Erfahrungsbericht: Keijo Walser

„Zurückblickend war mein Auslandssemester ein voller Erfolg. Ich konnte neben zahlreichen kulturellen Erfahrungen, interessanten Bekanntschaften und neugewonnenen betriebswirtschaftlichen Ansichten vor allem meine Englischkenntnisse deutlich verbessern.“

1 PLANUNG UND VORBEREITUNG
Den Entschluss ein Auslandssemester zu absolvieren habe ich bereits zu Beginn meines
Masterstudiums „Marktorientierte Unternehmensführung“ an der FH Köln getroffen. Der
Studiengang verlangt dies nicht, allerdings wird mit Kooperationspartnern weltweit für das
Studium geworben. Da ich bereits während meines Bachelorstudiums ein Auslandssemester
an der Napier University in Edinburgh (Schottland) verbracht habe, wollte ich die
positiven Erfahrungen mit einem weiteren Aufenthalt in einem englischsprachigen Land
erweitern, nicht zuletzt um meine Englischkenntnisse weiter zu vertiefen. Die Entscheidung für Australien resultierte aus zahlreichen Empfehlungen von Bekannten und natürlich auch aus dem Traum diesen interessanten Kontinent kennenzulernen. Darüber hinaus ergaben meine Recherchen, dass in Australien aufgrund einer großen Anzahl an Universitäten nahezu perfekte Voraussetzungen für ein Auslandssemester im Zusammenhang mit meinem Studium gegeben sind.

1.1 Bewerbung
Nachdem mich das tatsächliche Angebot des Auslandsamt der FH Köln für ein Auslandssemester im Zuge meines Masterstudiums sehr enttäuscht hat, (es gab keine Kooperationen mit australischen Hochschulen für Masterstudenten und nur eine geringfügige Anzahl von Plätzen in den USA, welche aber hauptsächlich an Studenten eines internationalen BWL-Studiengangs vergeben wurden) habe ich mich an die kostenlose Studienplatzvermittlung IEC (www.ieconline.de) gewendet. Dort wurde ich viel freundlicher und mit Verständnis empfangen und beraten. Ich konnte mit einer Beraterin sowohl bei einem Besuch an der FH Köln persönlich sprechen, als auch anschließend per Email und Telefon in Kontakt bleiben. Mithilfe von Broschüren und dem Internetauftritt von IEC habe ich mich für vier Hochschulen in verschiedenen Städten in Australien beworben woraufhin ich für alle Universitäten innerhalb weniger Wochen eine Zusage erhalten habe. Das lag meiner Meinung nach an der grundsätzlichen Profitausrichtung der australischen Hochschulen. Allerdings hatte ich auch einen recht guten Notenschnitt. Für die Bewerbungen musste man die jeweiligen Formulare auf der Homepage von IEC downloaden, ausfüllen und zusammen mit einem englischen Lebenslauf und einem englischen Motivationsschreiben an IEC schicken. IEC hat daraufhin die Bewerbungen an die Universitäten weitergeleitet. Als Englischnachweis genügte ein Nachweis eines Englischprofessors der eigenen Hochschule, der ein bestimmtes Level mithilfe eines entsprechenden Formulars des Deutsch Akademischen Austausch Dienstes DAAD (www.daad.de) bestätigen musste.

Schließlich habe ich mich für die University of Western Sydney (UWS) entschieden. Das lag vor allem daran, dass ich dort passende Kurse zu meinem heimischen Studium gefunden habe. Außerdem bot die Fakultät für die betriebswirtschaftlichen Masterstudiengänge, als eine der wenigen Hochschulen Quarter, statt Semester an. Das bedeutet, dass man nicht überhastet nach oder während der Prüfungen an der Heimathochschule bereits Ende Juli mit dem Studium in Australien beginnen muss. Ich habe insgesamt drei Kurse belegt. Zwei in meinem ersten Quarter von Mitte September bis Ende November und einen in meinem zweiten Quarter von Mitte Januar bis Ende März. Ein schöner Nebeneffekt war, dass ich den kompletten Sommer in Australien erleben durfte. Und ja, in Australien gibt es auch einen Winter, den man z.B. vor allem in Melbourne mit niedrigen Plusgraden zu spüren bekommt. Nach der Annahme des Angebots der UWS hatte ich neben der Beraterin von IEC vermehrt Kontakt zu einer Mitarbeiterin des Auslandsamts der UWS, die mir sämtliche Fragen gerne zeitnah beantwortet hat.

