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Der Morgen danach

So, auf dem Bild könnt ihr sehen, wie ein Auto, das sich, Zitat "at least 4 times" überschlagen hat, aussieht. Und wir erinnern uns, Linksverkehr, die eingedrückte Seite IST die Fahrerseite. Gott sei Dank war nur ich drin, wenn ich mich selbst verletze, ists einigermaßen ok, andere mit reinzuziehen wäre schlimmer gewesen. Meine Meinung. Naja, gebrochenes Handgelenk (NATÜRLICH rechts), 3 gebrochene Wirbel, Platzwunde am Kopf, aber das ist alles gewesen.Glück im Unglück.

Julia ist ja am Tag vorher abgereist, das hatte ich noch berichtet, richtig? Ich hatte diese ganzen wunderbaren Pläne, und ich bin noch herumgefahren den Tag und habe mir die Umgebung von Cooktown angesehen, habe Mt. Cook mit einer Dame erklommen, die ursprünglich aus Österreich war und die wir am Tag vorher kennengelernt hatten. Wir waren in einer Kurve stehen geblieben, um einen Einheimischen nach dem Weg zum Strand zu fragen, der uns dann seine ganze Lebensgschicht erzählt hat. Irgendwie süß, haha ^^ Sie hat uns dann dafür gescholten (richtigerweise), dass das gefäährlich ist. Habe sie dann nachdem Julia weg war, iedergetroffen am Berg und wir sind gemeinsam hoch und haben uns nett unterhalten. Wunderschöne Aussicht :) Ich hab bei dem netten Pärchen übernachtet aufm Campingplatz, die mir bei der Reparatur geholfen haben.

Das hier können wir allerdings nicht mehr wieder hinlriegen, das Auto ist hin. Ich bin im Lakefield National Park verunglückt, nachdem ich n paar Wasserlöcher angeschaut habe, nicht besonders beeindruckt war, mit ner Gruppe Motorradfahrer herumgefahren bin, was super Spaß gemacht hat. Und dann wollte ich nur noch raus aus dem Park - aber dazu ist es nicht gekommen. Ich kann mich nicht erinnern, was passiert ist, mein Auto ist aus irgendeinem Grund nach links gefahren (Reifen geplatzt? Tier auf der Straße? Eigene Blödheit? Wenn ich eins von mir vorher behauptet hätte, ist es, dass ich Auto fahren kann. Auch wenns ne Gravel Road war. Ich liebe Auto fahren. Ich bin super ungeduldig und hasse alle Idioten um mich herum, während ich selbst vermutlich das größte A****** bin. Aber ich hab KONTROLLE über mein Auto, immer gehabt. Beim Fahren kann man so schön alles um sich herum vergessen, nur auf die Straße achten, Musik hören und an nichts denken außer and ie nöchste Kurve, den nächsten Huckel, die vorbeiziehende Landschaft. Ich bin froh, dass sich meine Haltung hier nicht geändert hat, auch wenn ich, als ich vor 2 Wochen nochmal hochgefahren bin zum Wrack um meine Sachen zu holen, und in einer anderen Situation Gravel Road fahren musste, einen Nervenzusammenbruch nach dem anderen hatte. Normale Straßn machen mir zum Glück nicht aus. Eigene Blödheit möchte ich jedenfalls als Grund ausschließen, aber ich hab wirklich keine Erinnerung mehr. Ist vielleicht auch besser so.)

Das Auto ist also nach links gefahren, und die Straße hatte natürlich keine Leitplanken oder so, sondern war leicht erhoben und ging deshalb zu beiden Seiten gut, sagen wir, 40cm in die Tiefe. Um nicht abzukommen, oder vielleicht, um wieder auf die Straße zu kommen, keine Ahnung, hab ich nach rechts gegengelenkt, zu weit. Versucht, wieder zu korrigieren, und in der Kurve nach links weiß ich nur noch, wie das Auto gekippt ist, und der Boden auf mich zukam. Wer jetzt denkt, in den letzten Sekunden vorm sicheren Tod gehen mir spannende Gedanken durch den Kopf, irgendwelche Erleuchtungen oder "mein Leben zieht an mir vorbei§", den muss ich enttäuschen. Es war irgendwas im Sinne von "Sch****, und du dachtest immer, die ganzen Hollywoodfilem und Alarm für Cobra 11 übertreiben mit umgekippten Autos etc. Tja, jetzt kannst du dich nicht mehr drüber lustig machen. (Ja, ernsthaft. JETZT KANNST DU DICH NIE WIEDER DARÜBER LUSTIG MACHEN. Was zu Hölle, Gehirn?!) Und: Nicht zu ändern, Augen zu und Kopf einziehen.TOLLER TIPP.

