Erfahrungsbericht: Nina Büttner

Nina Büttner
„Meine Empfehlung ist ganz klar: Obwohl die Vorbereitungen sehr aufwendig und kompliziert sind, lohnt es sich die Strapazen auf sich zu nehmen und das Geld zu investieren für diese einmalige Erfahrung.“

Auslandssemester im Bachelor im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften (Commerce and Administration)

Das 1. Trimester 2011 verbrachte ich an der VUW in Neuseeland und möchte mit diesem Bericht meine Erfahrungen mit allen Interessierten gerne teilen, vielleicht findet der ein oder andere auch ein paar wertvolle Tipps. D

Zur Planung meines Auslandssemesters

Die Vorbereitungen fingen bei mir ca. ein Dreivierteljahr früher an, wo ich mich über IEC bei drei Universitäten in Neuseeland beworben hatte – die Kommunikation verlief reibungslos. Relativ schnell bekam ich von der Victoria University of Wellington (VUW) ein Angebot mit Bedingung, nämlich einem Nachweis über genügende Sprachkenntnisse. Bei mir hat sich das zwar etwas länger hingezogen, aber schließlich konnte ich mit einem DAAD-Sprachnachweis und einem tollen Empfehlungsschreiben von meiner Englischlehrerin überzeugen. Sympathisch fand ich, dass von der VUW, genauer gesagt Victoria International, immer mal wieder Infomails über das bevorstehende Auslandssemester kamen, was meine Vorfreude natürlich enorm steigerte.

Glücklicherweise hatte ich schon fast ein halbes Jahr vor Trimesterbeginn den Antrag auf Auslandsbafög gestellt, denn ich bekam erst nach vier Monaten eine Rückmeldung, was für Unterlagen noch einzureichen seien, um meinen Antrag bearbeiten zu können. Zum Beispiel musste ich ein Formular von der VUW ausgefüllt nachliefern, was ich natürlich erst bekam, nachdem ich denen die Studiengebühren gezahlt hatte. Mein Tipp dafür ist eine Auslandsüberweisung seiner Bank in Auftrag zu geben, die Kosten (bei mir ca. 20€) hierfür können niedriger sein als über Kreditkarte (man benötigt nämlich auch eine Kreditkarte mit so einem hohen Limit, dass es für all die Studiengebühren reicht). Beachten: Die Überweisung dauert ca. 10 Tage!

Der Bescheid über die Zusage von Auslandsbafög kam erst ca. zwei Wochen nachdem ich schon in Neuseeland war, trotzdem hab ich mich natürlich mehr als gefreut, dass alles geklappt hat, auch mit den 1.000€ Reisekosten- und 4.600€ Studiengebührenvollzuschuss. Übrigens hatte ich die Krankenversicherung über die VUW genommen, welche auch sehr gut war. Das fand ich klasse an der VUW: Die haben dort Ärzte (Student Health Service) direkt am Campus nur für die Studenten. Die Arzt- und Medikamentenkosten werden dann direkt mit der Versicherungsgesellschaft  abgerechnet. Außerdem ist man auch auf Hin- und Rückreise, sowie Reisen während des Trimesters  versichert, aber diese Kosten muss man vorstrecken und kann sie dann bei der Versicherung  zurückfordern (Belege aufbewahren!).

Eine Unterkunft in Wellington finden

Problematisch fand ich es mit der Unterkunft. Ich hatte mich von Anfang an entschieden mich nicht für ein Zimmer über die Uni zu bewerben und wollte vor Ort ein Zimmer suchen. Im Nachhinein würde ich das nicht noch mal so tun, denn gerade zu Semesterbeginn im Februar ist es auf dem Wohnungsmarkt in Wellington schlimmer bestellt als in Deutschen Studentenstädten. Die Mieten sind wöchentlich zu zahlen, außerdem verlangen viele Vermieter/Makler, dass man direkt für sechs Monate einen Vertrag unterschreibt, und ich benötigte nur vier Monate, außerdem ist man als so Kurzzeit-Mieter nicht der beste Kandidat für WGs :-(. Es ist also echt schwierig etwas bezahlbares und halbwegs in der Nähe zur Uni zu finden, 200 NZD pro Woche sind völlig normal.

Bedenken sollte man auch, dass es in Neuseeland kein Studententicket für Busse gibt. Da ich am Ende in einem nicht zentralen Stadtteil gewohnt habe, musste ich mir noch den monatlichen Buspass kaufen, so konnte ich wenigstens bequem auf den Berg, wo der Kelburn Campus liegt, fahren ;-)

Tipp zur Kursauswahl

Ein weiterer Tipp von mir ist, schon im Vorfeld bei der Bewerbung über IEC sich genau zu informieren über seine möglichen Wunschkurse. Diese werden ja vorgeprüft und beim Angebot genehmigt oder abgelehnt, sodass die „preapproved“ bei Einschreibung in der VUW einfach zu belegen sind. Denn wenn man etwas anderes wählen will, ist oft das Problem, dass du deine Vorkenntnisse nicht beweisen kannst, die du eventuell in der Zeit zwischen Bewerbung und Auslandssemesterbeginn an deiner Heimatuni  erworben hast, die auf dem Academic Record bei der Bewerbung allerdings noch fehlen.

