Erfahrungsbericht: Eva Wegerer

„Melbourne und die RMIT University bewegen sich auf einem Top internationalen Level und sind das Geld ganz sicher Wert.“

Mein Auslandssemester down under - RMIT University Melbourne/Innenarchitektur

Wie habe ich mich auf mein Auslandssemester vorbereitet?

Da das australische Semester bereits in der deutschen Prüfungsphase beginnt, war mein Hinflugzeitraum sehr begrenzt. Mein Semester an der FH Düsseldorf endete am 12. Juli. Am 15. Juli wurde ich (2 Wochen zu spät zwecks deutscher Prüfungsphase) von meiner Zieluniversität begrüßt. Ich empfehle jedem, wenn es irgendwie geht, bei der Einführungswoche in Melbourne dabei zu sein. Die Einführungswoche ist die erste Anlaufstelle für neue Kontakte an der RMIT. Wenn man es jedoch nicht rechtzeitig schafft, organisiert die RMIT ein Nachtreffen für alle Zuspätgekommenen (natürlich nur deutsche Austauschstudenten, da unsere Prüfungsphase in die Einführungswoche fällt).

Flug

Gute Angebote auf dem Flugmarkt zu finden war deshalb nicht ganz so einfach. Falls man sich mit seinem Rückflugdatum noch nicht ganz sicher ist, empfehle ich ein Jahresticket zu buchen. So kann man sich seinen Rückflug gegen eine Umbuchungsgebühr jederzeit auf ein anderes Datum legen. Bei Qantas habe ich bisher immer sehr gute Erfahrungen gemacht. Um sein Rückflugdatum umzubuchen reicht ein Anruf der 131313 (von Australien) und man wird direkt mit Qantas Costumer Service verbunden. Ist der umgebuchte Wunschtag frei erhält man zwei Wochen vor Abflug sein neues Flugticket.

Zum Sprachkurs

Da ich bereits längere Zeit im englischsprachigen Ausland verbracht habe und fast täglich englisch spreche plus schreibe kam für mich kein Sprachkurs in Frage.

Ich denke jedoch dass man auch ohne einen Sprachkurs super einfach ins australische Unileben starten kann. Die Australier sind sehr bemüht und geduldig einem die Sprache so einfach wie Möglich zu machen. „no worries“ -mach dir nicht so viele Gedanken- ist das Motto. =) Ansonsten sollte man sich vor einem Auslandssemester in Australien nicht allzu viele Gedanken über Unterkunft usw. machen. Haltet euch am Besten viele Sachen offen - so wird euer Auslandssemster ganz bestimmt aufregend und abenteuerlich.

Wichtig ist es, einen internationalen Führerschein zu beantragen. Vielen Autovermietern reicht ein normaler Führerschein nicht aus. Als private Krankenversicherung empfehle ich die DKV in Köln. Die DKV kann man jederzeit kündigen und hat gute Angebote für Studenten.

Sprachzeugnis

An der RMIT genügt das DAAD Sprachzertifikat. Dieses kann man meist an seiner Heimatuniversität ablegen und ist sehr gut machbar.

Visum

Das Studentenvisum muss man auf der homepage des Australian government online beantragen. Fragen gründlich durchlesen und gut überlegen. Kleine Fehler bei der Beantwortung kosten dich möglicherweise Wochen bis zur Visumsausstellung. Normalerweise wird das Visum innerhalb von drei Tagen genehmigt. Wohnungssuche:

Unterkunft

Mir wurde empfohlen sich erst vor Ort um eine Unterkunft zu kümmern. Das würde ich auch nach eigener Erfahrung jedem weiterempfehlen. Viele Wohnungen sind in Melbourne relativ abgewohnt. Deshalb: Sich selbst vor Ort ein Bild von der Wohnungslage machen.

Für eine Unterkunft in der ersten Woche sollte man sich allerdings bereits von Deutschland aus kümmern. Gerade nach dem langen Flug ist es angenehm sich in seine eigenen vier Wände zurück zu ziehen. Für die ersten Tage kann ich die homepage „www.couchsurfing.org“ empfehlen. Couchsurfen ist in Australien sehr populär und hilft sofort neue, einheimische Freundschaften zu knüpfen. Couchsurfen bedeutet: freie Unterkunft in einem privaten Haushalt und kultureller Austausch. Gerade für „arme“ Studenten interessant!

