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Midterms / Prüfungen

International Building

Hello everyone!

Momentan stecke ich mitten im Prüfungsstress, was mich dazu bringt euch ein bisschen genauer zu erzählen wie es hier in Kanada abläuft. Midterms sind hier ein fester Bestandteil des Curriculums, d.h. im Oktober werdet ihr eure ersten größeren Prüfungen haben. Manche wollen eine Hausarbeit, manche schreiben Klausuren. Generell ist der Inhalt der Kurse hier in viele verschiedene Prüfungen über das Semester aufgeteilt, im Gegensetz zu eine Klausur am Ende wie bei uns. Hier hat man mehrere kurze assignments, meistens Arbeiten um die 5 Seiten, Tests, Präsentationen und natürlich Beteiligung am Unterricht. Anders als in vielen deutschen Universitäten, wird die Anwesenheit hier geprüft. Das gesamte System erinnert damit etwas mehr an die Schule als an das was wir von Universitäten gewöhnt sind.

Hallway

Manchen mag dies vieles erleichtern, ich finde es ziemlich ungewohnt und stressig und vermisse die Unabhängigkeit die man in Deutschland hat. Ich bin es gewohnt selbst verantwortlich zu sein, ob und wie ich den Lernstoff bearbeite und mir durchaus selbst Dinge zu erklären. Hier ist vieles an die Kurse gebunden, daran die Aufgaben (was mich sehr an Hausaufgaben erinnert) rechtzeitig zu bearbeiten und dem Lehrer zuzuhören. Besonders in der Zeit der midterms führt dies dazu, dass vieles nur bearbeitet wird um die Aufgaben zu schaffen und die nötige Zeit für eine ordentliche Auseinandersetzung mit dem Material ist mitunter schwierig da man viele gleichzeitig erledigen muss. Außerdem sind die ersten `Prüfungen´ manchmal so früh, dass einem die Relation zu weiterem Lernstoff aus späteren Unterrichtseinheiten fehlt um eine Verbindung zum gesamten Inhalt herstellen zu können.

 

Der Lernstoff selbst ist hier allerdings auf einem recht hohen Niveau. Besonders im höheren Semester erwarten die Dozenten viel – auch wenn Selbstständigkeit hier weniger vorausgesetzt wird als bei uns – und man lernt durchaus viel Neues, was man auch später in der Praxis gebrauchen kann (abhängig von der Studienrichtung, natürlich). Es kommt zwar durchaus vor, dass gewisse Inhalte wiederholt werden welche man in Kursen in Deutschland bereits hatte. Generell bin ich aber mit dem Lernstoff sehr zufrieden und auch die Qualität des Unterrichtes ist sehr gut. Die Dozenten selbst, zumindest meine, sind auch sehr hilfsbereit und immer ansprechbar wenn es Probleme gibt. Viele von ihnen versuchen hier eine lockere Atmosphäre zu schaffen – Essen und Trinken ist zum Beispiel erlaubt – und werden mit Vornamen angesprochen, wodurch man ein relativ entspanntes Verhältnis zu ihnen hat und eher bereit ist, sie um Hilfe zu bitten.

 

Zurück zu den Prüfungen. Neben der ungewohnten Anzahl an Prüfungen, werden euch vielleicht auch die formellen Vorgaben überraschen. Generell gilt hier Schriftgröße 12 mit doppeltem (!) Zeilenabstand. Für euch heißt dies, dass eine Hausarbeit von 15 Seiten für uns eher 8 Seiten sind, der Zeilenabstand macht viel aus. Auch das Zitieren ist hier anders, obwohl dies in Deutschland auch sehr verschieden gehanhabt wird. APA ist hier die Einheitsregelung und auch eines der leichtesten Systeme die ich bisher gesehen hab. Im Punkt Sprache braucht man sich relativ wenig Gedanken machen – viele der Dozenten sind sehr zuvorkommend gegenüber internationalen Studenten und sehen den Inhalt als wichtiger an als die Sprache. Manche werten schlechteres Englisch bei nicht-Muttersprachlern zum Beispiel überhaupt nicht. Der einzige Kurs wo dies vielleicht anders ist, ist der Sprachkurs, welchen ich allerdings nicht belege.

Study View

Was Ressourcen für eure Arbeiten angeht: die TRU hat diverse Bibliotheken, einen Online-Katalog mit Zugriff auf Artikel und Zeitungen und viele Plätze zum Lernen. Über den ganzen Campus sind Sitzgruppen verteilt, viele sogar mit Steckdosen für Laptops. Es gibt ein paar Räume und Computer Labs welche während der Woche und zur Prüfungsphase 24 Stunden geöffnet sind. Auch die Möglichkeit kleine Seminarräume für Gruppenarbeiten zu buchen ist gegeben. Generell ist es hier relativ einfach vom Campus aus zu Arbeiten. Einen Tag in der Woche gibt es die Möglichkeit sich etwas zu entspannen und Hunde zu knuddeln, beim Treffen mit den Anti-Stress Dogs.

Starbucks

Alles in allem dürft ihr den Arbeitsaufwand hier auf jeden Fall nicht unterschätzen, welcher (in den meisten Fällen) um einiges höher ist als in Deutschland. Wenn ihr also auf der Suche nach einem entspannten Semester mit viel Freizeit und wenig Verpflichtungen an der Uni seid, ist Kanada die falsche Adresse. Zum Thema Freizeit und Studentenleben werde ich euch aber im nächsten Beitrag noch mehr berichten.

 

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Anne Voretzsch zuletzt bearbeitet am 29.11.2016