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Vorlesung, Übung, Tutorien - Vergleich und Fazit

Hallo Leute,

unglaublich wie die Zeit vergeht. Letzte Woche hatte ich meine letzte Vorlesung. Jetzt beginnt die Zeit der Lernerei für die Abschlussklausuren. Heute möchte ich Euch von meinen Erfahrungen mit dem australischen Uni-System berichen.

Das australische Uni-System ist in vielerlei Hinsicht unterschiedlich zum deutschen Uni-System. Bei uns läuft es fast immer nach demselben Muster ab. Man hat eine Vorlesung (plus evtl. Übungen oder Tutorien) und am Ende des Semesters wird eine Klausur geschrieben, die fast immer zu 100% die Endnote bestimmt. An der University of Western Sydney und auch an allen anderen australischen Universitäten ist das anders. Hier kann man schon einen Großteil seiner Endnote während dem Semester erreichen. Es ist üblich, dass der Anteil den man während dem Semester erreichen kann bei etwa 40% liegt. Teilweise kann auch ein ganzer Kurs während dem Semester durch Hausaufgaben und Projekte abgedeckt werden, sodass gar keine Klausur mehr geschrieben werden muss.

Meine Kurse definieren sich folgendermaßen:

  1. Introduction to Law: 40% Assignments - 60% final exam
  2. Criminal Law: 45% Assignments - 55% final exam
  3. Behavioural Finance: 40% Assignments - 60% final exam

 

Arbeitsbelastung:

Allerdings ist die Arbeitsbelastung pro Kurs während dem Semester viel höher (ca. 10 Stunden/Kurs) als in Deutschland. Man muss wirklich konstant für seine Kurse studieren. Auf Grund der Tatsache, dass man in Australien ein Vollzeitstudent mit 3 Kursen ist bzw. 4 Kursen (Regelfall), ist auch der Umfang pro Kurs viel höher als in Deutschland, wo man schon mal 4-8 Klausuren haben kann. Fairerweise muss man sagen, dass man für die Klausuren in Australien nicht mehr so viel lernen muss, da man durch die Arbeit währen dem Semester noch gut im Stoff ist.

 

Struktur:

Wie schon oben angekündigt ist die Struktur ganz anders, wie z.B. die Hausaufgaben und Projekte während dem Semester. Auffällig ist auch, dass manche Kurse keine Vorlesungen haben. Diese werden hier als Onlinepodcasts zum Selbststudium angeboten. Vielmehr Wert wird auf Tutorien und Übungen (2-3 Zeitstunden/Woche) gelegt. Ebenfalls ein wichtiges Kriterium ist die Anwesenheitspflich, die für fast alle Tutorien und Übungen besteht.

 

Lehre:

Bei der Lehre wird großen Wert auf gegenseitiges Miteinander und Respekt gelegt. Die erste Veranstaltung besteht immer aus einem gegenseitigen kennenlernen bevor es in den Semesterbeginn geht. Die Lehrkräfte sind immer freundlich und für ein persönliches Gespräch offen. Die Gruppengröße in den Tutorien liegt immer bei ca. 30 Personen, was mich an alte Schulzeiten erinnert hat. Ein Großteil der Zeit im Tutorium oder der Übung verbringt man mit Gruppenarbeiten. Das fördert den Austausch uns sozialen Kontakt untereinander, was in Deutschland leider oft viel zu kurz kommt. Dadurch kann man in der Uni eine menge neuer Leute und Freunde kennenlernen. Man ist nie auf sich alleine gestell, sondern hilft sich gegenseitig. In den Übungen und Tutorien wir der Stoff aus den Vorlesungen oder Podcasts aufgegriffen und and Problemfragen angewendet.

 

Assignments:

Assignments sind die Hausaufgaben oder Projekte, die man während dem Semester bekommt und die schon einen Teil der Endnote ausmachen können. Die Assignments können sehr vielfältig sein. Ich kann daher nur von meinen Assignments berichten. Der Großteil der Assignments besteht darin Essay (kleine Aufsätze) zu schreiben. Ebenfalls sehr beliebt sind Präsentationen, die die Softskills verbessern sollen. Das ist ein weiterer Punkt, der in vielen deutschen Unis viel zu wenig geübt wird. Für Criminal Law musste ich eine Bail application (Antrag auf Kaution) in einem simulierten Gerichtssaal machen. Das war eine fünfminütige Präsentation mit anschließenden Fragen vom Richter (Lehrperson). Das ganze soll eine praktische Übung sein, die auf die spätere Arbeit als Anwalt vorbereitet. Eine weitere Aufgabe bestand in der Verfassung eines Reports über das austalische Rechtssytem im Gerichtssaal. Dazu haben wir ein örtlliches Gericht besucht und einen halben Tag die Verhandlungen beobachtet. Das ganze zeigt, dass viele Kurse hier auch sehr praktisch ausgerichtet sind und die Therie mit der Praxis verknüpfen.

 

Fazit:

Ich persönlich finde das australische Unisystem sehr gut. Es ist faier, da nicht alles von einer Klausur abhängt an der man mal einen schlechten Tag haben kann. Durch die Assignements und Gruppenarbeiten werden Softskills und soziale Kontakte viel stärker gefördert.

 

Viele Grüße und bis zum nächsten Mal ;)

Abenddämmerung an der UWS

Daniel Wagener zuletzt bearbeitet am 13.11.2013