stellen für welche Uni ich mich entscheide. Ich hab mich für die Macquarie University entschieden da sie einen super Ruf für Business und ihre Faculty of Linguistics hat und ich somit meine beiden  Studienschwerpunkte abgedeckt habe. Klar, die Macquarie ist nicht gerade günstig und auch nicht direkt in der Innenstadt, aber die Kursauswahl hat mich überzeugt. Denn wenn man schon die Studiengebühren selbst tragen muss, wollte ich auch die beste Uni für mich wählen.

Die Finanzierung

Man sollte wissen dass ein Auslandssemester in Sydney wirklich teuer ist. Einerseits sind da die Studiengebühren, Lebenshaltungskosten, der Flug, das Visum und Transportkosten innerhalb Sydneys - und das sind nur die allernötigsten. Dazu kommen dann noch Ausgaben für Studienmaterialen, Ausflüge und und und... da gilt sich Gedanken zu machen. Was sehr praktisch ist, ist dass man mit dem Studentenvisum 20 Std die Woche arbeiten darf und in den Semesterferien uneingeschränkt. Dabei muss man aber beachten, dass das Studium in Sydney nicht ohne ist und sehr viel Zeit verschlingt. Zur Finanzierung kann man z.B. Auslands-BAföG beantragen, was ich leider nicht bekommen habe.

Leider gibt es mittlerweile wirklich nicht viel Auswahl zur finanziellen Unterstützung wenn man nur für ein Semester im Ausland studieren will, denn eine der letzten Möglichkeiten die ich im Auge hatte war das DAAD Semesterstipendium was sie aber genau zu dem Zeitpunkt abgeschafft haben und durch das Promos Stipendium ersetzt wurde. Das Promos Stipendium ist im weiten nicht die größte Finanzspritze, aber ich dachte mir immerhin etwas (wenn es auch nur etwas mehr als die Flugkosten gedeckt hat). Was für mich etwas ärgerlich war, ist das ich nur für einen Teil unterstützt werden konnte, und nicht die ganzen 6 Monate, da die Promos Fördergelder nach den deutschen Semesterzeiten vergeben werden und die Macquarie in zwei Abschnitte fällt. Die Zusage für das Stipendium habe ich erst kurz vor meinem Abflug bekommen und die Fördergelder erst Mitte meines australischen Semesters, das heißt man muss erst einmal alles vorstrecken.

Sprachnachweis

Ich habe den DAAD Sprachtest gemacht. Dieser Test wird nach meiner Erfahrung ganz unterschiedlich an jeder Uni gestaltet und kann zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen. An meiner Uni  wird der Test wie eine wirkliche Klausur geschrieben und wird nur einmal im Semester angeboten (man muss sagen dies ist fast schon ein Einzelfall), das heißt man muss sich vorab gut informieren wann er angeboten wird und sich rechtzeitig anmelden sonst hat man den Termin schlicht weg verpasst und muss ein halbes Jahr warten. Der DAAD besteht aus zwei Teilen, einmal den schriftlichen Teil der aus einem Hörverstehen, Textproduktion und Leseverstehen besteht und dann noch eine mündliche Prüfung die die Woche danach stattfindet und für die man einem Professor zugeteilt wird. Ich persönlich finde diesen Test nicht gerade aussagekräftig, da er von Uni zu Uni unterschiedlich gestaltet wird. Er ist aber trotzdem die beste Variante für einen Studenten da er im Gegensatz zu allen anderen Tests an der Uni Bayreuth umsonst ist, und genauso aufgebaut ist wie jeder andere.

Unterkunft

Will man leicht Anschluss finden (wenn auch nur zu Internationalen Studenten), will man nahe der Uni leben oder doch eher im Geschehen sein und somit in Sydney wohnen, ist man bereit zu pendeln, was erwartet man eigentlich generell vom Semester und kennt man vielleicht die Gegend schon oder sogar Leute?