Ich habe meine erste Woche bei der australischen Mädels WG von Jorden und Jojo in Melbourne, St. Kilda gelebt. Jordon hat mich bei der ersten Wohnungssuche und meinem Studienjahr in Melbourne unterstützt. Beliebte Stadtteile für Studenten in Melbourne sind Brunswick, West und East Brunswick, Fitzroy und Carlton. Sie sind relativ nah an der Stadt, verfügen über eine gute Tram-Anbindung und haufenweise Studentenpubs.

Bei der Wohnungssuche hilft die homepage www.gumtree.com.au. Schwarze Bretter der Unis geben fast keine Informationen zur Wohnungssuche. Gumtree ist bei einheimischen sowie internationalen Studenten sehr beliebt und hilfreich. Mit einfachen Klicks gelangt man zu Studentenwohnungen mit Preis, Angaben zu Mitbewohnern und Kontaktdaten.

Ich hatte innerhalb einer Woche nach 10 Besichtigungen meine Wohnung gefunden. Wie schon beschrieben sind viele Wohnungen in Melbourne sehr abgewohnt. Man muss sich deshalb einige Tage Zeit nehmen um von Wohnung zu Wohnung zu ziehen und intensiv zu suchen. Der beliebte Stadtteil St. Kilda war früher Studentenstadtteil und entwickelte sich zum Domizil für Backpacker und schlaflose Nächte. Über „gumtree“ habe ich zur Miete ein Zimmer in einer dreier Studenten-WG mit zwei australischen Studenten gefunden.

Wie sehen Alltag und Unileben aus?

Ich fahre mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (Tram) von Brunswick West zur RMIT in die Innenstadt. Die Fahrt dauert ungefähr 30 Minuten, da australische Trams in 5 Kilometern ca. 50 mal stoppen. Jeder Australier hat sozusagen seine eigene Haltestelle. Sehr praktisch - für mich Gewöhnungssache aber bequem.

Meine Kurse begannen um 9:30. Der erste Student steht um 10:00 Uhr im Höhrsaal. Die Professoren kommen um 10:15 mit einem coffee to go und verkünden: Coffee break!!! Die erste Woche war ich brav um 9:25 im Unterricht. Danach eher selten.

Der Alltag an meiner australischen Universität lautet: „no worries“, kein Stress und studieren bedeutet Leben. Oft gehen wir mit meinem Kurs ins Museum und besuchen aktuelle Kulturveranstaltungen in Melbourne. Vorlesungen gibt es keine. Die meisten Veranstaltungen sind sehr praktisch und handwerklich orientiert. „Learning by doing“ ist deren Motto. Auf 20 Studenten kommen im Schnitt zwei Professoren. Die Betreuung ist in Australien sehr intensiv und bei Fragen kann man sich rund um die Uhr über facebook oder handy bei seinem Professor melden. Für mich ein absolut gelungenes Studiensystem der australischen Lernmethode.

Die Kurse enden Dienstags und Freitags um 17:00 Uhr. Mittwochs gegen Mittag. Die restlichen Wochentage dienen der Vertiefung und Wiederholung der Kurse. Das Wochenende ist frei und soll auf keinen Fall für die Uni genutzt werden. Freizeit und Eigenengagement werden an der RMIT sehr groß geschrieben.

Nach der Uni gehe ich arbeiten. Ich arbeite auf dem größten Markt, dem „queen victoria market“ in Melbourne und verkaufe mexikanischen Schmuck und Masken. Pro Abend verdiene ich gutes Geld um mir mein Studium zu finanzieren.

Die RMIT selbst besuchen 63.000 Studenten, davon ein Großteil aus dem asiatischen Raum. Für über 60.000 Studenten ist die Uni durch eine Vielzahl sehr hilfsbereiter Mitarbeitern sehr gut organisiert.

Was gibt es für Freizeitaktivitäten?

Ob surfen, fitness, tanzen, golfen, reiten, segeln uvm. an der RMIT findet jeder eine Sportart für seinen Geschmack.

