Erfahrungsbericht: Jan-Philipp Arps

„Es überrascht wenig, wenn ich sage, dass meinAuslandsemester in Vietnam inklusive meiner anschließenden Reise die intensivste und prägendste Zeit in meinem bisherigen Leben war.“

Anmerkung: Der folgende Bericht gibt die Eindrücke, Erfahrungen und Erinnerungen von mir während meines Auslandsemester an der RMIT University Vietnam in Ho Chi Minh City von Juni-Oktober 2014 wieder. Ziel ist es, künftigen Studierenden einen möglichst umfassenden und tiefen Einblick der Universität, meines Alltags in Vietnam und der vietnamesischen Kultur zu vermitteln. Sollten Studenten darüber hinaus Fragen haben, oder Dinge unverständlich sein, können diese sich gerne bei mir persönlich oder per Mail melden. (euv07329@europa-uni.de)

Vorbereitung, Planung, Organisation und Bewerbung bei der RMIT Vietnam:

Die Entscheidung mich für ein weiteres Auslandssemester zu bewerben, fiel ironischerweise noch während Ende meines Erasmussemesters in Dänemark im Dezember 2013. Da mein ursprünglicher Plan eben jenes Auslandsemester in Asien zu verbringen aus organisatorischen Gründen zunächst nicht zu realisieren war, entschloss ich mich über das International Education Center (IEC) in Berlin zu bewerben. Ein weiterer Grund war, dass zeitgleich keine Restplätze mehr in Asien von Partneruniversitäten meiner Universität verfügbar waren. Nach der Durchsicht der Infobroschüre fiel die Wahl auf die RMIT International University Vietnam. Zum einen passte die Universität von ihrem Profil sehr gut zu meinem Studienschwerpunkt, da viele Fächer in IT und Finanzen angeboten wurden und zum anderen genoss die RMIT Vietnam vor dem Hintergrund ihrer Australischen Mutter- Universität dem Royal Melbourne Institute of Technology einen hervorragenden Ruf in Lehre und Forschung, wie auch 5 Sterne im bekannten QS-Ranking deutlich machten. Vietnam war zeitgleich das Herkunftsland vieler meiner Freunde und insbesondere aufgrund seiner kulturellen Vielfalt und seiner bewegenden Geschichte für mich von besonderem Interesse. Nach einer ausführlichen Recherche auf der Homepage von IEC hatte ich ein umfassendes Beratungsgepräch am Telefon, bei dem ich sehr kompetent und ausführlich über alle Einzelheiten hinsichtlich des Bewerbungsprozesses und der Universität informiert wurde. Im Gegensatz zu den meisten europäischen Universitäten hat die RMIT University Vietnam keine zwei Semester, sondern drei Trimester von jeweils 4 Monaten. Dies ermöglichte es mir, mich für das Sommertrimester von Juni-Oktober zu bewerben. Die anderen Zeiträume sind von Oktober-Januar bzw. von Februar bis Juni. Verglichen mit meinem Erasmussemester in Dänemark war der bürokratische Aufwand an geforderten Unterlagen, diesmal erheblich höher, da es zum einen ins außereuropäische Ausland ging und zum anderen RMIT Vietnam auch keine Partneruniversität der Viadrina war. Dennoch lief, rückwirkend betrachet, der gesamte Bewerbungsverlauf zügig und reibungslos ab. Positiv hervorzuheben bleibt die Unterstützung seitens von IEC, als es Verzögerungen bei meinem Englischnachweis gab. Um den Rahmen dieses Berichts nicht zu sprengen, kann ich nur nahelegen sich ausführlich auf der Website von IEC rechtzeitig über alle Unterlagen, Deadlines, die Finanzierung etc. zu kümmern, insbesondere, wenn man Auslandsbafög beantragt, sollte man dies so früh wie möglich tun. Nachdem alle meine Unterlagen bei IEC eingereicht und schließlich von der RMIT Vietnam akzeptiert wurden, musste ich mich neben vielen anderen Reisevorbereitungen noch um Flugbuchung und Visum kümmern. Das Visum erhielt ich problemlos bei der vietnamesischen Botschaft in Berlin und obwohl ich den Flug relativ spät buchte, zahlte ich nur ca. 400€ für den Hinflug. Am Sonntag dem 8. Juni 2014 verließ ich Deutschland und benötigte mit einem Zwischenstopp in Moskau insgesamt 19 Stunden, bevor ich am 9. Juni in Ho Chi Minh City besser bekannt unter seinem früheren Namen Saigon im Süden Vietnams ankam.

Ankunft/Unterkunft:

