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let the crashing begin

Hallo Leute,

die ersten paar Unitage sind rum, Kurse stehen soweit fest und ich würde fast sagen, ich habe mich so langsam am Campus eingelebt. Wie bereits im vorherigen Post erwähnt, gibt es hier an der UCSD keine Schonfrist, sondern es wird gleich ins Geschehen eingestiegen.

Ich hatte ja beschrieben, wie das mit der Kursbelegung aussieht, und zwar, dass die Kurse eben gecrasht werden müssen, und davon mehr als nur seine drei Favoriten. Ist ein Kurs mit regulären UCSD Studenten besetzt, hat man eben Pech gehabt. So ging es also Donnerstags los und ich hatte mir ein straffes Programm zurecht gelegt...straff vor allem auch daher, dass es meistens unmöglich ist in der zehnminütigen Pause von A nach B zu kommen auf dem riesigen Campus (Skateboard oder Fahrrad sind hier Gold wert). Los ging es mit Nanomaterials um 8:00AM, gefolgt von Introduction to Graphics and Design, Introduction to Energy Systems, Organizational Leadership, um 1:50PM dann endlich eine kleine Mittagspause, wonach dann noch zwei weitere Kurse bis schließlich 6:50PM gefolgt sind: Engineering Computation Using Matlab und Computer Aided Analysis und Design. Bevor ich euch jetzt hier mit zu vielen Details über die einzelnen Kurse langweile, da manche euch wahrscheinlich gar nicht betreffen, werde ich euch einfach kurz meinen Eindruck durch die Kurse hinweg schildern. Falls ihr aber schon konkrete Pläne habt, ein Quarter an der UCSD zu verbringen, dann könnt ihr euch unter folgendem Link mal durch die Kurse klicken:

https://act.ucsd.edu/scheduleOfClasses/scheduleOfClassesStudent.htm

Nun also zu meinen Eindrücken: In Nanomaterials zum Beispiel, wo ich gleich eine Unterschrift des Professors zum Einschreiben in den Kurs ergattern konnte, wurde einem schnell klar, dass jeder, der hier Dozent geworden ist, sich das schon irgendwo verdient und erarbeitet hat. So hat dieser Prof mal eben von seinem Kumpel erzählt, der den Nobelpreis bekommen hat, obwohl sie teilweise beide am diesem Projekt gearbeitet hatten. Was ich auch sehr beeindruckend fand, war die Tatsache, dass Namen wie Harvard, Berkley, Stanford oder Cambridge fast schon die Regel sind, schaut man sich die Curricula der Profs an.

Den zweiten AHA-Effekt, allerdings in einem anderen Sinne, gab's dann in Graphics and Design, als doch gleich mal das erste - logischerweise unangekündigte - Quiz geschrieben wurde, um die Physik-Grundkenntnisse zu testen. Das kann man sich wie eine Hausaufgabenüberprüfung damals in der Schule vorstellen, kaum zu glauben, aber tatsächlich die Regel in vielen Kursen. Ansonsten musste ich bei manchen Kursen teilweise feststellen, dass sie mir nichts gebracht hätten, weil ich Ähnliches schon zu Hause belegt hatte oder genau das Gegenteil, dass mir teilweise die Grundlage, z.B. einer Software, gefehlt hat. Dennoch war der Donnerstag ein sehr erfolgreicher Tag, da ich mit Energy Systems die zweite Unterschrift schnappen konnte. Leider ist das Procedere, um sich einen Platz zu sichern, von Department zu Department unterschiedlich. So benötigt man am Mechanical & Aerospace Engineering (MAE) Department sowohl Unterschrift, als auch Department Stempel, bei Rady School of Management (MGT) zum Beispiel nur den Stempel. Der Vorteil bei Rady war, dass man sich vorher auf Wartelisten schreiben lassen konnte, die teilweise von der Extension unterstützt wurden, sodass es garantierte Plätze in Leadership, sowie Business Project Management gab. Im letzteren hatte ich es leider aber nur auf die Warteliste hinter der Warteliste geschafft und musste daher abwarten, ob sich ein Spot ergibt. Ich weiß, dieser ganze Kursbelegungsprozess klingt ziemlich kompliziert und unangenehm...ist auch so! Am Anfang waren schon viele verzweifelte Gesichter und hitzige Diskussionen unter den Internationals zu sehen.

