Erfahrungsbericht: Andreas Matuschek

Andreas Matuschek
„Wer an der Kultur der Inka interessiert ist und in einem sehr facettenreichen Land sein Auslandssemester machen will, welches in mitten in einer gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung steckt, der ist in Peru richtig, um einen guten Eindruck von Südamerika zu erhalten.“

Ich habe meinen Auslandsaufenthalt in Peru eigenständig, also nicht im Rahmen eines Austauschprogramms oder einer Kooperation zwischen Universitäten, durchgeführt, hatte allerdings bei der Planung und in der Bewerbungsphase Unterstützung durch die Vermittlerorganisation IEC. Der Bewerbungsprozess verlief reibungslos und ich konnte die notwendigen Unterlagen wie beispielsweise den Transcript of Records oder das Motivationsschreiben auf Englisch verfassen. Dieses war sehr hilfreich, weil meine Spanischkenntnisse zu Beginn des Auslandssemesters auf dem Sprachniveau A1 waren. Im Verlauf der Bewerbungsphase habe ich mich entschieden den Campus in Peru innerhalb der USIL von Lima nach Cusco zu wechseln, was ebenfalls kein Problem darstellte. Die Kurse die ich besuchte waren mit Ausnahme des Spanischkurses auf Englisch, dies wählte ich bewusst, um auch inhaltlich von den Kursen zu profitieren und nebenher mit dem Spanischkurs und mit dem Sprechen im Alltag meine Spanischkenntnisse zu erweitern.

Es gibt in Cusco die Möglichkeit zur Unterbringung in Familien oder in einem Hotel, welches mit der Universität zusammenarbeitet. Ich habe mich allerdings gegen beides entschieden und im Vorhinein über Kontakte von Freunden ein Zimmer gesucht. Sicherlich bietet der Aufenthalt in einer Gastfamilie eine gute Möglichkeit eine fremde Kultur und eine peruanische Familie kennen zu lernen, mir war allerdings wichtiger, meine Privatsphäre und Unabhängigkeit zu haben. Letztlich muss jede(r) für sich selbst entscheiden, welche Prioritäten er oder sie setzt.

Eine weitere Komponente bei der Vorbereitung war, dass ich mich vor Beginn meines Auslandssemesters regelmäßig im Rahmen einer Tandempartnerschaft mit einer Peruanerin getroffen habe, um mich etwas auf die Sprache und die Kultur vorzubereiten und einzustimmen.

Als besonderen persönlichen Gewinn sehe ich, dass ich eine gewisse Zeit in der Stadt Cusco, im Zentrum des peruanischen Andenhochlandes verbringen konnte. Die Hauptstadt des Inkareiches mit ihrer indigenen Bevölkerung, überprägt von der spanischen Kolonialzeit und modernes Eintrittstour und Anziehungspunkt für Touristen ins Heilige Tal und zur Inkastadt Machu Picchu machten es für mich zu einer vielfältigen, interessanten Stadt, in der es spannend war, die Menschen auf dem Plaza de Armas oder auf den vielen formellen und informellen Märkten zu beobachten. Es war überdies bereichernd, in mitten der Anden viel über Peru und über deren Bevölkerung zu lernen und für eine bestimmte Zeit daran teilzuhaben.

Ich belegte in Cusco für das Auslandssemester einen Spanischkurs zur Erreichung des Sprachniveaus A2 sowie die Kurse Biodiversität in Peru, Kommunikationspsychologie und Business in Peru und Lateinamerika. Alle meine Dozenten kamen aus der Stadt Cusco oder der Region und somit waren alle Kurse und die dozierten Themen nicht rein theoretisch Art sondern angereichert von vielen persönlichen Erfahrungen. In allen Kursen lernte ich viel über die peruanische Bevölkerung, insbesondere über die Nachfolger der Inka in den Anden, die Kultur und die Art und Weise wie die dort lebenden Menschen denken und fühlen und wie es sich in manchen Bereichen von unserer Kultur, Gesellschaft und Sichtweise auf die Welt unterscheidet. Zudem bekam ich spannende Einblicke über die Situation der Fauna und Flora in Peru und über die Umweltprobleme durch beispielsweise illegalen Bergbau oder Waldrodungen.