Bereits der Anflug auf Ho Chi Minh City war für mich beeindruckend, da mir einmal mehr bewusst wurde, dass viele asiatische Städte ganz andere Dimensionen erreichen, als die meisten europäischen Städte. Ho Chi Minh City ist das Wirtschaftszentrum Südvietnams, mit über 9 Mio. Einwohnern die Bevölkerungsreichste Stadt Vietnams und von der Fläche ca. 3-mal so groß wie Berlin. Die Einreise verlief mit meinem Visum völlig problemlos und nach kurzer Wartezeit am Flughafen wurde ich von einer Studentin im Taxi abgeholt und zum Campus der Universität gefahren. Ho Chi Minh City ist in 19 Bezirke, die sogenannten Distrikts, aufgeteilt. Der Campus befindet sich in Distrikt 7 im Süden der Stadt. Die Fahrt vom Flughafen Tân Sơn Nhất bis zum Campus dauert bei normaler Verkehrslage ca. 45min. Am Campus angekommen, wurde ich sehr freundlich und herzlich vom International Office empfangen, es wurden zunächst die nötigsten organisatorischen Dinge geklärt, ehe ich ein Zimmer im Residential Centre (https://www.flickr.com/photos/rmitvietnam/sets/72157635065834584/) es Campus zugeteilt bekam. Nach fast 20 stündigem Flug und einer extremen Umstellung auf 35° Celsius, >90% Luftfeuchtigkeit und einer Art Kulturschock, musste ich mich erstmal ausschlafen. Glücklicherweise begann das Studium erst am darauffolgenden Montag dem       16. Juni, sodass ich glücklicherweise noch fast eine Woche Zeit hatte, alles Organisatorische zu klären, mich an meine neue Umgebung zu gewöhnen und alles ausgiebig zu erkunden. Der Campus South Saigon ist der größere von zweien der RMIT University Vietnam, der andere liegt in Hanoi. Nach dem Vorbild vieler Commonwealth-Universitäten ist der Campus wie eine kleine Stadt aufgebaut, auf dem die Studenten nicht nur studieren, sondern auch Leben, da Restaurants, Sporthallen und Veranstaltungssäle, Parkplätze etc. direkt mit der Universität verschmolzen sind. Von meiner neuen Umgebung war ich sichtlich beeindruckt. Das Residential Centre als Wohnanlage erinnerte mich eher an ein 5 Sterne Hotel und war äußerst großzügig ausgestattet. Das Gebäude hatte einen Fahrstuhl bis zum 6. Stock und verfügte im Erdgeschoss über Restaurant, Gemeinschaftsraum mit Flat Screen und Billiardtisch, mehreren Terrassen zum Grillen und einen Waschraum, den man kostenlos jederzeit nutzen konnte. Ich hatte ein eigenes Zimmer im 2. Stock in einem Apartment, welches ich mir mit zwei vietnamesischen Studenten teilte, neben einem gemeinsamen Wohnzimmer und Badezimmer, gab es noch eine Gemeinschaftsküche mit großem Kühlschrank. Während ich es sowohl in Deutschland, als auch in Dänemark gewohnt war, alles selber aufzuräumen, kam ich diesmal in die ungewohnte Luxussituation, dass einmal pro Woche Putzfrauen mein komplettes Zimmer säuberten und sogar das Bett machten. Aber nicht nur meine Unterkunft, sondern der gesamte Universitätscampus waren äußerst großzügig ausgestattet, etwas was ich in der Form bis dahin nicht erlebt hatte (https://www.flickr.com/photos/rmitvietnam/sets/72157635066068424/).

Neben zahlreichen Imbissen und Restaurants in denen verschiedenste Mahlzeiten zubereitet wurden, gab es einen eigenen Subway, ein Highlandscàfe und sogar einen eigenen Supermarkt. Neben einer Parkanlage zum Spazierengehen, die sich über den gesamten Campus erstreckte, gab es eine riesige Sporthalle mit Außenanlage zum Fußball-, Tennis- oder Basketballspielen mit eigenem Fitnessstudio und sogar eigener Krankenstation. Durch meine Studiengebühren, konnte ich alles jederzeit nutzen und war über die Universität auch zusätzlich noch krankenversichert. Auf und unterhalb des Campus gab es Parkmöglichkeiten für Autos und Motorbikes ebenso wie einen Taxistand und Geldautomaten. Darüber hinaus wurde der gesamte Campus,  ebenso wie die Universität rund um die Uhr von Sicherheitsleuten überwacht, kontrolliert und von Putzfrauen in Schuss gehalten, ein riesiger Personalaufwand, der bei mir einen bleibenden Eindruck hinterließ. Auf dem gesamten Campus gab es kostenloses W-Lan, welches man über seinen Studentenaccount nutzen konnte. Zugang zu den Räumlichkeiten und auch zur Wohnanlage, hatte man jedoch außerhalb der Öffnungszeiten nur mit Chipkarte.  Insgesamt wurde ich von allen Menschen seitens der Universität oder anderen Mitarbeitern sehr freundlich und höflich empfangen. Man bemühte sich sichtlich, dass ich mich wohlfühlte. Da ich im Sommer kam und dies in Europa bei den meisten Universitäten genau die Semestermitte ist, war ich neben zwei Australierinnen der einzige Gaststudent in meinem Semester bzw. Trimester. Die Australierinnen, die vom RMIT Melbourne kamen , wohnten ebenso wie viele andere Studenten in Wohnungen in der Nähe des Campus, dies lag im Wesentlichen daran, dass es eigentlich eine relativ strikte Hausordnung gab, zumal viele meiner Kommilitonen wesentlich jünger waren als ich. Nachdem ich aber mit dem Manager des Residential Centres eine Vereinbarung getroffen hatte, konnte ich auch unter Woche weit nach 22 Uhr nachhause kommen.

