Erfahrungsbericht: Christian Roß

„Die Siam University ist eine Privatuniversität und zählt mit etwa 16.000 Studentinnen und Studenten zu den Größten in Bangkok.“

Studieren in Thailand

Beginnen möchte ich meinen Erfahrungsbericht mit ein paar allgemeinen Informationen zum Studieren in Thailand.

In Thailand gibt es sehr viele Universitäten. Ob ganz im Norden in Chiang Mai, in der pulsierenden Metropole Bangkok oder auf der Ferieninsel Phuket ist eine persönliche Entscheidung. Die meisten Universitäten richten sich viel nach U.S.-Standards. So gibt es pro Fach 3 Thai-Credits. Diese entsprechen etwa 5 ECTS. In unserem Semester hatten wir jedoch Schwierigkeiten an der Heimathochschule in Deutschland dafür 5 ECTS zu erhalten. Uns wurden nur 3 gewährt. Dies sollte man also im Vorfeld mit der Heimathochschule abklären, damit man später nicht enttäuscht wird.

Generell kann man sagen, dass das Niveau der Veranstaltungen nicht so hoch ist wie in Deutschland und es leichter fällt gute Noten mit nach Hause zu bringen. Allerdings muss man auch hier etwas tun, so ganz ohne geht es halt doch nicht. Was hier jedoch in die Noten miteinfließt sind sozusagen die Mitarbeitsnoten. Da es an den Universitäten in der Regel eine Anwesenheitspflicht von ca. 80 % gibt wird diese auch entsprechend bewertet. Außerdem werden in manchen Fächern Hausaufgaben aufgegeben und auch diese eingesammelt und bewertet. Zusammen mit der Anwesenheit fließen diese mit ca. 20-30 % in die Endnote mit ein. Außerdem wird nicht nur eine einzige Klausur am Ende geschrieben, sondern sogenannte Mid-terms werden nach der Hälfte abgehalten und fließen mit bis zu 30 % in die Gesamtnote ein. Das eigentliche Final macht so teilweise nur noch 50 % der Endnote aus. Diese Prozentsätze kann jeder Dozent selbst festlegen und können daher auch abweichen. Ein weiterer Unterschied zu Deutschland ist, dass man an thailändischen Universitäten eine Uniform trägt.

Meistens besteht diese für Männer aus einem weißen Hemd einer schwarzen Hose, schwarzen geschlossenen Schuhen und dem obligatorischen Gürtel der Universität. Frauen tragen einen schwarzen Rock, diesen gibt es in verschiedenen Längen, eine weiße Bluse, den obligatorischen Gürtel der Universität und zusätzlich einen Pin der Universität auf der Brust. Unterrichtsmaterialien werden je nach Universität bereitgestellt oder müssen extra besorgt werden. Schnell fällt jedoch auf, dass kein Thai ein Buch besitzt sondern nur Kopien. Das Copyright wird hier nicht so beachtet, und es ist kein Problem in einem der vielen Copy-Shops auf dem Campus das Buch kopieren zu lassen. Teilweise muss man es sich dazu zuerst in der Bibliothek ausleihen, teilweise hat aber auch der Copy-Shop die gängigen Bücher auf Lager.

Studieren an der Siam University

Die Siam University ist eine Privatuniversität und zählt mit etwa 16.000 Studentinnen und Studenten zu den Größten in Bangkok. Sie liegt etwas außerhalb vom Zentrum aber ist problemlos zu erreichen. Der Campus umfasst mehrere Fakultäten und Gebäude. Wenn man das Gelände betritt befindet sich links das International Office. Die Administration befindet sich im Hochhaus der Universität. Auf dem Campus gibt es 2 Mensen, mehrere Restaurants, Cafés, mehrere Copy-Shops, einen Schreibwarenladen, eine Bank mit Geldautomaten (auch ATMs um mit Kreditkarte Geld abheben zu können), eine Postfiliale und einen 7 Eleven.