1.2 Finanzierung
Die Finanzierung für meinen Auslandsauenthalt bestand aus einem DAAD Stipendium und eigenen Mitteln. Ohne das DAAD Stipendium hätte ich mich für das Auslands-BaföG beworben. Obwohl hier die Regelungen ein wenig lockerer sind, können die geringen Grenzen für das Eigenkapital Schwierigkeiten bereiten. Auslands-BAföG kann man auch noch kurzfristig beantragen, muss dann evtl. aber einige Kosten zunächst vorstrecken (Reisekosten, Studiengebühren, etc.). Glücklicherweise habe ich jedoch ein Vollstipendium des DAAD erhalten. Somit war eine Bewerbung um das Auslands-BAföG hinfällig, da man dies nicht parallel in Anspruch nehmen darf. Der Bescheid des DAAD kam etwas kurzfristig (Juni), was bei einem Studienbeginn im Juli Probleme bereiten könnte. Da ich jedoch erst im September begonnen habe war dies weniger problematisch.

Ich habe mich bei dem DAAD für das Programm „Semesteraufenthalte an einer ausländischen Hochschule im Rahmen von Masterstudiengängen“ beworben. Die Bewerbungsfristen enden i.d.R. ein halbes Jahr vor Studienbeginn, teilweise aber auch schon früher. Die Bewerbung bestand aus einem mehrseitigen deutschen Motivationsschreiben, einem DAAD-Formular, einem Gutachten durch einen Professor der Heimatschule, einem Lebenslauf, einem Nachweis der Englischkenntnisse und einem Nachweis für die Anerkennung der im Ausland erbrachten Studienleistungen an der Heimathochschule.

Der DAAD stellt für alles entsprechende Formulare, welche auf der Homepage des DAAD heruntergeladen werden können. Die Bewerbung beansprucht durchaus etwas Zeit, aber es lohnt sich! Im Rahmen eines Vollstipendiums stellt der DAAD zum größten Teil die Studiengebühren, die Reisekosten, die Versicherungskosten und eine monatliche Pauschale. Allerdings habe ich die Pauschale nur für vier Monate und nicht für die komplette Zeit erhalten, welche aufgrund meiner zwei Quarter statt einem Semester länger war. Mir war jedoch von Anfang an bewusst, dass ich zusätzlich noch einige Mittel benötige. Ich habe mich für einen Ferienjob in Deutschland entschieden, da ich mich somit auf das Studium in Australien konzentrieren und meine Freizeit den vielen Möglichkeiten Australiens widmen konnte. Hier sei schon einmal vorweg die Anmerkung gemacht, dass Australien und vor allem Sydney sehr teuer ist. Der derzeit schlechte Wechselkurs (1 AUD = 0,7 € - 0,8 €) macht es nicht gerade einfacher. Wer also eine angenehme und sorgenfreie Zeit in Sydney verbringen möchte, sollte genügend finanzielle Mittel aufbringen können.

1.3 Reisevorbereitungen
Der erste Schritt bei den Reisevorbereitungen sollte das Visum sein. I.d.R. ist dies nach der Zusage einer australischen Hochschule für deutsche Studenten relativ einfach online zu beantragen (www.germany.embassy.gov.au/belngerman/home.html, www.immi.gov.au ). Die Wartezeit betrug in meinem Fall gegensätzlich zu den Warnungen der australischen Botschaft von mehreren Tagen oder Wochen nur wenige Minuten. Sobald das Geld angekommen ist, bekommt man das Visum online per Email geschickt, vorausgesetzt man besitzt eine unproblematische Vergangenheit. Das Visum kann anschließend auch auf einem Online Account eingesehen werden. Den Reisepass sollte man jedoch vor dem Antrag verlängert und erhalten haben, da sonst aufgrund der neuen Passnummer Probleme entstehen könnten. Die Krankenversicherung kann man über die australische Hochschule abschließen (www.oshcworldcare.com.au) und ist auch Bedingung des Visums. Allerdings macht es Sinn sich anstatt der australischen Krankenversicherung eine deutsche Auslandskrankenversicherung abzuschließen, da diese i.d.R. im Gegenteil zu der OSHC die vollen Kosten erstattet und u.U. auch günstiger ist. Bei einem Arztbesuch musste ich zunächst 80 AUD bezahlen und habe anschließend weniger, als die Hälfte von der OSHC zurück bekommen. Als DAAD Stipendiat bekommt man jedoch die Restkosten erstattet. Darüber hinaus sollten auch weitere Versicherungen (Reise-, Unfall-, Haftpflichtversicherungen) in Betracht gezogen werden.

