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Final Countdown

Auch bei mir neigt sich das australische Semester nun so langsam dem Ende entgegen. Nächste Woche darf ich dann den letzten newcastlischen Vorlesungen beiwohnen und noch ein paar „assignments and assessments“ einreichen. Es wird also noch einmal stressig. Direkt im Anschluss wartet dann auch schon der Prüfungszeitraum auf mich. Ich muss sagen... Das wird wahrscheinlich die Zeit, die mich am wenigsten stresst... keine Hausaufgaben abgeben, keine Designprojekte mehr fertigstellen... alles, was übrig geblieben ist, sind zwei Klausuren, diesmal allerdings ohne Multiple Choice... dafür allerdings mit einer super Themeneingrenzung. Als meine Professorin anfing, ihre Klausur feierlich zu umrahmen, habe ich mich kurzzeitig doch ein bisschen wie Weihnachten gefühlt. So etwas Nettes machen meine deutschen Professoren nie. Wenn es da heißt „Fragenkatalog“, dann kann man den selbigen auch mit der Überschrift „Lerne alles außer zwei halbe Seiten aus dem Skript“ versehen.

 

In den letzten Wochen hat sich bei mir doch noch einiges ereignet. Ich habe es endlich geschafft, mich mal nach Sydney zu bewegen. Eine Reise, die sich auf jedem Fall lohnt und die nach Wiederholung schreit - eindeutig.

Für 8 $ und ein paar Cents setzt man sich in den Zug und fährt knapp 3 Stunden zum „Place to be“ – fairer Deal, würde ich sagen.

Angekommen in Sydney fällt einem doch tatsächlich auf, dass die Stadt lebt - oder anders ausgedrückt – anders lebt als Newcastle. Ich weiß jetzt zumindest, wo sich all die hübschen australischen Surferboys, die sich tagsüber in ihre schicken Businessanzüge einpacken, verstecken.

Ich habe mein Wochenende bei sehr, sehr lieben Bekannten verbracht, die vor einigen Jahren den Entschluss gefasst hatten, Deutschland zu verlassen und gegen ihre neue Wahlheimat Sydney einzutauschen. Jetzt kann ich das auch verstehen... Wenn man Teil des australischen Ökosystems und des australischen Einkommensniveaus ist, dann lässt es sich hier auf alle Fälle richtig gut leben.

Und dann machte ich ein ganzes Wochenende genau das, was wahrscheinlich jeder Tourist macht, wenn er sich das erste Mal in Sydney befindet: das Opera House und die Harbour Bridge anschauen, das Sydney Aquarium besuchen und sich über Haie und bunte Fischlein in Korallenwelten freuen, mit der Fähre zum Manly Beach schippern, ein paar nette, kleine Märkte besuchen, den Abend in einem Pub verbringen und sich einfach die bezaubernde Stadt anschauen.

Die beiden größten Highlights tauchen allerdings noch nicht in der Aufzählung auf. Das erste größte Highlight: Gegessen wurde – wie es sich ganz traditionell in einer australischen Großstadt  gehört –  ein deutscher Flammkuchen dekoriert mit deutschem Hefeweizen im „Löwenbräu“. Großartig!

Auf dem Heimweg von Sydney kamen wir noch am „Australian Reptile Park“ vorbei. Ich mag ja Reptilien jetzt nicht so. Deshalb war ich überglücklich, dass neben den bissigen, klitschigen und giftigen Handtaschenvorlagen und Menschenfressern auch schöne, flauschige Tiere wie Wombats (meine absoluten Favoriten, da ihr Leben einfach sorglos aus Fressen und Schlafen besteht und sie an Faulheit wohl kaum durch etwas oder jemanden zu überbieten sind), Koalas (um dem ganzen ein wenig Ausdruck zu verleihen: "Koalas sind keine BÄREN!" - hat der Ranger gesagt) und Kängurus zu begutachten waren. Die Kängurus hüpfen auch einfach frei durch den Park und lassen sich von unzähligen nervigen Touristen auch gern betätscheln und sich so schnell nicht aus ihrer australischen No-worries-Ruhe bringen. Ich gehörte auch zu den nervigen Touristen. Auf die Spinnen und Frösche im Park hätte ich ebenfalls verzichten können. Ich war mit dem Wombat schon mehr als zufrieden. Und jaaaa... auch das musste ich auch einfach mal anfassen, indem ich meine Hand – wie auch immer – durch die Stäbe quetschte.

