Erfahrungsbericht: Jörn C. Wilhelmi

„Ich kann jedem nur empfehlen nach Australien, speziell nach Sydney und je nach Vorlieben, Interessen und Studienvorlieben an die Macquarie University zu gehen.“

Für mich stand immer fest, dass ich nach dem erfolgreichen Abschluss meines Bachelor Studiums ein Master Studium absolvieren möchte, möglichst im Ausland. Da ich zudem ins englischsprachige Ausland
wollte, England für mich zu nah war und die USA letztlich gegen Australien uninteressant erschienen, blieb am Ende Australien (zwischendurch waren Neuseeland, Singapur oder Kanada auch denkbare Alternativen).

Für mich hat damals für Australien gesprochen und spricht nach ersten Erfahrungen nun umso mehr, dass ich hier die Möglichkeit habe ein hochwertiges Studium, in einem der vielseitigsten wenn nicht dem vielseitigsten Land der Erde zu absolvieren und ich außerdem die Möglichkeit habe mal Abstecher nach Asien oder eben Neuseeland zu machen.

Einer meine besten Freunde hat mich hier hin begleitet, studiert aber an der University of Technology Sydney (UTS) und wohnt ein gutes Stück von mir weg. Anfangs fand ich es beruhigend zu wissen, hier jemanden zu kennen. Im nachhinein kann ich nur sagen, dass man hier so extrem schnell so viele Leute kennen lernt, dass es zwar nett, aber nicht entscheidend ist, hier jemanden zu haben. Dazu später
mehr.

Im Folgenden möchte ich meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen der Macquarie University Sydney, der Stadt Sydney, des Landes und der Leute hier zusammenfassen. In diesem Moment, in dem ich dies hier schreibe, bin ich seit ungefähr 2 Monaten in Sydney und habe seit 6 Wochen Vorlesungen und den ersten Klausurblock hinter mir und daher Erfahrungen von etwa einem halben Semester.
Die Eindrücke die jeder sammelt werden verschieden sein ebenso wie die Beweggründe überhaupt ins Ausland zu gehen oder was die Wahl des Studienfaches betrifft. Ich hoffe dennoch, dass diese Zusammenfassung hilfreich für euch ist, sich für ein Studium in Sydney zu entscheiden.

Die Stadt Sydney und allgemeines über Australien

Der erste Eindruck von Sydney: Sydney ist riesig! Ich komme aus Köln, was für deutsche Verhältnisse
ja nun keine kleine Stadt ist, und ich habe auch sonst schon einiges gesehen. Aber Sydney ist einfach
von den Ausmaßen her riesig. Das liegt teils an der Einwohnerzahl, teils daran wie Sydney aufgebaut ist, mit Buchten die sich weit ins Landesinnere erstrecken und es liegt an dem miserablen public transport.

Ich wohne in Epping. Wer sich das auf der Landkarte anguckt mag den Eindruck haben, dass man schnell an der Uni ist und schnell in der Innenstadt, Sydney aber ohnehin eine einzige große Fläche ist, so dass überall das pralle Leben herrscht. Alles falsch. Die Dimensionen täuschen. Ich brauche von mir zu Hause bis zur Uni alles in allem ca. 30 Minuten was sicherlich nicht schlecht ist, brauche aber um
wirklich in die Stadt zu kommen gut und gerne 50 Minuten. Das ist bis zur Central Station. Um irgendwo hinzukommen wo man wirklich hin will, benötigt man mindestens eine Stunde. Ich werde wohl nach diesem Semester in die Stadt ziehen, weil ich lieber 4 mal die Woche zur Uni fahre und dafür ein wirklich großartiges Nachtleben habe, als mich am Wochenende zu quälen und unter der Woche etwas Zeit zu sparen. Ich muss dazu sagen, dass an der Macquarie University wohl auch gefeiert wird, wenn man aber in Manly am International College studiert (ist als Macquarie Student möglich, erkundigt euch! Manly ist ein Traum und dort zu wohnen ist echt großartig!) oder eben in der Stadt wohnt, ist das in der Hinsicht einfach nicht vergleichbar. Einer meiner besten Freunde studiert, wie gesagt, an der UTS, mitten im Herzen von Sydney. Dementsprechend verbringe ich die Wochenenden komplett dort, was aber auf die Dauer recht unkomfortabel und für mich schlichtweg keine Alternative ist. Ich habe hier wesentlich mehr Leute kennen gelernt, als an der Macquarie selbst, einfach weil ich hier mehr Zeit verbringe. Aber die Freunde, die ich an der Macquarie kennengelernt habe, klagen alle über das gleiche Problem oder wohnen selbst in der Stadt. Wie ihr euch entscheidet hängt von euch ab. Hätte ich vorher gewusst, wie weit die Stadt letztlich weg ist, dass Züge nachts nicht bis hier fahren und man lange
unterwegs ist, hätte ich mir gleich eine Wohnung in der Stadt gesucht.

