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Live Action Role Playing irgendwo im Nirgendwo

Southampton Solent University Blog | 8

Live Action WAAS?! Denken sich jetzt wahrscheinlich die meisten, so hatte auch ich reagiert, als ich es zum ersten Mal gehört hatte. Bevor ich aber erkläre was das ist – erstmal wie ich dort gelandet bin.

In einem meiner Kurs „The Politics of Non-Fiction“ müssen wir alle ein 5 bis 10 minütige Dokumentation zum Ende des Semesters abliefern. Da es ziemlich schwer und beinahe unmöglich ist einen guten Film alleine zu machen, helfen wir uns innerhalb der Klasse gegenseitig aus. Nun musste jeder seine Ideen vorstellen, eine Idee auswählen und wöchentliche Updates liefern. Joe, einer meiner Kommilitonen, hatte die Idee seine Dokumentation über, na sowas, LARPing zu machen. Nachdem relativ kurz nach seinem Pitch ein relativ großes Event der Szene anstand bat Joe um dringende Hilfe – um Schlafplatz, An- und Abreise und Verpflegung würde gesorgt werden. „Ein ganzes Wochenende im süden Wales um zu filmen – logo“, dachte ich mir motiviert und bat meine Hilfe an. So kam es zustande, dass Joe, Ed, Lizzy (zwei weitere Kommilitonen) und ich uns an einem Freitag auf eine, sagen wir mal interessante, Reise begaben.

Behind the Scenes

Nun zum LARPing – LARPing bedeutet Live Action Role Playing, viele sagen es ist wie Dungeons and Dragons im echten Leben (allerdings nicht zu vergleichen mit Stranger Things). Im Grunde genommen lebt jeder Spieler seinen eignen fiktionalen Charakter und bringt in damit ins echte Leben. Diese Charaktere haben, wie in Role Playing Games, verschiedenen Eigenschaften und/oder mystische Kräfte oder Vergleichbares. Jetzt denken sich einige vielleicht „wie auf einem Mittelaltermarkt“, das ist nur so halb richtig. LARPer schlüpfen voll und ganz in Ihre Rolle – keine neuen Technologien erlaubt + sie tun dies nicht für ein paar Stunden, sondern von früh (ca. 10 Uhr) bis spät nachts (2 Uhr) ohne Pause. Selbst wenn gegessen wird, wird darüber, natürlich als Charakter, diskutiert wie am besten weiter vorgeht (hier ist Kelch und Wein ein muss). Des Weiteren sind die Charaktere nicht einfach da, um bestaunt zu werden, sondern sie spielen ein Spiel, eine Story, welche sie natürlich voranbringen wollen.

Wein

Jeder dieser Figuren hat besondere Eigenschaften, die einen haben hervorragende Kampferfahrungen, sind Doktor, unsichtbar, haben heilende Kräfte, magische Kräfte, können eine bestimmte Sprache sprechen, die Liste ist endlos.

Um zu kämpfen, braucht man natürlich Waffen, so spielen die Spieler mit selbst gebastelten oder gekauften Waffen (meist aus Schaumstoff). Es werden aber auch Pfeil und Bogen (natürlich mit isolierter Spitze) benutzt oder, ich sage mal, Karnevalpistolen oder Gewehren.

Die Spieler spielen im Grunde alle zusammen – die Organisatoren der Events wählen eine Story und bringen dieses mit verschiedenen Handlungen voran. Aber auch die Spieler können die Handlung je nach ihren Entscheidungen und Handlungen beeinflussen – so erforschte die Gruppe zum Beispiel die Waldlandschaft viel zu lange, sodass die „Baummonster“ geweckt wurden und die Spieler angriffen.

So, nun zum „Irgendwo im Nirgendwo“ Teil. In Bridgend angekommen nahmen wir ein Taxi zum Austragungsort, alleine das war eine Meisterleistung, da wir mit 2 Kameras inkl. Stativ, Licht, Sound und unserem eigenen Gepäck angereist sind. Irgendwann standen wir tief in einem stockdusteren Wald (es wahr 18 Uhr), ohne Handy Netz vor Toren und wussten nicht mehr weiter, sind dann auf gut Glücke durch das einzige offene Tor gefahren, um an eine abgelegene Hütte auszusteigen – das Headquarter. Der Veranstalter begrüßte uns freundlich und teilte uns mit, dass der Generator leider ausgefallen ist und es zudem zu wenig Schlafplätze gibt.

Wir, ein wenig planlos, entschieden uns die Situation anzunehmen und zu hoffen, dass der Generator am nächsten Morgen wieder geht, da wir unsere Batterien für das Equipment aufladen müssten. Nachdem der Strom nicht ging, konnte das geplante Kochen auch nicht stattfinden und so wurde auf gut menschliche Art Essen bestellt. Mittlerweile war es 10 Uhr und A****kalt. Dennoch entschlossen wir uns, im dusteren Wald den Spielern zu folgen, um eine Idee zu bekommen was uns die Folgetage erwarten würde. Nach den ersten kalten aber interessanten Eindrücken gingen wir um ca. 2 Uhr „ins Bett“ aka Isomatte auf einem Steinboden mit ca. 20 Schichten Klamotten und Schlafsack.

Nach der kurz geratenen kalten Nacht (Joe und ich konnten relativ gut schlafen, Ed und Lizzy dagegen eher weniger, was auch daran lag, dass neben uns, die ganze Nacht lang, ein Baum gefällt wurde) entschlossen wir uns, diese Doku so schnell wie möglich zu filmen, sodass wir noch am selben Tag wieder abreisen könnten (der Generator viel das ganze Wochenende aus).

Mit vereinten Kräften managten wir es, alles Geplante zu filmen und abzureisen – wir kamen um Mitternacht zu Hause an und konnten es alle nicht abwarten ein Bett zu haben (Sidenote: es ist interessant, wie warm ein Taxi ohne Heizung sein kann, wenn man total durchgefroren ist).

Jetzt möchte ich noch kurz eine Szene vom LARPing mit euch teilen um klar zu machen, wie ernst die Spieler ihre Sache nehmen.​

Die Spieler wurden gerade angegriffen und einer der Sklaven suchte Hilfe bei einem Elf-Artigen Spieler, welcher einen Zauberspruch ausführte. Der Elf nahm also sein Buch, verschiedene Steine und Gitterartiges Pulver aus seiner Tasche – suchte nach dem Spruch und begann diesen auszuführen. Leider machte er einen Fehler und verlor seine Hände. Nachdem gerade ein Kampf vor sich ging erlaubte der Elf dem Sklaven dessen Waffen zu nehmen um Hilfe bei dem Doktor zu suchen. Der Doktor informierte seinen Assistenten und bereitete die Operation vor. Nun wurde dem am Boden liegenden Elfen über ein paar Minuten hinweg die Hände wieder angenäht, sodass er wieder voll funktionstüchtig war.

LARPing

Es ist schwer sich vorzustellen wie es ist aber, wenn man einmal gesehen hat was beim LARPen so vor sich geht ist man fasziniert. Die Spieler haben alle einen normalen Job und nutzen dieses Hobby als Zuflucht. Alles in allem war es trotz der Umstände eine sehr interessante Erfahrung, die Spaß gemacht hat!

Zauberei


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Marina Pfeffer zuletzt bearbeitet am 24.11.2016