Studium an der RMIT Vietnam:

Die Woche bevor die eigentliche Vorlesungszeit begann, war eine Einführungswoche an der den neuen Erstsemestern und den Gaststudenten eine Willkommenstüte überreicht, jeder offiziell begrüßt und der Campus ausführlich gezeigt wurde. Die Einführungswoche war sehr gut organisiert und nett geplant. Es wurden die Räumlichkeiten und die Bibliothek ausführlich gezeigt und man hatte die Möglichkeit sich besser kennenzulernen. Darüber hinaus gab es noch den „Clubsday“, an dem sich sämtliche Studentische Initiativen und Gemeinschaften vorstellten. Zu meiner Freude gab es einen Schachklub, dem ich sofort beitrat.  Da ich über 10 Jahrelang professionell Schach gespielt hatte, war dies für mich eine willkommene Möglichkeit wieder damit anzufangen. Später wurden sogar Turniere veranstaltet, sodass ich die Mitgliedschaft sehr positiv in Erinnerung habe.  Die offizielle Vorlesungszeit des Semesters begann am 16. Juni und endete nach 12 Wochen mit 2 Prüfungswochen vom 8.  bis 19. September. Nachdem ich bereits in Deutschland im Vorfeld  mit meiner Universität und der RMIT über Kursanerkennung bzw. Kursbelegung gesprochen hatte, musste ich einige Kurse ändern und mir neue Kurse aussuchen, da einige  unvorhergesehener Weise nicht angeboten wurden, oder ich als Bachelorstudent die Voraussetzungen widererwarten nicht erfüllte. Da es aber eine Fülle von unterschiedlichsten Kursen gab, fiel es mir nicht schwer adäquaten Ersatz zu finden. Auch die Möglichkeit seine Kurse innerhalb der ersten 2 Vorlesungswochen zu tauschen oder zu ergänzen, war sehr praktisch für mich. Neben einem Crash-Kurs in Vietnamesisch, den ich im Juli belegte und der Mitgliedschaft im Schachklub, belegte ich vier Kurse: Financial Markets, Risk Management, Internet for Business und Applied Entrepreneurship. Studiert wurde in kleinen Räumlichkeiten in Gruppen bis 20 Studenten, ähnlich wie in der Schule. Allerdings gab es auch mehrere größere Vorlesungssäle. Sowohl die Rahmenbedingungen, als auch die Gruppengröße ermöglichten es, dass man sich sehr gut auf Vorlesungen und Tutorials konzentrieren konnte und bei Problemen jeglicher Art immer einen Ansprechpartner hatte. Der Fokus im Studium lag eher auf der praktischen Anwendung in Gruppenarbeiten und Projekten und  war daher weniger theorielastig, als es teilweise in Deutschland der Fall ist. Die Dozenten waren durchweg hochprofessionell und äußerst kompetent und schafften es die Studenten vom ersten bis zum letzten Tag zu motivieren. Neben ihrem Internationalen Hintergrund, den die Dozenten mitbrachten (in meinem Fall Neuseeland, Thailand, und Frankreich), hatten alle jahrelange Berufserfahrung, weshalb auch die Inhalte sehr viel praxisrelevanter waren. Highlight war für mich definitiv der Kurs „Financial Markets“, da mein Dozent seinen Masterabschluss am Massachusetts Institute of Technology (MIT) erworben hatte und mir im Anschluss an das Semester auch noch ein Empfehlungsschreiben ausstellte, welches für meine Masterbewerbung sehr hilfreich war. Auch wenn man von Anfang bis Ende der Vorlesungszeit stets gefordert war, aktiv mitzuarbeiten und das fachliche Level durchaus anspruchsvoll war, kann ich nur meine absolute Zufriedenheit über das Studium und den fachlichen Mehrwert zum Ausdruck bringen. Auch war die zeitliche Belastung nicht so hoch, dass man jeden Tag in der Bibliothek verbringen musste, sondern durchaus auch die Zeit hatte an Aktivitäten teilzunehmen, oder sich anderen Dingen zu widmen wie z.B einer Sightseeingtour mit anschließendem Essen durch Ho Chi Minh City die seitens des International Offices organisiert wurde. Auch das Bewertungssystem von 0-100% und den Noten 100-80 HD, 79-70, DI, 69-60 C, 59-50 P erschien mir nach deutschen Maßstäben äußerst fair. Die Gesamtnote setzte sich aus Teilnoten für Präsentationen, Gruppenarbeiten, Fallstudien oder anderen schriftlichen Tests je nach Kurs und Dozent zusammen. Den Ausschlag gab aber die Abschlussprüfung am Semesterende, die in der Sporthalle stattfand und streng wie beim Militär organisiert war. Man saß mit hunderten anderer Studenten an einem Einzeltisch in der Turnhalle und wurde im Vorwege von den Sicherheitsleuten genau kontrolliert. Man durfte nur einen Stift, Taschenrechner und Studentenausweis dabeihaben und sogar eine Getränkeflasche mit Aufschrift war verboten. Ähnlich streng und diszipliniert laufen die Prüfungen wohl auch in anderen Asiatischen Ländern wie Südkorea oder China ab. Und obwohl ich am Semesterende natürlich froh war, alle Prüfungen hinter mir zu haben, kann ich nur noch einmal betonen, dass ich die Lernumgebung und das Studium insgesamt an der RMIT Vietnam als sehr motivierend und bereichernd empfunden habe. Auch eine Perspektive aus einem völlig anderen Land über dieselben Inhalte zu bekommen, war sehr interessant. Wer bei seinem Auslandsemester jedoch ausschließlich den Fokus auf Partys legen will, der sollte sich ein Studium an der RMIT gut überlegen. Ich finde eine gesunde Balance aus Reisen, Studium und Party in jedem Fall empfehlenswert.