Sydney gibt unglaublich viel her was das Nachtleben angeht. Anders als in Deutschland geht es hier zwar nicht so lang, dafür fängt man deutlich früher an. Meine Abende sehen eigentlich so aus, dass ich mich auf der Dachterrasse des UTS housing mit massig Leuten treffe und danach jeder in irgendwelche
Clubs zieht. Man lernt hier, wie schon gesagt, sehr schnell sehr viele Leute kennen, zum einen weil die Australier recht offen sind und zum anderen weil hier viele junge Leute aus verschiedenen Ländern sind, die einfach Leute kennen lernen und ihren Spaß haben wollen. Die Getränke Preise sind hier höher als in Deutschland, weil die Australier nicht mit Alkohol umgehen können und man sich gezwungen sah die Steuern dementsprechend zu setzten. In die diversen Clubs kommt man angetrunken nicht rein und um in einer Bar oder einem Restaurant arbeiten zu dürfen, in dem Alkohol ausgeschenkt wird, braucht man eine spezielle Lizenz. Ich will das hier nicht zu weit ausführen und wer weitere Informationen haben will, kann mich gerne kontaktieren, auch was Fragen zu anderen Themen angeht.

Die Stadt an sich finde ich sehr spannend und aufregend. Obwohl es einfach eine riesige Stadt ist und man sich in Teilen wie in New York fühlen könnte, sind die Leute hier extrem gechillt, laufen in Boardshorts rum und sind weitestgehend freundlich. Die vielen Strände und die Landschaft in der Umgebung, wie bspw. die Blue Mountains, die vielen Buchten, die vielen verschiedenen Nationalitäten und die Masse an jungen Leute, Studenten und Backpacker ergeben einfach einen tollen flair.

Auch an Sehenswürdigkeiten mangelt es der Stadt nicht. Neben den bekannten Wahrzeichen wie Opera House und der Harbour Bridge lohnt es sich einfach mal die Stadt an schönen Tagen zu Fuß zu erkunden. Darling Harbour und Circular Qay, China Town, Business District, Victoria Building, Hyde Park und viele weitere, zu viele um sie alle aufzuzählen, sind einfach großartig, um sie sich anzugucken und in Spaziergänge einzubinden. Zudem sind es teils auch großartige Plätze zum feiern ;).

Eine Fahrt mit der Fähre nach Manly oder andere Orte sollte man auch auf keinen Fall verpassen. Ich denke jeder sollte das selber erkunden und erleben und ich hoffe das reicht soweit um zu sagen: Sydney ist großartig.

Australien an sich bietet alles was man sich wünscht. Von Stränden und tollen Küstenlandschaften, über Skigebiete, Dschungel, bis hin zu Wüste gibt es hier großartige Landschaften und eine ordentliche Kamera ist ein Muss. Hier sollte sich jeder selber informieren. Das sprengt einfach den Rahmen. Aber
nicht zu letzt ist diese Vielfalt einfach das was für mich den Reiz an Australien ausgemacht hat und ausmacht.

Was ihr über Australien und Sydney noch wissen solltet, ist, dass manche Dinge hier einfach teurer sind als in Deutschland. Eigentlich fast alles. An den Luxus beispielsweise, für wenig Geld öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, habt ihr euch gewöhnt. Hier ist das anders. Alle internationalen Studenten, die nicht zum exchange hier sind, bekommen keine Ermäßigung. Falls ihr also vorhabt regelmäßig in die
Stadt oder zur Uni zu fahren, rechnet mit 10-50 Dollar die Woche. Schaut auf der homepage der öffentlichen Verkehrsmittel nach den Ticketpreisen. Das kann vielleicht auch eine Entscheidungshilfe sein wo ihr wohnen wollt. Alkohol ist teuer. An die Raucher unter euch: hört auf zu rauchen. Nicht nur der Gesundheit zu Liebe. Es ist einfach sau teuer. Da lacht ihr euch über die Zigarettenpreise in Deutschland tot. Essen ist entweder teuer oder schlecht oder beides. Richtiges Brot findet ihr hier selten. Es gibt deutsche Bäckereien. Aber wie gesagt das wird teuer;). Ihr mögt Käse? Schon mal harten, ohne Flüssigkeit eingeschweißten, gelben Mozarella gesehen? Gibt’s hier nur. Die Liste ist lang;). ABER das ist es wert. Und wenn ihr euch daran gewöhnt habt und bereit seid Zeit zu investieren oder Geld oder beides, werdet ihr nicht verhungern. Außerdem lohnt es sich, sich mit Iranern und Indern und Chinesen und Thailändern und insgesamt vielen Leuten unterschiedlicher Nationen anzufreunden. Die können oft ausgezeichnet kochen und da ihr im Zweifel eh nicht wisst wie es schmecken sollte, werdet ihr nicht merken, dass die Zutaten nur unzulänglich waren;). Wie gesagt die Australier haben ihre Schwächen und können manche Dinge einfach nicht, aber das wird den einen mehr den anderen weniger stören und ich für meinen Teil denke, dass es das alle mal Wert ist.