Der Flug sollte am besten über ein Reisebüro abgeschlossen werden (z.B. STA Travel). Bei einer Reise nach Australien macht es Sinn Zwischenstopps in Asien oder im nahen Osten zu machen (z.B. Bangkok, Singapur, Hong Kong, Dubai, etc.) sowie Zusatzflüge (z.B. Neuseeland) dazu zu buchen. Dies ist meistens online nicht möglich und die Reisebüros können i.d.R. einen sehr günstigen Paketpreis anbieten.

2 LEBEN UND WOHNEN IN SYDNEY

Sydney ist mit seiner Topographie, der Skyline, den Sehenswürdigkeiten (Opera House, Harbour Bridge, etc.) und der riesigen Küstenlandschaft eine einzigartige Stadt. Sydney hat so ziemlich alles zu bieten, aber das hat auch seinen Preis. Man braucht sicherlich ein paar Tage, um sich in dieser großen Stadt einzuleben, aber man erkennt auch schnell die britischen Einflüsse der Kolonialzeit und somit erinnern die Lebensgewohnheiten sehr stark an Großbritannien. Darüber hinaus findet man eine kulturelle Vielfalt unter den Einwohnern. Besonders der große Anteil an asiatischen Immigranten hat mich sehr überrascht. Da ich in meinen zwei Quartern nur zweimal pro Woche an die Universität gehen musste, habe ich mich entschieden im Zentrum von Sydney zu wohnen.

Mein Campus der University of Western Sydney befand sich in Parramatta, einem ca. 30 km entfernten Vorort im Westen Sydneys. Es gibt dort ein sehr modernes und schönes Wohnheim (www.uwsvillage.com.au), welches an den Campus angeschlossen ist. Da sich der Campus jedoch nicht einmal direkt in Parramatta befindet, ist diese Lage ein wenig abgeschnitten von Unterhaltungs- und Einkaufsmöglichkeiten und mit 190 AUD pro Woche trotzdem noch sehr teuer. Die Suche nach einer Wohngemeinschaft kann durchaus ein paar Tage in Anspruch nehmen. Man sollte sich zunächst ein Bild über die verschieden Stadtteile und die durchaus großen Entfernungen machen. Die meisten Angebote befinden sich auf (www.gumtree.com.au, www.flatmates.com.au/home.html, www.easyroommate.com.au). Die hauptsächlich möblierten WG-Zimmer sind mit 150-250 AUD pro Woche sehr teuer, wobei es nach oben scheinbar keine Grenzen gibt. Vorsicht! Aufgrund der vielen Backpacker in Sydney werden die Zimmer oft mit 2-4 Betten vermietet und müssen geteilt werden. Ich habe das erste Quarter in der George Street mitten im Zentrum CBD (180 AUD) mit 8 Mitbewohnern und im zweiten Quarter in Bondi nahe des Bondi Beaches (200 AUD) mit 4 Mitbewohnern gewohnt. Ich hatte jeweils ein Einzelzimmer. Das Zusammenleben mit Backpackern kann vielfältig und lustig sein, eignet sich jedoch auf Dauer nicht zum studieren. Asiatische Mitbewohner sind oft seltsam ruhig und zurückgezogen.