Alltag und Freizeit:

Nachdem ich wohl in den ersten Tagen eine Art Kulturschock hatte, und mich etwas überfordert gefühlt hatte und von den vielen neuen Eindrücken ein bisschen erschlagen war, sorgte die Unterstützung durch die Universität und der „gut behütete“ Campus dafür, dass ich einen sanften Übergang hatte und mich schnell eingewöhnte. Wie bereits erwähnt, versuchte ich eine gute Balance zwischen meinem Studium, Freizeit und Reisen in Südostasien zu finden. Nachdem ich mich auf dem Campus akklimatisiert hatte und alles für mein anstehendes Studium organisiert war, hatte ich das Glück, dass ich von einem Studenten, der für das International Office arbeitete, in Clubs oder Bars eingeladen wurde, an dem auch die beiden Australierinnen teilnahmen. Ich wurde dadurch gewissermaßen von Beginn an perfekt integriert und hatte einen Freund, auf den ich mich jederzeit verlassen konnte. Durch ihn kam ich auch schnell in Kontakt mit den anderen international Studierenden, die entweder Vollzeit studierten oder noch ein abschließendes Praktikum machten. Insgesamt entstanden so für mich enge Freundschaften nach Australien, Frankreich oder in die USA, zu denen ich noch immer in Kontakt stehe. Meist trafen wir uns am frühen Abend nach der Uni in einem Restaurant oder einer Bar irgendwo in Ho Chi Minh City und unternahmen etwas zusammen. Entweder fuhren wir dabei mit dem Taxi vom Campus, oder ich fuhr bei einem meiner Freunde hinten auf dem Motorbike mit. Eine besondere Erfahrung wurde mein Auslandsemester definitiv auch durch die zeitgleich stattfindende Fußballweltmeisterschaft und den Titelgewinn der deutschen Nationalmannschaft. Grundsätzlich muss man erstmal sagen, dass weiße Haut insbesondere bei den vietnamesischen Frauen als Schönheitsideal gilt und westliche Männer sich dadurch einer gewissen Beliebtheit erfreuen. Von meinem ersten bis zu meinem letzten Tag, wurde mir immer sehr viele Aufmerksamkeit und Neugierde sowohl in der Universität, als auch außerhalb entgegengebracht. Und nachdem Deutschland nun Fußballweltmeister geworden war und ich ein paar Tage mein Fußball Trikot trug, steigerte sich dies nochmal, sodass ich in der Situation war, sehr leicht mit neuen Leuten ins Gespräch zu kommen ;-). Und die Nacht nachdem Deutschland Frankreich besiegt hatte (und in Saigon aufgrund seiner Kolonialgeschichte viele Franzosen leben) und ich mit wildfremden Deutschen spontan zusammen feierte, werde ich bestimmt so schnell nicht vergessen. Nach einiger Zeit, war ich fasten jeden Abend unterwegs und unternahm mit meinen internationalen oder vietnamesischen Freunden Kinobesuche, Karaoke-Abende, Theaterbesuche oder war in Clubs/Diskotheken oder Bars unterwegs. Als ich etwas später mit meiner Freundin zusammenkam, verbrachte ich natürlich auch viel Zeit mit ihr und fuhr bei ihr auf dem Motoroller mit. Auch wenn ich dafür etwas belächelt wurde, entschloss ich mich, schlussendlich auf einen eigenen Motorroller zu verzichten, da der Verkehr für mich in Ho Chi Minh City teilweise derartig stressig und hektisch war, dass ich mich auch nach 4 Monaten in Vietnam und anderen asiatischen Ländern nicht mit den endlosen Staus, den fehlenden Verkehrsregeln und den Abgasen anfreunden konnte, obwohl ich mich natürlich längst daran gewöhnt hatte. Ansonsten kann ich nur sagen, dass Ho Chi Minh City als Stadt aus kultureller Sicht unglaublich sehenswert ist, und ich jedem nur empfehlen kann, ob es nun für ein Studium oder einen Urlaub ist, das ehemalige Saigon einmal selbst zu erkunden. Gesehen haben sollte man definitiv das Historische Museum, das Stadttheater, den Wiedervereinigungspalast, den Nachbau von Notre Dame aus der Französischen Kolonialzeit, den Ben-Thanh-Markt, die Aussichtsplattform vom Saigon Skydeck, oder einen der unzähligen Parks oder Pagoden, die den Rahmen dieses Berichts sprengen würden. Und selbst wenn man jahrelang in Saigon gelebt hat, gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken, zumal die Stadt rasant wächst und man quasi in jedem Distrikt neue Infrastrukturprojekte oder neue Baustellen findet. Durch meine Teilnahme an dem Vietnamesisch-Kurs, lernte ich meine spätere Freundin kennen, die mich Ende Juli zusammen mit Ihrer Familie zu einem Wochenendausflug nach Cần Thơ einlud einer Großstadt im Süden Vietnams.

Cần Thơ:

Es war definitiv mein erstes richtiges Abenteuer zusammen mit einer vietnamesischen Großfamilie ein ganzes Wochenende auf Reisen zu sein und auch das erste Mal, dass ich Zeuge der Gastfreundlichkeit und Großzügigkeit der Vietnamesen wurde. Denn ich wurde nicht nur bei sämtlichen Restaurantbesuchen eingeladen, es wurde auch das Hotelzimmer für mich bezahlt und darauf bestanden, dass ich keine Kosten habe, obwohl ich die Familie bis dahin quasi gar nicht kannte. Von Cần Thơ aus besuchten wir ebenfalls noch Sóc Trăng. Was diesen Ausflug wirklich besonders machte, waren auch die vielen Kleinigkeiten wie der Floating-Markt, ein Schweinerennen, oder das Räucherstäbchenanzünden in den buddhistischen Pagoden, an die ich mich wieder erinnere, wenn ich die Bilder betrachte.