Ich wurde ne halbe, 3/4 Studne später wieder wach, als Helfer mich gefunden hatten und mich da raus geholt haben. Natürlich sind die ganzen Tomatensoßen explodiert, weshalb die n doppelten Schrecken erlitten hatten - die dachten, das sei alles Blut. Aber bis auf die Schramme seitlich am Kopf unde n paar Schürfwunden gings mir echt erstaunlich gut. Ich hab mich zwar fast zu Tode erschreckt, als ich das Dach direkt über meinem Gesicht gesehen hab, so eingedrückt, wie das war, und auch ich dachte, die Tomatensoße sei Blut, aber ich konnte selbst aus dem Wrack klettern, trotz stechender Rückenschmrzen (Gott sei Dank nur gebrochene Wirbel und nicht querschnittsgelähmt. Das ist und war meine größte Angst (Auch wenn ich - schön nach deinem Vorbild, Salka - ungefähr 20 mal nach meinen Zähnen erkundigt habe, weil "My dad's a dentist, and THAT would really freak him out." Mhm, weil, Autounfall hin oder her, ist ja unerheblich, Hauptsache meine strahlend weißen Beißerchen sind ok. Ohne mein perfektes Lächeln könnte ich im Leben ja nichts erreichen. Genau.)

Ich wurde dann mit Morphium vollgepumt (oder schon vorher? Lass uns sagen, vorher, dann kann ich diese Gedankengänge auf die Drogen schieben), nach Laura gefahren, oder Lakeland, keine Ahnung, und nach Cairns geflogen. Das Krankenhaus ist nur zu empfehlen, wenn man von der mangelhaften Kommunikation zwischen den Ärzten absieht (meine beiden - ?! - Handgelenke wurden 4mal geröntgt, in wahnwitzigen Stellungen, mit denen der Arzt nichts anfangen konnte. Logik?) aber die Schwestern waren super nett, wirklich Riesen Lob, haben sich um die Kommunikation mit meinen Eltern gekümmert, mir neue Kleidung besorgt (mein Kleid, mein supertolles Lieblingskleid wurde aufgeschnitten, noch im Krankenwagen. Ich muss zugeben, das hat mich in dem Moment wirklich aufgeregt und NOCH mehr zum Heulen gebracht. Gerade dem Tod entkommen, hey, aber ein kaputtes Kleid ist natürluch der Weltuntergang. Ich schiebs erneut auf die Schmerzmittel :D von denen ich übrigens durchgehend brechen musste, deshalb wurde ich auf Oxycodon umgestellt. Nehmt NIEMALS Oxycodon!! Depressionen, Müdigkeit, Schlappheit, Antriebslosigkeit, Motivationstiefs ahoi. Ich war zu nichts mehr zu gebrauchen, tagelang, wochenlang. Uni? Egal. Dieser Blog? Egal. Essen? Egal. Sonne? Freunde? Familie? Bloß nicht!!

Naja, ich wurde am Dienstag eingeliefert und durfte Sonntag das Krankenhaus verlassen, nachdem ich ein paar Tage lang Gedächtnistests bestanden hatte. Ich hatte mich am Unfallort weder ans Datum erinnern können (ich könnte euch das heutige Datum auch nicht agen, wenn mir nicht vor 2 Tagen eingefallen ist, dass meine Mutter morgen Geburtstag hat :D Ehem. Hi Mama :P ) und ich hab den Helfern tierische Angst eingejagt, indem ich wohl wiederholt gefragt habe, wo denn meine Freundin sei, bis ich mich wieder erinnern konnte, dass sie mich ja am Tag vorher verlassen hatte. Also Gedächtnistests.Bestanden.

Die JCU hat wunderbare Mitarbeiter, in Cairns wi auch in Townsville, die sich darum gekümmert haben, dass ich wieder nach Hause komme. Allerding hatten der Unfall, wie auch die Medikamete etc. mich ganz schön aus der Bahn geworfen, auch wenn ich das am Anfang nicht ganz wahrgenommen hatte. Inzwischen hat sich eigentlich alles wieder soweit eingerenkt, ich berichte die nächten Tage ne Menge. Allerdings bin ich momentan nicht mehr in Townsville, sondern in Whyanbeel, direkt am Daintree Rainforest, und hier hat man KEINEN Empfang. Nur super schlechtes WLAN im Haupthaus. Ich geb mein Bestes und versuche, trotzdem alles aufzuschreiben und zu posten. Mit meinem halb zerstörten Laptop, dessen Bildschirm zu 2/3 den Geist aufgegeben hat und dessen Tastatur und Touchpad nur noch sporadisch funktionieren. Was besser als mein Handy ist, dessen Glas überlebt, aber dessen Touchscreen darunter gesplittert ist, gerade, als ich das Überhitzungsproblem gelöst hatte. Kaputtes Auto, kaputte Laptops (Ja, Mehrzahl!), Handys (Ja, Mehrzahl!), Ladegeräte (Ja, ... ich lass es gut sein), meine ganzen Sachen im Wrack 700 km weit weg, was soll da noch schief gehen, mh? Ne ganze Menge. Wie gesagt, ich berichte fleißig.

RIP

Kaja Wilhelm zuletzt bearbeitet am 06.11.2015