Erfahrungsbericht: Lisa Marie Knotz

Lisa Marie Knotz
„Aufwand hin oder her ... es lohnt sich, denn letztlich hatte ich eine unvergessliche Zeit in Down Under“

Vorbereitung

Nie hätte ich gedacht, dass die Organisation eines Auslandssemesters ein Jahr Vorbereitungszeit benötigt. Aber es ist so. Meine ursprüngliche Idee war es mit Erasmus ein Auslandssemester in Europa zu absolvieren. Da mein Fachbereich allerdings keine Kooperationen in englischsprachige Länder des europäischen Auslandes hatte, entschied ich mich mein Auslandssemester selbst und somit ohne Partneruniversität zu organisieren.

Bewerbung

Dann stand für mich fest, das sonnige Australien soll es sein. Dass dort nicht immer die Sonne scheint, wurde mir in den ersten Wochen dann auch schnell klar. Aber nochmal zurück zur Vorbereitung. Der erste Schritt war eine Organisation zu finden, die einem bei der Vermittlung hilft. Meine Wahl fiel schnell auf das International Education Centre in Berlin – kurz IEC. Meine spätere Ansprechpartnerin hatte ich bereits bei einer Informationsveranstaltung an der TU Kaiserslautern kennen gelernt. Die Kontaktaufnahme und erste Gespräche liefen bereits im Juni 2014.

Der nächste Schritt war der DAAD-Sprachtest, den ich im November ablegte. Danach begann ein regelrechter Marathon an Bewerbungsschreiben und Einreichung von Unterlagen. Einerseits für die Bewerbungen an den ausgewählten australischen Universitäten, andererseits für verschiedene Stipendien. Trotz frühzeitiger Bewerbung bekam ich das Studienplatzangebot von der University of South Australia (UniSA) im April.

Bis die Studiengebühren und die Formalien erledigt waren, vergingen weitere Wochen. Über den Kontakt, den ich ab diesem Zeitpunkt direkt mit einer Vertreterin der UniSA aufnehmen konnte, bin ich sehr dankbar. Sie half mir unverzüglich bei jeder Frage weiter. In den verbleibenden zwei Monaten galt es dann an den Stipendien dran zu bleiben, mein Visum zu organisieren, Krankenversicherungen abzuschließen, die Wohnung aufzugeben, das laufende Semester frühzeitig zu beenden und vieles mehr.

Finanzierung

Finanziert habe ich mein Auslandssemester über Stipendien meiner Heimatuniversität, andernfalls hätte ich definitiv Auslands-Bafög beantragt, da ein Studium ohne Partneruniversität ansonsten finanziell nicht machbar gewesen wäre.

Letztlich ist ein selbst organisiertes Auslandssemester möglich, aber mit extrem großem organisatorischen Aufwand und viel Eigeninitiative verbunden. Aufatmen kann man erst, wenn man im Flugzeug sitzt und nichts mehr ändern oder organisieren kann. Tatsächlich gestartet bin ich dann am 08. Juli 2015, mit viel Gepäck, einem mulmigen Gefühl und Vorfreude auf all das Unbekannte.

Wohnen

In Adelaide gelandet, verbrachte ich die ersten Tage in einem Hostel, da ich beschlossen hatte nach einer Wohnung vor Ort zu suchen. Eine Freundin von meiner Heimatuniversität startete gemeinsam mit mir zum Auslandssemester. Von Beginn an war unser Ziel australische Mitbewohner zu finden. Schneller als gedacht bezogen wir zwei Zimmer in einem großen historischen Haus im Stadtteil North Adelaide und einer Wohngemeinschaft mit sechs weiteren Personen. Unser Vermieter war sehr zuvorkommend und freundlich und gab uns gleich das Gefühl willkommen zu sein. Meine neuen Mitbewohner kamen aus Australien selbst sowie aus Asien. Insbesondere an gemeinsame Kochabende erinnere ich mich gerne zurück.