Einerseits war das System an der USIL sehr verschult und es galt viele Essays zu schreiben, Prüfungen abzulegen und Referate zu halten. So musste jede Woche mindestens eine größere Seminarleistung erbracht werden. Anderseits wurde aber auch sehr viel diskutiert und in allen Fächern gab es regen Informationsaustausch über die unterschiedlichen Erfahrungen. Somit fand weniger ein Frontalunterricht statt als vielmehr Diskussionsrunden auf Augenhöhen. Dies gefiel mir didaktisch und zwischenmenschlich sehr gut. Wir führten im Rahmen der Kurse auch einige Exkursionen durch, beispielsweise zur Vogelbeobachtung an einen See, zu informellen Märkten oder zum Ministerium für Arbeit und Soziales. Inhaltlich und fachlich empfand ich die Kurse somit als bereichernd und die Dozenten als sympathisch. Alles in allem konnte ich fachlich sowie für mich persönlich etwas mitnehmen.

Ein Rückschlag gleich zu Beginn war, dass das für den Zeitraum des Auslandssemesters gemietete Apartment nicht existierte. Da ich allerdings im Voraus keine Anzahlung getätigt hatte, ging es bei der Enttäuschung mehr um den Verlust vermeintlich geglaubter Sicherheit und Struktur zu Beginn. Mit Hilfe des Leiters der Universidad San Ignacio de Loyola konnte ich relativ schnell ein neues Apartment in guter Lage zu einem bezahlbaren Preis finden und so kam ich mit ein paar Tagen Verzögerung dann schnell in Cusco an. 

In einer Hinsicht wurde meine Erwartung insofern enttäuscht, als dass ich in Cusco mit nur weiteren 14 Studenten studierte und es an meiner Universität leider keine einheimischen peruanischen Studenten gab. Der Vorteil hierbei war, dass in den Kursen angeregt diskutiert wurde und eine sehr gute Studenten-Dozenten-Atmosphäre entstehen konnte. Von Nachteil war, dass nicht mit gleichaltrigen Peruanern ein Kultur- und Sprachaustausch stattfinden konnte. Ich lernte während meines Aufenthalts in Peru dennoch einige Peruaner kennen und unternahm viel mit Ihnen, sodass ich viel über die Kultur lernte und meine Spanischkenntnisse verbessern konnte. An der USIL in Lima gibt es neben den Studierenden aus dem Ausland auch tausende von Einheimischen Studierenden, da der Campus in Cusco aber erst im Entstehen ist, bemüht sich die Universitätsleitung derzeit darum auch peruanische Studierende zu gewinnen. Somit kann es sein, dass im Verlauf des Jahres 2016 die Situation vielleicht schon eine Andere ist.

Insgesamt würde ich aufgrund des fachlichen und persönlichen Gewinns, trotz der Enttäuschungen, ein Auslandssemester an der Universidad San Ignacio de Loyola in Cusco empfehlen. Es werden ebenfalls vereinzelt Kurse auf Spanisch angeboten, um diejenigen zu adressieren, die bereits ein höheres Sprachniveau zu Beginn haben. Wer zudem an der Kultur der Inka interessiert ist und in einem sehr facettenreichen Land sein Auslandssemester machen will, welches in mitten in einer gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung steckt, der ist in Peru richtig, um einen guten Eindruck von Südamerika zu erhalten. Die Menschen sind ebenfalls sehr extrovertiert und es ist daher leicht in einen kulturellen Austausch zu treten. Wer jedoch an einem großen Campus mit vielen Einheimischen studieren möchte, dem sei angeraten das Auslandssemester an der Universidad San Ignacio de Loyola in Lima zu verwirklichen.