Erfahrungsbericht: Isabell Krüger

„Dank IEC war der Bewerbungsprozess für die Vancouver Island University unkompliziert und alle wichtigen Dinge konnten vorab geklärt werden.“

Vorbereitung
Mit der Planung des Auslandssemesters würde ich so ca. 10 – 12 Monate vorher anfangen. Insbesondere wenn man vorhat, Auslandsbafög (was bei mir und allen, die ich kenne, reibungslos geklappt hat) zu beantragen und seine Leistungen an der Heimatuni anrechnen lassen möchte. Wenn man nur 1 Semester bzw. weniger als 6 Monate in Kanada bleibt, ist kein Visum erforderlich. Ein paar andere Deutsche haben sich ein U.S. Touristenvisum für 150 US$ geholt, weil ihnen gesagt
wurde, dass es bei mehr als einer Einreise in die USA sonst wahrscheinlich Probleme gibt. Das halte ich allerdings für komplett unnötig. Dank IEC war der Bewerbungprozess für die Vancouver Island University (VIU) unkompliziert und alle wichtigen Dinge konnten vorab geklärt werden.

Wohnen
Es gibt mehrere Möglichkeiten in Nanaimo zu wohnen. Da ich mit meinem Freund zusammen das Auslandssemester gemacht habe, gab es nicht allzu viele Alternativen. Wir haben uns bereits in Deutschland auf die Suche nach einer Wohnung gemacht und einen richtigen Glücksgriff gelandet. Auf vrbo.com haben wir eine bereits komplett eingerichtete Ferienwohnung in Downtown Nanaimo direkt am Meer gefunden (wer Interesse hat, einfach bei mir melden). Von der Lage her ist Downtown persönlich für mich am besten, denn Supermärkte, Restaurants und Cafes befinden sich alle in Laufnähe. Außerdem fahren 3 Buslinien zur Uni (Fahrtzeit ca. 15 min). Kommilitonen von mir waren auch super zufrieden mit Homestay. Falls man unzufrieden mit seiner Familie sein sollte, hat man auch ein 30-tätiges Kündigungsrecht. Entgegen vorheriger Erfahrungsberichte kann man nichts Positives über die Student Residences auf dem Campus sagen. Völlig überteuert, spartanisch eingerichtet (in manchen Zimmer gab es nicht mal einen Kleiderschrank) und so komfortabel wie
eine Gefängniszelle. Es gab einige Deutsche, die versucht haben, aus dem Vertrag wieder rauszukommen und ihr Geld zurückzubekommen. Eine Kommilitonin hat's gemacht für 400$ Gebühr. Also, lieber zweimal überlegen. Ansonsten gibt es auch recht viele, die ihre Wohnung/ WG vor Ort erst gesucht haben und die waren auch alle zufrieden.

Kurswahl
Was wirklich super an der VIU ist, ist, dass man bereits im Vorfeld seine Kurse wählen kann. Für das Fall Semester findet die online registration ca. im Mai statt. Wenn man schnell ist, ist man auch direkt im Kurs und nicht auf der Warteliste. Von meiner Uni aus, hatte ich ziemlich freie Wahl, es mussten nur Kurse aus dem 3. und 4. Jahr sein. In meinen Kursen waren im Schnitt ca. 30 Studenten, davon die meisten Kanadier:

Economies in Transition (ECON 323)
War zwar mehr ein Geschichtskurs als ein VWL-Kurs, aber trotzdem super. Ein eher ,,entspannender'' Kurs, denn der Dozent hat einfach seine Vorlesung gehalten und man musste nicht mitarbeiten. Im Vergleich zu anderen Kursen war dieser Kurs nicht sehr aufwendig. Es gab 1 Midterm, 1 Final, ein kurzes Paper und ein Teamprojekt. Ein weiterer Vorteil war, dass man sich kein Textbook kaufen musste, die ansonsten wirklich sehr teuer sein können.

