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Islamic Jurisprudence

 

Nach dem schönen Phillip Island Trip und diversen Unternehmungen in Melbourne ging natürlich auch die Uni weiter. Mein letzter Kurs befasste sich mit dem islamischen Recht (Shari’a). Der Kurs war nicht allzu groß. Wir waren insgesamt 15 Studenten. Darunter mehrere  Australier, ein Kanadier, zwei aus Bangladesch, einer aus Libyen und einer aus Kurdistan, außerdem eine Nepalesin und ein Thailänder. Die Dozentin war eine Australierin, welche allerdings über 10 Jahre in verschiedenen muslimischen Ländern gelebt und gearbeitet hat.

 

Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Tagesgeschehnisse in Syrien und im Irak fand ich es spannend, mehr über den Islam und die verschiedenen Quellen des Rechts zu erfahren. Der erste gravierende Unterschied zwischen dem westlichen Recht und dem Islamischen ist der, dass es im Islamic Law keine Trennung zwischen Kirche und Staat gibt. Die Rechtsquellen bestehen aus Primärrecht und Sekundärrecht. Die ‚primary sources‘ sind der Koran (Wort Gottes) und die Sunnah (Traditionen und Gewohnheiten des Propheten Mohammed). Die ‚secondary sources‘ nennen sich ijma (consensus) und qiyas (analogical reasoning). Nur, wenn die Primärquellen keine Antwort auf die Frage haben, darf auf die Sekundärquellen zugegriffen werden. Muslime glauben, dass das Recht von Gott gemacht wurde und vom Menschen nicht geändert werden darf (divine law).  Anders ist es in unserem westlichen Rechtssystem, in welchem das Recht sich über die Jahre entwickelt hat und sich auch noch entwickeln wird, weil es sich an die geänderten Umstände der Gesellschaft anpassen muss. Das Recht ist von Menschen gemacht (human law) und Kirche und Staat sind vor langer Zeit voneinander getrennt worden. Der zweite gravierende Unterschied ist, dass das islamische Recht nicht nur den öffentlichen Bereich, sondern auch den privaten Bereich regelt. So ist beispielsweise vorgeschrieben, wie oft am Tag man beten sollte und dass man sich vorher die Hände waschen soll. Schweinefleisch ist nicht erlaubt, genauso wenig wie Alkohol. Wenn etwas nicht erlaubt ist, wird es als ‚harram‘ bezeichnet. Ist es erlaubt, heißt das ‚hallal‘. Oft sieht man an muslimischen Imbissbuden das Wort ‚hallal‘. Ich wusste vorher nicht genau, was es heißt. Jetzt weiß ich, dass alles, was es in diesem Laden zu essen gibt, mit den muslimischen Regeln konform ist, was so viel bedeutet wie dem Willen Gottes entspricht.

Es war nicht immer leicht für mich, dem Kurs zu folgen, da viele der arabischen Wörter verwirrend und schwer auszusprechen und voneinander zu unterscheiden waren. Aber nach einem Tag hab ich mich daran gewöhnt und konnte mir zumindest die häufig gebrauchten Vokabeln merken. Im Kurs wurden immer wieder Diskussionen geführt und dabei gab es ganz unterschiedliche Standpunkte. Gerade, weil auch einige Muslime im Kurs waren, waren die Diskussionen spannend und man bekam einen anderen Blickwinkel zu sehen. Jeder musste eine 45-minütige Präsentation halten. Meine Partnerin war Muslimin, ist jedoch in Australien geboren und aufgewachsen. Schon bei der Vorbereitung unseres Referats haben wir anregend diskutiert. Ich konnte sie einiges zum Thema fragen, wie es ist, Moslem in einer nicht muslimisch geprägten Gesellschaft zu sein.

Jedenfalls war der Kurs für mich sehr spannend und hat mein Wissen in diesem Bereich erweitert. Jedoch wurde meine negative Einstellung gegenüber dem islamischen Rechtssystem noch verstärkt. Ich werde mich jetzt noch ein paar Wochen in einer Hausarbeit mit dem Thema beschäftigen.

 

Mein Kurs beim Abschlussessen

Susanne Petrikowski zuletzt bearbeitet am 15.10.2014