Erfahrungsbericht: Eva Seeberger

Eva Seeberger
„Durch das durch IEC vermittelte Stipendium war es mir möglich, ein Semester an einer neuseeländischen Hochschule zu studieren und dort in den Genuss von ausgezeichnetem Lehrpersonal mit einem spannenden Curriculum zu kommen. “

Ein Auslandssemester an der University of Canterbury in Neuseeland
Von Anfang Februar bis Ende Juni habe ich ein Semester lang an der University of Canterbury in Christchurch, Neuseeland, studiert. Seit 2009 bin ich an der Universität Passau in den Studiengang Gymnasiallehramt mit der Fächerkombination Englisch, Deutsch, Ethik und parallel dazu in den Bachelorstudiengang Sprach- und Textwissenschaften eingeschrieben. Durch den Newsletter Anglistik meiner Heimatuni wurde ich auf die Stipendienvergabe durch IEC aufmerksam. Zwei Gründe waren maßgeblich an meiner Entscheidung beteiligt, mich um das Stipendium für ein Auslandssemester zu bewerben: Zum einen wollte ich meine Sprachkenntnisse perfektionieren, zum anderen lag mir am Herzen, die Arbeitstechniken anderer Universitäten kennenzulernen, um meinen Horizont auch auf diesem Gebiet zu erweitern.
Das Study Abroad Programm schien mir hierfür die richtige Wahl zu sein: Eine relativ unkomplizierte Bewerbung mit einem Motivationsschreiben wurde dafür benötigt. Die Zusage für das Stipendium der University of Canterbury kam sehr zügig und ließ gerade genügend Zeit für alle notwendigen Vorbereitungen.

Die Universität und die Kurse
Neuseeland bietet neben atemberaubender Natur, speziell für Anglistikstudenten, natürlich die Möglichkeit tiefer Einblicke in die Mentalität der Angel-Sachsen Neuseelands. Die University of Canterbury beheimatet neben Fakultäten für Wirtschaftswissenschaften und Jura auch eine Geisteswissenschaftliche Fakultät und mehrere weitere. Aufgrund meiner Studienwahl und meiner persönlichen Interessen habe ich mich ausschließlich für literatur- und kulturwissenschaftliche Kurse eingeschrieben. Die undergraduate-Kurse werden auf verschiedenen Level angeboten: Ich hab mich für einen 100-, einen 200- und einen 300-level-course mit jeweils 15 oder 30 credit points entschieden. Der Kurs ENGL109 American Literature bietet einen literaturhistorischen Überblick amerikanischer Werke und legt seinen Schwerpunkt auf praxisbezogenes Arbeiten. Der Kurs ENGL210 New Zealand Literature II schaffte tiefgreifenden Einblick in die Neuseeländische Geschichte, Kultur und Literatur zu gewinnen. Dieser Kurs wurde von Prof. Dr. Patrick Evans, dem Verfasser der Penguin History of New Zealand Literature, geleitet. Im Kurs ENGL313-CULT317 Cultures of the Supernatural wurde detaillierte Textarbeit an sowohl kultur- als auch literaturhistorischen Werken über das Übernatürliche verlangt. Die poststrukturalistische Auslegung aller meiner besuchten Kultur- und Literaturseminare hat mir die Möglichkeit gegeben, ein eigenes Bild der angelsächsischen Handhabungen dieser Gebiete zu entwerfen. Im Allgemeinen sind die neuseeländischen Seminare informeller gestaltet als die deutschen. So wird der Professor beispielsweise beim Vornamen angesprochen und auch in Emails wird oft direkt darum gebeten, den akademischen Titel bei der Anrede wegzulassen. Kursgrößen von circa 20 bis maximal 50 Teilnehmern lassen eine sehr intime und vertraute Atmosphäre in den dreimal wöchentlich stattfindenden Seminaren entstehen. Sowohl die Dozenten als auch das übrige Universitätspersonal habe ich als überaus hilfreich und freundlich erlebt. Die generelle Haltung der Universitätsbeschäftigten spiegelt eine Einstellung wider, die Studenten bei Problemen zu unterstützen und an der Hand durch den Unialltag zu führen. Für sehr junge und/oder unsichere Studenten mag dies hilfreich sein und unterstützend wirken, auf mich hingegen wirkte diese Atmosphäre eher befremdlich. Dennoch weiß ich das ständige Angebot zu diversen Hilfestellungen sehr zu schätzen.

