Erfahrungsbericht: Benjamin Amschler

„IEC hatte den direkten Kontakt zu dutzenden von australischen Universitäten und konnte mir durch fundiertes Wissen bezüglich der Schwerpunkte der einzelnen Universitäten enorm weiterhelfen.“

1. Einleitung

Ein Semester im Ausland zu studieren ist ein Erlebnis das man wohl nie wieder vergessen wird. In meinem Fall kann ich sagen, dass es ein durchweg positives Erlebnis war. Ich konnte viel dazu lernen, viele interessante Menschen kennenlernen und neue Freunde finden. Auch konnte ich mich fachlich weiterentwickeln und mein Studium wie geplant weiter vorantreiben. An dieser Stelle möchte ich der Studienstiftung des deutschen Volkes dafür danken, dass mir diese Möglichkeit gegeben wurde. Ich wurde jederzeit unterstützt wenn es Fragen oder Probleme gab was mir sehr geholfen hat und mir auch viele Sachen erleichtert hat. Ohne die Studienstiftung des deutschen Volkes wäre ein derartiges Auslandssemester nicht möglich gewesen.

2. Vorbereitungsphase

Als Ende März 2011 die Entscheidung fiel ein Auslandssemester zu absolvieren war mir noch nicht klar welch tolle und prägende Erfahrung dies für mich darstellen würde. Nach mehreren Gesprächen mit Professoren meiner Fakultät und der Hilfe des International Office der Hochschule Coburg wurde die Suche nach einer fachlich zu mir passenden Universität im Ausland begonnen. Schnell wurde mir klar, dass nur ein englischsprachiges Ausland für mich in Frage kommt, da ich schon seit längerer Zeit versuchte meine Englischkenntnisse weiter auszubauen. Weiterhin wollte ich natürlich etwas erleben und ein landschaftlich einmaliges, kulturell vielseitiges und freundliches Land sollte daher das Ziel meiner Reise werden. Nach intensiven Recherchen in Broschüren und natürlich im Internet fiel meine Wahl auf Australien.

Doch wie sollte man sich als Freemover dort am besten bewerben und alles organisieren? Diese Frage wurde mir von den Mitarbeiten des International Office beantwortet. Mit Hilfe der in Berlin ansässigen Organisation IEC wurde das Ziel, Auslandssemester in Australien mit dem Schwerpunkt im Bereich der Elektrotechnik immer realistischer. Ich erfuhr hier alles was für ein erfolgreiches Auslandssemester als Freemover notwendig war. Weiterhin hatte IEC den direkten Kontakt zu dutzenden von australischen Universitäten und konnte mir durch fundiertes Wissen bezüglich der Schwerpunkte der einzelnen Universitäten bereits enorm weiterhelfen.

Nach weiteren Recherchen entschied ich mich, meine Bewerbungsunterlagen an drei für mich infrage kommende Universitäten zu senden. Das an der jeweiligen Universität in meinem Studienbereich vorhandene Knowhow und die entsprechende Ausstattung der Laboreinrichtungen waren für mich hier von großer Bedeutung. Daher wurden meine Unterlagen mit Hilfe von IEC an die University of Technologie Sydney (UTS), RMIT Melbourne und an die Murdoch University Perth versandt. Nach mehreren Zusagen entschied ich mich für die zuletzt genannte Universität in Perth. Im nach hinein kann ich sagen, dass diese Entscheidung absolut richtig gewesen war und ich eine tolle Zeit in Perth verlebt habe. Es war also eine sehr gute und wohl überlegte Entscheidung. Die letzten Formalitäten wie beispielsweise Visum oder Unterkunft wurden mit der Universität abgeklärt und die größten Vorbereitungen damit beendet.

3. Erste Zeit in einem fremden Land

Um die ersten Hürden in einem für mich neuem Land schneller zu meistern und um mich schnell zurecht zu finden entschloss ich mich an der von der Universität angebotenen Orientierungswoche teilzunehmen. Daher reiste ich eine Woche vor Studienbeginn, direkt im Anschluss an meine Prüfungen an der Hochschule Coburg, nach Australien. Von der Universität herzlich begrüßt und nach einigen Aktivitäten zum Kennenlernen der australischen Mentalität und Lebensweise konnte die eigentliche Orientierungswoche für alle Austausch und Abroadstudenten beginnen.

Alle wichtigen Dinge, wie beispielsweise der öffentliche Nahverkehr, alle wichtigen Anlaufstellen so wie die Universität mit ihren Regelungen, Prüfungsordnungen und Möglichkeiten wurden intensiv erläutert. Die Einschreibung in die zu belegenden Kurse erfolgte durch die Hilfe eines dafür zuständigen Mitarbeiters des Student Centers.

