Erfahrungsbericht: Peter Struck

„Der Umgang unter den auf dem Campus lebenden Studenten ist sehr freundlich und hilfsbereit und half mir sehr, mich in den ersten Tagen und Wochen zurechtzufinden.“

Die Vorbereitung Gründe für die Entscheidung für die University of Western Sydney

In Deutschland studiere ich Landschaftsarchitektur und Umweltplanung an der Hochschule Neubrandenburg. Hier wurde ich vor circa 4 Jahre durch eine Informationsveranstaltung des IEC - International Education Centre auf die Möglichkeit eines Auslandsstudiums aufmerksam. Allerdings befand ich mich zu diesem Zeitpunkt erst im ersten Semester, sodass es mir noch nicht möglich war, mich für ein Auslandssemester zu bewerben.

Jedoch begann zu diesem Zeitpunkt bereits die Planung. Während einer Informationsveranstaltung der IEC Bildungsmesse bekam ich die Möglichkeit, mich mit Auslandsvertretern diverser Universitäten aus Australien und Neuseeland über meine Pläne zu unterhalten und wertvolle Informationen zu sammeln. Die ganz konkrete Planung begann dann im Mai 2007. In einem Auftaktmeeting in der IEC  Zentrale in Berlin traf ich mich mit meinem Studienberater und wir besprachen die nächsten Schritte, diskutierten mögliche Probleme und entwickelten einen konkreten Zeitplan.

Dann war es an mir, die geforderten Dokumente zusammenzusammeln und verschiedene Universitäten in Hinblick auf meine Ziele zu prüfen. Letztendlich fiel die Entscheidung auf die University of Western Sydney (UWS), da mich die Kurse überzeugten, die Möglichkeit bestand ein studienbegleitendes Praktikum in einer Firma zu absolvieren und natürlich Sydney als die Weltstadt Australiens einen zusätzlichen Reiz darstellte. Ein weiterer Pluspunkt des UWS Hawkesbury Campus war die Nähe zu den Blue Mountains und diversen Nationalparks. Dies ist Neubrandenburg mit seiner Nähe zum Müritz Nationalpark und der Feldberger Seenlandschaft sehr ähnlich. Mit meinem Studium in Umweltplanung habe ich damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Mein Jahr in Australien startete also am 15. Februar 2008. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nur, welche Kurse ich in den beiden Semestern belegen würde, dass diese auf dem Hawkesbury Campus stattfinden werden und dass mein Praktikumsplatz in Penrith bei der Penrith Lakes Development Corporation Ltd., vom UWS Careers and Cooperative Center, organisiert wurde.

Campusleben und Studium

Der Hawkesbury Campus befindet sich circa 65 Kilometer nordwestlich von Downtown Sydney. Die Züge nach Richmond fahren alle 30 bis 60 Minuten und brauchen rund 90 Minuten bis zur Central Station. Auch sonst ist der Campus eher abgelegen, aber für Kurse in Umweltwissenschaften perfekt. Der Ort Richmond mit seinen rund 20000 Einwohnern bietet eine Basisausstattung an Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Fastfoodketten und einem Kino. Die Entfernung beträgt ungefähr 1,5 Kilometer und ein Fahrrad bietet sich an, um die wöchentlichen Einkäufe erledigen zu können. Wer sich kein Fahrrad leisten möchte oder kann, läuft einfach oder fragt andere Studenten, die sicher gerne mit einer Mitfahrgelegenheit aushelfen werden. Für Studenten, die auf dem Penrith Campus studieren, aber auf dem Hawkesbury Campus leben, wird während des Semesters ein kostenloser Shuttle Service organisiert, der circa 20 Minuten für eine Tour braucht und auf die Vorlesungszeiten abgestimmt wird.

Der Umgang unter den auf dem Campus lebenden Studenten ist sehr freundlich und hilfsbereit und half mir sehr, mich in den ersten Tagen und Wochen zurechtzufinden.

Auf dem einen Foto sieht man mich mit einem australischen Python. Eine Studentin, die gerade ihre Masterarbeit über diese Tiere schreibt, bot mir an, das sich auf dem Campus befindliche Terrarium zu besuchen.

Auch während der Vorlesungen ist der Umgang wenig formal, die Professoren werden, wie auch alle anderen Mitarbeiter der Universität und Kommilitonen, mit ihren Vornamen angesprochen. Der Semesteraufbau ist anders als an meiner Heimatuniversität in Neubrandenburg. In Australien ist es üblich, eine Vielzahl von Hausarbeiten - verteilt über das Semester -  einzureichen, aus deren Ergebnissen ergibt sich dann am Ende die Gesamtnote. Dieses System hält einen während des Semesters recht gut auf Trab. Außerhalb der Vorlesungszeiten stehen die Türen der Professoren immer offen und es wird sich Zeit genommen, Fragen zu beantworten. Das Verhältnis zwischen Professoren und Studenten ist fast freundschaftlich und ich wurde mehrmals von Professoren zu Exkursionen in die Blue Mountains oder nach Sydney eingeladen, selbst wenn ich nicht deren Kurs belegte.