Trotzdem ist der Campus recht überschaubar und man kennt sich nach kurzer Zeit aus. An der Siam University gibt es für Internationale Studierende den Bachelor in Business Administration, der komplett und ausschließlich in Englisch angeboten wird. Darüber hinaus gibt es auch noch ein Masterprogramm das ebenfalls auf Englisch angeboten wird. Die Dozenten sprechen meist ein ganz ordentliches Englisch und es ist kein Problem der Vorlesung zu folgen. Trotzdem sollte man die englische Sprache recht sicher beherrschen, sonst tut man sich keinen Gefallen. Ein B2-Niveau reicht jedoch vollkommen aus. C1 ist hier wirklich nicht nötig.

Die Kurse werden im Wechsel zwischen Sommer- und Wintersemester angeboten. Hier heißt das First und Second Semester. Das sollte man bei seiner Kurswahl berücksichtigen. Insgesamt können maximal 5 Kurse belegt werden. Die Siam University hat mit Internationalen Studierenden sehr viel Erfahrung. Hierbei geht es jedoch um Studierende aus den umliegenden asiatischen Ländern, wie Myanmar, Laos, Vietnam oder China. Europäische Studierende sind erst seit kurzem an der Siam University zu finden. Außeruniversitäre Angebote oder ein Buddy-Programm gibt es hier leider nicht, das haben wir als schade empfunden. Jedoch schließt man sich schnell mit den anderen Internationals zusammen und unternimmt etwas.

Freizeitgestaltung

Natürlich kommt einem wenn man an ein Studium in Thailand denkt zuerst einmal das Reisen in den Sinn und das ist auch begründet. Da man nur wenige Tage in der Woche Vorlesungen hat kann man unter der Woche sehr gut verreisen. Und vermutlich geht das in der keiner Region der Welt so günstig wie hier. Egal ob man an den Strand will oder in den Dschungel, es ist für jeden etwas dabei. Auch die Länder wie Myanmar (früher Burma), Laos, Kambodscha, Vietnam, Malaysia, Singapur, Brunei oder ein Abstecher nach Indonesien oder auf die Philippinen sind kein Problem. Aber auch Thailand selbst hat viel zu bieten. Vor allem abseits der Touristenziele wie Pattaya, Hua Hin, Koh Samui und Phuket.

Da sind kleine Inseln wie Koh Samet, Koh Mak oder Koh Chang die von Bangkok mit Bussen in wenigen Studenten und für kleines Geld zu erreichen sind. Bangkok selbst, in der etwa 12 Millionen Menschen leben ist aber unermüdlich. Man kann selbst nach langer Zeit noch vieles entdecken. Auch wenn sich die typisch touristischen Sehenswürdigkeiten mit Grand Palace, Wat Pho, Wat Arun in Grenzen halten uns schnell erkundet sind bietet die Stadt doch so viel mehr. Nicht erst seit Hangover 2 ist Bangkok auch für seine Partyszene bekannt. Auf der Khao San Road, der Sukhumvit Soi 11 oder RCA ist immer etwas los. Theoretisch sind Clubs in Bangkok nur bis 2 Uhr geöffnet, danach gilt eine Sperrstunde. Aber Bangkok wäre nicht Bangkok wenn es wirklich so wäre. Es haben sich After Clubs etabliert in denen es bis früh morgens weitergeht.

Wohnen

Wohnheime oder sonstige spezielle Unterkünfte für Studenten sucht man hier vergebens. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich in Apartments oder Condominiums einzumieten. Da gerade eine Skytrainverbindung in Bangkok gebaut wird um die etwas abgelegenen Teile mit dem Zentrum zu verbinden kann es durchaus auch Sinn machen und günstiger sein in zentraler Lage eine Unterkunft zu finden und dann eine weitere Anfahrt zur Universität in Kauf zu nehmen. Nicht empfehlen können wir die Unterkünfte der Uni selbst. Hier hat niemand von uns gewohnt. Verhältnismäßig teuer aber gut gelegen ist dagegen „Sivalai Place“.