Durch die Orientierungswoche wurde bereits auch der erste Kontakt zu anderen internationalen Studenten hergestellt. So lernte ich bereits in den ersten Tagen eine Menge interessanter Menschen aus fast allen Teilen der Erde kennen. Auch einige deutsche Austauschstudenten waren an die Murdoch University gekommen um wie ich hier ein Semester im Ausland zu studieren. 

Als Unterkunft für die Zeit in Perth entschloss ich mich dafür so nahe wie möglich am Campus zu leben. Zusammen mit fünf weiteren Studenten lebte ich seit dem Tag meiner Ankunft in einem Studentendorf in einer fünf Zimmer Wohngemeinschaft direkt neben dem Campus. Die Zusammensetzung meiner Mitbewohner konnte verschiedener kaum sein. Fast jeder Kontinent wurde abgedeckt. Von Südund Nordamerika über Asien und das Nachbarland Frankreich war eine tolle Mischung gegeben die das Zusammenleben sehr interessant und kulturell vielseitig machte. Diese Erfahrung möchte ich auf keinen Fall missen da sie mich, in Bezug auf meine persönliche Entwicklung, sicherlich einen großen Schritt nach vorne gebracht hat. Natürlich war hier die einzige Sprache zur Verständigung die Englische Sprache, was wie von mir erhofft, meine Sprachfähigkeiten nur positiv beeinflusst hat.

4. Kurswahl

Um mein Studium der Elektrotechnik weiterhin voranzubringen versuchte ich die Kurse zu belegen, welche ich mir zuvor von zuhause aus bereits in den Kopf gesetzt hatte. Dies war nicht immer so einfach, da sich die Universität doch oftmals sehr stark auf ihre Zulassungsvoraussetzungen berief. Letztendlich konnten aber dennoch Kurse gefunden werden die fachlich sehr gut zu meinem Studium passten und die es mir ermöglichten mich fachlich weiterzuentwickeln und mir aber auch gleichzeitig den bekannten Blick über den Tellerrand ermöglichten. Die Studienordnung der Murdoch University schrieb vor, dass zwei Wochen nach beginn des Semesters die endgültige Kurswahl feststehen musste. So besuchte ich die ersten zwei Wochen mehrere Kurse um letztendlich aus diesen Kursen meine Wahl zu treffen und mich somit für mein Semester festzulegen.

Da ich in meinem sechsten Semester an der Hochschule Coburg bereits Einführungs-veranstaltungen in den Fachrichtungen der Hochspannungsübertragungstechnik sowie in der Regelungstechnik gehört hatte entschied ich mich diese Gebiete weiter zu vertiefen und fand hierzu interessante und geeignete Kurse. So wählte ich eine Lehrveranstaltung mit der Bezeichnung „Power Transmission and Distribution Networks“ aus dem Gebiet der Hochspannungstechnik sowie zwei Kurse aus dem Gebiet der Regelungstechnik, „Control Systems and Process Dynamics“ und „Process Control Engineering II“.

5. Kursbeschreibung

An dieser Stelle sollen die einzelnen Kurse inhaltlich beschrieben werden um denn fachlichen Bezug noch einmal aufzuzeigen. Die Lehrveranstaltung „Power Transmission and Distribution Networks“ deckte mit ihrem Inhalt den kompletten Weg von der Energieerzeugung über die Verteilung bis hin zum Endverbraucher ab. Es wurde hierbei die Erzeugung mit Hilfe von Generatoren und die Transformation in geeignete Spannungshöhen mittels Transformatoren zur Energieübertragung behandelt. Weiterhin wurde der Übertragungsweg der elektrischen Energie von den Kraftwerken bis hin zum Endverbraucher theoretisch behandelt und anschließend die komplette Netzstruktur der Energietechnik mit spezieller Computersoftware in Simulationen betrachtet, ausgelegt und optimiert. Mathematische Berechnungsmethoden zur Problemlösung wurden ebenso diskutiert wie die computergestützte Programmierung dieser Lösungsansätze.

Wie bereits erwähnt, waren die Beiden anderen Lehrveranstaltungen aus dem Bereich der Regelungstechnik. Beide Kurse bauten aufeinander auf und behandelten zum einen die theoretische und mathematische Betrachtung derartiger Regelungsprobleme mit Übungen in Laborarbeiten wohingegen die drauf aufbauende Lehrveranstaltung sich eher mit der praktischen Umsetzung derartiger Regelungen beschäftigte. Während in dem Kurs „Control Systems and Process Dynamics“ die Grundlagen gelegt wurden und ein tiefes und vielseitig anwendbares Wissen vermittelt wurde, konnte in „Process Control Engineering II“ die Anwendung der verschiedensten Regelungstechniken praktisch umgesetzt werden. Dieser Kurs wurde in einen theoretischen Vorlesungsteil und einen praktischen Teil gegliedert. Bei der überwiegenden praktischen Tätigkeit wurden die erlernten Regelalgorithmen an einer eigens für diesen Kurs an der Universität aufgebauten Pilot Anlage getestet werden. Die Anlage mit mehreren Wassertanks mit einem Fassungsvermögen von mehreren tausend Litern, welche einen typischen Prozess zur Aluminiumgewinnung simulierte wurde genutzt um die praktischen Fähigkeiten der Studenten auszubauen. Diese Anlage aus der Minenindustrie, welche ja in Australien sehr stark vertreten ist, ist in ihrer Art fast einmalig auf der ganzen Welt und vermittelte einen sehr guten Überblick über das spätere Arbeiten in der Prozessregelungstechnik.

