Erfahrungsbericht: Nils Langhorst

Nils Langhorst
„Dadurch, dass der Campus überschaubar ist, trifft man ständig jemanden, den man kennt und mit dem man mal eben schnell einen kurzen Plausch halten kann.“

Vor einigen Tagen wurde ich gebeten einen Erfahrungsbericht über mein Auslandssemester an der Humboldt State University in Arcata zu schreiben. Im Folgenden möchte ich einen kurzen Einblick über meine Zeit an der HSU geben.
Mein Name ist Nils Langhorst, 27 Jahre, z.Zt. Student im internationalen Master of Science Studiengang „Digitale Medien“ an der Universität Bremen. Im Rahmen eines Auslandssemesters während meines Bachelorstudiums an der Hochschule Bremen habe ich im Wintersemester 2011/12 mein Auslandssemester an der Humboldt State University in Arcata verbracht.

In der ersten Woche findet für alle Austauschstudenten eine Orientierungswoche statt, die vom International Office durchgeführt wird. Dabei erledigt man zuerst einmal alle notwendigen Formalitäten, registriert sich für Kurse (falls man das vorher noch nicht gemacht hat) und lernt den Campus kennen. Eine gute Gelegenheit die anderen Internationals kennenzulernen. Die meisten der internationalen Studenten sind in den „Creekview“ Apartments untergebracht. Creekview liegt etwas abgelegen vom Campus auf einem kleinen Hügel, mit direktem Zugang zum Redwood Forest. Die Abgeschiedenheit hat auf jeden Fall etwas für sich, der Hügel allerdings auch. Neben dem Hügel sind auch noch die vielen Treppenstufen auf dem Campus zu erwähnen, aber man gewöhnt sich daran. :)

Ein Wort noch zu den Kursregistrierungen: Wenn ihr schon vorher wisst, welche Kurse ihr gerne belegen wollt, dann schreibt dem betreffenden Professor vorab eine E-Mail, damit ihr auf der Warteliste landet. Zwei Kurse, in die ich mich einschreiben wollte, waren schon voll belegt, jedoch kann man mit ein wenig Engagement (die ersten Hausaufgaben machen, im Kurs präsent sein, persönliches Gespräch mit dem Professor, etc.)  dann meistens noch einen Platz bekommen.
Was mich auch direkt zu den Professoren bringt. Alle, bei denen ich Kurse belegt habe, waren superfreundlich und zuvorkommend. Professoren werden mit dem Vornamen angesprochen, außer es wird ausdrücklich der förmliche Umgangston gefordert. Selbst in allen Verwaltungsstellen und Büros ist eher das formlose Du angesagt. Die Atmosphäre auf dem Campus ist allgemein sehr familiär. Nicht nur dadurch, dass man in den ersten Tagen viel Zeit mit der International Group verbringt, sondern auch besonders der offenherzige Umgang miteinander, erweitern den Bekanntenkreis schnell. Dadurch, dass der Campus überschaubar ist, trifft man ständig jemanden, den man kennt und mit dem man mal eben schnell einen kurzen Plausch halten kann. Guten Kaffee bekommt man morgens im Café des „Depot“, falls man die Augen noch nicht aufbekommt. Über die Mensa kann ich nicht viel sagen, da ich meistens selbst gekocht habe. Dort habe ich vielleicht fünfmal gegessen und es war gut.

Das Niveau der Kurse war durchschnittlich. Mit ein wenig Ehrgeiz waren alle leicht zu bewältigen. Im Gegensatz zum deutschen System gibt es in den USA 3 bzw. 4 Credit Points für einen regulären Kurs, die ich mir in Deutschland jedoch wie gewohnt in meine 6 Credits umrechnen lassen konnte. Für ein Semester in den USA müssen mindestens 12 Credits absolviert werden, zumindest besagt das die Aufenthaltsgenehmigung. Das wären dementsprechend vier Kurse. Im Vorfeld sollte man die Credit-Verrechnung auf jeden Fall mit der lokalen Universität absprechen.
Das Unterrichtssystem ist, im Gegensatz zu unserem eher das, was wir unter Schule verstehen. Die Anzahl der Kursteilnehmer ist überschaubar und schwankt zwischen 15 und 25. Somit haben die Professoren sehr gute Möglichkeiten auf vereinzelte Studenten einzugehen. Alle Kurse die ich belegt habe bestanden aus zwei wöchentlichen Unterrichtseinheiten, bspw. montags einer Lerneinheit mit Hausaufgabe und am darauf folgenden Mittwoch Hausaufgabenbesprechung, -abgabe und Laborübungen.
Sollte man mal nicht klarkommen, so stehen einem die Professoren, besonders aber die Mitarbeiter im International Office immer gerne und hilfsbereit zur Verfügung.

Da auf dem Campus immer was los ist, ist es müßig hier in irgendwelche Einzelheiten zu gehen. Unbedingt ansehen sollte man sich jedoch mal ein Footballspiel der HSU Lumberjacks, oder sich mal ein Konzert im Depot ansehen, sich bei Halloween bescheuert verkleiden, oder am Samstag mal in Arcata über den Farmers Market schlendern und lokales Obst und Gemüse probieren und natürlich kaufen. Rund um den Plaza, dem zentralen Platz von Arcata, befinden sich auch ein paar kleinere Bars, in denen man abends mal nett das ein oder andere Bierchen trinken kann. Lohnenswert sind in diesem Zusammenhang auch die lokalen Brauereien, in denen man immer herzlich willkommen ist, um die lokalen Köstlichkeiten zu probieren. Den Cineasten sei noch das Minor Theatre zu empfehlen, eines der ältesten Kinos in den USA, mit nostalgischem Charme.

Arcata selbst ist ein kleiner Ort, der sich relativ gut zu Fuß, besser aber mit dem Fahrrad erkunden lässt. Der nächst größere Ort ist Eureka, welchen man perfekt mit dem Bus erreichen kann. In Eureka gibt es eine mittelgroße Shoppingmall und außerdem ist das einmal im Monat stattfindende Kleinkunstfestival Arts Alive zu empfehlen.
Wer sich selbst versorgen möchte und gern selber kocht, dem sei Wildberries in Arcata empfohlen. Dort findet man vorwiegend Bio-Produkte von lokalen Farmern, allerdings auch etwas teuer. Ein Tipp für die Selbstversorger: fragt frühzeitig eure Mitbewohner, wie es mit Töpfen, Pfannen, etc. aussieht. Grundsätzlich sind die Küchen nicht mit Töpfen und Geschirr ausgestattet.
Abschließend kann ich nur sagen, dass ich mein Semester in Arcata sehr genossen habe und jedem, der nicht nur auf den Namen einer Universität schaut, nur empfehlen dort ein Semester oder gar mehr zu verbringen. Ich würde sofort wieder zur HSU gehen, da es eines der besten Semester während meiner Studienzeit war.