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Tanzbarer Untergrund in Newcastle?

Die großen Weggehtage in Newcastle beschränken sich hauptsächlich auf Mittwoch und ab und an auf das Wochenende. Da sich größere Unternehmungen (Ausflüge nach Melbourne, Sydney oder in nahegelegene Nationalparks etc.) bei den meisten internationalen Studenten hauptsächlich auf das Wochenende verlagern, trifft man sich häufiger Mittwoch in einen der lokalen Clubs. Mich konnte man bis jetzt in vier verschiedenen Clubs beobachten:

1.     Brewery (http://qwb.com.au/): In der Nähe von Newcastle Habour befindet sich eine Mischung aus Bar, Restaurant und tanzbarem Untergrund. Wie fast überall in Newcastle wird man hier von einem mittelmäßigen Standardmix aus Charts und aus dem Radio bekannten Electro- und Hip-Hop-Beats empfangen. Da die Australier gern mal zu tief ins Glas schauen, trifft man hier auch gern auf kleinere Schlägereien (oder findet sich unbeabsichtigter Weise auf einmal in der Mitte des Geschehens wieder), welche die Security allerdings mit beherztem Einsatz wieder zerkrümelt. Dann heißt es plötzlich: „Ey, du kommt hier nicht rein!“ Ich musste feststellen: Friedlich und lieb gucken bringt da gar nichts. Wenn man sich dann allerdings unsichtbar macht und einfach den zu groß geratenen Türsteher ignoriert, dann funktioniert das mit dem Tanzabend schon irgendwie. Spätestens 2 Uhr enden die Tanzmittwoche allerdings – wenn nicht sogar eher. Da fragt man sich doch schon ab und an: „War’s das jetzt schon? Dafür zahlt man hier aber auch keinen Eintritt.

2.     Fannys (http://www.fannys.com.au/): Falls man es nicht mehr rechtzeitig vor Einlassende in die Brewery geschafft hat, dann bietet sich als Alternative das Fannys an, welches sich in erlaufbarer Entfernung von der Brewery befindet. Das Fannys öffnet die Türen ein Stückchen länger als die Brewery. Was lässt sich sonst noch zum Fannys sagen? Das Fannys hat eine sehr strenge Security. Sollte man also einmal in mit ein paar Bierchen zu viel in die falsche Richtung schielen, so endet der Abend abrupt. Ich bin meistens zu geizig, um 8 Dollar für ein Bier auszugeben, was mir nicht schmeckt, deshalb bin ich dann doch meist Beobachter der Ereignisse. Es ist auf alle Fälle nicht ganz leicht, der erzürnten Begleitung klar zu machen, dass es keinen Sinn macht im momentanen Zustand mit der Security zu diskutieren und dass definitiv keine Chance besteht, den Abend im selbigen Club fortzusetzen. Wenn man sich allerdings unauffällig verhält und mit den aufgetakelten Australierinnen um die Wette stöckelt, dann sollte das alles kein Problem sein. So lässt sich das Gewicht dann gekonnt von einem Bein auf das andere verlagern, während man auf dem leicht klebrigen Teppich steht. Den Sinn des Teppichs habe ich noch nicht ganz verstanden. Will man sich das Putzen sparen? Das Fannys kassiert von den Studenten in der Regel 5 Dollar.

3.     Finnegans (http://www.finneganshotel.com.au/): Das Finnegans ist meiner Meinung nach die eleganteste Variante der Clubs, die ich in Newcastle bis jetzt besucht habe. Es erstreckt sich auf zwei Etagen, wobei man zwischen 3 verschiedenen Musikräumen wählen kann. Auch wenn die Musik hier eher wieder dem Geschmack der breiten Masse folgt, kann man sich immerhin zwischen unterschiedlichen Massen entscheiden. Um mit den Australierinnen zu konkurrieren, sollten die ganz kurzen Röcke oder Glitzer-Kleidchen und die ultrahohen Schuhe im Reisegepäck eingeplant werden. (Habe ich dummer Weise vergessen!) Man übertreibt hier gern etwas. Ich wurde das letzte Mal von meiner männlichen Begleitung über die unterschiedlichen Erscheinungsbilder der Damenwelt weitergebildet – sehr amüsant! Wir fanden die Varianten „völlig uninteressant“, „sexy aber billig“, „sexy ohne billig“ (allerdings eher die Minderheit) und „billig ohne sexy“- die unschlagbare Mehrheit. Mit diesem Wissen wurde mir eine ausgesprochene Machtposition verliehen! :D Ok, Schluss mit dem Gespinne. Bei den Männern ist die Kleiderwahl eigentlich egal und rangiert von Schlabberlook bis zum schnieken Anzug. Nur mit kurzen Hosen hat man im Finnegans keine Chance. Denn dann heißt es wieder: Lasst uns ins Fannys weiterziehen – die Rettung in aller Not. Ansonsten ist das Finnegans wohl der Club, wo man die längste Zeit mit Anstehen verbringen darf, da er auch beim Rest der Newcastler Bevölkerung (viele Studenten) wohl auf Zustimmung zu stoßen scheint. Deshalb: The early bird catches the worm!

4.     Cambridge Hotel (http://www.yourcambridge.com/): Das Cambridge Hotel ist ein wenig alternativer als der Rest, verkauft nicht empfehlenswerte Cocktails und Bier für nahezu unschlagbare und studentenfreundliche 5 Dollar und erweitert die Musikszene um den klassischen Mix aus durchschnittlichen Radio-Electro-Hip-Hop und rockigen Events mit Liveband. 

Sicherlich gibt es noch mehr Adressen, die in Newcastle auflauern, gerade auch für Freunde der handgemachten Gitarrenmusik aus der Rockschublade.  Ich als Freundin der guten, gediegenen elektronischen Tanzmusik vermisse den Klang der talentierten deutschen DJs ein wenig, aber man kann auch hier gute Partys feiern, wenn man den musikalischen Anspruch ein wenig nach unten regelt.

In jedem Club gibt es übrigens kostenlos Wasser an den Bars – für den Fall, dass man sein Getränk spontan gegen eine nüchterne Erfrischung eintauschen oder den beim Tanzen ins Ungleichgewicht gebrachten Wasserhaushalt mit der alkoholfreien Variante ausbalancieren möchte. Wenn man unter der Woche nach dem Ausgehen noch den Heimweg antritt, dann sollte man sich lediglich auf die Bahn verlassen, gerade wenn man auf dem Callaghan-Campus oder in den umliegenden Suburbs seine temporäre Unterkunft gefunden hat. Endstation ist dann jedenfalls der Unibahnhof.  Mit ein bisschen Glück wird man von der sehr netten und hilfsbereiten Campussecurity  aufgesammelt und bis vor die Haustür gefahren.

Wer ein wenig stilvoller weggehen möchte, dem empfehle ich unbedingt Sydney. Von Newcastle aus ist man für knapp 9 Dollar in nicht einmal 3 Stunden mit regelmäßig fahrenden Zügen in einer der schönsten Städte Australiens angekommen. Es lohnt sich auf jedem Fall. 

Annegret Franzl zuletzt bearbeitet am 16.05.2012