6. Soziales Umfeld

Alle Erwartungen die ich an meinen Auslandsaufenthalt gestellt hatte, bezüglich der Sprache, den Menschen und der Universität wurden mehr als erfüllt. So wurde ich in meiner Wohngemeinschaft offen empfangen und hatte auch während der ganzen Zeit kein einziges mal Probleme mit meinen Mitbewohner, trotz der doch sehr verschiedenen Kulturen. Ganz im Gegenteil, es hat mir sehr viel Spaß gemacht mit vielen verschiedenen Kulturen zusammenzuleben und auch der kulturelle Austausch untereinander kann nur positiv bewertet werden. Es wurden mir viele verschiedene kulturelle Eigenschaften meiner Mitbewohner vermittelt und auch ich konnte die eine oder andere Sache aus meinem eigenen Land und meiner Kultur mitteilen. Für mich persönlich war es auf ganzer Linie eine Bereicherung und hat meine eh schon sehr offene Denkweise und Einstellung anderen Ländern gegenüber nur noch weiter geöffnet.

Neben dem tollen zusammenleben in meiner Wohngemeinschaft machte ich auch, was die Universität betrifft, nur positive Erfahrungen. So fand ich in meinen Kursen sofort Anschluss, Unterstützung und auch einige sehr gute Freunde. Da die von mir besuchten Lehrveranstaltungen mit einer Stärke von im Schnitt 25 Studierenden doch eher klein und daher auch sehr familiär waren konnte ich mich schon nach wenigen Tagen sehr gut integrieren und hatte auch mit meinen Mitstudenten sehr viel Spaß. Da der Arbeitsaufwand vergleichsweise hoch ausfiel, verbrachte ich sehr viel Zeit meines Semesters zusammen mit meinen Kommilitonen im Labor und arbeitete viel an unseren gemeinsamen Projekten, was im Nachhinein mit das Beste an meinem Auslandssemster war. Ich erfuhr hierbei sehr viel über die Australische Mentalität und Lebensweise. Auch gemeinschaftliche Freizeitaktivitäten mit meinen Kommilitonen machten mir sehr viel Spaß und waren eine große Bereicherung für mein Auslandssemester.

Aber nicht nur in der Universität knüpfte ich Kontakte zu einer Menge neuer Menschen. So wurde von der Universität selbst, für alle Austausch Studenten eine zehntägige Fahrt organisiert, welche einem den Bundesstaat West Australien näher brachte. Beim Zelten im Outback wurde mir erneut die absolute Schönheit dieses Landes bewusst und auch das vielseitige Tierreich begeisterte auf eine fast unbeschreibliche Art und Weise.

7. Zusammenfassung

Ich bin nun seit noch nicht einmal einer ganzen Woche wieder zu Hause angekommen und bin nach wie vor noch damit beschäftigt alle Erlebnisse und Erfahrungen zu verarbeiten. Das Auslandssemester als Freemover war von meinem jetzigen Standpunkt aus eine der besten Erfahrungen die ich bisher machen durfte. Ich möchte an dieser Stelle der Studienstiftung des deutschen Volkes nochmals dafür danken, dass mir diese Erfahrung möglich gemacht wurde.

Alle Erwartungen wurden erfüllt und ich konnte mich neben allen persönlichen Erlebnissen fachlich weiterentwickeln und mein Studium wie beabsichtigt weiter voran bringen. So erhielt ich auch vor einigen Tagen die Ergebnisse meiner Studienleistungen und kann mit Stolz sagen, dass ich alle Kurse mit „High Distinction“ absolvieren konnte.

Jeder Tag im Ausland war mit neuen Erfahrungen und Erlebnissen verknüpft. Es war mir möglich meine Englischkenntnisse, verglichen mit dem Tag meiner Ankunft in Australien, enorm zu steigern was nicht zuletzt auf den ausschließlichen Kontakt zu Australiern oder internationalen Studenten zurückzuführen ist.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich keinen einzigen Tag in Australien missen möchte und stolz darauf bin diesen Schritt gegangen zu sein. Es war eine Erfahrung fürs Leben die mich wieder einen Schritt in meiner Persönlichkeitsentwicklung vorangebracht hat.