Stressiger Prozess hin oder her, am nächsten Tag ging es um 9:00AM weiter: Matlab Programming, Flow and Transport in the Environment, Thermodynamics und schließlich ein Fach, auf das ich mich echt gefreut hatte: Introduction to Aerospace Engineering. Leider war das Interesse an einem Fach nicht der einzige ausschlaggebende Faktor, den man bei seiner Kurswahl in Betracht ziehen musste. Die "Anreise" zum Campus dauert von PB aus ca. 45 - 60 min. Bei der MoMiFr Session hast du jeweils nur 50 Minuten Vorlesung, sodass der zusätzlich Zeitbedarf nur aufgrund der langen Busfahrt einen schon zwei mal drüber nachdenken lässt. Ebenso musste man ein bisschen spekulieren: Wo hab ich den Platz sicher? Wo komme ich vielleicht noch rein? Was wenn doch noch jemand abspringt? Soll ich die Hausaufgaben trotzdem machen, ob ich wahrscheinlich nicht reinkomme? Soll ich mir doch lieber schon mal die Literatur zulegen? (dazu später mehr)...wie gesagt, kein angenehmer Prozess, aber da muss ja nunmal jeder durch, sodass du immer jemanden findest, der sich gerne mit dir über das System aufregt. ;)

Über das Wochenende hatte ich dann genug Zeit, mir die ganze Sache nochmal durch den Kopf gehen zu lassen, während ich an den ersten Hausaufgaben gesessen habe. Und so habe ich mich schließlich für die DiDo Kurse Nano und Energy entschieden, war aber zunächst auch noch in Leadership drin. Dort habe ich jedoch schnell gemerkt, dass ich mir andere Vorstellungen von dem Fach gemacht hatte und daher sehr gespannt der ersten Stunde von Project Management (als Alternative) am Mittwoch entgegen geblickt habe. Das Warten hatte sich letztendlich auch definitiv gelohnt, da mich dieses Fach echt komplett überzeugt hat. Am nächsten Tag kam dann auch die gute Nachricht, dass nicht alle den Project Management Kurs antreten und ich somit nachrutsche. Nachdem ich mir dann den dritten und letzten Stempel geholt hatte, meine "Enrollment Cards" bei meinen "Academic Advisern"  der "Extension" abgegeben hatte, ist mir dann auch eine große Last von den Schultern gefallen. Endlich einen Stundenplan, an dem nichts mehr zu rütteln ist, mit Zeiten, mit denen ich leben kann, und mit Fächern, die mich auch wirklich interessieren.

Um die ersten Hausaufgaben, in den jeweiligen Kursen zu erledigen, war es nötig, sich irgendwie die entsprechende Literatur, an der sich der Kurs orientiert, zu besorgen. Anders als in Deutschland gibt es keine Skripte und in der Regel auch keine hochgeladenen Powerpoint Slides, sondern ein Buch, an dem Kurs aufgezogen ist. Jetzt aber der eigentliche Haken an der Sache: in Project Management zum Beispiel kostet das Buch schlappe 220$, in Energy 150$, in Leadership hätte es einen Reader für 160$ gegeben, den die Dozentin mit verschiedenen Artikeln und Auszügen zusammengestellt hat. Da kommt schon Einiges zusammen, vor allem wenn man bedenkt, dass es auch Dozenten gibt, die gerne mal drei Bücher verwenden. [Ein weiteres Kurswahl Kriterium!] Eine gute Alternative ist hier die Langzeitleihe entweder vom UCSD Bookstore (was unter uns mehr einem Merchandise Shop eines Sportclubs ähnelt) oder Amazon, die das auch anbieten. So konnte ich das Management Buch für die Hälfte und das Energy Buch sogar für nur 30$ bekommen. Um die Zeit bis zur Anlieferung überbrücken zu können, haben die meisten Profs für ihre Literatur ein "Soft Reserve" in der Bibliothek eingerichtet, sodass man sich eins der zurückgelegten drei für drei Stunden ausleihen darf.

Nach einigen Tagen im regulären Unibetrieb und mit etwas Abstand von dem "Course Crashing Stress" kann ich echt sagen, dass ich zufrieden bin mit meiner Kurswahl, auch wenn die Kurse keineswegs weniger stressig sind als andere. So gab es auch in Project Management mehrere Kapitel zum durcharbeiten, ein Essay in Nanomaterials und in Energy steht nächste Woche schon das erste Midterm Exam an. Wie gesagt, bei Quartern gibt es keine Schonfrist!

 

PS: Sollte euch die Library links im Bild an was erinnern, schaut euch doch einfach nochmal die letzte halbe Stunde von Inception an.

Heart of UCSD: The Geisel Library

Tim Linnenweber zuletzt bearbeitet am 17.10.2014