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Ein Ausflug nach Melbourne und zur Great Ocean Road

Heyho nach Deutschland,

 

der Prüfungszeitraum liegt nun endlich hinter mir… die Freiheit heißt mich also willkommen. :o)

Meine Nachmieterin hat auch schon mein Zimmer so gut wie okkupiert, sodass ich 3 Wochen, bevor ich Australien verlasse, sogar noch einmal innerhalb des Hauses umziehen musste. Sehr verrückt alles.
So langsam fängt also dir Uhr an zu ticken... Aber nicht nur die Uhr sagt mir, dass es langsam Zeit ist, die Segel zu streichen... Nein... auch der Blick auf meine Ersparnisse wird immer beunruhigender. Australien ist alles in allem schon eine recht geldintensive Angelegenheit, vor allem wenn man mehr als nur Studieren möchte. Dessen sollte man sich auf alle Fälle bewusst sein.

 

Zwischen meinen beiden letzten Klausuren hatte ich 2 Wochen Zeit, sodass ich mich spontan entschied, eine gute Freundin zu besuchen, die gerade ihr Auslandssemester in Melbourne verbringt.

Für unglaublich günstige 90 Dollar hatte ich bei Jetstar einen Returnflight ergattert, der mich vom Newcastler Airport nach Melbourne (und ein paar Tage später auch wieder zurück) verfrachtete. Das Einchecken bei Jetstar war das Unkomplizierteste, was ich in meinem Reiseleben erlebt hatte. Ich als Reisender mit deutscher Staatsbürgerschaft bin dann schon andere Sicherheitszeremonien gewohnt. Natürlich war ich vorbereitet und hatte keine größeren mit Flüssigkeiten gefüllten Gegenstände in meinem Handgepäck und alles andere schön ordentlich in verschließbaren Tütchen verstaut. Am Sicherheitscheck angekommen, interessierte sich dafür wirklich kein einziger Mensch.

So wie ich den Rucksack auf das Fließband geknallt hatte, rollte er am anderen Ende auch wieder heraus. Keiner interessierte sich für meinen bombenzündenden mp3-Player oder meine noch viel gefährlichere Kamera. Keiner nahm mir meine überlebenswichtigen Schönheitsutensilien auseinander. Nicht einmal der sonst gern piepsende Sicherheitsrahmen gab ein Geräusch von sich. So langweilig und komfortabel zugleich können Sicherheitschecks sein. Danke, Australien, für diese Erfahrung!

Eingecheckt hatte ich schon vorher – wie es sich für coole Menschen, die in der Moderne angekommen sind, gehört – mit meinem Smartphone. Ich hatte Premiere. Sonst gehe ich immer ganz oldschool mit meinem Papierwisch zum Check-in.

Nicht aber hier. Ich marschierte direkt mit meinem Handy zum Gate. Auch hier war ich wieder bestens vorbereitet und trug meinen deutschen Reisepass schon mal schön sichtbar und "ready for take off" vor meiner Nase umher.

Enttäuschenderweise wollte auch den keiner sehen.

Man schnappte sich mein Telefon, hielt es in einen Scanner, gab es mir ganz unspektakulär wieder zurück und schickte mich ins Flugzeug. Ich hätte also auch Jaqueline-Mandy Müller mit einem geklauten Smartphone-Ticket sein können - mit Vorhaben, die Maschine unter meinen Besitz zu bringen, und keinen hätte es auch nur annähernd interessiert.

Ja, die Australier glauben noch an die Ehrlichkeit der Menschheit.

Ein wenig übermüdet vom Lernmarathon der letzten Prüfungsnacht ohne Schlaf war ich einfach nur froh, dass ich endlich meinen Rucksack neben die anderen Taschen stopfen konnte – im Gegensatz zum Check-in eine kleine Herausforderung für sich – und meinen reservierten Sitz erobert hatte – fühlte sich in etwa so flauschig an wie ein Stück Holz - und mir die Augen quasi von ganz allein zufielen.  Während meines Fluges schien verrückterweise zwischen 6 und 7:30 Uhr die Sonne aufgegangen zu sein. Es war zumindest hell als ich in Melbourne ankam und die Sonne verblendete mir meine sich noch im Tiefschlaf befindenden Augen und erleuchtete mein schlafzerknittertes Gesicht.

Ich fand es ziemlich schade, dass ich nicht von einem netten Stewart mit Kaffee und Flugzeugfrühstück geweckt wurde. 

Vom Melbourner Flughafen fahren dann rund um die Uhr Busse ins Stadtzentrum (Southern Cross Station) – 28 $ für das Returnticket.

 

Und was soll ich zu Melbourne sagen...

Es war einfach toll! Melbourne erinnert mich vom Flair her ein wenig an Berlin. Die Menschen sind stilsicherer als in Newcastle und easy-going, die Stadt an sich eine wunderbare Mischung aus vielen tollen neuen Gebäuden und Geschichte. Die Möglichkeiten, sein Geld an allen Ecken und Enden aus dem Fenster zu werfen, sind doch recht groß, vor allem für Shopping-Victims... ;)  

Melbourne ringt mit Sydney um den Titel der kulturell und ökonomisch bedeutendsten Städte Australiens und das mit Recht. An Sehenswürdigkeiten, Museen und anderer kulturellen Errungenschaften mangelt es der Stadt jedenfalls nicht.