Online Marketing (MARK 430)
Dieser Kurs ist absolut nicht weiterzuempfehlen. Am Anfang waren 10 Studenten noch auf der Warteliste, doch mit der Zeit waren noch 10 Plätze frei geworden. Obwohl es keine Prüfungen gibt, ist der Kurs sehr, sehr aufwendig. Man muss täglich twittern, wöchentlich bloggen und am Schluss ein Gruppenprojekt machen, was von den Voraussetzungen her utopisch war. Es kommt auch noch hinzu, dass die Dozentin generell schlechte Noten verteilt. Für diesen Kurs habe ich am meisten getan, allerdings war er von den Noten her am schlechtesten.

International Finance (FNCE 423)
Der Kurs war der beste schlechthin. Der Dozent war wirklich super, aus jeder Stunde hat er eine Talkshow gemacht. Am Anfang scheint er sehr streng zu sein, doch das ist nur so, da er möchte, dass die in seinem Kurs bleiben, die sich auch dafür interessieren. Der Aufwand war schon recht hoch, aber machbar. Ein Vorteil ist, dass es kein Final gibt. Insgesamt kann man sagen, dass das Studium während der Vorlesungszeit wirklich sehr aufwendig ist. Selbst mit 3 Kursen musste ich oft am Wochenende noch was für die Uni tun. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran. Wer lieber Prüfungen schreibt als Paper und Gruppenprojekte zu machen, sollte am besten keine Marketing und Management Kurse wählen.

Krankenversicherung
Zum Thema Krankenversicherung kann ich nur sagen, dass es dieses Semester große Probleme mit vielen Deutschen gab. Es gibt 2 KKV: die eine für 160$, die ist in der Überweisung der Studiengebühren mit drin. Das ist eine Reise-/ Notfallversicherung, die jeder hat. Dann gibt es ja noch die für 278$. Aus dieser kann man ausopten, wenn man eine vergleichbare deutsche KKV hat. Diese Versicherung ist eine reine Zusatzversicherung, die z.B. für Zahnreinigungen, Krankengymnastik etc. zahlt. Das Problem war, dass der Ausoptungsprozess willkürlich durchgeführt wird, dies wurde im Nachhinein von der VIU auch bestätigt. Bei manchen wurde z.B. die Hanse Merkur oder ADAC Versicherung anerkannt und bei manchen nicht. Dies hat natürlich dazu geführt, dass sich viele Studenten beschwert haben, weil sie sich abgezockt gefühlt haben. Gebracht hat das alles nichts, doch in Zukunft möchte man an der VIU diesen Prozess verändern.

Freizeit

Freizeittechnisch ist hier für jeden etwas dabei. Empfehlen würde ich auf jeden Fall einmal in die Rocky Mountains zufahren. Las Vegas ist auch genial für ein langes Wochenende. Tipp: im Bundesstaat Washington, direkt an der Grenze zu Kanada, befindet sich ein Flughafen (inBellingham). Von dort sind Flüge nach Las Vegas und Hawaii um paar hundert $ billiger als von Vancouver aus. Von Downtown Vancouver fahren ein paar mal täglich Shuttlebusse nach Bellingham.
Ansonsten kann man auch viel über die VIU machen, z.B. Vancouver Canucks Game oder Surftrip nach Tofino. Ich habe mich z.B. für Yoga angemeldet, was einmal wöchentlich statt fand. Ansonsten muss ich zugebeben, dass Feiern gehen in Nanaimo besser ist als am Anfang zu erwarten ist. Es gibt 3 Clubs und 2 größere Pubs, die am Wochenende immer voll sind. Viele Studenten sind am Wochenende nach Vancouver zum Feiern gefahren, was teilweise dort doppelt so teuer ist wie in
Nanaimo. Der einzige Nachteil ist, dass fast überall in Nordamerika um 2 Uhr schon Sperrstunde ist.

Fazit

Ich kann sagen, dass ich mit meiner Uniwahl sehr zufrieden war und ich immer wieder ein Auslandssemster machen würde. Man lernt hier einfach auch viele tolle neue Leute kennen, die insgesamt viel zu der Erfahrung an sich beitragen. Natürlich nervt die Uni einen zwischenzeitlich auch mal, aber ich empfehle dennoch jedem, der ein Auslandssemester machen will, auch eines zu machen.

Blick vom Campus
Blick vom Campus