Einfach bei den einschlägigen Suchmaschinen eingeben. Sie sind sehr präsent und man findet sie garantiert. Sie vermieten Apartments ab ca. 40 m² zu einem Preis von etwa 300 EUR. Hier kommen jedoch noch Wasser und Elektrizität hinzu, so dass man schnell bei mindestens 350 EUR ist. Es gibt viele größere Apartments die teurer sind aber auch zu zweit bewohnt werden können. Eine günstigere Alternative sind Unterkünfte wie „Jolly Suites“. Das ist ein Hotel, das auch Apartments hat. Es hat ebenfalls (wie auch Sivalai) einen Pool und Fitnessräume, allerdings kostet es nur etwa 150-200 EUR. Das Personal soll aber nicht so freundlich sein und auch sonst macht es nicht den besten Eindruck. Insgesamt können wir die Gegend um die Mall in Tha Pra jedoch sehr empfehlen. In der Mall gibt es alles was man braucht. Seit neuestem ist hier auch ein Skytrainanschluss der einen in kurzer Zeit in die Innenstadt bringt. Achja, von beiden Unterkünften fahren Busse zur Universtität. Hier muss man sich zunächst etwas zurechtfinden. In den 7 Eleven Filialen gibt es eine Bangkok Bus Map für umgerechnet etwa einen Euro zu kaufen. Diese Investition lohnt sich sehr.

Noch ein paar wichtige Informationen und Tipps

Thailand hat ein nicht ganz einfaches Visums-System. Am besten ist es man beantragt (persönlich oder per Post) im Stuttgarter Honorarkonsulat ein Non-Immigrant ED (Education) Visum. Hier ist das 1 Jahresvisum zu empfehlen, das jedoch 130 EUR (Stand 2012) kostet, aber beliebig viele Einreisen beinhaltet. Die Botschaft in Frankfurt vergibt nur das 3 monatige Visum, daher die Empfehlung unbedingt über Stuttgart zu machen. Diese sind auch sehr hilfsbereit und beraten einen auch telefonisch. Selbstverständlich in perfektem Deutsch. Also keine Angst, da brauch ihr kein Englisch oder Thai. Nun sollte man denken, ein Jahr lang darf man sich in Thailand nach seiner Ankunft aufhalten, das ist jedoch weitgefehlt. Die Aufenthaltsdauer ist zunächst auf maximal 90 Tage begrenzt. Danach kann man das Visum über die Universität entweder verlängern lassen (rechtzeitig darum kümmern) oder einfach in eines der Nachbarländer reisen und dann erhält man bei der Einreise wieder 90 Tage. Sollten euch einmal Freunde besuchen möchten, so erhalten sie bei der Einreise ein Visa-on-Arrival. Das ist 30 Tage lang gültig und kostenlos.

Das Klima in Thailand kann man sich nur schwer vorstellen. März und April kann man es in Bangkok kaum aushalten, da es permanent weit über 30°C hat und niemals regnet. Dagegen ist um September-November Regenzeit. Das bedeutet jedoch nicht, dass es tagelang regnet. Es regnet dann aber sicherlich täglich für maximal eine Stunde und dann denkt man es geht die Welt unter. Teilweise stehen danach Straßenabschnitte unter Wasser. Danach scheint die Sonne als wäre nichts gewesen. Die Luftfeuchtigkeit liegt jedoch in diesem Zeitraum bei über 80%. Also wenn jemand damit große Schwierigkeiten hat oder generell schon Kreislaufprobleme, so ist davon dringend abzuraten. Uns hat während dem Semester öfters mal die Hitze flachgelegt. Zusätzlich tun noch die Klimaanlagen ihr bestes um einem eine schöne Erkältung zu liefern. Auch Magen-Darm- und Durchfallerkrankungen sind hier häufig verbreitet, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Impfungen sollte man aber auf jeden Fall zu Hause durchführen lassen und vorher bei einem Arzt Rücksprache halten. Die medizinischen Standards sind in den Bangkoker Kliniken aber recht gut. Eine Auslandskrankenversicherung ist in jedem Fall dringend anzuraten, da die Behandlungen privat vorgestreckt werden müssen.

Noch ein kleiner Tipp in Sachen Finanzen.

Die DKB bietet ein kostenloses Girokonto mit Kreditkarte. Mit dieser Kreditkarte kann man weltweit kostenlos Bargeld abheben. Da in Thailand pro Abhebung 150 Bath (umgerechnet etwa 3,75 EUR) pro Abhebung anfallen ist diese Variante sehr zu empfehlen. Die 150 Bath werden jedoch nur auf Antrag erstattet, dann aber problemlos innerhalb von 1-2 Tagen. Es gibt auch noch andere Banken die das anbieten, hier einfach ein bisschen informieren. Die meisten von uns hatten die DKB und waren damit sehr zufrieden.