Finanziell ist nicht viel Unterschied zwischen dem Leben am Campus und einem WG-Zimmer in der Stadt (ca. 200 AUD pro Woche) jedoch gibt es eine großen Unterschied zwischen den Lebensweisen. Wenn man in der Stadt wohnt, muss man sich auf das ständige pendeln zwischen Uni und Zuhause einlassen, sich zum größten Teil ein Zimmer teilen, ist dafür aber viel flexibler, kann mehr unternehmen und erlebt Sydney als Stadt. Wenn man in der Nähe des Campus wohnt, fällt natürlich das Pendeln weg, man ist aber auch etwas weg von Sydney und eingeschränkt wenn man etwas unternehmen möchte denn alles in der Gegend schließt abends gegen 9. Deshalb ist es wichtig, sich vorab Gedanken zu machen was man erwartet und ob man lieber auf Nummer sicher geht und einen Zimmer am Campus nimmt oder sich vor Ort selbst auf die Suche macht. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen dass das ziemlich gleich aufgeteilt ist und es genügend Möglichkeiten für Zimmer in der Stadt gibt. Ich persönlich, wenn auch schweren Herzens, habe mich dazu entschlossen auf dem Campus zu wohnen da ich erst einen Tag vor dem Orientation Day kommen konnte und es die organisatorisch einfachere Variante war. Für ein Zimmer muss man sich Online auf der Webseite bewerben und wenn man dann ein Angebot bekommt heißt das nicht, dass man auch eine definitive Zusage hat, denn man hat nur dann einen Schlafplatz wenn man die Mietkosten für das komplette Semester vorab bezahlt. Dies bedeutet leider aber auch, dass man für den kompletten Zeitrahmen die Miete vorab zahlen muss und auch wenn man frühzeitig ausziehen möchte kein Geld zurück bekommt. Wenn man sich entscheidet am Campus zu wohnen gibt es aber wiederum tausende von Entscheidungsmöglichkeiten. Es gibt University Accommodation (Studenten-WGs), Individual Off-Campus Accommodation und Residential Colleges (die v.a. für Amerikaner ansprechend sind). Die Studentenwohnheime in Sydney kann man aber nicht mit denen in Deutschland vergleichen. Mein Zimmer in den „Parklands“ war winzig, aber das ist typisch für ein Studentenwohnheim und vor allem Sydney. Ansonsten war aber alles da was man brauchte. Das Gute an den Parklands war, das man gleich von Anfang an Leute kennenlernt und das nicht nur aus einem Land ;-).

Flug und Visum

Dann gilt es Kurse zu bestimmen, sich um das Visum und den Flug zu kümmern und noch mal mit Professoren an der eigenen Uni zu konferieren, ob man Klausuren nachschreiben oder verschieben kann falls sich das deutsche und australische Semester überschneiden, so wie es bei mir der Fall war. Eins was ich schon vorab mitgenommen habe, ist dass Professoren doch sehr einsichtig sind, wenn man alles nur schon vorab klärt ;-). Es ist immer gut sich etwas umzuhören und sich wirklich die Zeit zu geben, alles zu organisieren - denn man will ja nichts vergessen haben. Neben dem ganzen vorab Trubel darf aber die Vorfreude nicht zu kurz kommen, denn ein Auslandssemester ist eine Erfahrung die man vielleicht nicht wieder miterleben kann.

Der Beginn des Semesters

Bei mir ging es dann am 25. Juli los (also noch im deutschen Semester) und direkt nach der Ankunft ging es wieder weiter denn am 27. Juli fand die Info Veranstaltung für International Students statt, die verpflichtend ist. Im ersten Teil gibt es erst einmal generelle Infos und am Nachmittag bekommt man dann seinen vorläufigen Stundenplan mit den gewählten Kursen. Leider ist das nicht gleich sein eigentlicher Stundenplan, denn bei einigen Studenten so wie auch bei mir wurden so einige Kurse durcheinander gebracht und man muss dann den Stundenplan ändern was aber nicht schlimm ist denn man kann sich generell erst für Tutorien vor Ort online anmelden.Leider sind schon innerhalb kurzer Zeit die Plätze weg was vor allem daran liegt das Studenten der Macquarie schon im ersten Semester ihre Kurse für das zweite mit festlegen können. Zudem kann man innerhalb der ersten 2 Wochen noch seine Kurse ändern, was wirklich gut ist da man in der ersten Veranstaltung direkt alle Infos für den Kurs mit Terminen und Inhalten bekommt und man direkt sieht um was es geht. Ich selbst habe einen Kurs gewechselt und klappt auch alles ohne große Probleme. In der ersten Woche ist dann noch die Orientation week (O-week), die groß angepriesen wird meiner Meinung nach aber nicht soo wichtig ist aber einen guten Überblick über alle Social Activities bietet.