Durch das Zentrum bewegt man sich am besten mit der kostenlosen Circle-Tram, die sich ihren Weg entlang wichtiger Sehenswürdigkeiten bahnt, darunter das Parlamentsgebäude, die altehrwürdige Flinders Street Station, der Hafen, oder eine der vielen anderen Straßenbahnen, Bussen, Zügen oder einfach zu Fuß. Das System ist recht einfach. Man kauft sich eine Myki-Card, lädt Geld auf und nutzt die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Myki-Card entscheidet dann nach der letzten Fahrt des Tages von allein, ob es sich lohnt eine Einzelfahrt zu berechnen oder ob das Tagesticket doch günstiger ist.

An einem Abend ging es für mich auf den Eureka-Tower, um Melbourne vom zweithöchsten Wolkenkratzer Australiens aus knapp 300 Metern Höhe zu bewundern. Das sollte man einfach auf seine To-do-Liste setzen, wenn man in Melbourne ist. Der Ausblick ist einfach atemberaubend.

Ganz nebenbei lässt es sich in Melbourne auch gut Feiern – vom Pub, über gemütliche und moderne Bars mit Livemusik, bis hin zum Club ist in Melbourne alles vertreten. Und ich durfte das erste Mal in Australien gute elektronische Tanzmusik fernab des Radiomainstreambreis hören.

 

Von Melbourne aus bietet es sich natürlich auch an, die Great Ocean Road zu besichtigen. Mit einem Mietwagen tourten wir also für einen Tag los, um uns diese australische Naturschönheit nicht entgehen zu lassen. Bei Hertz hatten wir uns ein 40 $-Schnäppchen ergattert. Nachdem wir dann allerdings auch noch versichert unterwegs sein wollten, war vom Schnäppchen leider nichts mehr übrig geblieben und der Wagen auf einmal doppelt so teuer.

Unser erster Stopp führte uns in das 185 km von Melbourne entfernte Apollo Bay in ein recht unscheinbares Café. Dort gab es dann mein erstes australisches Pancake-Frühstück und einen guten Kaffee. Das Bay Leaf Café - ich bilde mir zumindest ein, dass es der Name des Cafés ist – war an sich optisch wirklich nicht besonders schön, aber sowohl Pfannkuchen mit Ahornsirup, Erdbeeren und Vanilleeis als auch Cappuccino haben alles wieder gut gemacht. Danach schlängelten wir uns die kurvige Great Ocean Road entlang (ich fühlte mich manchmal ein wenig wie Sebastian Vettel on tour) , hielten hier und da mal an und genossen den Ausblick, ließen uns den Wind um die Ohren brausen und bahnten unseren Weg weiter zu den Attraktionen. Ich meine damit die 12 Apostel, die London Bridge und einige andere wunderschöne Steinformationen im Ozean. Weitere 60 km Weg lagen noch vor uns – 60 km, die man nicht in Autobahntempo sondern schön schneckig-gemütlich entlang des Ozeans und durch den Wald auf einer Straße mit tausenden Kurven zurücklegte.

 

An den 12 Aposteln angekommen sahen wir dem größten Problem des Tages ins Auge: Wie kriegen wir ein ordentliches Foto von uns beiden MIT den 12 Aposteln?


Da Selbstportraits immer recht suboptimal sind, versuchten wir unser Glück mit einigen der zahlreichen Touristen auf der Aussichtsplattform.

 

Die Asiatin, die wir fragten, wollte unser Bild mit Peace-Fingern ein wenig aufpimpen. Wie wir später beobachteten, ist das in großer Mode bei asiatisch geprägten Fotoshoots. Die Tatsache, dass nicht nur die 12 Apostel sondern auch wir nicht ganz bescheuert aussehen wollten, überforderte allerdings die Fotografin ein wenig. Von der vom Wind verwehten Haarbracht, die sich über die Gesichter legte, bis hin zum grinsendes Mondgesicht hatten wir auf alle Fälle eine Bandbreite von nicht zu gebrauchenden Bildern. Das mit den Peace-Fingers ließen wir übrigens schön bleiben – es hätte allerdings von den Gesichtern abgelenkt.

 

Der Amerikaner traf unsere Gesichter wirklich super. Allerdings schienen die Steine im Hintergrund für ihn ein wenig überbewertet, sodass das Bild wirklich nur durch unsere Gesichter und dem mittlerweile eingetrübten Himmel verziert wurde.

Ich danke an dieser Stelle für die schlauen Menschen, welche die Digitalkamera entwickelt haben.

 

Wenigstens war auf die Europäer Verlass. Ein netter Herr aus dem europäischen Norden schaffte es nach unzähligen vorangegangen Fehlversuchen, in kürzester Zeit einen akzeptablen Moment von unseren Gesichtern und den 12 Aposteln im Hintergrund auf das Foto zu zaubern.

 

Nachdem wir uns noch ein wenig weiter über die Great Ocean Road von Steinformation zu Steinformation hangelten, mussten wir dann leider auch so langsam den Heimweg einleiten.

 

Alles in allem hatte ich wunderbare Tage in Melbourne. Wenn ich es mir noch einmal aussuchen könnte, dann würde ich wahrscheinlich auch lieber in Melbourne studieren. Das Leben dort ist einfach ein anderes als in Newcastle. Wahrscheinlich bin ich auch so beeindruckt von Melbourne, weil es mich irgendwie an Berlin erinnert. Für mich ist Melbourne jedenfalls die schönste und vielfältigste Stadt, die Australien zu bieten hat (von denen, die ich bisher gesehen habe). 

 

An dieser Stelle auch noch einmal vielen lieben Dank an meine Gastgeberin, die mich so lieb aufgenommen, umsorgt und durch Melbourne geführt hat! Es war einfach großartig! :) 

Annegret Franzl zuletzt bearbeitet am 24.06.2012