Singapur:

Aufgrund der Partnerschaft meiner Universität mit der Singapur Management University (SMU), lernte ich zwischen meinem Erasmussemester in Dänemark und meinem Aufenthalt in Vietnam eine Singapurerin kennen, die ich über ein verlängertes Wochenende Anfang August eben dort besuchte. Zeitgleich fand der Nationalfeiertag Singapurs statt anlässlich der Unabhängigkeit Singapurs von der britischen Krone. Von Singapur und meinen Erlebnisse dort, war ich ebenfalls sehr positiv beeindruckt. Wer mehr über Singapur erfahren möchte oder ein etwaiges Studium, kann dies sicherlich von jemandem der ein Semester an einer der dortigen Universitäten studiert hat. Der Flug von Ho Chi Minh City nach Singapur dauert nur ca. 2h und ist mit umgerechnet 50€ äußerst günstig, man sollte jedoch ausreichend Zeit einplanen, weil der Verkehr in Saigon unberechenbar ist insbesondere zur Rushhour.

Indochina-Reise:

Nach meinem Wochenendtrip nach Singapur, stellte sich bei mir etwas der Alltag ein, da ich viel in der Uni zu tun hatte und mehr Zeit mit meiner Freundin verbrachte. Ich fühlte mich zunehmend wohl in Vietnam und zog sogar in Erwägung mein Bachelorstudium dort fortzusetzen, was letztendlich aber nicht zu realisieren war. Darüber hinaus freundete ich mich mit einem Vietnamesen an, der 4 Jahrelang in der Schweiz zur Schule gegangen war und deshalb auch passabel Deutsch sprach. Durch den damals sehr guten Wechselkurs von 1€ zu ca. 29.000 Vietnamesischen Dong (VND), konnte ich gut und entspannt leben, auch die für vietnamesische Verhältnisse eigentlich relativ hohe Miete auf dem Campus war für mich kein Problem. Da ich zwischen dem absehbaren Ende meines Studiums im September und dem Semesterbeginn in Deutschland einen guten Monat Zeit hatte, entschloss ich mich eine Rundreise durch Südostasien zu planen. Mein ursprünglicher Plan sah vor: Von Saigon über die Küstenstädte  Nha Trang und Danang, nach Hanoi zu fahren. Von dort nach Laos zu fliegen, um einen Freund zu besuchen und von dort wiederum nach Bangkok zu fliegen. Von dort so war der Plan, wollte ich nach Kuala Lumpur mit dem Zug fahren, um von dort nach Phnom Penh die Hauptstadt Kambodschas zu fliegen, um von dort wiederrum den Bus zurück nach Saigon zu nehmen zwei Tage vor meinem Rückflug nach Deutschland. Dass ich die Anstrengung in fremden Ländern zu Reisen unterschätzt und Berechenbarkeit von Bus und Bahn in anderen Ländern überschätzt und zu wenig zeitlichen Spielraum eingeplant hatte, wurde mir später bewusst. Aber zunächst der Reihe nach: Am Samstag dem 20. September verließ ich gemeinsam mit meiner Freundin früh morgens Saigon mit dem Zug. Der Zug verbindet Saigon mit Hanoi und dauert, wenn man Non-Stop durchfährt ca. 2 Tage. Insgesamt ist die Schieneninfrastruktur in großen Teilen Vietnams nicht mit westlichen Maßstäben zu vergleichen. Alleine die Tatsache, dass eine Stadt wie Saigon, die 3mal so groß wie Berlin ist, praktisch überhaupt kein U- und S-Bahn System verfügt, zeigt die Schwierigkeit. Nichtsdestotrotz fand ich es sehr nostalgisch im Zug nach Nha Trang zu reisen.

Nha Trang:

Nha Trang ist eine Küstenstadt in der Provinz Khánh Hòa im Osten Vietnams und mit ca. 350.000 Einwohnern ein sehr beliebtes Touristenziel. Dadurch, dass ich nicht alleine reisen musste und eine Vietnamesin dabei hatte, war das Reisen natürlich sehr komfortabel. Auffällig war in Nha Trang die Vielzahl von russischen Touristen mittleren Alters, die sich durch die enge Verbindung der kommunistischen Staaten aus der Vergangenheit und die daraus resultierenden guten Flugverbindungen erklären ließ. Teilweise gab es Direktflüge aus Russland nach Nha Trang. Nha Trang hat eine paradiesische Strandpromenade und meterhohe Wellen. Es wurden vom Hotel aus Tagesausflüge mit dem Bus zu Küstennahen Inseln angeboten, sodass wir eine Art „Inselhopping“ unternahmen. Wirklich unvergesslich machte für mich dieser Ausflug ein Ritt auf einem Elefanten und den Besuch von „Monkey-Island“ einem von kleinen Kapuzineraffen bewohnten Atoll. Wen es einmal in seinem Leben nach Nha Trang verschlagen sollte, der darf auf keinen Fall die Thap Ba Cham Towers, die Long Son Pagode oder die große Kathedrale verpassen. Insgesamt waren die Tage in Nha Trang unvergesslich. Durch den Besuch der besten Freundin meiner Freundin änderten wir kurzfristig unsere Pläne und nahmen nicht den Zug nach Đà Nẵng, sondern flogen von Nha Trang nachts direkt nach Hanoi.

