Erfahrungsbericht: Max Windsheimer

„Ich hatte wundervolle Monate in Kuching verbracht und kann jedem von euch ein Auslandssemester hier wärmstens empfehlen.“

Warum Kuching?

So ganz genau kann ich selber nicht sagen, warum ich mich dazu entschieden habe, mein Auslandssemester an der Swinburne University in Malaysia zu absolvieren. Ich wollte einfach etwas anderes sehen. Eine neue Kultur, ein neues Land, weniger Wohlstand, eine andere Sprache, andere Natur. Dementsprechend wollte ich nicht in Europa bleiben oder in ein anderes "westliches" Land (USA, Australien, Neuseeland) gehen. Dass die Wahl dann letztlich auf Malaysia fiel, war dem Angebot der kostenlosen Vermittlung von IEC, aber vor allem dem Bauchgefühl geschuldet. Getragen hat meine Entscheidung sicherlich nicht der Ruf der Uni und meine Karriereplanung. Versteht dies aber bitte nicht falsch: Die Swinburne University ist sicherlich keine schlechte Universität.

Vorbereitung

Die Vorbereitung für das Auslandssemester zog sich über einen recht langen Zeitraum. Es gab immer wieder neue Dinge zu erledigen und immer wieder neue Wartezeiten. Ich musste einen TOEFL-Test absolvieren, meine Reisepass verlängern, die Bewerbung ausfüllen, einen äußerst umfangreichen Medizintest über mich ergehen lassen, mein Visum besorgen und mir das notwendige Equipment für ein halbes Jahr in den Tropen besorgen. Der Aufwand für all das ist sicherlich noch überschaubar. Das nervige sind die ständigen Wartezeiten, die es einem nicht ermöglichen, schnell seine Auslandssemester-Checkliste abzuarbeiten. Da ich sehr früh angefangen habe, Vorbereitungen für das Semester zu treffen, kam ich (abgesehen von dem Visum, welches ich erst drei Tage vor der Abreise final bekam) aber kaum in Zeitdruck. Hätte ich die Arbeit nichr gerne etwas aufgeschoben, wäre es wohl auch schneller gegangen.

Kosten

Wer nicht das Glück hat, ein Stipendium zu finden, der muss natürlich etwas Geld auf den Tisch legen. Neben den Studiengebühren (ca. 3000 Euro) fallen hier vor allem der Hin- und Rückflug ins Gewicht. Die Lebenshaltungskosten sind deutlich geringer als in Deutschland. In Food Courts (ihr braucht keine Angst vor verdorbenem Essen haben, uns hat es in einem halben Jahr keinerlei Probleme gemacht) kann man für zwei Euro warm essen und bekommt sogar noch ein Getränk dazu. Etwas teurer ist westliches Essen (Mc Donalds Menü für ca. 3.50 Euro, eine kleine Pizza für vier bis fünf Euro). Der Alkohol ist sehr hoch besteuert und entsprechend teurer als in Deutschland. Unterkünfte sind deutlich billiger als in Deutschland. Wir hoch eure Kosten letztendlich sind, hängt also stark davon ab, wieviel ihr reist, wie oft ihr feiern geht und wo ihr esst. Günstiger als ein selbstfinanziertes Studium beispielsweise in Großbritannien, den USA oder in Australien ist es aber allemal.

Studieren

In Deutschland studiere ich Wirtschaftingenieurwesen, in Malaysia wählte ich zwei Ingenieursfächer und ein Marketingfach. Das Niveau der Universität ist sicherlich höher, als man als Deutscher zunächst denken mag, wenn man den Namen Malaysia oder gar Borneo hört. Für einen einheimischen Studenten ist es üblich, vier Fächer pro Semester zu belegen. Ich selber beließ es am Ende bei drei Kursen, ein Fach wurde etwa zur Mitte des Semesters abgelegt. Diese brachten dann bereits genug Arbeit mit sich. Nicht dass ich nur am Studieren gewesen wäre, in Malaysia war ich aber nicht bereit das gleiche Lernpensum aufzubringen wie ich es in Deutschland bin. Der Stoff war nicht zu schwer, Anwesenheitspflicht und ständige kleine Test während dem Semester hielten einen aber trotzdem auf Trap. Etwas Extrazeit kostete auch die Tatsache, nichtmehr in der Muttersprache zu studieren (alle Vorlesungen und Klausuren waren auf Englisch). Das Anrechnen der belegten Fächer für das Studium in Deutschland ging bei meinen Freunden problemlos, ich selber habe es allerdings gar nicht versucht. Wer den Stoff mal nicht verstand, bekam schnell und kompetent Hilfe von den Professoren.