 

Nun zum zweiten Highlight: Bevor wir im Australian Reptile Park landeten, kamen wir an einer Mischung aus Fleischer und Bäcker in Paramatta, einem Stadtteil von Sydney, vorbei – ein multifunktionaler Familienbetrieb. Allerdings nicht irgendein Fleischerbäcker. Es war ein deutscher Fleischerbäcker, der SCHWARZBROT, Brötchen, Thüringer Bratwurst, Wiegebraten, Leberwurst... verkauft. Mein Sonntagmittag bestand also aus Wiegebraten in Brötchen am Strand, während mir die Sonne ins Gesicht schien und eine frische Windprise meine Haare in eine Sturmfrisur verwandelte.  

Ich hatte also in der Folgewoche die aufgezählten Raritäten nur für mich allein! Ihr glaubt gar nicht, wie man auf einmal Schwarzbrot zu schätzen lernt, wenn man sich monatelang von Toast ernähren muss. Zuhause hätte ich das Brot wahrscheinlich allerspätestens Donnerstag nicht mehr angerührt, weil seine Konsistenz einem Stein schon recht ähnlich war. Aber es ist förmlich unglaublich, was ein Toaster da noch retten kann... :D Jedenfalls hatte ich eine ganze Woche Essspaß mit meinem tollen Schwarzbrot und meiner deutschen Wurst. :)

 

Letztes Wochenende kam eine zehnköpfige Reisegruppe aus überwiegend deutschen Studenten zusammen, um sich im Hunter Valley mit der Qualität australischer Weine auseinanderzusetzten. Man muss sagen, sie haben diesen Test bestanden.

Abgeholt wurden wir mit einem vorher gebuchten Bus, der uns direkt in gepflegtes Kleinstadtidyll, das in den Farben des Herbstes getaucht war, entführte. Dieser brachte uns dann auch immer wieder zu den einzelnen Stationen (Wein – Wein – Olivenöl/Essig – Wein – Käse – Schokolade – Wein – Bierbrauerei). Der Tag begann gebührend in der ersten Winery mit einem Schlückchen Champagne und führte uns ein in einen Tag gefüllt mit purem Weingenuss. Irgendwie war dann allerdings nicht nur der Tag gefüllt mit Weingenuss. Es wurde jedenfalls von Winery zu Winery lustiger. Auf alle Fälle weiß ich jetzt, warum man bei Weinproben den Wein nach dem ersten oder zweiten Probeschlückchen wegkippt und nicht jedes Mal das Glas leert. Aber irgendwie war mir der Wein zu schade zum Wegschütten... Ich meine, jede einzelne Flasche hat immerhin 16 – 45 Dollar auf den Zähler gebracht... Das kippt man doch nicht einfach weg... Aber bei knapp 40 verschiedenen Weinen sollte man doch ab und an in Erwägung ziehen, sich vom einen oder anderen Gläschen zu verabschieden. Ein Wein, der in allen Weinkellereien immer wieder auftauchte und auch immer wieder anders schmeckte, war ein besonders dunkelroter, trockener Shiraz. Die Trauben scheinen hier in Australien fast unverwüstlich zu gedeihen, was nicht heißt, dass der Wein nicht geschmeckt hat. Ich als alter Weinkenner kann die Weine leider allerdings nur nach rot, rosé und weiß und nach „schmeckt“ oder „schmeckt nicht“ unterscheiden! Wenn ich mir ganz viel Mühe gebe, schaffe ich es noch, einen trockenen und einen süßen Wein auseinanderzuhalten, wobei „süß“ dann meist auch in die Kategorie „schmeckt nicht“ eingeordnet wird. Mir fiel auf, dass ich für meine Verhältnisse äußerst wenige Weine gar nicht mochte, was auch erklärt, dass ich schön fleißig jedes einzelne Probegläschen leerte. Zuhause sieht das meist anders aus mit der Anzahl der Weine, die ich nicht mag, obwohl ich nie wirklich billigen Wein kaufe. Auf das Bier hatte ich dann am Ende des Tages jedenfalls keine Lust mehr und der Kopf war auf der Heimfahrt leider auch nicht mehr mit der Leichtigkeit einer Feder zu vergleichen. Deshalb verbrachte ich meine Heimfahrt dann auch eher komatös schlafend als hellwach. Aber schön war’s trotzdem, abgesehen von den Steinen, die mit jedem Glas Wein in meinen Kopf geschaufelt wurden!  Für den besonderen Anlass stehen nun auch noch zwei heilige Flaschen als Andenken in meinem Zimmer.

Jedenfalls sollte man sich die Weintour auf keinem Fall entgehen lassen.

 

 

 

Annegret Franzl zuletzt bearbeitet am 25.05.2012