Adelaide

Nicht gerechnet hatten wir mit der Kälte, die uns in Adelaide empfing. Ein Winter im Süden Australiens bringt zwar keinen Schnee, aber eben doch einstellige Temperaturen und viel Regen. Gegen das großstädtische Sydney, das kreative Melbourne oder die kleineren und größeren Städte an der Ostküste Australiens, die den australian way of life verkörpern und immer sommerliche Temperaturen aufweisen, scheint Adelaide eher unscheinbar zu sein. Und genau das ist es auch – wundervoll unspektakulär. Adelaide ist keine Stadt der großen Sehenswürdigkeiten, aber genau deshalb die perfekte Stadt um ohne große Touristenscharen, einfach nur zu leben. Insbesondere der riesige Grüngürtel rund um die quadratische Innenstadt und der River Torrens, der nördlich davon vorbei fließt, geben der Stadt ihre hohe Lebensqualität.

Kurztrips ins Outback

Mit dem Fahrrad ist alles zentral Gelegene schnell erreicht und mit Bus oder Straßenbahn konnten wir zu den Stadtstränden fahren, um Nachmittage am Meer zu verbringen. Allerdings sind neben den hohen Studiengebühren in Australien, die ebenfalls immens hohen Lebenshaltungskosten nicht zu vernachlässigen.

University of South Australia

Die UniSA hat uns beim Start ins Auslandssemester durch die Organisation einer Welcome- sowie einer Orientation Week geholfen. Hierdurch hat man nicht nur die Universität mit all ihren Institutionen kennen gelernt, sondern auch direkt Kontakt zu anderen internationalen Studierenden knüpfen können. Schnell hatte ich Freunde gefunden und regelmäßig haben wir internationalen Studenten uns in Bars verabredet und somit unseren Bekanntenkreis vergrößert. Studiert habe ich drei Kurse.

Ein Unterschied zum deutschen System ist das regelmäßige Schreiben von Hausarbeiten, den sogenannten Assignments. Dabei steigert sich der Umfang im Laufe des Semesters und es werden sowohl Einzel- als auch Gruppenaufgaben erteilt. Üblich ist es bis zu drei solcher Arbeiten pro Kurs begleitend zur Vorlesungszeit zu schreiben, teilweise werden damit auch die Prüfungen ersetzt. Die ersten Versuche erforderten große Anstrengung, aber schnell habe ich gemerkt, wie mir das wissenschaftliche Schreiben in Englisch leichter fällt.

Die offene Atmosphäre und der persönliche Umgang des Lehrpersonals mit den Studierenden waren ein großer Unterschied zu meinen Erfahrungen an deutschen Universitäten und haben mich sehr beeindruckt. Außerdem gab es Workshops und individuelle Sprechstunden, die man jederzeit in Anspruch nehmen konnte. Highlights waren außerdem die moderne Einrichtung der Universitätsgebäude, freie und ansprechende Computer- und Arbeitsräume sowie die Live-Chat-Funktion der Uni-Bibliothek.

UniSA City East Campus

Freizeit

Natürlich ist Studieren während eines Auslandssemesters nicht alles. Gemeinsam mit den anderen internationalen Studenten habe ich meine freien Wochenenden genutzt, um bereits während des Semesters Kurztrips ins Outback oder in die nähere Umgebung von Adelaide zu unternehmen. Außerdem haben wir unseren Tauchschein gemacht. In den zweiwöchigen Semesterferien Ende September hatte ich dann Zeit etwas mehr von Australien zu sehen. Während des Semesters gab es ansonsten verschiedenste Veranstaltungen von der Stadt Adelaide und ihren Universitäten, die wir alle gerne besucht haben: Wine Tasting, Cultural Cooking oder Movie Nights.

Leben in einer fremden und anderssprachigen Stadt birgt jeden Tag neue Herausforderungen, aber auch so vieles zu entdecken. Von idyllischen Plätzchen entlang des Stadtflusses, alternativen Wochenendmärkten oder stadtnahen Stränden, langweilig wurde uns nie.

River Torrens und Parklands

Fazit

Im Laufe der Vorbereitung und währenddessen fragt man sich manchmal, ob sich das alles lohnt … und nun kann ich, wie vermutlich jeder andere, der einmal im Ausland studiert hat sagen: JA!!!

Diese Erfahrung ist einmalig und all der Organisationsaufwand fällt dann nicht mehr ins Gewicht. Obwohl die Kommunikation mit IEC nicht immer reibungslos verlief, bin ich dankbar, dass es außeruniversitäre Organisationen gibt, die einem bei der Organisation des Auslandssemesters helfen und ich würde jedem empfehlen diese Angebote auch in Anspruch zu nehmen.