Eine dieser Exkursionen fand im Kurs Understanding Landscape statt. Professor Jack Wolfenden erklärte die Geologie der Blue Mountains und die Funktionen der Ökosysteme vor der Kulisse des Grose Valley (siehe Foto).

Das Praktikum – viel Arbeit, aber es lohnt sich!!!

Wie schon zuvor erwähnt, war das Study Abroad Programm mit einem studienbegleitenden Praktikum in einer Firma verbunden und mein Praktikumsplatz wurde mit der Penrith Lakes Development Corporation Ltd. (PLDC) arrangiert.

Die PLDC leitet die Aktivitäten in dem größten Sand- und Kiestagebau Australiens und entwickelt gleichzeitig das Penrith Lakes Scheme. Das Penrith Lakes Scheme wird eines Tages, wenn die Tagebauaktivitäten beendet sind, eine große Seenplatte für Naherholung, Naturbildung und Rückzugsraum für gefährdete Tier- und Pflanzenarten sein. Die zahlreichen monitoring-Aktivitäten, Renaturierungsprojekte und Umweltplanungsprozesse sowie die Teilnahme an Workshops mit international anerkannten CSIRO (Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation) Wissenschaftlern half mir, ein schnelles Verständnis für die regionale Flora und Fauna und die Funktionen der Ökosysteme zu entwickeln.

Die Entwicklung eines Konzeptes für die Renaturierung von bedrohten Cumberland Plain Pflanzengesellschaften und guten Bodenverhältnissen waren Schwerpunkte meines Praktikums. Zurück betrachtet, muss ich sagen, dass das Praktikum umfangreiche Arbeit war. Der geforderte Arbeitsaufwand belief sich auf 400 Stunden, die im Zeitraum zwischen Ende Februar und Ende Juni 2008 abzuleisten waren. Das war kaum zu schaffen und an jedem vorlesungsfreien Tag und in den Ferien arbeitete ich für das Praktikum - aber es hat sich gelohnt.

Ich sammelte Erfahrungen in einem fremden Arbeitsumfeld, konnte neue Fertigkeiten entwickeln, den Umgang mit GIS Software vertiefen und erlangte neue Einblicke und Sichtweisen zu meinem bisherigen Studium. Das Wissen und das Verständnis der australischen Umwelt war ebenfalls sehr hilfreich in einigen Universitätskursen, wie zum Beispiel Environmental Biology und Terrestrial Environmental Management.

Aber das Praktikum bestand nicht nur aus Arbeit, es gab auch immer willkommene Abwechslungen, wie das mittägliche Jogging um das internationale Regattacenter oder wakeboarding auf einem der fertig gestellten Seen. Insgesamt  ist das gesamte Arbeitsumfeld sehr entspannt gewesen und die Kollegen waren sehr hilfreich und nahmen sich Zeit, um Fragen zu beantworten.

Ein weiterer positiver Aspekt war, dass ich im zweiten Semester einen Teilzeitjob als GIS Student bekommen habe und meine Arbeit sowie den Lernprozess in der Firma fortsetzen konnte.

Alles in allem kann ich ein solches Praktikum jedem nur empfehlen.

Zwar ist der Arbeitsaufwand enorm, jedoch nur für ein Semester, aber die Erfahrungen, die man macht, und die Kontakte, die man knüpft, können auch später noch sehr hilfreich für die weitere Karriereentwicklung sein.

Mein Fazit 

Abschließend kann ich nur sagen, dass das Jahr in Australien besser war, als ich es mir je vorgestellt hätte. Zwar gab es anfangs ein paar Schwierigkeiten, da man sich erst einmal in der neuen Umgebung zurechtfinden muss, aber gleichzeitig bekommt man auch Unterstützung von allen Seiten.

Was die Rolle von IEC, UWS International und UWS Careers and Cooperative Centre angeht, so haben alle Beteiligten sehr gut zusammengearbeitet, mir einen guten Start in meinem Auslandsjahr verschafft und alle meine Erwartungen zu meiner vollsten Zufriedenheit erfüllt.

Deren Aufgabe ist es, Chancen und Möglichkeiten zu eröffnen.

Was man mit den Vorlagen dann anfängt, hängt von jedem selbst ab, doch je genauer man selber weiß, was man will und das auch offen ausspricht, umso einfacher ist es dann, für diese Leute das gewünschte Programm zu organisieren und die nötigen Kontakte zu knüpfen.