Es ist schwer das Niveau und den Aufwand mit dem in Deutschland zu vergleichen. Ein Versuch sieht folgendermaßen aus: Das Niveau ist etwas geringer als in Deutschland, aber keinesfalls in großem Ausmaße. Will man die üblichen vier Kurse erfolgreich belegen, muss man etwas mehr Zeit investieren als in den ersten dreieinhalb Monaten eines deutschen Semesters, allerdings hat man dann zehn Wochen komplett frei und keine Prüfungen in den Ferien, so wie ich es aus Nürnberg gewohnt war.

Unterkunft

Swinburne bietet seinen Studenten sowohl die Möglichkeit, in einem Hostel direkt auf dem Campus zu leben, als auch die Möglichkeit, außerhalb des Campus sich mit einigen anderen Studenten ein Haus zu teilen. Ich entschied mich für das Hostel auf dem Campus. Diese Entscheidung habe ich nie bereut. Den Vorteil vorneweg: Man lernt viele Leute von allen Teilen der Welt kennen. Die Leue waren ausgesprochen offen und freundlich, ich fand sehr schnell Anschluss und Freunde, mit denen ich teilweise immernoch in Kontakt stehe. Das Hostel war sehr sicher und außerdem war man nur einen Katzensprung von der Uni selber entfernt.  Im Gegenzug muss man sich allerdings darüber im Klaren sein, dass man hier in sehr heruntergekommenen Zimmern lebt. Darüber hinaus unterliegt man vielen strengen Regeln. Jungs- und Mädls lebten in zwei getrennten Hostels (der Zugang zum jeweils anderen Hostel war einem strengstens verboten) und der Genuss von Alkohol und Zigaretten war ebenfalls untersagt. Ich war dennoch zufrieden mit dem On-Campus Hostel. Wem die Regeln zu stark aufstoßen, der wird bei der Suche einer Off-Campus Bleibe von der Uni aber tatkräftig unterstützt.

Land und Leute

Malaysia ist ein muslimisches Land. Auch wenn in Kuching mehr Christen als Muslime leben, bekam man von der neuen Religion schon etwas mit (Muezzin, die On-Campus-Hostelregularien). Mehr aber auch nicht, störend war das in keinem Fall. Eher spannend. In Malysia leben drei verschiedene Bevölkerungsgruppen, die allersamt auch in Kuching vertreten waren. Malayen, Chinesen und Inder. Alle sind freundlich und offen, insbesondere auch Deutschen, die man hier eher weniger findet (welche Überraschung...), gegenüber.

Kuching ist eine sehr schöne, aber ruhige Stadt. Sie ist mit 500.000 Einwohnern in etwa so groß wie meine Heimatstadt Nürnberg. Man sieht einen Unterschied zu Städten wie man sie aus Europa kennt, zu groß ist dieser aber mit Sicherheit nicht. Für alle Träumer: Auch in Kuching wird Auto gefahren, auf dem Handy rumgetippt und der Computer genutzt. Hier leben keine Hinterweltler.

Freizeit (!)

Jedem von euch, der bei einem Auslandssemester mehr erwartet als gute Noten, dem kann ich ein Studium an der Swinburne University in Kuching wärmstens empfehlen. Es wird einem ein reiches Sportangebot geboten - Fußball, Basketball, Fitnessstudio, Squash und Badminton waren für Interessierte an der Tagesordnung. Wer will, kann außerdem locker drei Mal die Woche feiern gehen (was allerdings vielleicht sogar einen Tick teurer ist als in Deutschland) und braucht sich dabei nie um mangelnde Gesellschaft von anderen Studenten sorgen. Einige Kneipen und Discos entwickelten sich schon zu einem Swinburne-Treffpunkt. Auch wenn Kuching sicherlich keine Partystadt ist, langweilig wurde es nie. Wollte man mal nicht feiern gehen, konnte man auf eine der vielen Barbecuepartys von Mitstudenten gehen. Und hatte man mal ein paar Tage mehr Zeit, lockten Ausflüge in tropische Nationalparks, an Strände oder ein Wochenendtrip in andere Länder (AirAsia machts möglich). Südostasien hat brutal viel spannende und schöne Ecken. Die etwa sechs Wochen, die ich nach dem Studium Zeit hatte, diese zu erkunden, hätte ich locker nochmal verlängern können.

Fazit

Ich hatte wundervolle Monate in Kuching verbracht und kann jedem von euch ein Auslandssemester hier wärmstens empfehlen. Besonders die vielen Freunde die ich hier gefunden habe werden mir für immer in Erinnerung bleiben. Von den vielen neuen Eindrücken, den tropischen Regenwäldern, den Tieren und den Partys ganz zu schweigen. Außerdem habe ich ein anständiges Semester absolviert, bei dem ich sowohl meine Fach- als auch Sprachkenntnisse (Englisch) ausbauen konnte.

Wer Interesse an einem Studium in Kuching hat, kann mir gerne Fragen stellen ;)