Macquarie University und Studium

„Das Studium in Australien ist nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen“. Ich bin mir sicher das oder ähnliches steht in jedem zweiten Erfahrungsbericht. Letztlich ist es aber schlichtweg ein Studium. Wer das Ziel hat eine anständige Ausbildung zu absolvieren, ist in Australien im Allgemeinen und an der Macquarie University im Speziellen aber sicher nicht schlecht aufgehoben. Wer hier „nur“ study abroad oder exchange macht und womöglich nicht mal Studienleistungen anerkannt bekommen muss, für den wird das hier Urlaub. Jeder der hier hingeht sollte nur folgende Dinge wissen. Viele Australier absolvieren zumindest ein Bachelor Studium. Da der Master aber sehr anspruchsvoll ist gibt es durchaus Leute die dann noch einen zweiten Bachelor hinterher machen und auf den Master verzichten. Ich habe bisher nicht die Sorge hier nicht zu bestehen. Allerdings liegt ein himmelweiter Unterschied zwischen einem „Pass“ und einem „High Distinction“, der niedrigsten bzw. höchsten Benotung, die man erhalten kann. Wer bisher nur in Deutschland studiert hat, wird zudem überrascht sein wie viel hier nebenbei zu tun ist. Es sind regelmäßig Hausaufgaben, Assignments oder Vorträge abzuliefern. Was zwar viel Arbeit ist, aber den Vorteil hat, dass man bei der Stange bleibt. Dafür muss man am Ende nicht so extrem lernen. Ähnlich habe ich es von Hochschulen in den Niederlanden gehört. Gerade im Master Studium muss man halt einfach viel lesen und lernen. Die workload in meinem 1-jährigen Programm sieht eine Wochenstundenzahl von 12-16 Stunden pro 4 credit point Kurs vor, was bei vier Kursen 48-64 Stunden die Woche bedeutet.

Die credit point Systeme sind hier von Uni zu Uni unterschiedlich. Bei einem Vergleich würde ich mich daher wirklich nur auf die workload in Stunden verlassen. Ihr solltet euch an eurem Studienverhalten und eurem Zeitaufwand im Verhältnis zur Angabe eurer Hochschule in Deutschland orientieren. Sprich wenn ihr beim Bachelor Studium in Deutschland mit in der Regel 30 credits pro Semester die Hälfte der Zeit benötigt habt um zu lernen, euch vor- und nachzubereiten und die Vorlesungen zu besuchen, wie angegeben, werdet ihr auch hier die Hälfte der 48-64 Stunden die Woche benötigen. Ich brauche sicherlich keine 48 Stunden die Woche. Vielleicht ungefähr 30. Allerdings ist das deutlich mehr als das, was ich in Deutschland investiert habe. Hier wird einiges an Arbeit vorausgesetzt. Je nachdem was ihr für Kurse belegt, kann es zudem durchaus sein, dass ihr Dinge wie Grundlagen des australischen Steuersystems einfach aufholen müsst, weil sie vorausgesetzt werden. Ohne jemanden zu schockieren, heißt es zusammengefasst also einfach, dass man hier während des Semesters durchaus was zu tun hat, man am Ende dafür aber nicht ganz so unter Stress steht. Um euch etwas zu beruhigen
ist es aber auch so, dass ein „pass“ also bestanden nicht so schwer ist. Hart wird es wenn ihr den Anspruch habt überall mit High Distinction raus zugehen.