Ich habe einen Kurs aus dem 1. Jahr und zwei Kurse aus dem 2. Jahr schließlich gewählt. Zu jedem Kurs gab es Tutorien (zu denen man sich rechtzeitig anmelden muss!), die für alle Studenten Pflicht sind, weil ein Teil davon in deine Abschlussnote gezählt wird. Auch musste ich für jeden Kurs ein „Assignment“ schreiben, um die 1.700 Wörter.  Die Klausuren am Ende waren dann nicht mehr so schwierig (man darf als Nicht-Englisch-Muttersprachler ein Deutsch-Englisch-Wörterbuch mitbringen und nutzen!). Ich habe alle meine Kurse gut bestanden, bekam nach meiner Rückkehr in Deutschland per DHL Express das offizielle Notentranscript von der VUW zugeschickt (muss bei Victoria International beantragt werden), sodass ich mir den Kurs an meiner Heimatuni anrechnen lassen konnte.

Aktivitäten in Wellington

Vor allem am Anfang und auch während bzw. zum Ende des Trimesters gab es immer wieder Treffen und Aktivitäten, die von den netten Ladies bei Vic International organisiert werden, woran ich an manchen mit Freude teilgenommen habe, weil man dort viele andere Internationals trifft und Freundschaften schließen kann. Zu den einheimischen Studenten ist es natürlich schwieriger Kontakt aufzubauen, man kann es z.B. in den Tutorien versuchen oder super einfach über das Buddy Programm (dazu gab’s im Vorfeld eine Infomail!).

Das Leben in Wellington hat mir super gut gefallen: Die Stadt hat eine angenehme Größe, wunderschöne Lage und das Zentrum ist prima fußläufig zu durchqueren, wo sich alles Wichtige abspielt. Feiern gehen kann man abends auch gut, selten sind Schlangen draußen vor den Clubs, aber ganz wichtig: Die Türsteher kontrollieren öfter das Alter und unter 25 (einschließlich!) muss man seinen original Reisepass (Studentenausweis gilt nicht, da ist kein Geburtsdatum drauf) mitnehmen.

Reisen in Neuseeland

Wenn man dann schon mal am anderen Ende der Welt ist, muss man Neuseeland auch bereisen um seine unendlich schönen Landschaften zu sehen! Autos kann man sich einfach mieten (mit internationalem Führerschein), bei manchen Unternehmen, wie z.B. Budget Cars , muss man allerdings pro Fahrer unter 25 einen Zuschuss zahlen :-/ Aber sonst war die Reservierung online bequem erledigt und auch die Abwicklung verlief nicht so bürokratisch ab, was für einen Deutschen erst mal ungewohnt, aber angenehm sein kann. Da ich oft auch alleine gereist bin, hatte ich die Möglichkeit des Langstreckenbusses für mich gefunden. Die Hauptanbieter sind Naked Bus und Intercity Bus, wo täglich die Busse zwischen vielen Städten in Neuseeland pendeln. Ich habe mir zum Beispiel eine bestimmte Anzahl an Trips gekauft und konnte dann innerhalb von 24h Stunden flexibel einen Sitzplatz in einem Bus buchen.

Der Tourismussektor ist in Neuseeland schon sehr weit fortgeschritten, viele Attraktionen sind mir zu überteuert gewesen, und auch bei  den Unterkünften hab ich gespart wo es nur geht. Zum Glück gibt’s überall Hostels, große Ketten oder auch privatgeführt, wo man für um die 25 NZD im Vierbettzimmer schlafen kann. Außerhalb der Hochsaison (Nov – Mär) lässt sich oft auch am selben Tag noch anrufen und ein Bett reservieren. Übrigens war ich verwundert wie viele junge Deutsche durch Neuseeland tingeln, bei mir waren in jedem (!) Hostel welche…

Flüge innerhalb Neuseelands lohnen sich eher selten, es gibt zwar billige Angebote von Jetstar oder AirNewZealand, aber die müssen oft ein paar Wochen im voraus gebucht werden und der Transfer Flughafen – City ist natürlich auch nicht billig. Dafür gibt es bei Flügen innerhalb Neuseelands nicht die Beschränkung für  Flüssigkeiten im Handgepäck J Ganz wichtig, was ich damals auch nicht wusste war, dass ich jedes Mal ein gültiges Heimflugticket nach Deutschland vorweisen musste, wenn ich nach Neuseeland einreisen will. Das stand so in meinem Visum drin („Return/onward ticket“ war nicht durchgestrichen), und so kam ich ganz schön in die Bredouille, als ich von einem Urlaubstrip in den Südpazifik wieder nach NZ zurück einreisen wollte.

Mein Empfehlung also ganz klar: Obwohl die Vorbereitungen sehr aufwendig und kompliziert sind, lohnt es sich die Strapazen auf sich zu nehmen und das Geld zu investieren für diese einmalige Erfahrung.