Da ich noch nie gesurft bin, habe ich mich in den RMIT surf club eingeschrieben. Diese Sportclubs bieten gerade für internationale Studenten eine gute Basis neue Leute kennen zu lernen. Der surf club veranstaltet an verschiedensten Wochenenden Surffahrten zu beliebten Surfstränden in der Region. Kosten ca. 80 Dollar Fahrt - Surfboard - Wetsuit - Camping - Barbeque und Getränke für einen Abend inklusive. Mit einem kleinen Bus + Anhänger fuhren wir mit unseren Surfboards ins zwei Stunden entfernte Lorne um entweder als Anfänger oder Fortgechrittener Surfer ein tolles Wochenende zu verbringen. Für Fitnessstudio-Interessierte: Die RMIT verfügt über ein eigenes Fitnessstudio mit Mitgliedsbeitrag von
60 Dollar / Monat.

Die reichlich freie Zeit während der Uni und die freie Woche Ende August erlaubten es mir den Süden von Australien und den „Kakadu national park“ im Norden zu besuchen. Der „Kakadu national park“ war für mich ein absolutes Highlight und überzeugt durch gigantische Wasserfälle und Wanderwege. Melbourne an sich bietet zahlreiche Bademöglichkeiten, kulturelle Angebote und Museen. Jedes Wochenende findet man freie Konzerte und Trödelmärkte. Der Stadtteil Fitzroy ist hierfür sehr beliebt.

Was zahlt man für den Unterhalt?

Melbourne ist eine sehr teure Stadt, damit hatte ich am Anfang nicht gerechnet. Für eine nettes Zimmer in einer Wohngemeinschaft zahlt man im Schnitt 800 Dollar im Monat. Gezahlt wird in Australien wöchentlich. Dafür wohnt eine australische Wohngemeinschaft nicht in einem Reihenhaus sondern besitzt ein eigenes nettes Häusschen mit Garten und Grill vorm Haus. Da es den Australiern nicht an Fläche mangelt werden Einfamilienhäuser anstelle von Hochhäusern gebaut. Lebensmittel sind fast doppelt so teuer wie in Deutschland. Relativ günstig kauft man als Student Lebensmittel
in Australien bei Aldi. (Direkt gegenüber der RMIT gelegen).

Selbst die Mensa der RMIT verlangt gleiche Preise wie der Italiener auf der Straße. Für ein Mittagsmenü muss man im Schnitt mit 10 Dollar rechnen. Fast 4 x so teuer wie in der Mensa der FH Düsseldorf.

Evas Fazit und weitere Infos

Ein Auslandsstudium in Melbourne wird man, meiner Meinung nach, nie bereuen. Sich von der australischen Lebensweise und dem Mix der Kulturen anstecken zu lassen ist auf jeden Fall bereichernd. Australien ist jedoch ein teueres Land. Ohne neben dem Studium zu arbeiten und reichlich Angespartes im Gepäck zu haben tut man sich schwer. Ein Hostel kostet im Schnitt 30 Dollar die Nacht im 10 Bett Zimmer. Da empfiehlt sich couchsurfing.org. Flexibilität und Spontanität sind ein Muss. Aus Verabredungen oder Kursbeginn um 9:30 wird oftmals 10:00 - 10:30.

Trams und S-Bahnen sind pünktlich, bummeln aber gerne sehr langsam durch Melbourne. Die Bahnkarte namens „Myki“ kann in jedem seven/eleven Supermarkt gekauft und aufgeladen werden. Wer in Melbourne studiert sollte die „Myki“ Karte nicht mit Geld sondern mit Tagen aufladen. Lädt man Tage auf spart man sich im Monat einige Dollar und kann soviel fahren wie man möchte. Ein Monat Myki laden kostet 120 Dollar.

Materialkosten für Modellbau werden nicht von der Universität übernommen und müssen zusätzlich aufgewendet werden. ( 50 - 100 Dollar / Monat ).

Einzigartig und günstige Einkaufsmöglichkeiten für Studenten gibt es in den second hand Läden auf der Sydney Road in Brunswick. Realtiv günstig wohnen kann man in Coburg. Coburg ist etwas weiter vom Zentrum entfernt und deshalb nicht ganz so beliebt bei Melbournians. Studentenwohnheime würde ich nicht empfehlen. Viel zu teuer, unpersönlich und hauptsächlich bei asiatischen Studenten beliebt.

Ich würde mich freuen, wenn ich durch meinen Bericht Studenten motivieren könnte, sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Melbourne und die RMIT University bewegen sich auf einem Top internationalen Level und sind das Geld ganz sicher Wert.

- CHEERIO AND SEE YOU IN MELBOURNE -

Auslandssemester, RMIT, Australien
Auslandssemester, RMIT, Australien