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Individual Assignments, Group Assignments, Presentations and Exams - alles fuer einen Kurs

Das Arbeitspensum des australischen Studiums is tatsaechlich ein anderes als in Deutschland. Einige wuerden es verschult nennen, ich nenne es Konfliktmanagement!

Denn im Gegensatz zu deutschen Vorlesungen oder Seminaren, wo man am Ende des Semesters eine Klausur und/ oder Hausarbeit schreibt, gehoeren folgende Elemente in australischen Vorlesungen und Seminaren zum Pflichtprogramm:

1.) Anwesenheitspflicht (Anwesenheitslisten gehen rum und am Ende des Semester    muessen 80% Anwesenheit nachgewiesen werden)

2.) Individual Assignement (meist ueber 2.000 Woerter zu einem bestimmten Thema)

3.) Group Assignment - haengt ganz vom Professor ab. Ich hatte in einen Professor, der eine schriftliche Gruppenarbeit von 6 Teammitgliedern je Gruppe wollte, wobei jeder 2.000 Woerter schreiben sollte. Am Ende muss man also irgendwie 12.000 Woerter (ca 40 Seiten) sinnvoll koordinieren. Dies war auch meine groeste Herausforderung, da 98% der Mitstudenten Asiaten sind und das Sprachniveau einen Riesenunterschied aufweist! Zusaetzlich arbeiten Asiaten anders als Deutsche (kennt man ja schon aus Europa mit den kulturellen unterschieden). Man muss ist also hauptsaechlich damit beschaeftigt Anweisungen zu erteilen, zu kontrollieren udn Feedback zu geben. Eine Art Dozent also. Dies kann extrem frustrierend sein, jedoch gehoert es leider zum australischen Standrad solch eine "Teamarbeit" zu foerdern. ich empfand es eher also unausgeglichenes Stressniveau, da nicht nur das Alter sehr unterschiedlich war (ich war die Aelteste mit 27 Jahren...meine Kommilitonen im MASTERSTUDIUM waren zwischen 20-22 Jahre alt), sondern auch das tatsaechliche Wissen. Man wurde oft aabgehalten von wirklich wichtigen Dingen!

Ein anderes Group Assignment war hingegen wesentlich entspannter mit nur 500 Woertern pro Teammitglied. Kann aber auch daran gelegen haben, weil wir ein euorpaeisch gemixtes Team hatten und daher eine aehnliche Arbeitsweise an den Tag legten.

 

Fazit: diese Groupassignments tragen weniger zur Bildung von Teamkompetenzen bei als viel mehr die Faehigkeit zum Anleiten von Personen. Wer sich dies von vornherein bewusst macht, wird am Ende vielleicht weniger frustriert sein.

 

4.) Presentations: die duerfen natuerlich auch nicht fehlen. Diese sind jedoch weniger anstrengend als die schriftlichen Gruppenarbeiten, da man das Gleiche ja aus Deutschland kennt und lediglich eine Power Point Praesentation = handouts vorbereitet werden muessen. Aber auch hier Obacht bei der Partnerwahl. Die Asiaten stuerzen sich auf einen, da man zu der selten Minderheit eines Europaeers gehoert. Wenn sie dann noch Erfahren, dass man deutsch ist fuehlen sie sich wie im 7. Himmel. Das hoert sich alles sehr klischeehaft an, aber diese deutsche Stereotyp: puenktlich, fleissig und effizient ist in auslaendischen koepfen stark verankert. Das ist nett auf der einen Seite, setzt einen aber auch sehr unter Druck, da man leicht das Gefuehl bekommt, dass andere sich auf den "deutschen Ehrgeiz" verlassen...

5.) Exam/ Test: Da einem Studenten ja nicht langweilig werden soll, gibt es entweder am Ende des Semester ein Abschlussexamen oder einen Zwischentest und einen Endtest. Ich fine die Testversion besser. Das Abschlussexamen am Ende zaehlt zwar nur ca. 40% zur Gesamtnote bei, aber der Lernumfang ist aehnlich hoch wie in Deutschland. Nicht alle Professoren grenzen den Inhalt ein, weswegen man nach all den Hausarbeiten und Praesentationen auch noch mit Lernen fuer ein Exam beschaeftigt ist.

 

Gesamtfazit: die Lernmethoden sind nicht schlecht, da man Stoff aus den Vorlesungen auf verschiedene Weisen wiederholt und verankert. Ausserdem hat man die Moeglichkeit seine Note aus verschiedenen Komponenten zusammenzusetzen (nicht jedem liegen 100% Abschlussklausuren). Das Problem stellt im BWL Bereich jedoch tatsaechlich das unterschiedliche Niveau von vorausgegeangener Erfahrung und Wissen aus Praxis und Theorie + mangelnder Sprachfaehigkeit vieler Mitstudenten. Viele masterstudenten in BWL kommen aus reichem Elternhaus und werden sich um ihren zukuenftigen Job weniger Gedanken machen muessen, weswegen noten nebensaechlich sind. Dies kann frustrieren, aber auch als Ansp*** wirken, wenn man es als Experiment zur Entwicklung seiner eigenen Faehigkeiten betrachtet.

Denkt nur daran eure Zeit einzuteilen! Ich wuerde es auf keinen Fall empfehlen mehr als 3-4 Kurse zu waehlen, da der  Arbeitsaufwand um einiges hoeher ist als in Deutschland! Ich habe mich nie so sehr wie eine Studentin gefuehlt, wie hier in Australien. Ich glaube ich war noch nie so oft in einer Bibliothek waehrend eines Semester! :)

Ich weiss, dass sich diese Aussagen teilweise sehr klischeehaft und drastisch anhoeren, jedoch ist dies die Erfahrung, die ich hier gemacht habe und die mir nicht nur von Mitstudenten bestaetigt wurde, sondern auch von den betreffenden Studenten selbst (z.B das noten nebensaechlich sind und es nur ums "bestehen" geht).

 

Trotz allem wuerde ich ein Studium bzw ein Auslandssemester in Australien empfehlen. Man sollte nur wissen in welchem Fachbereich man an welcher Uni studiert. Erfahrung und Wissen wird man auf jeden Fall mitnehmen! Daran ist kein Zweifel! Und ich bin nun eine halbe Expertin im Umgang mit vietnamesischen, chinesischen und indischen Mitstudenten! :) 

Stefanie Gerken zuletzt bearbeitet am 20.06.2012