In den ersten Wochen werden dann auch viele Kennenlern-Abende angeboten die super sind leider aber explizit auf Internationals abzielen und man am Anfang nur Kontakt mit Internationals hat und nicht  mit Australiern. Mit Australiern Kontakt aufzunehmen ist auch gar nicht so einfach, da man nur in Tutorien die Chance bekommt sie kenne zu lernen. Falls man aber dann doch ins Gespräch kommt sind sie alle sehr aufgeschlossen und sehr interessiert auch Austauschstudenten kennenzulernen- eben die offene Art und Easy Going Denkweise die man von  Australiern kennt. Die Professoren der Uni sind auch sehr hilfsbereit und freuen sich besonders wenn man zu Beginn hin geht und sich als Auslandsstudent vorstellt.

Campus

Generell ist die Organisation an der Macquarie gut geregelt wobei man in den ersten Wochen Zeit mitbringen sollte wenn man in das International Office möchte, da ein absoluter Ansturm ist bis mal jeder seinen Stundenplan geregelt hat. Etwas ärgerlich ist das es Semestertickets nur für Exchange Students gibt also nicht für Study Abroad Students wie uns die eh schon zahlen dafür überzeugt die Organisation. Der Klausurplan steht z.B. schon sehr bald, man hat Zugang zu einem sehr guten Online Profil mit allen Kursinhalten und findet auch so alle Infos auf der Website. Für den Klausurenplan gilt das ein individueller Plan erstellt wird erst ein First Draft, bei dem extra vermerkt wird dass man eine Email schicken soll falls es Überschneidungen geben sollte und der Termin gegeben falls verlegt werden kann und dann den Final Draft.
Das Semester selbst an der Macquarie beginnt schneller als gedacht und ist nicht so „Easy Going“ wie man bei solch einer Nation meinen würde. Direkt ab dem ersten Tag geht es los und man hat eine sehr hohe Anwesenheitspflicht. Ich habe 4 Kurse belegt, was das maximale Pensum ist und habe zusätzlich das Global Leadership Programme mit gemacht. Damit ist man wirklich sehr gut ausgelastet und wer denkt ein Semester in Sydney wird sehr gechillt irrt sich leider. Ich hatte jede Woche mindestens ein Essay abzugeben und das bis zum letzten Tag. Alle Leistungen zählen für die Endnote, was aber auch wirklich ein Vorteil ist denn die Klausuren zählen dann meist nur 30-40 %. Trotz des stressigen Semesters kann ich das Auslandssemester an der Macquaire nur empfehlen da man durch das viele schreiben auch seine Sprachkompetenzen wirklich verbessert und man aber trotzdem noch was aus seiner Zeit in Sydney machen kann. Als Tipp würde ich vielleicht nicht 4 Kurse belegen sondern nur 3 und dann wird das ganze schon etwas unstressiger als bei mir=D Das GLP lohnt sich wirklich und ist eine tolle Möglichkeit noch etwas anderes kennen zu lernen. Um ein Zertifikat des GLPs zu bekommen muss man 4 Kurse belegen und an der Distinguished Speakers Series teilnehmen. Was wirklich eine tolle Erfahrung ist, da jedes Semester eine sehr bekannt Person spricht. Als Tipp zum GLP: immer so bald die Kurse online gestellt wurden direkt anmelden da sie sehr begehrt sind und gute Kurse sofort weg sind. Auch das Praktikum ist sehr zu empfehlen, ich selbst habe es nicht gemacht aber Freunde von mir. Es ist eine super Möglichkeit und man hat bei richtig guten Praktikumstellen unterkommen- also definitiv lohnenswert. An der Macquarie zählt ein Praktikum als Kurs und es gilt auch hier viel Zeit zu investieren lohnt sich aber und macht sich gut im Lebenslauf.

