Erfahrungsbericht: Annemarie Berghoff

Annemarie Berghoff
„Wundervolle Menschen, atemberaubende Landschaften und ein sehr faszinierendes Studium!“

August 2016 – Dezember 2016

 Super, dass Du Dich zwischen all den Erfahrungsberichten zu meinem durchgeklickt hast!

International Love

Studium

Beginnen möchte ich mit dem, was mich am meisten fasziniert hat. Die Humboldt State University ist recht klein mit einer gemütlichen und familiären Atmosphäre auf dem Campus.

Das wirkt sich deutlich auf die Qualität des Studiums aus. Durch kleine Klassenräume mit einer überschaubaren Anzahl von Studenten, gibt es einen persönlichen Bezug zwischen Professoren und Lernenden. Jeder kennt jeden mit Namen und auch die Lehrer werden immer mit Du angesprochen. So ist der Unterricht viel freier, offener und –gerade in der Sozialen Arbeit- wurden die Veranstaltungen durch persönliche Erfahrungen und Geschichten sehr bereichert. Dieses Vertrauensverhältnis ermöglicht es, sehr offen über viele Themen zu sprechen und auch Defizite im Stoff oder Schwierigkeiten bei der englischen Fachsprache offen anzusprechen. Das Lernen basierte auf einem hohen Niveau der Hilfsbereitschaft untereinander was mir wirklich besonders gut gefallen hat und besonders für Internationale Studenten eine Erleichterung ist.

Nice postcard

In so einem Umfeld macht das Lernen besonders viel Spaß und die Motivation hält sich enorm hoch auch über das ganze Semester. Die einzelnen Veranstaltungen sind in sich alle untereinander verknüpft und bauen aufeinander auf. Phantastisch sind dann plötzlich diese „Aha-Momente“ in denen sich die Puzzle-Teile zusammen fügen. Auch eine enge Verknüpfung von Theorie und Praxis wird angeboten indem wir unter anderem in einen Kindergarten gegangen sind und die Kinder anhand der gelernten Theorien beobachtet und den Entwicklungsstand beschrieben haben. Außerdem bestand meine Abschlussprüfung in einem Seminar darin, ein komplettes Beratungsgespräch mit einem Mitschüler zu führen, welcher in der Rolle eines Suizid-gefährdeten Jugendlichen mit Liebeskummer geschlüpft ist.

california

Der Inhalt des Studiums war also sehr faszinierend und spannend aber auch sehr fordernd. Durch meine Wortwahl erkennt man schon ein bisschen, dass das System sehr verschult ist. So gab es jeden Tag Hausaufgaben, Hausarbeiten für das Wochenende, Essays oder auch ganz viele Artikel und Kapitel in Lehrbüchern zum lesen. Da die tägliche Anwesenheit und auch die mündliche Mitarbeit benotet wurden, kam man auch nicht drum herum diese Arbeiten pünktlich und sorgfältig zu erledigen.

Aber nichts desto trotz hat es mir wahnsinnigen Spaß gemacht all diese Dinge selbstständig zu lernen und mich hinzusetzen, gerade weil es inhaltlich so spannend war und durch die Intensität dieses Semesters konnte ich unfassbar viel mitnehmen für mein Studium in Deutschland und vor allem auch für das spätere Arbeitsleben!

Freizeit

Die Herausforderung für mich war es, einen angemessenen Ausgleich für das Studium zu finden. In Deutschland bin ich es so gewohnt, dass man sich bewusst für die Uni ein paar Stunden hinsetzt- aber in der USA lernte ich, dass man sich für freie Zeit bewusst eine Auszeit vom Lernstress nehmen muss.

Dadurch, dass ich auf dem Campus gewohnt habe und man dort immer irgendwie am Lernen war, ob in der Bib, im Klassenraum oder im Appartment, kam man schwer aus dem Umfeld raus und eine Kommilitonin sagte zu mir, dass sie der Campus an eine Art Internat erinnerte.

Ich hatte das Glück, dass Ich durch Couchsurfing in den Wochen vorm Semesterstart ein paar Leute außerhalb vom Campus und dem Ort Arcata kennen gelernt hatte.