Der erste Einkauf hat mich zunächst aufgrund der hohen Lebensmittelpreise (vor allem Obst und Gemüse) schockiert. Dies lag aber auch an dem derzeit ungünstigen Währungswechselkurs für Europäer. Die wichtigsten Supermarktketten sind Coles, Woolworth und ALDI, wobei sich der meist günstigere ADLI vorrangig in den Randgebieten von Sydney befindet. Ein Tipp ist der Paddy’s Market in Chinatown, der von Mittwoch bis Sonntag Obst, Gemüse und Souvenirs für weniger als die Hälfte anbietet. Es schadet nicht ein paar kosmetische Artikel von Zuhause mitzubringen, da diese in Australien auch unglaublich teuer sind. Zigaretten und Alkohol erscheinen einem zunächst unbezahlbar. Das Transportsystem von Sydney hat seine Vor- und Nachteile. Zunächst leuchtet es mir keineswegs ein, warum internationale Studenten kein Anrecht auf eine Ermäßigung des Ticketpreises haben. Diese Regelung in New South Wales und Victoria (nicht in Queensland) kann ich auch nach mehreren Gesprächen mit Verantwortlichen nur als Ausbeute der internationalen Studenten bezeichnen. Semestertickets wie in vielen deutschen Städten gibt es nicht.

Das Sydney Train-System ist sehr gut ausgebaut und leicht zu durchschauen. Allerdings macht es hauptsächlich für größere Strecken und vor allem als Anbindung zu den Vororten Sinn. Im Stadtzentrum ist man mehr auf die vielen teils unübersichtlichen Buslinien angewiesen. Über die unterschiedlichen Tickets und Fahrpläne kann man sich am besten auf (www.131500.com.au) informieren. Für den Bus bieten sich Zehnerkarten an. Train-Tickets sind auf Kurzstrecken zwar sehr teuer, dafür kann man auf Langstrecken (z.B. Wollongong, Newcastle oder Blue Mountains) unglaublich günstige Tickets erhalten. Bei der regelmäßigen Nutzung des beeindruckenden Fähren- Systems sollte man sich für ein Wochenticket entscheiden. Damit kann man in den entsprechenden Zonen Bus, Train und Fähre benutzen, muss jedoch auch einen stolzen Preis zahlen.

Die Unterhaltungsmöglichkeiten kennen in Sydney keine Grenzen. Hier wird jeder etwas finden. Club- und Barbesuche können jedoch bei einem Blick in den Geldbeutel am nächsten Tag für Schockzustände sorgen. In den vielen Backpacker-Pubs in der Innenstadt (Scubar, Side Bar, Scary Canary, etc.) sind die Preise i.d.R. ein wenig erschwinglicher, allerdings wird man dort nicht wirklich eine australische Atmosphäre vorfinden. Restaurantbesuche sollte man bis auf die günstigen Angebote der Backpacker-Pubs eher vermeiden und lieber selber kochen. Die unverschämten Preise der Kinos sollten nicht unterstützt und daher auch gemieden werden. Aber ganz ehrlich – niemand geht nach Sydney um Filme anzuschauen. Im Sommer sollten vor allem die vielen Strände (Bondi, Coogee, Manly, Palm Beach, Dee Why, etc.) und Parkanlagen (Hyde Park, Botanic Garden, etc.) zum Surfen, Sonnen und Grillen genutzt werden. Letztendlich muss jeder wissen wieviel Geld er in seine Freizeit investieren möchte. Allerdings muss man leider bei normalen finanziellen Verhältnissen seine Ausgehgewohnheiten im Vergleich zu Deutschland reduzieren.

Sollte man das Gefühl bekommen, dass man Sydney bereits alles gesehen hat gibt es natürlich auch zahlreiche Möglichkeiten für Ausflüge in der Umgebung. Wie bereits erwähnt erreicht man mit dem Train-Netz viele Orte für wenig Geld. Auch wenn man früher nicht gerne wandern gegangen ist, wird man es in Australien lieben lernen. Die einzigartigen Bushwalks an den Küsten von Sydney sind ein guter Einstieg (z.B. Manly, Bondi- Coogee, etc.). Weitere Bushwalks findet man in der nahen Umgebung im Royal National Park und in den Blue Mountains. Beide Ziele sind mit dem Sydney Train für wenig Geld zu erreichen. Für entferntere Ziele kann man auch günstige Flüge buchen. Tigerairways (Vorsicht! Günstige Flüge aber so gut wie immer mit Verspätung oder werden komplett gecancelt) ist vergleichbar mit Ryanair und bietet meist die günstigsten Flüge an (ab 30 AUD pro Strecke nach Melbourne). Etwas teurer, aber verlässlicher sind die Airlines Jetstar und VirginBlue. Da es ein relativ geringer Kostenaufwand ist, habe ich natürlich die Stadt Melbourne besucht. Darüber hinaus war ein Kurztrip nach Tasmanien eine besondere Erfahrung.