Hanoi:

Hanoi ist mit rund 7 Mio.  Einwohnern etwas geringer besiedelt, aber flächenmäßig größer als Saigon und seit Ende des Vietnamkriegs die Hauptstadt von ganz Vietnam. Durch seine nördlichere Lage war das Klima etwas gemäßigter im Vergleich zu Saigon. Nachdem wir uns kurzfristig um ein Hotel gekümmert hatten, trafen wir uns mit meinem Kommilitonen der in der Schweiz gelebt hatte, da dessen Familie in Hanoi lebt. Er lud uns erst zum Essen und dann zu sich nachhause ein und zeigte uns an den nächsten beiden Tagen die gesamte Stadt. Hanoi erlebte ich als etwas entspannter und weniger hektisch als Saigon, aufgrund von mehr Parks und Seen innerhalb der Stadt und dem etwas soliderem Ballungsraum. Hanoi zeichnet eine über 1000 jährige und bewegte Geschichte aus mit einer Vielzahl von Denkmälern, Gebäuden und Monumenten aus unterschiedlichsten Epochen, insbesondere die Französische Kolonialzeit und die Nähe zur Chinesischen Grenze war architektonisch deutlich sichtbar. Die Stadt liegt direkt am Delta des „Roten Flusses“ gehört mit der Zitadelle Thang Long seit 2010 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Selbst besichtigt und daher empfehlen kann ich den Hoan-Kiem-See, die St.-Joseph-Kathedrale, den Lenin-Park, das Hồ-Chí-Minh-Mausoleum und sein Wohnhaus, den Literaturtempel Văn Miếu-Quốc Tử Giám und das Hỏa-Lò-Gefängnis aus dem Indo-China Krieg. Von Hanoi entschlossen wir uns zu dritt, auf den Weg in die Bergstadt Sa Pa weiter in den Norden Vietnams zu machen.

Sa Pa:

Die Anreise nach Sa Pa war äußerst abenteuerlich. Wir fuhren mit dem Nachtzug von Hanoi nach Lào Cai und mussten, da überhaupt nicht klar war von welchem Gleis unser Zug fuhr, mitten in der Dunkelheit zusammen mit den anderen Passagieren kurzfristig über die Gleise klettern. Die Fahrt dauerte entgegen der angekündigten fünf Stunden die ganze Nacht, bevor wir von Lào Cai mit dem Bus nach Sa Pa fuhren. Durch seine abgelegene Lage ist Sa Pa sehr idyllisch und ruhig und hat aufgrund seiner hohen Lage eine sehr gute Luftqualität. Sa Pa liegt auf ungefähr 1.600 Metern Höhe im Hoàng Liên Sơn-Gebirge in mitten des Hoang-Lien-Nationalparks und ist eine Kleinstadt mit ca. 38.000 Einwohnern. Für mich war der Aufenthalt dort wie das Abtauchen in eine andere Welt. Ich kam erstmals in Kontakt mit dem Bergstamm der Hmong, die für ihre farbenprächtige Kleidung bekannt sind und die ich vorher nur aus Filmen kannte. Insgesamt blieben wir für nur knapp drei Tage in Sapa, weil meine Freundin aus familiären Gründen wieder nach Saigon musste. Doch für mich eines der emotionalsten  Ereignisse war mit Sicherheit der Besuch eines Waisendorfes in der Nähe von Sa Pa. Der riesige Kontrast zwischen dem Leben der Kinder dort und der Welt, wie ich sie bisher in Deutschland kannte, hinterließen bei mir Spuren.

Laos:

Weil meine Freundin, wie bereits geschildert aus familiären Gründen zurückmusste, flog sie von Hanoi zurück nach Saigon. Ich zu dem Zeitpunkt noch voller Energie setze meinen Reiseplan fort und flog von Hanoi in die Haupstadt von Laos nach Vientiane. Ein Freund den ich während des Studiums kennengelernt hatte und der aus Laos kam, sagte mir leider kurzfristig, dass er nicht zuhause sei, sodass ich alleine in Laos war. Nachdem es am Flughafen zu kleineren Problemen kam, da die Visakontrollen äußerst streng waren und mein vietnamesisches Visum nicht viel wert war, fuhr ich mit dem Taxi nachts in ein Hotel, welches ich zuvor gebucht hatte. Im Gegensatz zu Vietnam fand ich in Laos viele Autos vor, was an der geringen Importsteuer lag, die in Vietnam wiederum sehr hoch ist. Und obwohl beinahe so groß wie Vietnam hat Laos nur 6,7 Mio. Einwohnern und war nach den intensiven Erfahrungen aus den vietnamesischen Großstädten eine willkommene Abwechslung. Nachdem ich am ersten Tag Vientiane erkundete, entschloss ich mich am folgenden Tag nach kurzem Gespräch mit dem Rezeptionisten den Bus nach Vang Vieng zu nehmen, da dies die einzige Stadt war, die ich kurzfristig erreichen konnte und die insbesondere bei Backpackern sehr beliebt war. Die Fahrt nach Vang Vieng war erneut ein Abenteuer, da der Fahrer obwohl die Straße völlig ungesichert war und durchs Gebirge führte, einen sehr dynamischen Fahrstil hatte. In Vang Vieng angekommen dachte ich zunächst, dass ich falsch ausgestiegen wäre, da die Haltestelle in der Nähe eines ehemaligen Rollfeldes der US-Airforce errichtet war und ich zunächst mehr das Gefühl hatte mitten im Nirgendwo gelandet zu sein. Als ich etwas mehr in die Stadt ging, merkte ich aber schnell, dass der Tourismus hier völlig zum Erliegen gekommen war. Warum fand ich später im Hotel heraus. Nachdem es wohl früher zu wahren Alkohol- und Drogenexzessen durch ausländische Jugendliche gekommen war und durch abenteuerliche Fahrten durch die Stromschnellen des Flusses 2011 fast 30 jugendliche starben, kam es durch die laotische Regierung zu einer Razzia bei der sämtliche Bars und Diskotheken von heute auf morgen geschlossen wurden (www.spiegel.de/reise/fernweh/vang-vieng-in-laos-ende-einer-party-hochburg-a-909637.html) . Danach entwickelte sich Vang Vieng zu einem Ort für Naturtourismus und Kletterer. Ich jedenfalls machte für mich das Beste aus der unvorhergesehenen Situation und erkundete die Umgebung und die beeindruckende Naturkulisse mit einem gemieteten Mountainbike. Einen Tag später nahm ich allerdings den Bus zurück nach Vientiane, da ich bereits einen Flug nach Bangkok gebucht hatte und einen Bekannten besuchen wollte. Wer einmal in Vientiane sein sollte, dem kann ich vor allem die Pha That Luang  Statue empfehlen und den Nachbau des Arc de Triomph. Die Laoten sind ein sehr angenehmes und zurückhaltendes Volk und durch den Wechselkurs von 1€ zu 10000 Laotischen Kip (LAK) kann man ähnlich günstig wie in Vietnam leben.

