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Unterschied zu Deutschland

Studieren an der University of Technology, Sydney unterscheidet sich wesentlich von der Art des Studiums, welches ich an der TU Dortmund und generell in Deutschland kennen gelernt habe.

Erster Unterschied ist die Anzahl der Kurse pro Semester. In Deutschland hatte ich pro Semester innerhalb meines Information- und Kommunikationstechnik Studiums im Bachelor drei Kurse pro Semester, mit jeweils 9 bis 12 credits pro Kurs. Hier an der UTS habe ich standardmäßig 4 Kurse pro Semster, jeweils 6 credits. Die Mathematik sagt uns also, dass ein deutsches Semester einen „Wert“ von mindestens 27 credits hat und ein australisches Semester nur 24 credits wert ist… Was das jetzt genau heißt? Keine Ahnung!

Wesentlich unterscheidet sich auch die Beziehung zwischen Professor und Student; das Duzen ist hier selbstverständlich, wodurch die Vorlesungsatmosphäre sehr viel entspannter und informeller wird. Mehr Fragen werden gestellt und Diskussionen offen geführt.

In Deutschland habe ich das Studium während des Semesters als recht „entspannend“ empfunden, da meistens nur kleine Pflichtabgaben oder im höheren Semester gar keine Pflichten mehr anstanden. Die Wochen vor den Klausuren waren jedoch geprägt von Schlafmangel und Koffeinüberschuss. Falls man durch eine Klausur durchgefallen ist, wiederholt man diese einfach am Ende der Semesterferien oder dreht sogar noch eine dritte Runde im nächsten Semester. An der UTS gibt es keinen 2. Klausurtermin innerhalb eines Semesters, d.h. wenn man in einem Semester durchfällt, kann die Klausur frühestens im nächsten Semester wiederholen (das UTS Verfahren sehe ich übrigens als sehr, sehr negativ an). Während des Semesters hat man eine Menge zu tun. Einige Beispiele: Analyse/Evaluierung eines gescheiterten Großprojektes mit Budget > $5M. Das Gruppenprojekt dauerte 1.5 Monate. Analyse/Evaluierung der Value Chain von BHP Billiton, Weltführer in Eisenerz Mining (Dauer: gesamtes Semester). Erstellen eines Business Plans (mindestens 70 Seiten, 0.5 Semester) oder Research für die Erstellung eines wissenschaftlichen Papers mit Fokus auf die Risikoanalyse von 6 australischen Großunternehmen. Alles in allem bin ich hier in Australien im Semester weit, weit mehr beschäftigt als in Deutschland (das empfinde ich übrigens als sehr, sehr positive). Vor allem die Teamarbeit mit Kommilitonen aus der gesamten Welt schätze ich sehr. Man lernt recht schnell wie verschiedene Kulturen mit Kritik umgehen und die Deutsche Pünktlichkeit nicht überall in der Welt als selbstverständlich gilt.

Zum Thema Klausuren: open-book wie auf closed-book, 2 oder 3 Stunden sind normal. Jedoch gibt es hier auch mid-term Klausuren, d.h. 1 Stunde Klausur in der Mitte des Semesters (nicht in allen Fächern). Es gibt Fächer in denen keine Klausur am Ende des Semesters ansteht. Stattdessen ist der Workload innerhalb des Semesters wirklich brutal. Ebenfalls gibt es die Regel, dass man 50% während des Semesters in Assignments erhalten muss und 50% im final exam. Andere Professoren oder Subject Coordinators haben die Regel, dass man overall 50% haben muss, d.h. wenn man 50% der Gesamtpunkte während des Semesters erhalten hat, könnte man ohne weiteres auf die Klausur verzichten (und durchfallen). Das Subject hätte man dennoch bestanden (ebenfalls eine Regel, die ich als sehr, sehr positive empfinde).

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich extrem viel wertvolles Knowhow in den Vorlesungen sammeln konnte und die internationale Atmosphäre unglaublich klasse ist!

Wie immer gilt: wer Fragen hat, immer her damit! jan3.schroeder[at]tu-dortmund.de

 

Cheers!
Jan

UTS

Jan Schröder zuletzt bearbeitet am 21.10.2015