Das Leben im Studentenwohnheim
Zu den angebotenen Leistungen der University of Canterbury zählt auch ihr umfassendes Angebot an Studentenunterkünften. Die unkomplizierteste Weise, sich bereits vorab um eine Unterkunft zu kümmern, ist die Bewerbung um einen Platz im Studentenwohnheim. Diese sind im Vergleich zu deutschen Studentenwohnheimen zwar um einiges luxuriöser, jedoch auch sehr viel teurer. Billiger kommt man sicherlich in Wohngemeinschaften unter, wobei hierbei auf entsprechende Qualität der Unterkunft zu achten ist. Viele der Gebäude Christchurchs in denen Studenten untergekommen sind, haben noch immer nicht reparierte Schäden des Erdbebens. Die Auswirkungen der beiden verheerenden Erdbeben von 2010/2011 sind noch an vielen Stellen sichtbar. Darüber hinaus machen sie es für Ausländer schwer, die Stadt kennenzulernen. Durch die großflächigen Schäden wurde der gesamte Stadtkern Christchurchs zerstört und befand sich auch mehr als zwei Jahre nach der Katastrophe noch im Wiederaufbau. Im Laufe meines Aufenthalts in Christchurchs wurden zahlreiche Straßen der Innenstadt dem öffentlichen Verkehr wieder freigegeben und auch mehrere kleine Einkaufspassagen haben im Zentrum mittlerweile wieder eröffnet.

Campusleben und Freizeitaktivitäten
Trotz kleiner Hindernisse, die das volle Christchurch-Erlebnis etwas erschweren, ist die Stadt ein spannender Ort, um ein Auslandssemester zu verbringen. Der momentane Wideraufbau ermöglicht Christchurch ständig wechselnde Ausstellungen und Projektrealisationen junger Künstler, die der Stadt neues Leben verschaffen. Zusätzlich besteht an der University of Canterbury die Möglichkeit zur vielseitigen Freizeitgestaltung. Die Universität beherbergt viele Hochschulgruppen, die gerade ausländischen Studenten in ihrer Freizeitgestaltung sehr entgegenkommen. Man kann Mitglied verschiedener Vereine werden und an deren regelmäßig stattfindenden Unternehmungen teilnehmen um viele interessante Menschen auf sehr einfache und unterhaltsame Weise kennenzulernen. Vor allem der Tramping Club, die Hochschulgruppe für Wanderausflüge, half mir in den ersten Wochen sehr, schnell viele neue Bekanntschaften zu knüpfen. Die Gruppe organisiert wöchentlich stattfindende Wanderungen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. So können neben dem Knüpfen von neuen sozialen Kontakten auch die Naturschönheiten Neuseelands mit neuen Freunden erforscht werden.

Akademisches Angebot
Neben interessanten künstlerischen und sportlichen Attraktionen bietet Christchurch auch akademisch sehr vieles: Vor allem für Bereiche wie Ingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaften und Gefahrenschutz/Sicherheitstechnik schaffte die University of Canterbury hervorragende Lernvoraussetzungen. Im geisteswissenschaftlichen Bereich sind die Angebote vergleichsweise gering. Dennoch kann ich das Studium am English Department aus persönlicher Erfahrung mit guten Gewissen weiterempfehlen. Aufgrund des engagierten Lehrpersonals bietet das Anglistikstudium in Christchurch tiefe Einblicke in die Neuseeländische Literatur und Kultur.

IEC hat es sich zur Aufgabe gemacht, Studierenden bei der Suche nach einem passenden Auslandsstudium behilflich zu sein. Durch das durch IEC vermittelte Stipendium war es mir möglich, ein Semester an einer neuseeländischen Hochschule zu studieren und dort in den Genuss von ausgezeichnetem Lehrpersonal mit einem spannenden Curriculum zu kommen. IEC hat die Aufgabe der Stipendienvermittlung umfangreich und vertrauensvoll organisiert. Besonders Herr David Nitschke war als Berater von IEC im Laufe meines gesamten Auslandssemesters sehr verständnisvoll und hilfsbereit.

Auslandssemester in Neuseeland. Studierende in Fjordland.
Fjordland