3 STUDIEREN AN DER UWS
3.1 Allgemeine Beschreibung der UWS
Die University of Western Sydney (UWS) (www.uws.edu.au) besitzt mehrere Campus im westlichen Teil von Sydney. Ich habe am Campus in Parramatta an der Sydney Graduate School of Management (SGSM) (www.sgsm.edu.au) studiert. Dort konnte ich in zwei Quartern insgesamt 3 Veranstaltungen belegen, die mir in meinem Masterstudiengang „Marktorientierte Unternehmensführung“ an der FH Köln noch fehlten und welche ich bei meinem Kölner Studiengang anrechnen lassen konnte. Ich habe sowohl einen Kurs an der School of Marketing (Customer Relationship Marketing), als auch zwei Kurse an der School of Finance (Corporate Finance & Funds Management und Portfolio Selection) belegt. Das SGSM besitzt an dem Campus Parramatta ein eigenes Gebäude und verfügt auch über einen eigenen Service Desk, bei dem einem freundliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne bei unterschiedlichsten Anliegen behilflich sind. Darüber hinaus stehen für die Vorlesungen zwei Stöcke zur Verfügung, die mit Computern, Gruppenräumen, Sitzgelegenheiten und Kochnischen ausgestattet sind und zu denen man auch nur als Masterstudent Zugang hat. Die restlichen Gebäude des Campus gehören hauptsachlich zu unterschiedlichen Bachelorstudiengängen.

Der Campus verfügt auch über ein Café, einer Kantine, einem Subway und weiteren Sitzgelegenheiten außerhalb der Gebäude. Die Bibliothek ist sehr modern und gut ausgestattet und hat i.d.R. täglich zwischen acht Uhr morgens und sieben Uhr abends geöffnet. Computer befinden sich sowohl in der Bibliothek, als auch in einem Computerraum der täglich nur zwischen drei Uhr nachts und fünf Uhr morgens geschlossen wird. Das bereits erwähnte Wohnheim ist ca. 10 min zu Fuß von dem Campus entfernt. Wenn man nicht in dem Wohnheim wohnt, findet man auf dem Campus zahlreiche Parkplätze, welche jedoch gebührenpflichtig sind. Da man als internationaler Student i.d.R. jedoch kein eigenes Auto besitzt, habe ich die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt. Nach Parramatta fährt alle 10-20 min ein Bus. Alternativ kann man auch stündlich mit dem Sydney Train direkt vom Campus (Rydalmere Station) in die Innenstadt fahren oder man fährt von Parramatta aus mit dem Train.

3.2 Vorgehensweise und Erfahrungen an der SGSM
Die Masterkurse finden aufgrund der vielen arbeitstägigen Studenten meistens einmal wöchentlich von sechs bis zehn Uhr abends statt. Es gibt aber auch einige Veranstaltungen tagsüber. Während den Abendvorlesungen wirkt der Campus oft recht leer, da die Bachelorstudenten bereits zu Hause sind. Zu Beginn meines ersten Quarters gab es einen Willkommensabend mit Informationen zum Studium und einem anschließenden gemütlichen Beisammensein mit Snacks und Getränken. Allerdings sind die meisten Studenten sehr schnell wieder verschwunden, so dass man kaum neue Bekanntschaften machen konnte. Weitere Veranstaltungen für die Kontaktaufnahme zwischen den Studenten gab es leider nicht. Zu meinem Bedauern war der Anteil Australischer Studenten sehr gering. Neben wenigen europäischen Studenten besteht die Mehrheit der Kommilitoninnen und Kommilitonen aus Asiaten, Indern und Arabern. Aufgrund der kulturellen Unterschiede und teilweise sehr unterschiedlichen englischen Sprachniveaus werden die Kontaktaufnahme und das Zusammenarbeiten in Gruppen teilweise erschwert. Etwas überzogen formuliert hat man manchmal das Gefühl man studiert in Asien und nicht in Australien. Die Professoren sind ebenfalls nicht zwingend aus Australien. Ich hatte in meinen Kursen 2 gebürtige australische Professoren und eine deutsche Professorin. Kommilitonen haben mir allerdings auch erzählt, dass sie indische Professoren hatten und es ein paar Verständnisprobleme gab.