Bangkok:

Nachdem ich bereits in Laos eine gewisse Erschöpfung verspürte, dachte ich das erste Mal darüber nach, ob ich mir nicht zu viel vorgenommen hatte. Und obwohl ich noch immer in meinem Zeitplan war und theoretisch bis zu meinem Rückflug nach Deutschland noch Malaysia und Kambodscha hätte erkunden können, merkte ich das Reisen alleine und in einer komplett ungewohnten Umgebung sehr kräfteraubend ist. Nichtsdestrotz erreichte ich Ende September Bangkok die Hauptstadt Thailands. Überraschenderweise gab es überhaupt keine Visapflicht, sodass jeder Urlauber völlig problemlos einreisen konnte. Die Ernüchterung kam allerding bald, als klar wurde, dass ich erneut völlig auf mich alleine gestellt war, weil der Bekannte einer Freundin quasi am Tag vorher seine Zusage platzen ließ und mir mitteilte, dass er keine Zeit habe. So war ich von Beginn an dazu gezwungen zu improvisieren. Spontan buchte ich ein günstiges Hostel in der Stadtmitte, welches ich nachts mit dem Taxi erreichte. Mein Hostel war auch deshalb so günstig, weil es sich in mitten der absoluten Touristen- und Partyhochburg im Herzen von Bangkok am Ufer des Chao-Phraya-Flusses befand. Nachdem ich mitten in der Nacht völlig übermüdet von meinem Taxifahrer inmitten einer Menschenmenge von partywütigen Deutschen abgesetzt wurde, fand ich in dem Chaos überraschenderweise schnell mein Hostel. Aber aus der geplanten Entspannung wurde nichts, da die Musik die ganze Nacht im gesamten Hostel zu hören war. Wer einmal meine Stimmungslage und Situation in Bangkok nachempfinden möchte, dem kann ich die ersten 20 Minuten des Films „The Beach“ mit Leonardo di Caprio empfehlen. Nur kam das Pärchen, das sein Zimmer neben mir hatte, aus Korea und nicht aus Frankreich. Nach kurzer Nachtruhe machte ich mich am nächsten Morgen auf, die Stadt zu erkunden. Und obwohl ich aus Saigon, Singapur und Hanoi an Städten bereits einiges gewohnt war, konnte man dies nicht mit Bangkok vergleichen, da die Stadt mit 16 Mio. Menschen wesentlich größer und enger besiedelt war als alle vorangegangen Städte. Auch wenn die Menschen in Vietnam bereits äußerst neugierig waren, war man als Tourist in Bangkok quasi nie ungestört. Die unzähligen Touristenführer, Tuktuk-Fahrer und Verkäufer kommen quasi im Minutentakt auf einen zu und lassen erst locker, wenn man etwas gekauft hat, oder sich bereit erklärt bei Ihnen mitzufahren. Und obwohl mit 1€ zu 40 Baht, nahezu alles in Bangkok erschwinglich ist, sollte man die Freundlichkeit und Höflichkeit vieler Einheimischer nicht überbewerten, da diese häufig schnell verfliegt, wenn ersichtlich ist, dass man nicht an einem Geschäft interessiert ist. Ich z.B wurde bei meiner Stadterkundung zweimal von meinem Fahrer hängengelassen, nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich nichts kaufen werde. Insgesamt hat der Tourismus in Bangkok Ausmaße angenommen, von dem ich bezweifle, dass es dem Land und seinen Einheimischen gut tut. Und auch wenn mir nichts passierte, war die hohe Kriminalität und Prostitution in einigen Vierteln deutlich sichtbar. Verschärfend kam hinzu, dass es  einige Monate zuvor zu einem Putsch in Bangkok kam und das Militär die Macht an sich gerissen hatte, an jeder Straßenecke sah ich Soldaten mit Maschinengewehren. Insgesamt war die Stimmung in Bangkok latent nervös während meines Aufenthaltes. Wer mehr über Bangkok erfahren möchte, der sollte sich an jemanden wenden, der sein Auslandsemester dort verbracht hat. Nach Besichtigung einiger Sehenswürdigkeiten insbesondere des Wat Phra Kaeo-Tempels eines der Wahrzeichen Bangkoks, merkte ich auf dem Rückweg zu meinem Hostel, dass ich meine Kreditkarte nicht finden konnte. Nachdem ich meine kompletten Sachen im Hotel auf den Kopf gestellt hatte, war klar, dass ich sie irgendwo verloren oder vergessen haben musste, wahrscheinlich beim Geld abheben am Flughafen am Tag zuvor. Da ich ohnehin tagsüber bereits am Zweifeln war, ob ich meine Reise wie geplant fortsetzen sollte und mittlerweile wirklich sehr erschöpft vom Reisen war, erleichterte mir der Verlust insofern die Entscheidung, als das nun klar war, dass es das sinnvollste war, von Bangkok zurück nach Ho Chi Minh City zu fliegen. Das Problem war nur, wie ich das ohne ausreichend Bargeld und Kreditkarte organisieren sollte. Nachdem ich zunächst Freunden via Facebook meine Lage geschildert hatte und gebeten hatte, einen Flug online für mich zu Buchen, gab es Probleme mit der Identifikation einer Fremden Kreditkarte, kurz bevor meine zweite Visacard, die eigentlich gar nicht freigeschaltet war, überhaupt verwendet werden konnte, fiel in meinem Hostel der Strom aus. Hinzukam, dass ich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte und unsicher war, ob es überhaupt möglich war einen Flug für den nächsten Tag zurück nach Vietnam zu buchen. Sichtlich besorgt und erschöpft, schlief ich ein. Am nächsten Morgen ging in ein nahegelegenes Restaurant und buchte notdürftig über mein Smartphone letztendlich aber erfolgreich einen Billigflug über AirAsia. Zur Erinnerung: Das ist die malaysische Billigairline, deren Flugzeug vor Singapur später im Dezember 2014 verunglückte. Dennoch hatte ich noch das Problem zu lösen, wie ich rechtzeitig zum Flughafen kommen sollte, da ich mittlerweile überhaupt kein Geld mehr hatte und der Flughafen immerhin 45min entfernt lag. Als die Buslinie an diesem Tag auch noch ausfiel, traf ich glücklicherweise eine Freiburgerin, die mir 200 Baht lieh und eine britische Touristin steuerte nochmal 100 Baht hinzu. Nachdem ich einen Taxifahrer überzeugen konnte mich für 300 Baht zum Flughafen zu fahren, war ich aus dem gröbsten Schlamassel raus. Der Flug zurück nach Ho Chi Minh City dauerte nur eineinhalb Stunden und nachdem ich meine Freunde vor Ort bereits informiert hatte, dass sie wohl mein Taxi vom Flughafen werden bezahlen müssen, kam ich wieder heil in Vietnam an. Die Sperrung der Kreditkarte über Western Union und die Auszahlung meines restlichen Bargeldes, verlief überraschend völlig problemlos, sodass ich, die letzten zwei Wochen noch entspannt in Vietnam verbringen konnte, bevor ich am 15. Oktober meinen Rückflug nach Deutschland antrat.

