Erfahrungsbericht: Marcus Roy

Marcus Roy
„Viele Studenten bevorzugen die Millionenstädte Sydney oder Melbourne. Ich war mit Townsville/Queensland mehr als zufrieden. Es ist weitaus preisgünstiger, entspannter und man bekommt eine unverfälschte und breit gefächerte Natur geliefert.“

Eine andere Welt

Am 21.7.2005 startete nun endlich meine lang ersehnte Reise nach Australien, nachdem ich das Queensland Scholarship erhalten hatte. Der Umfang: ein Semester an der James Cook University in Townsville. Die Stadt gehört zu den nördlichsten Städten an der Ostküste Australiens, gelegen im Staat Queensland mit dem weltbekannten Great Barrier Reef direkt vor der Tür, gesegnet mit tropischem Klima und einer atemberaubenden Tierwelt. Worte wie aus einem Reiseführer oder?

Unialltag

In Townsville angekommen empfing mich der JCU Abholservice und brachte mich zu meiner Unterkunft in der University Hall auf dem Campus Gelände der JCU. Besser bekannt als „Uni Hall“ ist sie das bekannteste und älteste Wohnheim neben weiteren, die weniger zentral gelegen sind.

Zwischen diesen einzelnen Colleges gibt es semesterweit eine Vielzahl an Wettbewerben, u.a. Fußball, Rugby, Assassins, Rock, Paper & Scissor uvm. Im Falle Assassins bekommt jeder Mitspieler den Auftrag einen anderen Mitspieler zu eliminieren und zwar mit einer Wasserpistole, es sei denn dieser trägt eine mehr oder weniger lustige Duschhaube…und das ganztägig. Zwei Wochen lang befand sich die Uni Hall im Ausnahmezustand mit Duschhauben getarnten Studenten und das sogar in Vorlesungen.

Diese Wettstreite genießen einen hohen Kultstatus und Studenten, sowohl einheimische als auch internationale, sind diesbezüglich regelrecht fanatisch. Auch ich musste mich in einigen Wettbewerben profilieren und habe so zum Semestersieg der Uni Hall beigetragen. Preis: ein keg (Fass) Bier. Wie man vielleicht bereits bemerkt hat gleicht das Leben in den Wohnheimen einer großen Familie, gemäß der Ideologie „Mein Zimmer ist auch dein Zimmer“. Ständig wird gefeiert oder Flurbewohner besetzen dein Zimmer und erfreuen sich an den Geschichten und dem Lifestyle der diversen  zusammengetroffenen Kulturen.

Jeden Tag weckte mich bereits 7 Uhr früh morgens die Sonne oder waren es vielmehr die 30°C oder letztendlich doch die Geräusche der Tierwelt, die wie die Natur absolut utopisch erscheint. Die Verpflegung war ganztägig inbegriffen und so brauchte man sich früh nur unter die Dusche quälen, anschließend einige Happen australisches (englisches) breakfast mit tropischen Früchten zu sich nehmen um abschließend zur Fakultät inmitten eines tropischen Szenarios zu spazieren. Dabei konnte es schon mal vorkommen, dass man einem Possum oder anderen einheimischen Tieren begegnete. An die Geckos in meinem Zimmer hatte ich mich ja bereits gewöhnt. Entspannter konnte ein Tag jedenfalls nicht beginnen.

Campus und Studium

Der JCU Campus besitzt eine „Student Mall“ mit allem was man zum Studieren benötigt: eine Cafeteria, Mensa, Post, Computershop, Schreibwarenladen, Bibliothek, Sportstudio, Frisör etc. Zudem grenzte der hiesige Studentenclub an, der oft Ausgangspunkt für Wettbewerbe, Bandauftritte und abendlichen Beisammensitzen war.

Auch von der technischen Ausstattung konnte sich die JCU sehen lassen. Jedes Fakultätsgebäude ist mit einem Rechnerpool, Projektoren und Klimaanlagen ausgestattet

Auch mit meiner Fächerwahl war ich mehr als zufrieden. Ich belegte die Kurse Animation, Advanced Multimedia Studies und Advanced Audio Visual Techniques an der Fakultät für Communication Design (BCD) und das Fach Video Production Essentials am Theatre College. So wie ich es mir erhofft hatte entsprach das Studium größtenteils praktischer Natur. Im Fach Animation durchliefen wir den kompletten Entwicklungsprozess eines animierten 3D Charakters, angefangen von Ideenskizzen, Design Entwürfen über Modellierung und  Texturierung bis hin zur endgültigen Animation. Besonders wichtig war mir, dass der Entstehungsprozess industrienah und kundenorientiert abgearbeitet wurde. So war die Aufgabenstellung größtenteils ein Client Briefing mit Anforderungen und Vorstellungen des Kunden. Meine Arbeit bestand dann nicht nur in der kreativen Umsetzung sondern auch in der verkauforientierten Präsentation des Produkts, repräsentativ vor der gesamten Klasse.