Das würde Ich auch jedem von euch ans Herz legen, möglichst die freie Zeit off Campus zu verbringen da es sonst schwierig ist komplett abschalten zu können.

 

Natur

Denn zum Abschalten präsentiert sich die Natur in Nordkalifornien von ihrer allerbesten Seite und lässt nichts aus.

Neben den wunderschönen Sandstränden am Pazifischen Ozean, quasi direkt am Campus, über die traumhaften ausgedehnten Wanderwege in den Bergen bis hin zu den gigantischen und uralten Red Wood Trees, ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei!

Was wir alles unfassbar Tolles erlebt habt- ich glaube davon könnte ich einen eigenen Bericht schreiben.

 

Wer outdoor-Abenteuer, die Weite der Natur und unvergesslich schöne Landschaften liebt, ist hier 100% an der richtigen Adresse.

 

 

Wohnung

Nach all den schönen und überaus positiven Dingen muss ich auch noch etwas loswerden was mir leider überhaupt nicht gefallen hat.

Die Apartments auf dem Campus sind nicht nur sehr klein und ungemütlich, sondern auch unfassbar teuer und kosten ein Vermögen. Da man sich das winzige Zimmer auch noch teilen muss, finde ich es einfach eine Frechheit den armen Studenten so viel Geld für die paar Quadratmeter abzuziehen!

Sunset am Moonstone Beach

Nun, ich hatte auch wirklich Pech mit meinen Mitbewohnern. (2 Jungs und vier Mädels waren wir) Die haben kaum Wert auf Sauberkeit und Ordnung gelegt so, dass Ich mich kein bisschen wohl gefühlt habe. Mir ein Zimmer zu teilen war das Schlimmste. So bin ich mit meiner eigenen Wohnung in Bielefeld doch ziemlich verwöhnt gewesen. Es war auf jeden Fall eine ziemliche Umstellung und ich kam ganz schön an meine Grenzen. Da meine Mitbewohnerin auch noch eine Stubenhockerin war hatte Ich quasi NIE  meine Ruhe- von Privatsphäre ganz zu schweigen!

Strawberry Rock

Aber ich will nicht alles schlecht reden, ich habe es auch irgendwo genossen immer unter Menschen zu sein. Außerdem war Ich in anderen Apartments, welche sehr sauber und aufgeräumt waren und auch wohnlich sehr gemütlich ausgestattet- also geht es wohl auch anders. ;)

Die Alternative off Campus zu wohnen würde ich jedoch auch nicht in Betracht ziehen, weil man dann die ganze Commuity auf dem Campus nicht richtig wahr nehmen kann und irgendwie in den Aktivitäten und das Leben nicht richtig eingebunden ist.

Der Campus ist nämlich wie ein kleines Dorf, welches man selten verlässt wenn man dort lebt.

Man hat alles was man braucht; Sportmöglichkeiten mit einem Schwimmbad, einen Kindergarten, Supermärkte, Restaurants, Theater und eine kleine Postfiale.

 

Fair

 

Land & Leute

Ich möchte meinen Erfahrungsbericht gerne positiv abschließen und deshalb ist es wichtig zu wissen, dass trotz der intensiven Zeit in der USA (die Präsidentschaftswahl von Donald Trump und die darauffolgenden unfassbaren Proteste) ich durch mein Studium in der sozialen Arbeit sehr viel über das Land und besonders das Bildungssystem und Sozial- bwz. Gesundheitssystem gelernt habe.

 

Einzigartige Begegnungen, bewegende Erfahrungen, tolle Erlebnisse und phantastische Menschen haben die Zeit in Kalifornien zu der besten Zeit meines Lebens werden lassen!

Die traumhaften Landschaften, die Verbundenheit zur atemberaubenden Natur und den Tieren als auch die Herzlichkeit und Offenheit aller Menschen die Ich kennen lernen durften sind für mich wunderschöne und unvergessliche Erinnerungen welche ich um keinen Preis missen möchte!

 

 

Pacific ocean

~ Humboldt County Love ~