Was sonst noch gut zu wissen ist denke ich, ist dass Bücher in Australien einfach unverschämt teuer sind. Ich habe keinen Kurs, in dem ein Buch unter AU$ 100 kostet. Teils brauche ich mehrere Bücher pro Kurs und die Dozenten bestehen oft darauf die aktuellste Version zu nehmen, je nach dem ob sich in eurem Studienbereich Dinge schnell ändern oder nicht. Eine Alternative dazu kann sein Bücher gebraucht zu kaufen (auch aktuelle Versionen können teils gebraucht sein, da hier nahezu jeder seine Bücher wieder abstoßen möchte, einfach aufgrund der hohen Preise). Die Macquarie bietet hierfür einen separaten Buchladen an, in dem ihr eure Bücher nachher zum Verkauf anbieten könnt und eben selber nach Büchern gucken könnt, die ihr benötigt. Alternative zwei ist es die Bücher in UK zu bestellen. Hier gibt es online shops die nach Australien frei liefern und die Bücher kosten ca. die Hälfte. Das Problem dabei ist, dass ihr die Lieferzeit berücksichtigen müsst und ihr nicht die Zeit haben werdet darauf zu warten. Sich die Bücher einfach in der Bibliothek auszuleihen ist aufgrund des hohen Andrangs und der begrenzten Verfügbarkeit und Auswahl oft letztlich auch keine Alternative. Andere Möglichkeiten solltet ihr selber ausloten. Nur so viel: man kann sich durchaus mal ein Buch für kurze Zeit ausleihen.

An der Universität selber trefft ihr wie überall in Sydney und Australien viele Menschen vieler unterschiedlicher Nationen. Das ist meiner Meinung nach einer der vielen Pluspunkte hier. Ihr könnt hier unglaublich viel auch neben der Uni lernen, euch andere Kulturen angucken, Freunde von überall auf der Welt kennen lernen. Das werdet ihr öfter hören und irgendwann wird es nerven. Aber letzten Endes ist das einfach spannend und kann nur von Vorteil sein. Ihr solltet also in jedem Fall aufgeschlossen gegenüber anderen Menschen sein und mit dem Willen hier hinfahren, neues kennen zu lernen und Spaß zu haben. Alles andere wäre vergeudete Zeit. Am stärksten an der Uni und allgemein in Sydney vertreten sind Asiaten und Inder, ok das sind auch Asiaten, aber mit Asiaten meine ich halt Chinesen, Japaner, Thais, Koreaner, etc.

Die Einrichtungen an der Uni sind für meine Begriffe schlechter als in Deutschland. Zumindest was Bibliothek und Computer Labs angeht. Hier wird zwar gerade eine riesige, moderne Bibliothek gebaut, aber das dauert noch bis die endgültig nutzbar ist. Ich lerne eigentlich größtenteils zu Hause, weil die Uni das für meine Begriffe nicht so her gibt. Das ist aber ein Macquarie spezifisches Problem und wird sich mit Fertigstellung der neuen Bibliothek wohl ändern. An anderen Unis habe ich es hier schon deutlich besser gesehen. Das ist dann teilweise über dem, was ich aus Deutschland kenne. Auf dem Campus selber befinden sich außerdem ein modernes Fitnessstudio, ein Schwimmbad, eine Auswahl an Essensmöglichkeiten, kleine Shops, ein Reisebüro, ein See und Sportplätze. Insgesamt ist es so, dass die Uni ein vielfältiges Freizeitangebot bereithält mit verschiedensten Sportclubs und sonstigen Möglichkeiten andere Studenten zu treffen und seine Freizeit zu verbringen. Googlet hierfür am besten mal „Macquarie Unions“ oder ähnliches und ihr werdet schnell fündig. Man gibt sich viel Mühe auch über das gute Lehrangebot hinaus, die Stundenten bei Laune zu halten.

Fazit

Sydney ist großartig. Australien ist spannend. Die Menschen hier sind, wie das Land vielfältig. Sie sind offen und wenn ihr es auch nur annähernd seid und bereit seid Gas zu geben werdet ihr in Sydney eine Menge Spaß haben, tolle Erfahrungen sammeln und am Ende außerdem mit einem 1A Studienabschluss, in jedem Fall aber einem positiven Eintrag in eurem Lebenslauf da stehen. Die Zeit hier ist auf keinen Fall vergeudet. Die Erfahrungen und Eindrücke die ihr hier sammeln könnt, die Menschen die ihr hier kennen lernen könnt und die Freunde die ihr hier finden könnt alleine sind es schon wert. Ich kann jedem nur empfehlen nach Australien, speziell nach Sydney und je nach Vorlieben, Interessen und Studienvorlieben an die Macquarie University zu gehen.

Bondi Beach