Conception Day

Wer im 2. Semester an die Macquarie geht sollte auf jeden Fall zum Conception Day gehen.
Am Conception Day, den Gründungstag der Uni, sieht das Leben an der Macquarie nämlich ganz anders aus...Professoren sagen schon in der Woche zuvor das man an dem Tag zwar offiziell Uni hat aber man sich nur Freimelden muss;-) An dem Tag wird der Campus zu einem Festival und es gibt mehrere Areas mit DJs und Live- Bands. In den Vorjahren ist das wohl etwas ausgeartet denn dieses Semester hat es schon morgens begonnen und um 17.00 Uhr war auch schon Schluss. Zudem ist das Festivalgelände abgesperrt und man wird strikt kontrolliert. Aber trotzdem ein sehr cooler Tag den man einfach miterleben sollte wenn man in dem Semester an der Macquarie ist. Ansonsten gibt es in der Nähe des Campus nicht so viel zum Weg gehen und zum Feiern muss man schon in die City. Es gibt die U-Bar an der Uni die Anfang des Semesters noch richtig super ist dann aber abnimmt;) und Mittwochs die „Ranch“- die definitiv einen Besuch wert ist nur um sagen zu könne das man mal war da;-) Es ist aber nicht für jeden was und ist immer das selbe. Zum Feiern sollte man schon in die Stadt gehen. Das Party Viertel ist Kings Cross, ansonsten ist aber die Gegend am Darling Harbour richtig gut oder die Nebenstraßen der Oxford Street besonders aber auch die Gegend Darlinghurst (sehr beliebt bei Aussis). Wer das Glück hat über Silvester in Sydney zu sein muss sich einfach das Feuerwerk ansehen denn das ist das absolute Highlight des Jahres;-) Ansonsten gilt Sydney zu genießen und einfach sich mal alle möglichen Vororte anzusehen, denn was Sydney ausmacht ist nicht nur die Harbour Bridge oder das Opera House sondern das ganze Erscheinungsbild.

Generell kann ich sagen das es in nicht nur in meinem Studiengang vorteilhaft war ein Semester im Ausland studiert zu haben, sondern auch im Allgemeinem. Es hat nicht nur Vorteile für die spätere Karriere durch die ständige Internationalisierung sondern man entwickelt sich auch selbst weiter. Wenn man natürlich auch noch vieles selbst in die Hand nimmt  zeigt das von organisatorisches Talent=D Besonders wichtig finde ich auch das man nicht nur Internationals kennenlernt sondern auch Nationals denn nur durch sie lernt man dann eine Stadt wie Sydney wirklich kennen ;-)

Hier nochmal eine kleine Zusammenfassung für notwendige Tipps und Tricks für ein Auslandssemester in Sydney…

  • frühzeitig informieren und planen denn alles Organisatorische ist aufeinander aufbauend (Min. 1 Jahr vorher planen)
  • sich schon vorab mit seinem Studiendekan, Professoren und dem Prüfungsamt auseinander setzen
  • eine Deutsche Bank Karte was das Leben um einiges leichter macht, denn man kann an der Westpac umsonst Geld abheben (ist an jeder Ecke zu finden)
  • auch den Kontakt zu Australiern suchen, denn sie sind einfach nur herzlich und durch sie lernt man Ecken kennen die man sonst nie gesehen hätte
  • das Beste aus seiner Zeit machen, denn wer einmal Sydney verfallen ist wird immer wieder kommen ;-)
  • für die Anerkennung im Nachhinein schon alles vorab klären und einen vorläufigen Plan erstellen und von Professoren abzeichnen lassen

Harbour Bridge
Harbour Bridge