Die Qualität der Vorlesungen war unterschiedlich. Neben sehr vortragsorientierten Vorlesungen (Frontalunterricht) im Finanzwesen hatte ich sehr interaktive Veranstaltungen im Marketing mit vielen Diskussionen und Gruppenarbeiten. Bei manchen Professoren hatte ich durchaus das Gefühl, dass sie einige praktische Erfahrungen gesammelt haben. Ein Finanzprofessor hat mich mit seiner überzeugenden und belebenden Art sehr überzeugt. I.d.R. halten sich die Professoren sehr stark an ihr Skript und an ein vorgegebenes Buch aus der Literatur. Die Studenten werden angehalten diese maßlos überteuernden Bücher (75-150 AUD) zu kaufen, da in der Bibliothek nur wenige Exemplare vorhanden sind. Ich habe es dennoch nicht eingesehen diese Profitgier zu unterstützen und hatte Glück die Bücher ausleihen zu können. Die Organisation ist im Vergleich zu deutschen Hochschulen sehr gut. Sämtliche Informationen zu den Kursen sind in einem Onlineforum einsehbar. Außerdem bekamen wir zu Anfang jedes Studiengangs einen Ordner mit sämtlichen Skripten, Terminen, Beschreibungen der Prüfungsleistungen, etc. Allerdings gab es im Nachhinein auch so gut wie keine Abänderungen der festgelegten Vereinbarungen. Mir ist besonders aufgefallen, dass sich die Studenten im Vergleich zu deutschen Studenten kaum gewehrt (z.B. Eingrenzung des Lehrstoffes bei Prüfungsleistungen) und alle Entscheidungen ohne Protest hingenommen haben.

Der Arbeitsaufwand der einzelnen Kurse ist im Vergleich zu deutschen Hochschulen sehr hoch, da man auch nur 2 Kurse pro Quarter hat. I.d.R. gibt es mehrere Prüfungsleistungen pro Kurs (Final Exam, Mid-Term Exam, Individual Assignments, Group Assignments, Präsentations, etc.). Bei den Hausarbeiten wird besonders viel Wert auf die Zitierweise gelegt (Harvard System of Referencing). Die Prüfungen bestehen zum Teil aus Multiple Choice Aufgaben. Unverständlicherweise wurde den internationalen Studenten die Benutzung eines Wörterbuches nicht gestattet.

Die Benotung findet in vier Stufen statt:
High Distinction (85% -100%)
Distinction (75% - 84%)
Credit (65% -74%)
Pass (50% - 64%)
Fail (0% - 49%)

Bei den meisten Professoren ist es allerdings schwer über 85% hinaus zu kommen. Dies kann besonders bei der Notenanrechnung an der Heimathochschule problematisch sein, da man z.B. an der FH Köln für 85% lediglich eine 1,5 bekommt.

4 REISEN IN AUSTRALIEN
Über das Reisen in Australien könnte ich wahrscheinlich mittlerweile einiges erzählen. Aber dies ist natürlich nicht der Schwerpunkt dieses Berichtes. Trotzdem möchte ich ein paar Worte darüber verlieren. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten den roten Kontinent zu erkunden. Ich habe mich in den Ferien zwischen meinen zwei Quartern für einen Trip an der Ostkueste entschieden. Gereist bin ich mit dem recht günstigen Greyhound Bus Ticket, welches beliebig viele Stopps erlaubt. Auf diese Art und Weise habe ich sehr viele unterschiedliche Menschen kennen gelernt, woraus auch einige Freundschaften entstanden sind. Man ist im Grunde nie allein, auch wenn man eigentlich alleine reist. Eine sehr gute Alternative ist natürlich sich einen Camper mit Anderen zu mieten. Man sollte jedoch bedenken, dass man dann auch immer von anderen abhängig ist. Manchmal fühlt man sich wie in Mallorca, da es in Deutschland derzeit Mode ist nach dem Abitur erst mal ein paar Erfahrungen in Australien zu sammeln. Man wird es also in Australien nicht vermeiden können deutsche Bekanntschaften zu machen, obwohl man ja eigentlich sein Englisch verbessern möchte. Manchmal kann man es kaum fassen wie viele Deutsche in Australien sind. Meine Highlights waren ein Segelturn zu den Whitsundays, eine Tour im Regenwald am Cape Tribulation sowie eine Safari Tour auf der Sandinsel Fraser Island.

Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viele traumhafte Strände gesehen. Außerdem habe ich die Chance wahrgenommen nach Neuseeland zu fliegen, da es in australischen Dimensionen nicht wirklich weit weg ist. Der Flug nach Auckland ist von Sydney z.B. kürzer, als ein Flug nach Perth an die Westküste.Das Ende meines Aufenthalts habe ich mit einer Safari-Tour zum Uluru (Ayers Rock) abgeschlossen. Leider sind die Flüge sehr teuer, aber ich konnte einfach nicht nach Hause fliegen, bevor ich das bekannteste Wahrzeichen Australiens gesehen habe. Wie bereits erwähnt ist es Sinnvoll den langen Flug nach Australien mit Zwischenstopps in Asien oder dem nahen Osten zu unterbrechen. Ich habe mich auf dem Hinflug für Bangkok (Thailand) entschieden und mit einer Tour über Kuala Lumpur (Malaysia) verbunden, bis ich dann schließlich von Singapur aus nach Sydney weitergeflogen bin. Auf dem Rückflug habe ich es mir nicht nehmen lassen einen Stopp in Hong Kong zu machen.

5 FAZIT
Zurückblickend war mein Auslandssemester ein voller Erfolg. Ich konnte neben zahlreichen kulturellen Erfahrungen, interessanten Bekanntschaften und neugewonnenen betriebswirtschaftlichen Ansichten vor allem meine Englischkenntnisse deutlich verbessern. Die Kurse an der UWS haben mir neue Einblicke in die Finanz- und Marketingwelt gegeben. Die vielen gelernten englischen Begriffe werden für mein zukünftiges Berufsleben von großer Bedeutung sein. Sicherlich würde ich im Nachhinein einige Entscheidungen und Planungen anders angehen. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass ich mit meinem Auslandsaufenthalt in Australien insgesamt sehr zufrieden bin. Meinen Erfahrungen zufolge hat es sich mal wieder bestätigt, dass eine gut organisierte Vorbereitung entscheidend ist. Es wird sich aber nie vermeiden lassen, dass bei den durchaus komplexen Planungen auch mal etwas schief gehen kann.

Die University of Western Sydney genießt sicherlich nicht das höchste Ranking in Australien, aber im Nachhinein bin ich dennoch mit meiner Wahl bis auf ein paar Ausnahmen zufrieden. Außerdem war es die einzige Universität an der ich durch den Sommer in Quartern studieren und meine gewünschten Kurse belegen konnte. Jeder sollte sich bei der Wahl seiner Universität seine Prioritäten genau überlegen. Bezüglich der Standortwahl ist die UWS sicherlich nicht die beste Wahl, da die Campus doch sehr weit außerhalb der Stadt liegen. Fachlich und organisatorisch kann ich UWS jedoch bestens empfehlen. Die Stadt Sydney ist auf jeden Fall lebenswert, allerdings hat das Ganze auch seinen Preis. Manchmal hätte ich mir gewünscht lieber in einer kleineren Stadt in Queensland zu studieren. Aber Zurückblickend auf die komplette Zeit bin ich sehr froh in Sydney gelebt und studiert zu haben. Meine Reiseerlebnisse und das Leben in Sydney werden natürlich unvergesslich bleiben. Außerdem bin ich froh viele neue und interessante Freundschaften gewonnen zu haben und hoffe, dass ich mit einigen noch lange in Kontakt bleiben werde. Abschließend möchte ich mich bei dem DAAD, IEC und allen die mich unterstützt haben vielmals bedanken. Ohne diese Hilfen wäre mein Auslandssemester kaum möglich gewesen. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich diese Erfahrungen machen durfte. Ich empfehle jedem Studenten die Chance wahrzunehmen und neue Erfahrungen bei einem Auslandsaufendhalt zu sammeln.