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Thomas Fire Ventura County

Hallo zusammen,

wie wahrscheinlich viele von euch gehört haben, ist am 4. Dezember 2017 das "Thomas Fire" in Santa Paula ausgebrochen. Santa Paula ist nur 20 Minuten von meinem Wohnort Oxnard und von der CSUCI in Camarillo entfernt, weshalb von dem Feuer unmittelbare Gefahr für alle Menschen in der Umgebung ausging. Aktuell (Stand 22.12.17) ist das Feuer zu 55% unter Kontrolle, und das bei einer Größe von 1100 Quadratkilometern. Betroffen sind die Bezirke Ventura County und Santa Barbara County. In diesem Bericht möchte ich euch berichten, wie ich das Feuer persönlich miterlebt habe.

4. Dezember 2017

Am 4. Dezember fuhr ich abends nach meiner Nachtvorlesung nach Hause Richtung Oxnard, als ich von einigen Freunden schon Bilder von einem gerade erst ausgebrochenen Feuer schickten. Unbefangen, und obwohl wir nicht einmal wussten, wo das Feuer genau war, fuhr ich mit einem Freund Richtung Feuer. Auf dem Weg dahin merkten wir schnell, dass es nicht so harmlos war wie es vielleicht auf den ersten Blick ausgesehen hatte. Um unser Auto herum sammelte sich schon der Rauch und wir konnten kaum noch irgendetwas vor der Frontscheibe wahrnehmen. Ohne wirklich etwas zu erkennen, hörten wir plötzlich einen dumpfen Aufprall: Ein vertrochneter Wüstenläufer (kennt ihr bestimmt aus den Westernfilmen) hatte unser Auto erwischt. Plötzlich waren wir nicht mehr so sicher, ob es soo eine gute Idee war, Richtung Feuer anstatt nach Hause zu fahren. Trotzdem fuhren wir weiter und sahen das Feuer schon näher kommen. An einer Brücke angekommen, hatte man einen guten Blick auf die Ausmaße des Feuers - es war viel größer als erwartet!

Da wir ja jetzt das Feuer gesehen hatten, entschieden wir uns nach Hause nach Oxnard zu fahren. Wir dachten, wir würden uns dadurch vom Feuer entfernen...leider war dies nicht wirklich der Fall. Wir fuhren die Ventura Road herunter, als die ersten Ampeln nach und nach ausfielen. So weit so gut, dachten wir, zu Hause würden wir schon noch Strom haben. Falsch gedacht... Wir bogen rechts auf die Fifth Street ab, aber schon fielen die Straßenlaternen nach und nach aus. So langsam konnten wir uns schon denken, was uns zu Hause erwartete: Kein Strom!

Zu Hause angekommen stellten sich unsere Befüchtungen leider als Wahrheit heraus: Kein Haus in unserer Straße hatte noch Strom. Über (mehr oder weniger funktionierendes) mobiles Internet erfuhren wir, dass auch an der CSUCI der Strom ausgefallen war und die Bibliothek daher spontan geschlossen wurde. Ohne Wlan, Fernsehen, oder vernünftiges Internet war es natürlich umso schwerer, an aktuelle Informationen über das Feuer zu kommen. Plötzlich bekamen wir eine Benachrichtigung von Google, das anscheinend unsere aktuelle GPS Position erfasst hatte: "Ventura County Evacuate Immediately!" Unter den betroffenen Städten wurden sowohl Camarillo als auch Oxnard aufgeführt. Ich müsste lügen, wenn ich jetzt sagen würde, dass einem das kein ungutes Gefühl gibt. Eine gute Nachricht: Immerhin die Evakuierung stellte sich als noch nicht notwendig heraus. Und so verharrten wir den Abend und die Nacht über im dunklen Haus ohne Strom, unwissend was das Feuer noch für Ausmaße annehmen würde.

Die Tage danach...

Als ich am Dienstagmorgen aufwachte, wusste ich ehrlich gesagt nicht einmal, ob ich an diesem Tag zur Uni fahren würde. Immerhin gab es wieder Strom, sodass ich online herausfinden konnte: Die Uni findet statt. Okay. Also fertig gemacht und gerade die Tür geöffnet, da bemerkten wir auch schon den unangenehm strengen Geruch nach Rauch draußen. Trotzdem fuhren wir zur Uni, wo es leider auch nicht besser roch. Später wurden aus diesem Grund alle Vorlesungen ab 4pm abgesagt.

Als am Mittwoch und Donnerstag aufgrund des sich ausweitenden Feuers die Uni komplett geschlossen und das Semester unterbrochen wurde, fragen wir uns langsam, was denn eigentlich passieren würde, falls in der Finals Week keine Uni stattfinden würde. Die Antwort sollte wohl "Semesterverlängerung" lauten, was mir natürlich gar nicht gefiel, da mein Flug schon in der darauf folgenden Woche abheben sollte.

Die Tage nach dem Ausbruchs des Feuer waren dominiert von Rauch in der Luft, was zur Folge hatte, dass viele Einwohner mit Atemschutzmaske herumliefen um sich halbwegs vor den Schadstoffen in der Luft zu schützen. Ich schloss mich den Maskenträgern an, da es ohne Maske wirklich an manchen Tagen unerträglich war. Und so vergingen die Tage und so langsam kehrte wieder "Normalität" ein. Nicht wirklich normal, aber das Tragen der Maske wurde zur Normalität und man gewöhnte sich daran, die Powerbank lieber aufzuladen, falls der Strom nochmal ausfallen sollte.

Eine "glückliche" Nachricht gab es dann noch: Die Final Exams konnten wir geplant in der darauf folgenden Woche geschrieben werden, sodass das Semester am Ende doch nicht verlängert werden musste.

Trotzdem ist das Feuer noch lange nicht gelöscht oder komplett unter Kontrolle. Das Thomas Fire wird aktuell als die verheerendste Feuerkatastrophe in der jüngeren Geschichte Kaliforniens gehandelt. Es ist wirklich heftig, darüber nachzudenken, dass eine Änderung der Windrichtung dazu geführt hätte, dass Oxnard und Camarillo evakuiert worden wären. Natürlich bin ich froh, dass es nicht soweit kam, aber statt uns hat es die Stadt Ventura nur 10 Minuten von Oxnard getroffen und Teile von Santa Barbara County.

Ich muss wirklich sagen, dass ich bei Antritt meines Auslandssemesters nicht damit gerechnet hatte, dass wirklich genau dann ein Feuer ausbrechen würde. Jetzt wo ich die Situation live miterlebt habe, kann ich mich umso besser in die Situation der Einheimischen einfühlen und besser verstehen, wie das Feuer den Alltag und die Leben aller beeinflusst. 1200 Häuser sind nach aktuellem Stand abgebrannt, was unfassbar viel ist. Wer weiß, wann das Feuer komplett gelöscht wird und wie viele Menschen es dann betroffen haben wird.

Hier noch ein Einblick vom 4. Dezember - Ein Blick aus meinem Badezimmerfenster:

Bis dann,

Nicola

 

 

Nicola Spillner zuletzt bearbeitet am 23.12.2017