Das Leben in Australien

Was mich sehr einschneidend geprägt hat war das Leben. Ich habe sehr gute Freunde von überall der Welt gewonnen, eine Menge Anlässe gefeiert und gemeinsam Australien entdeckt. Und so sollte jeder der nach Townsville kommt auch das Tauchen erlernen und dann nichts wie raus zum Great Barrier Reef, das sogar vom Weltall zu erkennen ist. In 20-30 m Tiefe habe ich eine andere Welt erfahren, die man sonst nur von Bildern kennt. Ein unbeschreibliches Erlebnis inmitten von farbenprächtigen Korallen zu schweben und für einen Moment Teil einer faszinierenden Tierwelt zu sein. Es ist schon ein mulmiges Gefühl Haie zu beobachten und neben Fischen zu schwimmen, die so groß sind wie du selbst.

Die Australier sind ein absolut feierfreudiges Volk, wobei es Studenten eher in die zahlreichen Pubs zieht anstatt in Großraumdiskotheken. Die Stadt am Wochenende ist gerappelt voll, besonders zu Spielen der Queensland Cowboys ist die Hölle los. Rugby ist Volkssport Nummer 1 und wird ausgiebig zelebriert.

Meiner Meinung nach bietet Queensland die schönsten Plätze Australiens auf „engem“ Raum, wobei eng relativ zu sehen ist, wenn man berücksichtig das zwischen Townsville und Brisbane knapp 1500 km liegen. Viele Studenten bevorzugen die Millionenstädte Sydney oder Melbourne. Ich war mit Townsville/Queensland mehr als zufrieden. Es ist weitaus preisgünstiger, entspannter und man bekommt eine unverfälschte und breit gefächerte Natur geliefert. Und auch die ansässigen Leute sind im Großen und Ganzen sympathisch und aufgeschlossen. Man fühlt sich nie fremd was nicht zuletzt daran liegt, das Australien ein Land des Tourismus ist und man ständig Menschen aus aller Welt kennen lernt (Die Backpacker Route der Ostküste geht von Cairns über Townsville nach Sydney).

Eigentlich gibt es jede Woche was zu erzählen. Ein Erlebnis möchte ich noch kurz hervorheben, das eine bleibende Erinnerung hinterlässt. Wie ich es nicht anders von meinen mates erwartet hatte, schrieben sie mich für einen Mister und Miss Uni-Verse contest ein. Alles eben ein wenig ungezwungen sehend machte ich natürlich mit. Drei Wochenenden in Folge traten wir nun an, ob in Designersachen oder Surferwear, das Publikum der Uni Hall waren stets dabei und jubelte am Lautesten. Zum Schluss überzeugte dann anscheinend doch mein deutscher Charme und verhalf mir zum Titel. Zusammen mit meiner amerikanischen Miss Uni-Verse traten wir zu viert unseren Gewinn nach Arlie Beach an.

Den letzten Monat kannte uns jeder und egal ob man jeden Donnerstag im Uni Club feierte oder dir Leute auf dem Weg zur Uni entgegenkamen, jeder grüßte mit einem Cheers mate! oder verwickelte dich in minutenlange Gespräche, so als ob man schon immer da gewesen wäre. Und so fiel es verdammt schwer sich von all dem nach knapp 5 Monaten loszureißen. Ich bin mir sicher jeder nimmt ein Stück Australien mit nach Hause, dass jetzt im Nachhinein leider nur wie ein paar Wochen vorkommt.

Warum ins Ausland? Warum nach Australien?

Was die englische Sprache angeht hat sich mein Englisch von sehr gut zu nahezu perfekt verbessert. Ich habe das Englische gesprochen, gedacht und gelebt. Man adoptiert die unbeschwerte australische Mentalität und ihre Sprache sehr schnell.

Abschließend kann ich nur jedem ans Herz legen alles Erdenkliche zu versuchen sich ein oder zwei Semester Australien zu verdienen. Es ist eine Reise die mich als Mensch verändert und mein Studium unvergesslich gemacht hat. Ich bin stolz auf das Erreichte und Erlebte und freue mich meinen Studienaufenthalt und meine Projekte in und aus Australien als willkommene Referenz vorzuweisen.

In diesem Sinne bedanke ich mich nochmals recht herzlich für die Unterstützung des International Education Center in der Hoffnung, dass sie noch vielen weiteren Studenten die Möglichkeit bieten ein Semester in Australien zu studieren.