Erfahrungsbericht: Janka Schwaibold

Janka Schwaibold
„Ich glaube, wichtig ist nicht der eigentliche Aufenthalt im Ausland, sondern die Flexibilität und neue Perspektive die sich daraus ergibt und die einem vor Augen hält, dass man schwierige Situationen und völlig neue Gebiete meistern kann, wenn man sich offen darauf einlässt. “

Was war für Dich der ausschlaggebende Punkt, in Australien zu studieren?

Für mich ist das LL.M.-Studium einfach die perfekte Kombination aus „noch mal raus aus dem Alltag“ und trotzdem juristisch arbeiten. Statt für eine Promotion Jahre lang in verstaubten Bibliotheken zu sitzen, lerne ich hier ein komplett neues Rechtssystem und eine völlig neue Herangehensweise an juristische Probleme kennen.

Wie wichtig ist Auslandserfahrung im Anwaltsberuf?

Ich glaube, wichtig ist nicht der eigentliche Aufenthalt im Ausland, sondern die Flexibilität und neue Perspektive die sich daraus ergibt und die einem vor Augen hält, dass man schwierige Situationen und völlig neue Gebiete meistern kann, wenn man sich offen darauf einlässt.           

Weshalb hast Du Dich für die VUW entschieden?

Wellington hat den Hauptstadtbonus. Die law school liegt den Regierungsgebäuden genau gegenüber. Das färbt auf den Uni-Alltag ab, sei es durch Gastvorlesungen zu aktuellem Tagesgeschehen oder Kommilitonen, die als öffentliche Angestellte völlig neue Einblicke in die Seminare bringen. Abgesehen davon findet man alles von Geschäften, Museen und Ministerien in nächster Nähe, das kulturelle Angebot ist unglaublich

Was kannst Du über die Dozenten der VUW sagen?

Die meisten Dozenten, die ich hatte, waren fantastisch. Immer ansprechbar und zumindest per E-Mail erreichbar. Das Verhältnis ist nicht hierarchisch wie ich es in deutschen Unis erlebt habe, sondern kollegial und warmherzig, was vielleicht schon daran liegt, dass man sich mit dem Vornamen anspricht. Leicht ist mir das aber nicht immer gefallen, einer meiner Professoren ist ein ehemaliger Premierminister und ihn mit Sir Geoffrey anzusprechen kam mir schrecklich respektlos vor.

Übrigens hat Wellington ein paar der renommiertesten Dozenten im Pazifischen Raum, auch wenn ihr Ruf bisher nicht bis Deutschland vorgedrungen ist.

Wie sah es denn mit dem Praxisbezug aus?

Victoria bietet an, einen Kurs durch ein Praktikum zu ersetzen. Ich habe ein Trimester in einem kostenlosen Rechtsberatungszentrum für Maori gearbeitet und der Praxiseinblick ist unbezahlbar. Bei den übrigen Unikursen kommt es immer darauf an, was man selber draus macht, man kann sich rein akademische Themen suchen oder praxisrelevante.

Wem würdest Du empfehlen, den LL.M an der Victoria zu machen?

Jedem, der anspruchsvolles akademisches Arbeiten mit fantastischen Urlauben kombinieren will. Manche meiner Kommilitonen hatten vor Antritt ihres Studiums das Gerücht pay your fees – get your b’s gehört und waren entsetzt, dass die Seminare richtig Arbeit machen. Aber wer Spaß daran hat, sich richtig in ein Thema seiner Wahl zu verbeißen, ist hier genau richtig. Und Zeit für Erkundungstrips in das schönste Land der Welt ist allemal.

Hat sich der LL.M für Dich bereits jetzt gelohnt?

Direkt wird der LLM keine Auswirkung auf meine Laufbahn haben, weil ich zurück zu der Kanzlei will, in der ich mir die finanziellen Mittel für den Master erarbeitet habe. Langfristig glaube ich aber, dass der Master auch in Deutschland in Zukunft einen größeren Stellenwert erreichen wird und als wertvolle Qualifikation anerkannt wird. Persönlich nehme ich eine ganze Menge mit, sei es die Arbeitsweise, die Perspektive, die sich aus dem Aufenthalt ergibt oder über die Welt verstreute Freunde.