Fazit (beste und schlechteste Erfahrung):

Es überrascht wenig, wenn ich sage, dass mein Auslandsemester in Vietnam inklusive meiner anschließenden Reise die intensivste und prägendste Zeit in meinem bisherigen Leben war. Und obwohl ich natürlich auch hohe Erwartungen hatte, wurden diese noch übertroffen. Mir ist bewusst geworden, wie klein die Welt gewesen ist, in der ich in Deutschland den Großteil meines Lebens verbracht hatte. Auch viele Dinge, die für mich bis dato selbstverständlich gewesen waren, bewerte ich nun völlig neu. Ich habe wunderbare Menschen in verschiedensten Ländern getroffen und viele neue Freunde, zu denen ich nach wie vor in engem Kontakt stehe. Für mich fühlt es sich ein bisschen so an, als ob sich mein Lebens-Mittelpunkt aus Deutschland verschoben hat. Für mich ist es mittlerweile denkbar, später eine Zeit lang  in Asien zu Arbeiten und zu Leben. Und obwohl es viele besondere Momente gab, von denen ich die wichtigsten oben geschildert habe, war meine Freundin und die gemeinsame Reise mit Ihr durch Vietnam sicherlich etwas ganz besonderes. Ich kann nur jedem empfehlen sich bei einem Auslandsemester, oder einem längeren Auslandsaufenthalt, komplett auf die neue Kultur und die Menschen einzulassen, weil dies wirklich die größte Bereicherung für das gesamte weitere Leben ist. Vietnam ist für mich ein ganz besonderes Land. Insbesondere die Höflichkeit, die Bescheidenheit und der Fleiß der Menschen, lassen mich viele „westliche“ Verhaltensweisen mittlerweile mit Argwohnen sehen. Vietnamesisches Essen ist derartig gut und Gesund, dass ich auch nach meiner Rückkehr bei jeder Möglichkeit versuche mit Freunden vietnamesisch zu essen. An das tropische Klima und den Monsunregen gewöhnt man sich schnell und es gibt sicherlich auch Leute, die den Verkehr als weniger störend empfinden als ich. Ich bin sicherlich auch an meine physischen und psychischen Grenzen gestoßen, was aber auch normal ist bei den oben erlebten Ereignissen. Als schlecht in dem Sinne bleibt mir eigentlich nichts in Erinnerung. Jedoch war die Situation, als ich alleine, völlig ohne Bargeld und Kreditkarte, ohne Internet in Bangkok gestrandet war, sicherlich kritisch. Doch auch daran bin ich gewachsen. Schlussendlich bleibt nur allen Menschen zu danken, die mich bei der Vorbereitung und bei der Umsetzung meines Auslandsemesters unterstützt haben. Im Sommer werde ich erneut mit einer guten Freundin 16 Tage in Vietnam sein und einige Ort besuchen, die ich damals nicht sehen konnte. Und natürlich meinen Freunden vor Ort einen Besuch abstatt